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Arabien-Knigge

Buch | Hardcover
XII, 220 Seiten
2008
De Gruyter Oldenbourg (Verlag)
978-3-486-58505-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Arabien-Knigge - Hartmut Kiehling
CHF 48,90 inkl. MwSt
Die arabische Welt ist extrem: Religiöser Fanatismus, Unterdrückung der Frau durch körperliche Gewalt, Nepotismus und Bestechlichkeit sind nicht nur Klischees, sondern vielerorts harte Wirklichkeit. Andererseits boomt die Region durch Ölpreissteigerung, wirtschaftliche und politische Öffnung, das Bevölkerungswachstum lässt nach und vielerorts empfängt den Fremden eine Herzlichkeit, mit der er erst umzugehen lernen muss. Nach einigen Kontakten ahnt er, dass Araber anders denken und empfinden als er.

Viele dieser Unterschiede gründen in ferner geschichtlicher Vergangenheit und Araber sind sich dessen sehr wohl bewusst. Es lohnt daher gerade in einem Arabienknigge, diesen kulturellen Wurzeln nachzuspüren. Gerade in Arabien ist es wichtiger zu ahnen, wie die Menschen denken, als möglichst vollständige Listen mit Verhaltensmaßregeln aufzustellen.

Das Buch richtet sich an die wachsende Schar von Geschäftsreisenden und Expatriates sowie an die Studenten und Dozenten auf dem Gebiet des Internationalen und Interkulturellen Managements.

Die arabische Welt ist eine Welt der Gegensätze: Auf der einen Seite sind religiöser Fanatismus, Unterdrückung der Frau, Nepotismus und Bestechlichkeit nicht nur Klischees, sondern vielerorts harte Wirklichkeit. Andererseits boomt die Region durch Ölpreissteigerung und wirtschaftliche und politische Öffnung. Das Bevölkerungswachstum lässt nach und vielerorts empfängt den Fremden eine Herzlichkeit, mit der er erst umzugehen lernen muss. Nach einigen Kontakten ahnt er, dass Araber anders denken und empfinden. Viele dieser Unterschiede haben ihren Ursprung in ferner geschichtlicher Vergangenheit und die Araber sind sich dessen sehr wohl bewusst. Es lohnt daher gerade in einem Arabien-Knigge, diesen kulturellen Wurzeln nachzuspüren. In Arabien ist es wichtiger zu ahnen, wie die Menschen denken, als möglichst vollständige Listen mit Verhaltensmaßregeln aufzustellen. Das Buch richtet sich an die wachsende Schar von Geschäftsreisenden und Expatriates sowie an die Studenten und Dozenten auf dem Gebiet des Internationalen und Interkulturellen Managements.

Dr. Hartmut Kiehling, verfügt über eine lange Erfahrung als Finanzanalyst und Assetmanager. Er war u.a. Leiter der Finanzanalyse einer Großbank und des Bereichs Finanzanlagen einer großen Lebensversicherung. Seit einigen Jahren konzentriert er sich auf wissenschaftliche, beratende und publizistische Tätigkeiten.

