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Der Herr hält unsere Hand -  Benedikt XVI.

Der Herr hält unsere Hand (eBook)

Unveröffentlichte Predigten. Band 1: Fasten- und Osterzeit.
eBook Download: EPUB
2026 | 1. Auflage
272 Seiten
Verlag Herder GmbH
978-3-451-84087-6 (ISBN)
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Erstmals werden  bisher unveröffentlichte Privatpredigten von Papst Benedikt XVI., die er sowohl während seiner Amtszeit als Papst (2005-2013) als auch in den ersten Jahren nach seinem Rücktritt gehalten hat, gesammelt herausgegeben. Darunter sind hundert Sonntagspredigten aus den Jahren 2013 bis 2017, die der emeritierte Papst nach seinem Rücktritt in kleinem Kreis an seinem späteren Sitz, dem ehemaligen Kloster 'Mater Ecclesiae' gehalten hat, aber auch 30 Predigten, die er als amtierender Papst in kleinem Kreis hielt. Federico Lombardi, einstiger Pressesprecher des Vatikan ist überzeugt: 'Wer Ratzingers Spiritualität erleben will, der wird diese Predigten genießen. Es ist ein geistlicher Dienst, den Benedikt uns weiterhin leisten kann.' Dieser Band enthält seine Predigten zur Fastenzeit, Ostern, Pfingsten bis zum Dreifaltigkeitssonntag

Benedikt XVI., geboren als Joseph Ratzinger am 16. 4. 1927 in Marktl am Inn (Oberbayern). 1977 wurde Ratzinger zum Erzbischof von München-Freising ernannt und im selben Jahr zum Kardinal erhoben. 1981 berief ihn Papst Johannes Paul II. zum Präfekten der Glaubenskongregation, ein Amt, das er bis zu seiner Wahl zum Papst 2005 ausübte. Am 19.4.2005 wurde Ratzinger zum Papst gewählt. Aufsehen erregte der Amtsverzicht Benedikts, den er am 11. Februar 2013 ankündigte und am 28. Februar vollzog. Es war der erste Rücktritt eines Papstes aus eigenem Antrieb seit jenem Coelestins V. im Jahr 1294.  Benedikt XVI. starb am 31.12.2022.

Benedikt XVI., geboren als Joseph Ratzinger am 16. 4. 1927 in Marktl am Inn (Oberbayern). 1977 wurde Ratzinger zum Erzbischof von München-Freising ernannt und im selben Jahr zum Kardinal erhoben. 1981 berief ihn Papst Johannes Paul II. zum Präfekten der Glaubenskongregation, ein Amt, das er bis zu seiner Wahl zum Papst 2005 ausübte. Am 19.4.2005 wurde Ratzinger zum Papst gewählt. Aufsehen erregte der Amtsverzicht Benedikts, den er am 11. Februar 2013 ankündigte und am 28. Februar vollzog. Es war der erste Rücktritt eines Papstes aus eigenem Antrieb seit jenem Coelestins V. im Jahr 1294.  Benedikt XVI. starb am 31.12.2022. Georg Gänswein, geb. 1956 in Waldshut, Kurienerzbischof, 1984 im Freiburger Münster zum Priester geweiht. Er war von 1995 bis 2023 an der Römischen Kurie tätig; ab März 2003 Privatsekretär von Kardinal Joseph Ratzinger und ab April 2005 von Papst Benedikt XVI. Am 7. Dezember 2012 Ernennung zum Titularerzbischof und zum Präfekten des Päpstlichen Hauses. Bischofsweihe durch Papst Benedikt XVI. im Petersdom am 6. Januar 2013. Er blieb auch nach dem Amtsverzicht von Benedikt XVI. im Februar 2013 als Privatsekretär an seiner Seite bis zu dessen Tod am 31. Dezember 2022. Seit 2024 ist er Apostolischer Nuntius in Litauen, Estland und Lettland. Christian Schaller. Geb. 1967 in München. Studium der Theologie in München, Promotion 2002. War theologischer Referent des Bischofs von Regensburg Dr. Gerhard Kardinal Müller. Stellv. Direktor des Instituts Benedikt XVI in Regensburg. Silvia Kritzenberger ist akademisch geprüfte Übersetzerin. Sie lebt in Rom und arbeitet für den Vatikan.

