Die mittelalterlichen Glasmalereien in der ehemaligen Zisterzienserinnenkirche Kloster Neuendorf
De Gruyter (Verlag)
978-3-05-004377-7 (ISBN)
Die Klosterkirche bewahrt noch Glasmalereien aus zwei verschiedenen Jahrhunderten. Mit insgesamt zwölf Szenen hat sich ein Christuszyklus aus der Zeit um 1360 erhalten. Für die künstlerisch nicht sehr professionell ausgeführten sechs Darstellungen der Kindheit Christi wird nachgewiesen, dass sich der Glasmaler weder an der kultivierten Liniensprache der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts ausrichtete, noch neue Stilelemente einer realistischen Formensprache aufgenommen hat. Die Autorin legt darüber hinaus dar, dass diese sechs Scheiben in der regionalen Kunstproduktion isoliert stehen und wahrscheinlich von einem Künstler geschaffen wurden, der nicht mit internationalen Stilströmungen in Berührung gekommen war.
Für die Herstellung der Passionsszenen war eine gänzlich andere künstlerische Hand verantwortlich. Dieser Glasmaler hat sich einem grundlegenden Stilwandel nicht verschlossen. Dafür waren offensichtlich Kenntnisse der Prager Hofkunst aus der Mitte des 14. Jahrhunderts ausschlaggebend, wie Vergleiche mit Werken aus der Buch- und Tafelmalerei wie auch aus dem Bereich der Skulptur aufzeigen.
Von der zu Beginn des 16. Jahrhunderts entstandenen Verglasung des Kirchenschiffs und der Nonnenempore ist nur noch eine kleine Gruppe von Heiligenfiguren erhalten. Ikonographisch und kompositionell hatten sich die Auftraggeber für ein recht traditionelles Programm entschieden: Monumental wiedergegebene Standfiguren in Architekturtabernakeln, die in eine farblose Rautenverglasung übergehen. Die Stifter dieser Glasmalereien kamen aus angesehenen Lüneburger und Stendaler Ratsfamilien und so verwundert es auch nicht, dass die ausführende Werkstatt ihren Sitz in Lüneburg hatte. Die Autorin fragt nicht nur nach der Motivation für die Stiftung, sondern gibt auch Einblick in die Werkstattpraxis. Dieses Glasmalereiatelier scheint recht arbeitsökonomisch vorgegangen zu sein, denn es gestaltete mehrere Figuren nach ein und demselben Entwurf und benutzte zudem für die Apostelgestalten die entsprechenden Kupferstiche des Martin Schongauer als Vorlage.
Mit dem zweiten Teilband zur mittelalterlichen Glasmalerei im Bundesland Sachsen-Anhalt werden die Forschungsarbeiten zur Verglasung der ehemaligen Zisterzienserinnenkirche St. Marien in Kloster Neuendorf im Rahmen des deutschen Corpus vitrearum Medii Aevi vorgelegt. Farbtafeln und ein Abbildungsteil, der jede einzelne Scheibe in Schwarz-weiß-Fotos aufnimmt, sowie großformatige Detailaufnahmen geben das Ensemble vollständig wieder. Eine historische und kunsthistorische Einleitung sowie ein Katalogteil, der nicht zuletzt die Authentizität der Scheiben klärt, kommentieren den Bestand. Die Klosterkirche bewahrt noch Glasmalereien aus zwei verschiedenen Jahrhunderten. Mit insgesamt zwölf Szenen hat sich ein Christuszyklus aus der Zeit um 1360 erhalten. Für die künstlerisch nicht sehr professionell ausgeführten sechs Darstellungen der Kindheit Christi wird nachgewiesen, dass sich der Glasmaler weder an der kultivierten Liniensprache der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts ausrichtete noch neue Stilelemente einer realistischen Formensprache aufgenommen hat. Die Autorin legt darüber hinaus dar, dass diese sechs Scheiben in der regionalen Kunstproduktion isoliert stehen und wahrscheinlich von einem Künstler geschaffen wurden, der nicht mit internationalen Stilströmungen in Berührung gekommen war. Für die Herstellung der Passionsszenen war eine gänzlich andere künstlerische Hand verantwortlich. Dieser Glasmaler hat sich einem grundlegenden Stilwandel nicht verschlossen. Dafür waren offensichtlich Kenntnisse der Prager Hofkunst aus der Mitte des 14. Jahrhunderts ausschlaggebend, wie Vergleiche mit Werken aus der Buch- und Tafelmalerei wie auch aus dem Bereich der Skulptur aufzeigen. Von der zu Beginn des 16. Jahrhunderts entstandenen Verglasung des Kirchenschiffs und der Nonnenempore ist nur noch eine kleine Gruppe von Heiligenfiguren erhalten. Ikonographisch und kompositionell hatten sich die Auftraggeber für ein recht traditionelles Programm entschieden: Monumental wiedergegebene Standfiguren in Architekturtabernakeln, die in eine farblose Rautenverglasung übergehen. Die Stifter dieser Glasmalereien kamen aus angesehenen Lüneburger und Stendaler Ratsfamilien und so verwundert es auch nicht, dass die ausführende Werkstatt ihren Sitz in Lüneburg hatte. Die Autorin fragt nicht nur nach der Motivation für die Stiftung, sondern gibt auch Einblick in die Werkstattpraxis. Dieses Glasmalereiatelier scheint recht arbeitsökonomisch vorgegangen zu sein, denn es gestaltete mehrere Figuren nach ein und demselben Entwurf und benutzte zudem für die Apostelgestalten die entsprechenden Kupferstiche des Martin Schongauer als Vorlage.
