Gute Gründe, der Bibel zu vertrauen (eBook)
184 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-8192-9185-2 (ISBN)
Matthias Hilbert wohnt in Gladbeck und ist Lehrer i. R. (mit Vokation in Ev. Religionslehre) und Autor. Schwerpunkt seiner bisherigen Veröffentlichungen sind die sog. Christlichen Dichter sowie bedeutende christliche Persönlichkeiten. Als Bücher sind von ihm u. a. erschienen: Hermann Hesse und sein Elternhaus - Zwischen Rebellion und Liebe (Calwer), Fromme Eltern - unfromme Kinder? Lebensgeschichten großer Zweifler (chrismon), Gottfinder. Dichter-Bekehrungen durch die Jahrhunderte (Steinmann) oder Von Paul Gerhardt bis Manfred Siebald. 20 Lebensbilder alter und neuer Liederdichter (CV Dillenburg).
Exkurs
Skandalös: Jesus starb für die Sünden der Menschen am Kreuz
1. Der gekreuzigte Christus – ein permanentes Ärgernis
Ein Rachegott, der nach Blut dürstet?
Über Jahrhunderte hinweg war das Kreuz – mit oder ohne Korpus – in der Christenheit und in den vom Christentum geprägten Ländern ein selbstverständliches Symbol des christlichen Glaubens. Es hing (und hängt bis zum heutigen Tag) ja nicht nur in Kirchen oder in den Wohnungen von Christen, sondern (zumindest teilweise) auch in Schulräumen, Gerichtssälen und Krankenzimmern oder ist angebracht an Wegkreuzungen oder auf Berggipfeln. In Dankbarkeit und Ehrfurcht begegneten Menschen dem Kreuz und dem, der an dem Kreuz hing: dem leidenden Gottessohn, dem Heiland und Erlöser, den Gott hatte sterben lassen für sie und ihre Sünden. Diese positive Haltung zum Kreuz ist aber mittlerweile nicht mehr selbstverständlich. Da inzwischen „moderne“ Theologen der historisch-kritischen Exegese zum Teil selber die soteriologische (heilswirkende) Bedeutung der Kreuzigung Jesu zunehmend in Frage stellen, soll an dieser Stelle auch die bleibende Relevanz des Sühnetodes Jesu als einem Herz- und Kernstück des christlichen Glaubens untersucht werden.
Schon Mitte des vergangenen Jahrhunderts hatte Rudolf Bultmann apodiktisch festgestellt: „Der moderne Mensch kann die Lehre von der stellvertretenden Genugtuung durch den Tod Christi nicht verstehen. Wie kann meine Schuld durch den Tod eines Schuldlosen (…) gesühnt werden? Welch primitiven Begriffe von Schuld und Gerechtigkeit liegen solcher Vorstellung zugrunde? Welch primitiver Gottesbegriff? (…) Welch primitive Mythologie, dass ein mensch-gewordenes Gotteswesen durch sein Blut die Sünden der Menschheit sühnt?“1 Ganz in diesem Sinne fragte dann auch Dorothee Sölle 1993 auf einem Kirchentag provozierend: „Steht Gott auf Blut? Musste er erst ein Opfer haben, bevor er uns vergibt?“2 Und die ehemalige Hamburger Bischöfin Maria Jepsen sinnierte in einem Weihnachtsjournal der „Kieler Nachrichten“, dass sie sich manchmal vorstelle, dass die Christenheit nicht das Kreuz zu ihrem Zeichen erhoben hätte, sondern stattdessen die Krippe – „ein so freundliches Zeichen“3.
