Sunshine Ranch, Band 2 - Tori und die verschwundene Stute (eBook)
224 Seiten
Ravensburger Buchverlag
978-3-473-47262-8 (ISBN)
Luzie Bosch studierte Grafik-Design und arbeitete als Werbetexterin, bevor sie mit dem Bücherschreiben begann. Inzwischen hat sie viele Romanen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene veröffentlicht. Ihre Werke wurden u. a. für den Deutsch-Französischen-Jugendliteraturpreis und den Hansjörg-Martin-Preis nominiert und mit dem Leipziger Lesekompass ausgezeichnet. Gina Mayer lebt in Düsseldorf.
Luzie Bosch studierte Grafik-Design und arbeitete als Werbetexterin, bevor sie mit dem Bücherschreiben begann. Inzwischen hat sie viele Romanen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene veröffentlicht. Ihre Werke wurden u. a. für den Deutsch-Französischen-Jugendliteraturpreis und den Hansjörg-Martin-Preis nominiert und mit dem Leipziger Lesekompass ausgezeichnet. Gina Mayer lebt in Düsseldorf.
Ferienpläne
Lehrer. Wenn es Wesen auf der Welt gab, die vom richtigen Leben keine Ahnung hatten, dann waren es Lehrer.
„Alle, die zwischen zwei Noten stehen, erarbeiten bitte ein Referat“, hatte Toris Geschichtslehrer Herr Pleger drei Tage vor den Osterferien verkündet. „Und damit ihr über die Ferien keine Langeweile bekommt, verteile ich jetzt schon mal die Themen.“
Tori, die zwischen Zwei und Drei stand, bekam ein Referat über das antike Griechenland aufs Auge gedrückt. „Aber ich komm in den Osterferien bestimmt nicht dazu, das vorzubereiten!“, protestierte sie.
„Fährst du weg?“ Herr Pleger musterte sie misstrauisch über den Rand seiner Lesebrille.
Nein, Tori fuhr nicht weg, sie würde beide Ferienwochen zu Hause verbringen.
„Na, dann hast du doch Zeit“, schlussfolgerte Herr Pleger.
So ein Idiot! Wenn Tori wie die anderen weggefahren wäre, in ein Ferienhaus nach Italien oder in einen Club auf Mallorca oder zu ihren Großeltern, dann hätte sie Zeit gehabt, sich mit den alten Griechen und ähnlichem Schwachsinn auseinanderzusetzen. Aber sie blieb zu Hause. Und das bedeutete, dass sie rund um die Uhr beschäftigt sein würde.
„So ein Mist!“ Sina, die neben Tori saß, hatte ein Referat über das Römische Reich abbekommen.
„Bitte, was?“, fragte Herr Pleger.
„Nichts“, sagte Sina.
„Dann ist es ja gut“, meinte Herr Pleger. Danach verteilte er die Termine, an denen die Referate gehalten werden sollten. Tori und Sina waren gleich am zweiten Schultag nach den Ferien dran.
„Der spinnt ja wohl“, murmelte Tori.
Sie hatte in den Osterferien wirklich Besseres vor, als im Internet und in der Bibliothek für die Schule zu recherchieren! Tori und Sina verbrachten nämlich jede freie Minute als Pferdemädchen auf der Sunshine Ranch, genau wie Myriam, Ayla, Juliana und Hannah aus ihrer Klasse. Als Pferdemädchen trug man die Verantwortung für ein Pflegepferd, man fütterte, putzte und ritt es, man mistete seine Box aus und führte es abends von der Weide in den Stall. Während der Schulzeit radelten die Mädchen jeden Nachmittag und am Wochenende auf die Ranch, in den Ferien trafen sie sich dort nach dem Frühstück und blieben bis zum Abendessen. Die anderen Mädchen aus ihrer Klasse gingen nachmittags zum Shoppen, ins Kino oder ins Freibad. Die sechs Pferdemädchen hatten keine Zeit für so etwas.
„Nervt dich das nicht manchmal?“, hatte Silvie Tori neulich gefragt.
„Quatsch!“, hatte Tori entgegnet. „Ich hab doch alles auf der Ranch. Freunde, Spaß, Abwechslung, sogar Sport. Was will man mehr?“
Silvie hatte nur den Kopf geschüttelt. Sie verstand Tori einfach nicht, ebenso wenig wie Herr Pleger, der immer noch vor Toris und Sinas Tisch stand.
