Aschenblumen
Eine Fotodokumentation aus Czernowitz sowie von der sibirischen Verbannung und danach
Seiten
2008
|
1., Aufl.
Hartung-Gorre (Verlag)
978-3-86628-187-5 (ISBN)
Hartung-Gorre (Verlag)
978-3-86628-187-5 (ISBN)
- Keine Verlagsinformationen verfügbar
- Artikel merken
Aus dem Vorwort von Erhard Roy Wiehn (Herausgeber)
Angehaltene Zeit aus Czernowitz
Im April 1996 (Erev Pessach) sind Margit Bartfeld-Feller und ich uns nach kurzer Korrespondenz in Tel Aviv erstmals persönlich begegnet, und diese Begegnung erwies sich als überaus folgenreich, denn nur wenige Monate später erschien ihre erste Sammlung von Geschichten aus Czernowitz und aus der sibirischen Verbannung unter dem Titel Dennoch Mensch geblieben (September 1996); es folgten Nicht ins Nichts gespannt (September 1998), Wie aus ganz andern Welten (Oktober 2000), der umfangreiche Sammelband Am östlichen Fenster (März 2002), Unverloren (Juni 2005), die russische Ausgabe (Und Vergangenes vergeht nicht, Dezember 2005) sowie als siebte Publikationen Erinnerungswunde (September 2007).
*
Margit Bartfeld-Feller ist inzwischen eine der ganz wenigen zeitgenössischen Schriftstellerinnen aus Czernowitz und der Bukowina, die sich bereits in die Literaturgeschichte deutsch-schreibender jüdischer Literatinnen und Literaten eingeschrieben haben. Obwohl die Literatur über Czernowitz fast unüberschaubar geworden ist, erscheinen ihre Geschichten doch ganz unverwechselbar. Im übrigen gibt es außer ihren Erinnerungen bis heute nur wenig authentische Literatur über die sibirische Verbannung der Czernowitzer Juden durch den sowjetischen NKWD am 13. Juni 1941.
Inzwischen hat sich unsere Autorin in Deutschland, Israel und Österreich einen eigenen Leserkreis geschaffen, und sie erfreut sich eines außergewöhnlichen Erfolgs auch bei ihren Lesungen, wo sie mit ihren Geschichten fasziniert, mit ihrem melodischen Czernowitzer Deutsch bezaubert und als ebenso leidgeprüfter wie optimistischer Mensch beeindruckt. Nachdem mittlerweile eine russische Ausgabe ausgewählter Geschichten vorliegt, werden ihre Erinnerungen hoffentlich eines Tages auch in ukrainischer Sprache erscheinen, der Sprache des heutigen Cernivci-Czernowitz und der Nordbukowina.
In diesem Zusammenhang kam mir an einem Erev Schabbat Mitte März 2007 bei einem gemütlichen Abendessen mit Margit und Anita in Tel Aviv die Idee, ihr den Vorschlag zu machen, einmal eine Art sprachunabhängige Publikation ins Auge zu fassen, nämlich ein Album mit Familienbildern "von damals", und im Juni 2007 schlug ich dafür den Titel Aschenblumen vor, entnommen der ersten Zeile eines Gedichts von Paul Celan, das keinen Titel trägt und mit "ICH BIN ALLEIN (so im Original) …" beginnt.
In allen deutschsprachigen Ausgaben unserer Autorin sind zwar etliche Fotos zu finden, das vorliegende Album bietet nun jedoch eine umfangreiche Foto-Sammlung in chronologischer Reihenfolge, das Mosaik einer vernichteten Welt. Denn man erkennt auf den ersten Blick, daß es sich hier nicht nur um private Familienfotos handelt, sondern darüber hinaus zugleich um bedeutende Zeitzeugnisse, in denen das jüdische Bürgertum von Czernowitz der ersten drei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts geradezu idealtypisch dokumentiert erscheint.
Wenn man diese aus damaligen Alltagen, Fest- und Feiertagen stammenden Bilder mit ihren kultivierten Menschen betrachtet, kann man vielleicht etwas besser verstehen, was es hieß, aus einer Hochkultur und einer verfeinerten Zivilisation fast urplötzlich herausgerissen und in die sibirische Wildnis deportiert zu werden - oder schlimmer noch, der sowjetischen NKWD-Deportation entgangen, kurz darauf den deutschen und rumänischen judenfeindlichen Aggressoren und Okkupanten in die Hände zu fallen, die ihre wehrlosen Opfer entweder gleich erschossen oder in die Todeslager Transnistriens deportierten, auch Menschen auf den folgenden Fotos, unter ihnen Margits Freundin Selma Meerbaum-Eisinger, – nur weil sie Juden waren.
Diese Bildersammlung zeigt das jüdische Bürgertum von Czernowitz in den letzten Jahren und Jahrzehnten vor seiner Vernichtung, als die Menschen nicht einmal in ihren schlimmsten Alpträumen auch nur entfernt ahnen konnten, was ihnen bevorstand. Man sieht alles in allem freundliche, zufriedene Gesichter, wohlsituierte, gepflegte, geschmackvoll gekleidete Erwachsene, artige, fröhliche, glückliche Kinder, man sieht also das, was man eine "heile Welt" nennen könnte, auch wenn sie vielleicht doch nicht ganz so heil gewesen sein mag. Was haben diese Menschen gedacht, als sie sich fotografierten und fotografieren ließen? Was mögen sie vielleicht geahnt haben oder nicht?