Im Jahr 2009 sorgte der ehemalige Bonner Superintendent Burkhard Müller durch eine Andachtsreihe im WDR 5 für Aufsehen, hatte er doch zum Kreuzigungstod Jesu u. a. erklärt: „Wenn in zwei Wochen die Passionszeit Christi beginnt und wir in der Kirche über Jesu Leidensweg nachdenken, wird sicherlich hier und da wiederholt werden: Jesus starb, um uns die Sünden zu vergeben. Bei mir würden Sie das allerdings nicht hören. Denn ich glaube das nicht. Ich glaube an die Vergebung der Sünden, aber ich glaube nicht, dass Jesus für unsere Sünden gestorben ist.“ Am nächsten Tag, dem 11. Februar 2009, legte Müller in seiner Radioandacht nach: „Warum wurde Jesus gekreuzigt? Hier meine Antwort: Weil die Mächtigen Jesus mitsamt seiner Botschaft beseitigen wollten. Andere sehen das anders. Zum Beispiel so: Weil Gott ein Sühneopfer brauchte wegen der Sünden der Menschen. Stellvertretend für uns litt er die Strafe und stillte so Gottes Zorn. Ich halte diese Ansicht für falsch, (…) Dann wäre ja der Ursprung der Christusgeschichte nicht Gottes Liebe, sondern ein zorniger, beleidigter Gott, der Rache will für Kränkungen durch unsere Sünden.“ Und am Schluss seiner fünften und letzten Andacht fragte und bekannte Müller: „Welches Bild von Jesus will ich am liebsten in meiner Seele tragen, um daraus Kraft und Mut für mein Leben zu holen? Ist es das Bild des am Kreuz sterbenden Jesus? Ich ziehe das Bild des guten Hirten vor.“4 Müller übersieht jedoch dabei, dass in dieser Selbstbezeugung Jesu, in dieser wunderschönen Metapher vom guten Hirten, sich Jesus als den Hirten charakterisiert, der „bereit ist, für seine Schafe zu sterben“(Jo 10,11 GN).
Der in diesen Rundfunkandachten vermittelten Sicht von der Bedeutung bzw. Bedeutungslosigkeit von Jesu Kreuzigung widersprach der an der Universität Bonn lehrende Theologe Michael Roth im „Deutschen Pfarrerblatt“ 6/2013, wobei er besonders die nonchalante Art und Weise Müllers, die eigene Ansicht im eklatanten Widerspruch zum biblischen Befund als Maßstab zu etablieren, anprangerte. Nicht frei von Polemik und Ironie, aber in der Sache durchaus zu Recht, erklärte Roth: „Ein Beispiel für die Trivialisierung der kirchlichen Verkündigung, die nicht bereit ist, sich mit der spannungsreichen Bild- und Symbolsprache des Glaubens auseinanderzusetzen und jeden Niveauverlust in Kauf nimmt, um vorschnelle einfache Antworten zur allgemeinen Zufriedenheit zu präsentieren, sind die umstrittenen Rundfunkandachten, die der pensionierte Pfarrer Burkhard Müller in WDR 5 kurz vor dem Osterfest im Jahr 2009 gehalten hat. Müller erläutert in diesen Andachten, was wir glauben müssen und was wir nicht glauben müssen. So erfahren wir, dass Müller zwar an die Vergebung durch Gott glaubt, nicht aber daran, dass Jesus für unsere Sünden gestorben ist; denn Müller weiß, dass Gott ein Gott der Liebe ist, der auch ohne Opfer vergeben kann. (…) Müller weiß, dass Jesus nicht gestorben ist, um uns von unseren Sünden zu befreien, sondern weil ihn die Mächtigen nicht leben lassen wollten.“