„Ist alles klar bei euch?“, fragte er.
Tori und Sina nickten im Gleichtakt. Nichts war klar, aber es machte ja keinen Sinn zu widersprechen.
„Bin ich froh, dass ich auf einer glatten Drei stehe!“, meinte Hannah in der Pause. „Ein Referat vorzubereiten, darauf hätte ich in den Ferien echt überhaupt keinen Bock.“
„Danke für den Kommentar“, sagte Tori. „Genau das hat mir jetzt gefehlt!“
„Sorry“, murmelte Hannah und biss in ihren Apfel.
„Ich will auf jeden Fall eine Drei in Geschichte“, verkündete Sina. „Ich hab meiner Mutter versprochen, dass ich mich in den Nebenfächern verbessere.“
„Ach. Und was heißt das?“, fragte Tori. „Willst du die Ranch sausen lassen und dich ganz auf das blöde Referat konzentrieren?“
„Quatsch. Aber ich muss ein bisschen kürzertreten. Vielleicht kann eine von euch Janko mitversorgen. Hin und wieder mal.“
Tori verdrehte die Augen. „Wie stellst du dir das vor?“, fragte sie. „Wir haben doch schon genug zu tun. Und ich muss ja auch noch mein eigenes Referat vorbereiten.“
„Dich hab ich ja gar nicht gefragt“, fauchte Sina. „Und außerdem hab ich ‚hin und wieder mal‘ gesagt. Hörst du mir nicht zu?“
Typisch, dass Sina gleich in die Luft ging! Früher waren sie und Tori die besten Freundinnen und einfach unzertrennlich gewesen, aber in letzter Zeit lief es gar nicht mehr rund zwischen ihnen. Sie stritten sich wegen jeder Kleinigkeit. Vermutlich lag es daran, dass Sina seit ein paar Monaten mit Viktor zusammen war, der Tori nicht ausstehen konnte. Bestimmt hetzte Viktor Sina gegen Tori auf.
„Ich helf dir gerne, Sina“, sagte Hannah ruhig.
„Danke.“ Jetzt lächelte Sina. „Ich red auch mit Viktor. Der packt in den Ferien sicher mit an.“
„Vielleicht schreibt er dir auch gleich noch dein Referat“, stichelte Tori. „Dann musst du dir um deine Drei überhaupt keine Sorgen mehr machen.“
Sina antwortete nicht. Sie tat einfach so, als hätte sie nichts gehört.
„That’s simply impossible!“, schrie Sue in ihr Mobiltelefon. „Do you hear me? Impossible!“ Sie legte auf, ohne sich zu verabschieden. Einen Moment lang schien sie versucht, das Handy im hohen Bogen in das Gehege zu werfen, in dem die beiden Hängebauchschweine Horst und Klothilde gerade ein Schlammbad nahmen. Aber stattdessen steckte sie es in ihre Jeans und seufzte resigniert.
„Alles in Ordnung, Sue?“, fragte Tori. Wenn die Ranchbesitzerin ausrastete, ließ man sie besser in Ruhe, das wussten die Pferdemädchen aus Erfahrung. Aber Sue schien auf einmal gar nicht mehr wütend, sie sah eher traurig aus.
„Das war meine Schwester“, sagte sie. „Ach, es ist zum Verrücktwerden.“
„Was ist denn passiert?“, erkundigte sich Hannah, die ebenfalls näher getreten war. „Schlechte Nachrichten von zu Hause?“
„Kann man wohl sagen.“ Sue fuhr sich mit beiden Händen durch die wilde, rotblonde Mähne. „Meine Mutter ist ziemlich krank.“
„Das tut mir leid“, sagte Tori.
„Und ausgerechnet jetzt fährt meine Schwester in Urlaub. Dabei hatten wir abgesprochen, dass sie so lange in Sacramento bleibt, bis ich hier einen Verwalter gefunden habe und rüberfliegen kann.“
Sue war Amerikanerin. Bevor sie die Sunshine Ranch vor einigen Jahren gekauft und nach ihren Vorstellungen umgebaut hatte, hatte sie in Los Angeles gelebt. Als erfolgreiche Hollywood-Schauspielerin war sie in vielen Filmen aufgetreten, aber dann hatte sie ihre Karriere von einem Tag auf den anderen an den Nagel gehängt. „Das Filmbusiness hat mich fertiggemacht“, hatte sie Tori kürzlich erst erklärt. „Vornerum tut jeder zuckersüß, aber sobald du dich umdrehst, stoßen sie dir ein Messer in den Rücken. Nee, ich hatte die Schnauze voll davon.“
„Was hat deine Mutter denn?“, fragte jetzt Sina, die inzwischen ebenfalls auf dem Hof angekommen war.