Angehaltene Zeit aus Czernowitz
Im April 1996 (Erev Pessach) sind Margit Bartfeld-Feller und ich uns nach kurzer Korrespondenz in Tel Aviv erstmals persönlich begegnet, und diese Begegnung erwies sich als überaus folgenreich, denn nur wenige Monate später erschien ihre erste Sammlung von Geschichten aus Czernowitz und aus der sibirischen Verbannung unter dem Titel Dennoch Mensch geblieben (September 1996); es folgten Nicht ins Nichts gespannt (September 1998), Wie aus ganz andern Welten (Oktober 2000), der umfangreiche Sammelband Am östlichen Fenster (März 2002), Unverloren (Juni 2005), die russische Ausgabe (Und Vergangenes vergeht nicht, Dezember 2005) sowie als siebte Publikationen Erinnerungswunde (September 2007).
*
Margit Bartfeld-Feller ist inzwischen eine der ganz wenigen zeitgenössischen Schriftstellerinnen aus Czernowitz und der Bukowina, die sich bereits in die Literaturgeschichte deutsch-schreibender jüdischer Literatinnen und Literaten eingeschrieben haben. Obwohl die Literatur über Czernowitz fast unüberschaubar geworden ist, erscheinen ihre Geschichten doch ganz unverwechselbar. Im übrigen gibt es außer ihren Erinnerungen bis heute nur wenig authentische Literatur über die sibirische Verbannung der Czernowitzer Juden durch den sowjetischen NKWD am 13. Juni 1941.
Inzwischen hat sich unsere Autorin in Deutschland, Israel und Österreich einen eigenen Leserkreis geschaffen, und sie erfreut sich eines außergewöhnlichen Erfolgs auch bei ihren Lesungen, wo sie mit ihren Geschichten fasziniert, mit ihrem melodischen Czernowitzer Deutsch bezaubert und als ebenso leidgeprüfter wie optimistischer Mensch beeindruckt. Nachdem mittlerweile eine russische Ausgabe ausgewählter Geschichten vorliegt, werden ihre Erinnerungen hoffentlich eines Tages auch in ukrainischer Sprache erscheinen, der Sprache des heutigen Cernivci-Czernowitz und der Nordbukowina.
In diesem Zusammenhang kam mir an einem Erev Schabbat Mitte März 2007 bei einem gemütlichen Abendessen mit Margit und Anita in Tel Aviv die Idee, ihr den Vorschlag zu machen, einmal eine Art sprachunabhängige Publikation ins Auge zu fassen, nämlich ein Album mit Familienbildern "von damals", und im Juni 2007 schlug ich dafür den Titel Aschenblumen vor, entnommen der ersten Zeile eines Gedichts von Paul Celan, das keinen Titel trägt und mit "ICH BIN ALLEIN (so im Original) …" beginnt.
In allen deutschsprachigen Ausgaben unserer Autorin sind zwar etliche Fotos zu finden, das vorliegende Album bietet nun jedoch eine umfangreiche Foto-Sammlung in chronologischer Reihenfolge, das Mosaik einer vernichteten Welt. Denn man erkennt auf den ersten Blick, daß es sich hier nicht nur um private Familienfotos handelt, sondern darüber hinaus zugleich um bedeutende Zeitzeugnisse, in denen das jüdische Bürgertum von Czernowitz der ersten drei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts geradezu idealtypisch dokumentiert erscheint.
Wenn man diese aus damaligen Alltagen, Fest- und Feiertagen stammenden Bilder mit ihren kultivierten Menschen betrachtet, kann man vielleicht etwas besser verstehen, was es hieß, aus einer Hochkultur und einer verfeinerten Zivilisation fast urplötzlich herausgerissen und in die sibirische Wildnis deportiert zu werden - oder schlimmer noch, der sowjetischen NKWD-Deportation entgangen, kurz darauf den deutschen und rumänischen judenfeindlichen Aggressoren und Okkupanten in die Hände zu fallen, die ihre wehrlosen Opfer entweder gleich erschossen oder in die Todeslager Transnistriens deportierten, auch Menschen auf den folgenden Fotos, unter ihnen Margits Freundin Selma Meerbaum-Eisinger, – nur weil sie Juden waren.
Diese Bildersammlung zeigt das jüdische Bürgertum von Czernowitz in den letzten Jahren und Jahrzehnten vor seiner Vernichtung, als die Menschen nicht einmal in ihren schlimmsten Alpträumen auch nur entfernt ahnen konnten, was ihnen bevorstand. Man sieht alles in allem freundliche, zufriedene Gesichter, wohlsituierte, gepflegte, geschmackvoll gekleidete Erwachsene, artige, fröhliche, glückliche Kinder, man sieht also das, was man eine "heile Welt" nennen könnte, auch wenn sie vielleicht doch nicht ganz so heil gewesen sein mag. Was haben diese Menschen gedacht, als sie sich fotografierten und fotografieren ließen? Was mögen sie vielleicht geahnt haben oder nicht?
| Übersetzer | Ella Greifer |
|---|---|
| Zusatzinfo | zahlr. schw.-w. Fotos |
| Sprache | deutsch; russisch |
| Maße | 148 x 210 mm |
| Gewicht | 735 g |
| Einbandart | kartoniert |
| Themenwelt | Geschichte ► Allgemeine Geschichte ► 1918 bis 1945 |
| Sozialwissenschaften ► Ethnologie ► Volkskunde | |
| Schlagworte | Bukowina • Celan, Paul • Czernowitz • Hardcover, Softcover / Ethnologie/Volkskunde • HC/Ethnologie/Volkskunde |
| ISBN-10 | 3-86628-187-0 / 3866281870 |
| ISBN-13 | 978-3-86628-187-5 / 9783866281875 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
Mehr entdecken
aus dem Bereich
aus dem Bereich
Deutschland 1933 bis 1945
Buch | Hardcover (2025)
S. Fischer (Verlag)
CHF 47,60
ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager
Buch | Hardcover (2024)
Kösel (Verlag)
CHF 30,80