Monika Böning ist wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Corpus Vitrearum Medii Aevi der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.
1;INHALTSVERZEICHNIS;6
2;VORWORT;8
3;HINWEISE FÜR DEN BENUTZER;10
4;VERZEICHNIS DER ABGEKÜRZT ZITIERTEN LITERATUR;14
5;HISTORISCHE VORAUSSETZUNGEN;24
6;KUNSTGESCHICHTLICHE EINLEITUNG;33
7;GESCHICHTE DES BAUES;54
8;GESCHICHTE DER VERGLASUNG;59
9;1. DIE FARBVERGLASUNG DES 14. JAHRHUNDERTS;68
10;ANHANG: VERLORENE GLASMALEREIEN;140
11;REGESTEN;142
12;TAFELN;176
13;REGISTER;222
14;BILDNACHWEIS;230
15;STAND DER VERÖFFENTLICHUNGEN;231
"Très complet et bien documenté, l'ouvrage de M.B. a non seulement le mérite de nous faire mieux connaître les vitraux anciens de Kloster Neuendorf, mais également de nous éclairer sur l'activité des ateliers, la commande des vitraux et les modèles utilisés dans la confection de ceux-ci." Isabelle LECOQ, in: Le Moyen Age, 118 (2012) 3-4, S. 234f. "[...] eine aufschlussreiche und kunstlandschaftliche Studie [...]" Ernst Badstübner in: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands, 56 (2010), S. 292-294. "Man wird den Band nicht lediglich als substantiellen Beitrag zur Erforschung der Glasmalerei werten dürfen sondern zugleich auch als Baustein einer noch weiter zu erhellenden Sakraltopographie der Mark Brandenburg." Alexander Markschies in: Historische Zeitschrift, 292 (2011) 1, S. 179-180
GESCHICHTE DER VERGLASUNG (S. 58-59)
Mittelalterlichen Quellen, die Auskunft über die älteren Glasmalereien aus dem 14. Jahrhundert geben, existieren nicht. Die Vermutung, dass Schulden des Klosters in der Zeit um 1360 auf die kostspielige Neuanfertigung einer Verglasung zurückzuführen sind, bleibt rein hypothetisch220. In der schon erwähnten Urkunde des Jahres 1445 bestimmte die Mitschwester Junghe von Alvensleben, dass die von ihr zur Verfügung gestellte Rente auch für Ausbesserungen der Fenster im Kloster verwendet werden soll221.
Ob das Geld für Instandsetzungsarbeiten an vorhandenen Glasmalereien oder für neue Farbverglasungen ausgegeben wurde, kann nicht mehr geklärt werden, erhalten haben sich aus dieser Zeit jedenfalls keine Farbfenster. Über den jüngeren Glasmalereizyklus gibt ein Teil der Scheiben selbst Auskunft. Die Standfiguren Benedikt und Bernhard von Clairvaux sowie Bartholomäus – ehemals Stephanus – und Andreas (Abb. 10–12, 14–16) sind Stiftungen der Lüneburger Familie von Dassel222, während diejenigen mit Bernhard und einer heute ergänzten weiblichen Heiligen in SV (Abb. 52) auf die Stendaler Ratsfamilie Schonermarck zurückgehen.