1;Vorwort;8
2;Inhaltsverzeichnis;10
3;ERSTER TEIL Wurzeln der arabischen Gesellschaft;14
3.1;1 Religiöse Wurzeln;16
3.1.1;1.1 Grundlagen des Islam;16
3.1.2;1.2 Religiöse Fundierung allen Handelns;24
3.1.3;1.3 Religiöse Bindung der Vernunft;28
3.1.4;1.4 Die Zeit;32
3.1.5;1.5 Die Sprache;39
3.1.6;1.6 Regelungsdichte und Erstarrung;46
3.1.7;1.7 Toleranz;49
3.2;2 Tribale Wurzeln;52
3.2.1;2.1 Die Familie als Fundament;52
3.2.2;2.2 Soziale Muster;55
3.3;3 Altorientalische Wurzeln;60
3.3.1;3.1 Autokratie;60
3.3.2;3.2 Hierarchie ohne Dienstweg;64
3.3.3;3.3 Status und Luxus;67
4;ZWEITER TEIL Arabische Mentalität;70
4.1;4 Persönlichkeit und Kompetenz;72
4.1.1;4.1 Bildung und Denkstil;72
4.1.2;4.2 Selbstständigkeit und Verantwortungsbewusstsein;77
4.1.3;4.3 Sorgfalt und Methodenkompetenz;81
4.1.4;4.4 Emotionalität und Teamfähigkeit;84
4.2;5 Abgrenzung nach Innen und Außen;90
4.2.1;5.1 Offenheit;90
4.2.2;5.2 Selbstbild;94
4.2.3;5.3 Kulturelle Stereotype;96
5;DRITTER TEIL Institutionen der arabischen Gesellschaft;100
5.1;6 Staat und Unternehmen;102
5.1.1;6.1 Nepotismus und Professionalität;102
5.1.2;6.2 Zuverlässigkeit, Gesetzes- und Staatstreue;107
5.2;7 Der soziale Raum;112
5.2.1;7.1 Öffentlicher und privater Raum;112
5.2.2;7.2 Freunde;115
5.2.3;7.3 Einladungen und Feste;118
5.2.4;7.4 Stellung und Rolle der Geschlechter;123
5.3;8 Der persönliche Umgang;130
5.3.1;8.1 Gespräche und Gesten;130
5.3.2;8.2 Höflichkeit;135
5.3.3;8.3 Umgang der Geschlechter;140
6;VIERTER TEIL Entwicklung der arabischen Gesellschaft;144
6.1;9 Geschichte und Politik;146
6.1.1;9.1 Die goldenen Jahrhunderte;146
6.1.2;9.2 Jahrhundertelange Erstarrung;149
6.1.3;9.3 Zeitalter des Imperialismus;155
6.1.4;9.4 Westlicher Einfluss;159
6.1.5;9.5 Nahostkonflikt;165
6.1.6;9.6 Arabische Einheit;168
6.1.7;9.7 Gewalt und Terrorismus;173
6.2;10 Volkswirtschaft;178
6.2.1;10.1 Staatswirtschaft und Rentensuche;178
6.2.2;10.2 Zaghafter Aufbruch;184
7;FÜNFTER TEIL Anhang;190
7.1;Internet-Adressen;192
7.1.1;Diplomatische Vertretungen ;192
7.1.2;Deutsche Auslandsschulen;193
7.1.3;Außenhandelskammern;194
7.1.4;Länderinformationen;194
7.2;Kleines Wörterbuch der verwendeten arabischen Ausdrücke;198
7.2.1;arabisch-deutsch;198
7.2.2;deutsch-arabisch;199
7.3;Abbildungsverzeichnis;202
7.4;Tabellenverzeichnis;204
7.5;Bildnachweis;206
7.6;Literaturverzeichnis;208
7.7;Stichwortverzeichnis;220

" 2 Tribale Wurzeln (S. 39-40)

2.1 Die Familie als Fundament

Haus und Familie werden im Arabischen (wie im Deutschen bei bedeutenden Familien) mit demselben Wort bezeichnet ( Bet""). Arabische Familien sind durch ein enges Geflecht von Verantwortlichkeiten gekennzeichnet. So ist jeder Mann für seine Mutter, seine Schwestern, seine Töchter, seine Tanten, Cousinen und Nichten väterlicherseits sowie für schutzbedürftige männliche Verwandte verantwortlich. Sie haben das unverbrüchliche Recht auf Unterstützung, sofern keine engeren oder älteren männlichen Verwandten Hilfe leisten können. (Nippa S. 126ff.)

Es gibt eine Fülle von arabischen Sprichwörtern, die diesen familiären Zusammenhalt thematisieren:

Das Messer der Familie schneidet nicht."" (d.h. verteidige Dich nicht gegen Verletzungen aus der Familie)

Du bist wie ein Baum, der seinen Schatten nach Außen hin spendet."" (d.h. widme Deiner Familie mehr Aufmerksamkeit!)