„Sie hat vor Kurzem eine neue Hüfte bekommen. Wenn sie aus der Reha nach Hause kommt, braucht sie natürlich noch eine Menge Hilfe im Haushalt. Das sollte am Anfang meine Schwester übernehmen, bis ich einspringen kann. Aber nun hat Sally plötzlich ihre Meinung geändert. Jetzt will sie unbedingt nach Hawaii. Montag geht ihr Flieger.“
„So ein Mist.“
„Das kannst du laut sagen. Dabei weiß Sally genau, dass ich hier nicht alles stehen und liegen lassen kann. Ich brauch doch jemanden, der mich auf der Ranch vertritt. Wenn wenigstens Robert hier wäre! Aber der muss ausgerechnet jetzt zu einem Fotoshooting nach Prag.“
„Montag, sagst du?“, fragte Tori. „Das ist doch perfekt.“
„Was ist daran perfekt?“ Sue wirkte genauso verständnislos wie Sina und Hannah.
„Am Samstag fangen die Osterferien an. Da können wir uns doch um alles kümmern.“
„Ihr?“, fragte Sue ungläubig. „Wie soll das denn gehen?“
„Das frage ich mich allerdings auch“, sagte Sina.
Auf diese Bemerkung hatte Tori nur gewartet. So war es nämlich immer: Wenn Tori eine Idee hatte oder einen Vorschlag machte, dann schoss Sina auf der Stelle quer. Das funktioniert doch nie im Leben, das ist viel zu kompliziert, das klappt bestimmt nicht. Aber Tori ließ sich schon lange nicht mehr auf Sinas Bedenken und Einwände ein. Im Gegenteil, inzwischen spornte sie Sinas Widerspruch richtig an.
„Wir sind zu sechst“, sagte sie. „Und jede von uns kennt sich hier aus. Das schaffen wir doch mit links.“
Das war übertrieben, das war ihr selbst klar. Die Sunshine Ranch zu managen, war alles andere als ein Kinderspiel. Aber was wäre das Leben ohne Herausforderungen? Total langweilig.
Sue war natürlich skeptisch. „Du darfst das alles hier nicht unterschätzen, Tori. Es sind ja nicht nur die Pferde, die versorgt werden müssen. Die übrigen Tiere machen auch eine Menge Arbeit.“
Die übrigen Tiere, das waren die beiden Hängebauchschweine, die Ziege Ilka, Esel Fritz und eine Unmenge an Gänsen, Enten und Hühnern. Und natürlich Washington, ein riesiger Neufundländer, der jeden Tag Berge von Hundefutter vertilgte und trotzdem ständig hungrig war.
„Ist schon klar.“ Tori nickte. „Aber wir haben doch Ferien. Und wenn wir alle mit anpacken, dann schaffen wir das auch.“
Sina öffnete den Mund, um zu widersprechen, aber jetzt fuhr ein schwarzer Mercedes mit verdunkelten Scheiben auf den Hof. Ein großer Mann im Anzug schob sich aus dem Fahrersitz und klappte sich dabei richtiggehend auseinander.
„Frau Mirador?“, fragte er, als er Sue erblickte.
„Herr Müller. Den hab ich ja vollkommen vergessen“, murmelte Sue. Ihr...
| Erscheint lt. Verlag | 1.9.2012 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Sunshine Ranch | Sunshine Ranch |
| Verlagsort | Ravensburg |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur |
| Kinder- / Jugendbuch ► Kinderbücher bis 11 Jahre | |
| Schlagworte | beste Freundinnen • Buch • Bücher • Fohlen • Freundschaft • Fußball-Jungs • Geschenk • Geschenkidee • Krimi • Lesen • Literatur • Mädchen • Mädchen-Krimi • Pferde • Pferdepflege • Reiten • Reiterhof • Tierfreund • Tierschutz • Versuchstier |
| ISBN-10 | 3-473-47262-X / 347347262X |
| ISBN-13 | 978-3-473-47262-8 / 9783473472628 |
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