Die entsprechenden Wappen sind jeweils unter den Figuren zu sehen. Unter der Figur des Hl. Benedikt, heute in sII, 3/4a, war ehemals höchstwahrscheinlich das Wappen der Anna von Töbing angebracht gewesen, so dass von einer richtigen Ergänzung durch das Königliche Institut für Glasmalerei im Jahre 1889 ausgegangen werden kann. Es scheint aber schon bei der Restaurierung von 1846 nicht mehr vorhanden gewesen zu sein. Damals wurde hier fälschlich ein Wappen der Familie Stöterogge eingesetzt (Fig. 58). Die frühesten schriftlichen Quellen der Neuzeit, in denen von Fenstern im Zusammenhang mit Bausachen oder Reparaturen die Rede ist, datieren aus dem 16. und 17. Jahrhundert224.
Offensichtlich fanden im Jahre 1609 umfassende Reparaturen an allen Fenstern statt, eigens werden auch diejenigen auf dem Nonnenchor genannt225. Wie die Baunachrichten des 18. Jahrhunderts, unter denen sich auch eine Rechnung für das Ausbessern von Kirchenfenstern befindet, können sie nicht mit bestimmten Glasmalereien in Verbindung gebracht werden, ebenso wenig ist die Art der Reparaturen ersichtlich.
Das in romantischer Tradition stehende Interesse an mittelalterlicher Glasmalerei war zu Beginn des 19. Jahrhunderts auch in Preußen erwacht. Friedrich Wilhelm III. gab 1816 dem Oberpräsidenten der Provinz Preußen in Magdeburg, Friedrich Wilhelm August von Bülow, den Auftrag, alle Glasmalereien in verfallenen und nicht mehr benutzten Kirchen zu sammeln und an ihn zu übersenden. Daraufhin ließ von Bülow auch in der Klosterkirche zu Neuendorf Glasmalereien ausbauen, die sich nach den entsprechenden Quellen im südwestlichen Fenster der Nonnenempore befunden haben. Aus den Quellen geht nicht hervor, um welche Darstellungen es sich gehandelt hat. Der König nahm 1820 das Geschenk an. Der Verbleib ist bis heute unbekannt, schon der Nachfolger des Königs, Friedrich Wilhelm IV., wusste nichts mehr davon.
Offensichtlich sah Pfarrer Heinzelmann aufgrund der Kabinettorder des Königs eine gute Gelegenheit, weitere Glasmalereien seiner Kirche gegen einen Zuschuss aus der königlichen Schatulle für die Anschaffung des neuen Magdeburgischen Gesangbuches einzutauschen. Vermutlich hat er deshalb 1820 in einer eigenmächtigen, von der preußischen Administration nicht genehmigten Aktion weitere Glasmalereien – offensichtlich aus dem Kirchenschiff – ausbauen lassen und an den König geschickt. Der Monarch ließ diese Scheiben zurückgehen, da er nicht wün
| Erscheint lt. Verlag | 28.1.2009 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Corpus Vitrearum Medii Aevi ; XIX/2 |
| Co-Autor | Ulrich Hinz |
| Zusatzinfo | 113 b/w and 34 col. ill. |
| Verlagsort | Berlin/Boston |
| Sprache | deutsch |
| Maße | 245 x 315 mm |
| Gewicht | 1568 g |
| Themenwelt | Kunst / Musik / Theater ► Kunstgeschichte / Kunststile |
| Geisteswissenschaften ► Geschichte | |
| Geisteswissenschaften ► Religion / Theologie ► Christentum | |
| Schlagworte | Architektur • ART • Arts, general • Geschichte • Glasmalerei • Glass painting and staining • Glass painting and staining, Medieval • Handlung • History • Kloster Neuendorf • Kloster Neuendorf (Kloster Neuendorf, Germany) • Kunstgeschichte • Lutz-Bachmann • Malerei • Medieval • Medieval History • Mittelalter • Mittelalter, Kunst • Mittelalter/Mediävistik • Skulptur • WGW29 • Zisterzienser, Kunst |
| ISBN-10 | 3-05-004377-6 / 3050043776 |
| ISBN-13 | 978-3-05-004377-7 / 9783050043777 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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