Die junge Gans ist eine gute Schwimmerin."" (d.h. der Apfel fällt nicht weit vom Stamm)

In den Augen seiner Mutter ist der Esel eine Gazelle."" (d.h. nichts ist so stark wie Mutterliebe) (Nydell 2002, S. 125f)

Auf die eigene Familie verlässt man sich nicht nur im Notfall, sondern auch beim Fortkommen im Beruf und bei alltäglichen Gefälligkeiten. Verwandte sind nicht nur bei kleineren und größeren Festen präsenter, sie haben auch größere Rechte als sich dies West-, Mittel- und Nordeuropäer mit ihren entpersönlichten sozialen Absicherungssystemen und ihren tendenziell lockereren Sozialbeziehungen zunächst vorstellen können. So gehören Haushalt und Wohnung der Schwiegertochter im ganz praktischen Sinne auch der Mutter des Ehemannes. Sie kann dort schalten und walten wie in ihrem eigenen Haushalt und selbst wenn sie an sich nicht dort lebt sogar im Ehebett schlafen. Sollte sie beschließen ganz einzuziehen, so können ihr dies Sohn und Schwiegertochter nicht verwehren. Altorientalische Traditionen führen maßgeblich zu einer Verstärkung der Familienbande. Da die Spitzen von Staat und Gesellschaft überall eingreifen können, ist auch die Justiz nicht unabhängig und verlässlich für den normalen Bürger. Wenn europäisch erzogene Richter Unabhängigkeit zeigen, wird auch einmal die Verfassung geändert, wie 2006 in Ägypten. Durch derartige Eingriffe gibt es keine neutrale Vermittlungsinstanz in Streitfragen. Man verlässt sich daher vorzugsweise auf die eigene Familie, die nach alter Sitte zu einem halten muss ergänzt durch einige wenige enge Freunde. Das gilt sogar für juristische Fragen: Bedeutende Familien haben ihre eigenen Familiengerichte, denen sich jedes Familienmitglied unterwerfen muss.

Auch wenn die Familie in allen arabischen Ländern sozialer Mittelpunkt ist, so gibt es doch von Region zu Region und von Land zu Land gravierende Unterschiede. So lösen sich die traditionellen Bande der Großfamilie dort auf, wo die Familienmitglieder aus wirtschaftlichen Gründen in die Großstädte des Landes oder gar ins Ausland streben. Das ist vor allem in ärmeren arabischen Ländern wie Ägypten, Syrien oder Marokko der Fall. Immerhin reisen auch die Großstädter, wenn sich die Großfamilie einmal im Jahr am Ende des Ramadan an ihrem Stammsitz einfindet. Umgekehrt spielen Stammes- und Clanstrukturen in Asien und der Sahara eine wichtige Rolle. In Saudi Arabien und Kuwait herrscht jeweils ein einziger Clan, in Syrien dominiert der Alawiten-Clan den Staat, die Herrschaft in Jordanien stützt sich im Wesentlichen auf die Stämme der Beduinen."

Erscheint lt. Verlag 3.11.2008
Verlagsort Berlin/München/Boston
Sprache deutsch
Maße 148 x 210 mm
Gewicht 360 g
Themenwelt Geisteswissenschaften Geschichte Regional- / Ländergeschichte
Sozialwissenschaften Ethnologie
Wirtschaft Betriebswirtschaft / Management Unternehmensführung / Management
Schlagworte Arabien, Geschichte • Arabien; Kultur • Arabien; Politik/Zeitgeschichte • Arabien; Wirtschaft • arabische Staaten • BIBL. • Culture • Ethnologie • Feuchtwanger • Geschäftsreisen • Hardcover, Softcover / Ethnologie • HC/Ethnologie • HC/Wirtschaft/Internationale Wirtschaft • Kultur • Kulturen • Management • Mentalität • Social Science • Sociology • Sozialwissenschaften • SPALEK/HAWRYLCHAK • Sprache • Sprachen • Sprachen & Kulturen • Sprachraum • Sprachräume • Umgangsformen • Volkswirtschaft • Weitere Sprachräume • Wirtschaft
ISBN-10 3-486-58505-3 / 3486585053
ISBN-13 978-3-486-58505-6 / 9783486585056
Zustand Neuware
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
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