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Der sechste Sinn II

Ein Unterrichtsplan zum Thema Autismus

(Autor)

Buch | Softcover
38 Seiten
2013
Autismusverlag
978-3-9524076-3-9 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Der sechste Sinn II - Carol Gray
CHF 19,90 inkl. MwSt
Mehr Verständnis für Kinder mit Autismus-Spektrum-Störungen fördern und ein konstruktives Umfeld für diese Kinder schaffen!

Dieser einzigartige und einfach umsetzbare Unterrichtsplan wurde eigens dazu entwickelt, Schülern aus Regelklassen Informationen über Autismus-Spektrum-Störungen zu vermitteln und Verhaltensweisen zu erklären, die vielleicht als beängstigend, seltsam oder unhöflich missdeutet werden können.

Indem die Schüler dazu angeleitet werden, sich mit den fünf Sinnen zu beschäftigen, bietet sich damit den Kindern der perfekte Einstieg in die Erkundung des sechsten, des sozialen Sinns. In diesem Zusammenhang stehen Übungen, in denen es darum geht, sich in die Lage eines anderen zu versetzen. Dies geschieht dadurch, dass die Schüler erfahren, wie sie einschätzen können, was andere Leute sehen, hören, tasten, schmecken und riechen und wie sich dies schliesslich auf ihre Fähigkeit auswirkt, die Gefühle und das Wissen andere Menschen zu erahnen.

Der sechste Sinn II eignet sich für Schüler der Primarstufe im Alter von 7 bis 12 Jahren.

1.Vorwort1
2.Der sechste Sinn II3
Einführung5
Die fünf Sinne im Überblick5
Perspektivenwechsel und der sechste Sinn7
Übung: Perspektivenwechsel auf der Wahrnehmungsebene7
Übung: Perspektivenwechsel auf kognitiver Ebene9
Übung: Perspektivenwechsel auf emotionaler Ebene10
Wie ist es, wenn der sechste Sinn beeinträchtigt ist?13
Wie können wir helfen?14
Zusammenfassung17
3.Antworten auf häufige Fragen18
4.Bibliografie33
Allgemeine Literaturhinweise33
Vorschul- und Primarschulalter33
Oberstufe/Sekundarstufe37