Fastenzeit


Was muss der Retter der Welt tun?


9. März 2014, Privatkapelle,
Kloster Mater Ecclesiae

Erster Fastensonntag (Lesejahr A)

Lesungen: Gen 2, 7–9; 3, 1–7; Ps 50; Röm 5,  12–19

Evangelium: Mt 4, 1–11

Liebe Freunde,

mit seiner Taufe und der feierlichen Verkündigung, dass er der Sohn Gottes ist, hat Jesus offiziell seine Sendung als Messias begonnen. Die erste Aufgabe, die ihm der Heilige Geist aufträgt, ist, in die Wüste zu gehen, um versucht zu werden, oder – wie es im Tagesgebet heißt – in das Sakrament der Fastenzeit, das Sakrament der vierzig Tage, einzutreten.

Im Sprachgebrauch der frühen Kirche bezeichnet das Wort »Sakrament« nicht nur unsere sieben Sakramente; es ist eine Übersetzung des Wortes »Geheimnis«, und beschreibt damit die wesentlichen Strukturen der Heilsgeschichte. Ein Element dieser Strukturen ist das Geheimnis der vierzig Tage, beziehungsweise Jahre. Die Israeliten wandern vierzig Jahre lang durch die Wüste. Es ist eine Zeit der besonderen Nähe zu Gott, der zu seinem Volk spricht, mit seinem Volk handelt. Aber es ist auch eine Zeit der großen Versuchungen, in der sich Israel gegen Gott auflehnt und nicht mehr mit ihm gehen will. Es ist die Zeit der ersten Liebe und die Zeit der großen Versuchungen.

Dann bleibt Mose vierzig Tage lang auf dem Sinai, hoch oben und allein, fernab vom Alltag, in der geistigen Höhe des Gottesberges, in der Stille der Welt: Durch das große Fasten kann er so das Wort Gottes für alle Zeiten empfangen. Gestärkt durch das Brot, das ihm der Engel gegeben hat, begibt sich Elija schließlich auf eine vierzigtägige Wanderung – und muss nach dem Abfall Israels wieder zum Gottesberg zurückkehren und die Begegnung mit Gott erneuern.

Jesus selbst tritt in die Tradition der Fastenzeit ein, und mit ihm weist uns die Kirche jedes Jahr aufs Neue diesen Weg. Man darf nicht vergessen, dass das eigentlich Wesentliche dieser Zeit für Jesus gerade die Versuchung ist: das Eintreten in das Drama des menschlichen Daseins. Nur in der Wüste, in der Einsamkeit mit all ihren Schrecken, in der Not, im Elend des größten Hungers, im Ausgeliefertsein an die Mächte der Erde und im Alleinsein mit Gott erlebt er das menschliche Drama, versucht zu werden – sich also der Versuchung stellen zu müssen, nicht Gott zu wählen, sondern scheinbar bessere Lösungen, die in Wahrheit destruktiv sind. Wie es im Hebräerbrief heißt, gehört es zur Sendung Jesu, unsere Versuchungen auf sich zu nehmen und wie wir versucht zu werden – nur dass Jesus nicht sündigt und uns gerade dadurch hilft, den Versuchungen zu widerstehen (vgl. Hebr 4, 15–16).

Was aber sind die Versuchungen Jesu? Ich würde sagen: Es sind die Versuchungen des Messias, des Retters. Und hier stellt sich die Frage, was jemand tun muss, der der Retter der Welt sein will. Die Antworten, die dem Menschen offensichtlich erscheinen, sind in gewisser Weise genau die Vorschläge, die der Teufel Jesus macht: Es sind die großen Versuchungen.

Wer den Menschen erlösen will, muss zunächst einmal vor allem etwas gegen die Misere des Hungers und das Elend der Armut tun; wer dieses Elend nicht beendet, wer nicht allen zu essen gibt, wer nicht dafür sorgt, dass alle in Würde leben können, der erlöst die Welt nicht. Man könnte sagen: Solange es Hunger gibt und all das Leid, das wir täglich im Fernsehen sehen, solange dieses greifbare Elend die Welt beherrscht, ist der Mensch nicht erlöst.