Für den Bonner Professor hat „Müllers schlichte Verabschiedung der Bildund Symbolwelt des Glaubens zugunsten freier Einfälle des jeweiligen Pfarrers über Gott“ – der Theologe also quasi als eine Art übergeordneter Instanz, die sich über das biblische Zeugnis stellt und dieses nach eigenen Vorstellungen und persönlichem Deutungsystem virtuos und phantasiereich interpretiert – „erhebliche Konsequenzen: Zunächst fällt der prophetische Habitus der Reden von Müller auf, die das Verständnis von Religion einer grundsätzlichen Revision unterziehen: Religion wird nicht begriffen als eine das Leben bestimmende Orientierung mit einem geschichtlich gewachsenem System von Symbolen und Ritualen (…), sondern als auf einen bestimmten Pfarrer sich gruppierende Fangruppe auf Zeit, die diesen als Propheten betrachtet, der sagt, was wir glauben müssen und was wir nicht glauben müssen. (…) Auffallend ist auch, dass die Verabschiedung von der Bild- und Symbolwelt des Glaubens zu einer Naivität des Gottesbildes führt. (…) Wenn man wie Müller davon redet, dass Jesus nicht gestorben ist, um uns von unseren Sünden zu befreien, sondern deshalb, weil ihn die Mächtigen nicht leben lassen wollten, dann siedelt man menschliches und göttliches Handeln auf einer Ebene an.“5
Jesu Kreuzestod: von Anfang an ein Skandal
Inzwischen gibt es schon seit Jahren nicht nur vermehrt Versuche, das Kreuz aus der Öffentlichkeit zu verbannen, sondern das Kreuz wird auch immer häufiger, immer dreister zu einem Objekt des Spottes und der Schmähungen.* Die Verhöhnung des Gekreuzigten, das Unverständnis über die Bedeutung von Christi Leiden und Sterben am Kreuz, das alles sind jedoch keine neuen Erscheinungen. Damit wurde die Christenheit von Anfang an konfrontiert. Bereits Paulus ließ die frühe Gemeinde wissen: „Gott beschloss, die Menschen durch das zu retten, was die Weisen für Unsinn halten: die Botschaft vom Kreuzestod. Wer sie annimmt, der ist gerettet. Die Juden verlangen Wunder, die Griechen Erkenntnis. Wir aber verkünden, dass Christus, der Gekreuzigte, der Retter ist. Für die Juden ist das eine Gotteslästerung, für die Griechen Unsinn. (…) Gott scheint hier gegen alle Vernunft zu handeln – und ist doch weiser als alle Menschen. Gott scheint schwach – und ist doch stärker als die Menschen.“(1 Kor 1,21b-25 GN)
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Beide, sowohl die Juden wie die gebildeten Griechen übersahen also in ihrer Mehrheit, dass auf der für Verbrecher vorgesehenen Hinrichtungsstätte von Golgatha, auf der sich das qualvolle Sterben Jesu am Kreuz abspielte, dass genau an diesem Ort und in diesem Geschehen – im Schnittpunkt von Zeit und Ewigkeit – ein entscheidendes heilsgeschichtliches Ereignis stattfand. Doch was für eine Glaubenszumutung damals wie heute: der Gottessohn, ja in ihm Gott selbst, soll hier – ohnmächtig zwischen Himmel und Erde hängend, die Arme wie zu einer Einladung weit ausgestreckt – für die Menschen, für ihre Rettung gestorben sein? Da konnten die philosophisch geschulten Griechen nur den Kopf schütteln. Und die Juden? Für sie war solche Behauptung regelrecht ein „Skandal“ (so die wörtliche Übersetzung) oder, wie Luther übersetzt, „Ärgernis“. Das ging ja völlig quer mit ihrem Gottesbild, mit ihrer Messiasvorstellung!
Josef Ratzinger spricht davon, dass „Gott immer mehr im Geringen zu verschwinden scheint und gerade so immer mehr als er selber offenbar wird. Da ist zunächst die Erde, ein Nichts im Kosmos, welches der Punkt göttlichen Handelns am Kosmos sein soll. Da ist Israel, ein Nichts unter den Mächten, das...
| Erscheint lt. Verlag | 7.8.2025 |
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| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Geisteswissenschaften ► Religion / Theologie ► Christentum |
| ISBN-10 | 3-8192-9185-7 / 3819291857 |
| ISBN-13 | 978-3-8192-9185-2 / 9783819291852 |
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