1.Vorwort Im letzten Jahrzehnt ist bei der Diagnose von Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) bei Kindern das Bewusstsein gewachsen, dass diese Kinder vor ganz spezifischen sozialen Herausforderungen stehen. Kinder mit high-functioning Autismus und Asperger-Syndrom sind oft in das allgemeine Erziehungs- und Bildungssystem eingebunden. Im Schulalltag haben sie Mühe, mit den verschiedenen Interaktionen und sozialen Situationen zurechtzukommen. Manchmal fallen sie durch besondere Verhaltensweisen auf, erwecken bei ihren Klassenkameraden Neugierde sowie Verwunderung und/oder Unverständnis. Das Verhalten eines Kindes mit ASS kann sonderbar anmuten: Warum weiß der/die Neue so gut über Dinosaurier Bescheid und wirft mit Fachbegriffen um sich – erwidert aber unseren Gruß nicht, wenn wir „Hallo“ zu ihm/ihr sagen? (…)   Der sechste Sinn II Zielsetzung: Das Verständnis für und die Unterstützung von Klassenkameraden mit ASS fördern. Teilziele: •Die Schüler erkennen, wie uns die fünf Sinne helfen, Informationen zu sammeln. •Die Schüler entwickeln Ideen, wie ein seh- oder hörbehinderter Klassenkamerad unterstützt werden kann. •Die Schüler lernen, wie Menschen erraten, was andere Leute wahrnehmen, wissen oder empfinden. •Die Schüler beschreiben, weshalb unser „sozialer Sinn“ als eine Art „sechster Sinn“ aufgefasst werden kann. •Die Schüler beschreiben, mit welchen Herausforderungen Kinder mit Seh- /Hörbehinderung konfrontiert sind. •Die Schüler erkennen, mit welchen Herausforderungen ein Klassenkamerad fertigwerden muss, dessen soziale Kommunikationsfähigkeit beeinträchtigt ist. •Die Schüler tragen Ideen zusammen, wie ein Klassenkamerad mit Beeinträchtigung der sozialen Kommunikationsfähigkeit unterstützt werden kann. Hilfsmittel: Ein kleiner Gegenstand, der sich zum Verstecken eignet (z. B. Teddybär), Kreide, Wandtafel oder Tageslichtprojektor Große Fotos oder Zeichnungen von Auge, Nase, Mund, Ohr, Hand; Fotos von Kindern, die Sportarten ausüben und/oder Fotos, auf denen Grundemotionen erkennbar sind. Dauer: Eine bis zwei Stunden. Es werden einige Listen und Tabellen erstellt – wischen Sie diese nicht weg, solange die Lektion noch nicht beendet ist. Wichtiger Hinweis: Besprechen Sie vorher Ziel und Inhalte von Der sechste Sinn II mit den Eltern des Kindes mit ASS. Es ist anzunehmen, dass die Eltern Fragen haben oder dass Änderungen vorgenommen werden müssen, um die Lektion anzupassen. Weitere Informationen siehe Kapitel 3: Antworten auf häufige Fragen und Kapitel 4: Bibliografie. Anmerkungen zur deutschsprachigen Ausgabe: Im Text wird jeweils von Schülern gesprochen. Selbstverständlich sind damit auch Schülerinnen gemeint. Die Anweisungen stehen in Klartext. Textvorschläge für Gesprochenes sind kursiv gedruckt. 1.Einführung Heute möchte ich euch etwas Wichtiges über euren Klassenkameraden ______________ mitteilen. Ich gehe davon aus, dass ihr festgestellt habt, dass er – so wie ihr – an __________________ interessiert ist. So wie ihr beherrscht ____________________________ vieles ganz gut. Und ebenso wie ihr braucht _________________ ab und zu Hilfe. _________________ braucht eure Hilfe, wenn es darum geht, mit anderen zu spielen und zu arbeiten. Hier können wir helfen. Zunächst gilt es, zu verstehen, warum es ________________________ schwerer fällt mit anderen zu spielen als euch. Hört mir gut zu, wenn ich euch diese Information vermittle. Ich bin mir sicher, dass ihr hiermit auf ein paar Ideen gebracht werdet, wie wir _____________ helfen können. Eure Ideen sind wichtig, weil wir gemeinsam einen Plan ausarbeiten, um __________________ zu unterstützen. Die fünf Sinne im Überblick An dieser Stelle sind die fünf Sinne zur Erinnerung kurz zusammengefasst: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten sind schon bekannt und eignen sich daher als Grundlage, um den Begriff des sechsten Sinns einzuführen. Diskutieren Sie mit