Der zweite Vorschlag des Teufels lautet: Der Messias muss Gewissheit geben. Als würde man sagen: »Lieber Gott, wenn Du willst, dass wir an Dich glauben, dann musst Du Dich klar ausdrücken. Diese Wolke, in der Du Dich zeigst, reicht nicht aus. Wir brauchen Klarheit, Gewissheit.«

Und mit dem dritten Vorschlag an Jesus bekräftigt der Teufel: Du musst dem Guten Macht verleihen, das Gute darf nicht immer von der Überheblichkeit der Menschen besiegt und zerstört werden.

Kommen wir also wieder auf den ersten Punkt zurück: Um die Erlösung der Menschheit erleben zu können, musst du zuerst das Elend des Hungers, all diese Trübsal der Armut beenden. Das bietet der Teufel dem Herrn an. Der Herr aber sagt: Das ist nicht der Weg der Erlösung! Und er macht uns klar: Selbst wenn alle Menschen genug zu essen hätten und Wohlstand für alle herrschen würde, wäre der Mensch doch nicht erlöst.

Und so sehen wir ja auch gerade in den Wohlstandsländern, dass der Mensch dort, wo es Wohlstand, Reichtum und Überfluss gibt, sich selbst zerstört, sich zugrunde richtet. Obwohl er genug zu essen und anzuziehen hat, ist der Mensch noch lange kein guter Mensch. Im Gegenteil: Er neigt zur Selbstzerstörung, weil er Gott vergisst und nur daran denkt, wie er sich bereichern kann. Das ist also nicht der richtige Ausgangspunkt, die Prioritäten müssen anders gesetzt werden.

Jesus ist diesem Problem dreimal begegnet: hier, bei den Versuchungen in der Wüste, dann bei der Brotvermehrung und schließlich bei der wahren Vermehrung des Brotes: beim Letzten Abendmahl, der Einsetzung der Eucharistie. In diesen drei Situationen, vor allem bei der Brotvermehrung, sagt Jesus zu seinen Jüngern – zu uns: »Gebt ihr ihnen zu essen!«

Das bedeutet, dass Gott zuerst allen Menschen ausreichend Nahrung gibt: Die Erde schenkt Nahrung für alle, Gott hat bereits alles geschenkt, aber ihr Menschen müsst euch in Gottes Fürsorge hineinnehmen lassen, ihr müsst teilhaben an Gottes Liebe, Teil des Netzwerks der Güte sein. Ihr müsst geben, und nur aus dieser Mitverantwortung mit dem Schöpfer erwächst der wahre Sieg über das Böse, über das Elend – und auch die Erlösung.

Bei der Brotvermehrung fällt auf, dass Jesus die Menschen auffordert, sich in Gruppen ins Gras zu setzen: Das setzt Liebe, Mut und Bereitschaft zum Teilen voraus, und nur in dieser Mitverantwortung des Menschen vollzieht sich das Wunder – und der Hunger wird besiegt. Das ist also ein erster Aspekt: Wir müssen uns auf diese Mitverantwortung einlassen. Und die Voraussetzung dafür ist die Gabe des neuen Brotes vom Himmel, des wahren Manna: Jesus Christus selbst. In Jesus macht Gott sich für uns zur Speise: Es ist die Speise, von der wir im eigentlichen Sinne leben, und genau diese Speise verwandelt, erneuert und erlöst die Welt. Der Herr lädt uns also ein, Verantwortung zu tragen, teilzuhaben an der Verantwortung Gottes, und er schenkt sich uns selbst, damit auch wir fähig werden, den anderen ein Stück von uns selbst zu geben.

Was bedeutet das für unsere Fastenzeit, für unser Leben im Licht des Geheimnisses der vierzig Tage? Das Brot Gottes ist Christus selbst, und eine erste Voraussetzung ist, dass wir uns dieser Größe wirklich öffnen müssen. Die andere Voraussetzung ist natürlich das Fasten, also die Selbstbeherrschung, die Fähigkeit zum Verzicht. Das Fasten ist Ausdruck aller Religionen, denn sie alle sagen uns: Um wirklich Mensch zu sein, brauche ich einen starken Willen, der mein Leben lenken kann. Ich muss die Fähigkeit haben zum Verzicht, zur Selbstbeherrschung.

Diese Entsagungen und diese Disziplin sind jedoch nie ein Selbstzweck. In der Tradition der Kirche gehen Fasten und Almosen, Fasten und Nächstenliebe, Fasten und verantwortete Liebe immer Hand in Hand. Fasten und Verzicht dienen der Mitverantwortung, dem Teilen, der Liebe. Das ist ein grundlegender Aspekt unserer Fastenzeit: Neben der Fähigkeit zum Verzicht müssen wir lernen, mit Christus zu lieben, uns gemeinsam mit Christus hinzugeben, der sich selbst für die Menschen hingibt.

Zweiter Punkt: Die Gewissheit. Jesus soll sich in die Tiefe stürzen, um zu beweisen, dass ihm der Schutz Gottes gewiss ist – also durch ein Experiment zeigen, dass Gott existiert. Aber genau das akzeptiert Gott nicht: Gott ist nicht Gegenstand unserer Experimente. In Psalm 95 sagt Gott in einem Rückblick auf die Zeit in der Wüste: »Ihr habt mein Tun gesehen, und wolltet mich doch auf die Probe stellen« (V. 9). Wir können das Handeln Gottes sehen, aber das reicht uns nicht, und so wollen wir ein Experiment machen; Gott soll sich unserem Experiment unterziehen, er soll in unser Labor kommen, damit wir überprüfen können, ob es ihn gibt oder nicht.

Doch Gott, der sich zwar in vielen Dingen tatsächlich zeigt und offenbart, lässt sich nicht zum Gegenstand unserer Experimente machen; er lässt sich nicht unseren Maßstäben und unserer Art und Weise unterwerfen, Gewissheit zu erlangen. Diese Art Gewissheit, die Gott kontrollieren will, ist nicht möglich, und wir alle leiden darunter, dass immer ein letzter »Nebel« bleibt. Beim Letzten Abendmahl hat der Apostel Judas Thaddäus genau das zum Ausdruck gebracht, was wir wohl alle sagen möchten. Er hat zum Herrn gesagt: »Herr, wie kommt es, dass du dich nur uns offenbaren willst und nicht der Welt?« (vgl. Joh 14, 22).

Mit anderen Worten: Der Auferstandene hätte sich nicht nur einem kleinen Kreis von Auserwählten zeigen sollen – er hätte auch zu Pilatus gehen sollen, zu den Hohepriestern, zum Hohen Rat. Mit seiner machtvollen Gegenwart hätte er allen eindeutig beweisen können, dass er wirklich der Auferstandene ist – gerade durch die Kraft seiner Erscheinung hätte er jeden Zweifel ausgeräumt. Wenn Thaddäus sagt: »Was ist geschehen? Du solltest dich nicht nur uns zeigen, du solltest auch zu den anderen gehen!«, sind wir versucht, dasselbe zu sagen. Aber Gott ist anders, Gott lässt uns die Freiheit und erwartet uns auf einem Weg der Suche. Auf diesem Weg bietet er uns einen Ort an, an dem er sich zeigt, damit wir Gewissheit haben können. Bitten wir den Herrn, dass er uns hilft, mit ihm zu gehen, um ihn so zu schauen und Gewissheit zu haben.

Damit sind...

Erscheint lt. Verlag 19.1.2026
Co-Autor Georg Gänswein
Nachwort Christian Schaller
Übersetzer Silvia Kritzenberger
Vorwort Federico Lombardi
Verlagsort München
Sprache deutsch
Themenwelt Geisteswissenschaften Religion / Theologie Christentum
Schlagworte Benedikt XVI. • Federico Lombardi • Georg Gänswein • Ostern • Papst • Passionszeit • Pfingsten • Predigten • Predigtsammlung • Privatpredigten
ISBN-10 3-451-84087-1 / 3451840871
ISBN-13 978-3-451-84087-6 / 9783451840876
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