der Klasse über die fünf Sinne. Nehmen Sie dazu Fotos oder Zeichnungen zu Hilfe, um den Gesprächsstoff zu veranschaulichen. Machen Sie dabei auch gleich Notizen/beantworten Sie folgende Fragen: •Welche Informationen über die Umwelt vermittelt euch das _______________? •Hat euch jemand beigebracht, wie ihr sehen/hören/schmecken/tasten/riechen sollt? Legen Sie zuallererst den Fokus auf das Sehen und Hören. Ergänzen Sie die Liste, die Sie zum Sehen und Hören erstellt haben, mit den Inhalten der Diskussion in der Klasse. •Wie wäre es, wenn man kein Seh-/Hörvermögen hätte? •Wie könntet ihr einem Klassenkameraden helfen, der seh-/hörbehindert ist? Hier eine Liste mit Beispielen und einer Illustration zur Veranschaulichung. Das Sehen 1. Hilft uns zu sehen, wohin wir gehen; beim Lesen; vermittelt uns Sicherheit; hilft uns beim Ballspielen und Sachen zu finden. 2. Niemand bringt uns das Sehen bei. Das Sehen ist ein „Sinn“. 3. Leute, die nicht sehen können ♦ brauchen unter Umständen Hilfe, um sicher von A nach B zu kommen. ♦ können nicht lesen, wie es die meisten Menschen können. 4. Vorschläge, wie man einem Klassenkameraden helfen kann, der nicht sehen kann ♦ Brailleschrift ♦ ihm auf dem Spielplatz behilflich sein ♦ im Klassenzimmer Gegenstände immer an derselben Stelle deponieren Perspektivenwechsel und der sechste Sinn Die Diskussion in der Klasse über die fünf Sinne und die damit einhergehenden Informationen eignen sich gut als Einstieg in das Thema „der sechste Sinn“. Die Lektion veranschaulicht, wie wir nachvollziehen können, was andere Menschen sehen, hören, tasten, schmecken oder riechen. Durch zwei Übungen zum Perspektivenwechsel entdecken die Schüler, wie wir durch genaue Vermutungen einschätzen können, was eine andere Person wahrnimmt (Sinnesebene) und weiß (kognitive Ebene). In einer dritten Übung geht es darum, anhand bestimmter Anhaltspunkte die Gefühle anderer zu „entziffern“ (affektive Ebene). An der Wandtafel haben wir fünf Sinne notiert. Niemand hat euch beigebracht, wie ihr sehen, hören, tasten, schmecken oder riechen sollt. Darüber hinaus verfügt ihr über einen sozialen Sinn, der euch befähigt, mit anderen zu arbeiten oder zu spielen. Ich werde euch zeigen, was es mit diesem sechsten Sinn auf sich hat. Übung: Perspektivenwechsel auf der Wahrnehmungsebene In dieser Übung entdecken Schüler ihre Fähigkeit, die Welt mit den Augen anderer zu „sehen“; also genau zu erkennen, was jemand sehen, hören, schmecken, riechen und/oder tasten kann – selbst von Weitem. In dieser Übung, mit der Konzentration auf die fünf Sinne, bemerken die Kinder, dass das Wissen um die Wahrnehmung anderer Menschen ihnen wertvolle Informationen liefert. Diese Übung basiert auf der Arbeit von Dawson/Fernald, 1987. Wählen Sie einen Freiwilligen aus der Klasse, der im hinteren Bereich des Schulzimmers sitzt. Bitten Sie den Schüler, dort sitzenzubleiben. •Fordern Sie den Schüler auf, diejenigen Dinge zu beschreiben, die er von seinem Platz aus sehen kann. Der Schüler kann beispielsweise die Wandtafel, die Uhr des Klassenzimmers oder Zeichnungen an der Wand erkennen. •Fordern Sie den Schüler auf, das aufzuzählen, was SIE sehen können. Der Schüler nennt vielleicht seine Mitschüler, die Schulbänke, die Pinnwand an der Rückwand des Klassenzimmers etc. •Nennen Sie Gegenstände, die sich hinter Ihnen befinden, beispielsweise die Tafel und die Uhr des Klassenzimmers. Sprechen Sie mit dem Schüler, während Sie den genannten Gegenständen den Rücken zukehren. Fragen Sie ihn, ob Sie diese Dinge von Ihrer derzeitigen Position aus sehen können. Der Schüler sollte erwartungsgemäß Ihre Frage verneinen. Fragen Sie den Schüler: „Wie hast du das geschafft? Woher weißt du, was ich sehen kann?“ Wir wissen, was andere sehen, hören, riechen oder tasten können, selbst wenn wir uns nicht in ihrer unmittelbaren Nähe befinden. Hat euch das jemand beigebracht, oder habt ihr es „schlicht und einfach gewusst“? Halten Sie diese Informationen auf der Mitte der Wandtafel fest, wie in der folgenden Abbildung dargestellt: Wir wissen, was andere Menschen sehen, hören, schmecken, tasten und riechen können. 2.Antworten auf häufige Fragen Welche Aspekte sind für die Verwendung von Der sechste Sinn II ausschlaggebend? Welche Faktoren sollte man beachten? Der Entscheidung, ob sich Der sechste Sinn II für einen Schüler, seine Eltern und die Klasse eignet oder nicht, liegt ein wichtiger Evaluationsprozess zugrunde. Voraussetzung für den Erfolg des Programms ist, dass alle Beteiligten sich damit wohlfühlen. Eltern und Fachleute sollten sich den Unterrichtsplan genau anschauen, um herauszufinden, ob er nützlich ist und dabei bedenken, dass am Unterrichtsplan Änderungen vorgenommen werden können, um die Inhalte von Der sechste Sinn II individuell auf den jeweiligen Schüler und dessen Situation abstimmen zu können. In der Regel sind folgende Faktoren für die Verwendung von Der sechste Sinn II entscheidend: •Kennt das Kind seine Diagnose? Die Erfahrung zeigt, dass es am besten ist, wenn der Schüler seine Diagnose vor der Verwendung von Der sechste Sinn II kennt. Für weitere Informationen und Quellen zum Mitteilen der Diagnose lesen Sie die folgende Frage oder die Bibliografie in Kapitel 4. •Ist es möglich, den betroffenen Schüler in die Planung der Lektion einzubeziehen? Und falls ja, wie? In den meisten Fällen ist es für den Schüler wichtig, Zweck und Inhalt der Lektion zu verstehen. Oftmals wird Der sechste Sinn II in der Klasse des Schülers angewendet, kurz nachdem dieser von seiner Diagnose erfahren hat. •Sind den anderen Schülern Verhaltensweisen ihres Klassenkameraden mit ASS aufgefallen, die vielleicht verwirrend sind? Geben ihnen einige Verhaltensweisen, die nicht üblich, aber sonst harmlos sind, Rätsel auf? Wenn Schüler aufgeklärt werden, weshalb sich ihr Mitschüler in bestimmten Situationen eigenartig verhält, kann sich ihre Einstellung zum Positiven wandeln und ihre Akzeptanz wachsen. Andernfalls können die spezifischen Verhaltensweisen zu negativen Reaktionen und Spott Anlass geben. •Fühlen sich die Eltern und Lehrer dabei wohl, Informationen über ihren Schüler an Mitschüler weiterzugeben? Dies ist sehr wichtig, da die Haltung der Erwachsenen von den Schülern übernommen wird. Dies ist eine besonders gute Gelegenheit, die Bedeutung von vertraulichem Umgang zu vermitteln und dass dieser auch erwartet wird. Man sollte dabei bedenken, dass Kindern Fehler unterlaufen können und dass man sie an die Wichtigkeit von vertraulichem Umgang erinnern muss. •Das Ziel ist, genaue soziale Informationen zu vermitteln. Ist Der sechste Sinn II aus Sicht des betroffenen Schülers und in der spezifischen Situation das beste Mittel hierfür? Eine Möglichkeit ist, mit den Schülern über die Diagnose ihres Klassenkameraden, dessen Stärken und den Herausforderungen zu sprechen, zu diesem Zweck aber einen anderen Ansatz auszuwählen als Der sechste Sinn II vorschlägt. Eltern und Lehrer können andere käuflich zu erwerbende Hilfsmittel kreativ einsetzen, die in Kapitel 4 aufgelistet sind. Oder es besteht die Möglichkeit, die in Kapitel 4 aufgeführten Hilfsmittel ergänzend zu den Konzepten in Der sechste Sinn II einzusetzen. Die Entscheidung, ob Der sechste Sinn II überhaupt verwendet werden soll, liegt letztendlich beim Schüler und seinen Eltern.

Zusatzinfo schwarz-weiss-Abbildung, welche für die SchülerInnen verwendet werden können
Verlagsort St. Gallen
Sprache deutsch
Maße 210 x 300 mm
Einbandart geheftet
Themenwelt Kinder- / Jugendbuch
Sozialwissenschaften Pädagogik Sonder-, Heil- und Förderpädagogik
Schlagworte Asperger • Autismus • Klassenaufklärung
ISBN-10 3-9524076-3-1 / 3952407631
ISBN-13 978-3-9524076-3-9 / 9783952407639
Zustand Neuware
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
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