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"Von guten Mächten wunderbar geborgen..." (eBook)

Dietrich Bonhoeffer. Theologe, Pastor und Dichter im Widerstand gegen Hitler. Mit einem `Who is Who´ bei Dietrich Bonhoeffer
eBook Download: EPUB
2024 | 1. Auflage
452 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-9039-1 (ISBN)

Lese- und Medienproben

"Von guten Mächten wunderbar geborgen..." -  Thomas O. H. Kaiser
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Das vorliegende Buch behandelt das Leben und Werk des bedeutenden protestantischen deutschen Theologen Dietrich Bonhoeffer (2.2.1906 - 9.4.1945), der im Widerstand gegen Hitler sein Leben gelassen hat. Der Titel geht auf das im Gefängnis verfasste berühmte letzte Gedicht Bonhoeffers zurück. Im Zentrum der Ausführungen stehen Dietrich Bonhoeffers Lebensweg und die Umwelt, die sein Denken mit geprägt hat: Wie war der familiäre Hintergrund des evangelischen Pfarrers, der ohne binnenkirchlichen Hintergrund von außen in die Kirche kam und für das Evangelium Jesu Christi eingetreten ist wie kein anderer seiner Zunft in der Zeit des Nationalsozialismus? Sodann geht es um das Werk, das Dietrich Bonhoeffer der Nachwelt hinterlassen hat und das größtenteils erst nach seinem Tode zur Veröffentlichung gelangte: Was macht das Denken des Theologen aus, der im Alter von 21 Jahren seine theologische Doktorarbeit beendete, mit 24 Jahren alle Vorraussetzungen für eine akademische Karriere zum Professor erfüllt hatte und sich dennoch dafür entschied, mit seinen vielfältigen Begabungen der Kirche zu dienen? Und schließlich: An welchen Stellen ist die Wirkung des Mannes, der aus seinem Glauben heraus am militärischen Widerstand gegen den Diktator Hitler beteiligt war, heute noch spürbar - welcher Glaube, welche Überzeugungen und welche Motive stehen hinter Dietrich Bonhoeffers Handeln und sind für ihn leitend gewesen? Und was können wir heute daraus lernen? Das vorliegende Buch ist für alle, die auf Bonhoeffers Leben, Denken, Glauben und Handeln neugierig sind; für interessierte Christinnen und Christen aller Fachrichtungen; für alle, die an der kirchlichen Zeitgeschichte und an der Geschichte des deutschen Widerstandes gegen Hitler interessiert sind; für alle Frauen und alle Männer, die mit Bonhoeffers Welt einmal in Berührung gekommen sind und jetzt gerne tiefer in die Materie eintauchen möchten; für anspruchsvolle Jugendliche, die eine Orientierung im Glauben suchen; für Theologen und Nicht-Theologen und für philosophisch Interessierte, die gerne über sich selbst und über Gott und die Welt nachdenken. Das Buch will dazu beitragen, sich einem Christen anzunähern, der für seinen Glauben und für seine Mitmenschen in unmenschlicher Zeit eingetreten ist.

Dr. theol. Thomas O. H. Kaiser, geb. Müller (Jg. 1963), Dipl. Theol., ist evangelischer Pfarrer in Klettgau/Baden.

Vorwort


„Von guten Mächten treu und still umgeben/behütet und getröstet wunderbar,/so will ich diese Tage mit euch leben/und mit euch gehen in ein neues Jahr.“1

Diese Zeilen aus dem Gedicht „Von guten Mächten“ stammen von dem weltweit wohl bedeutendsten deutschen Protestanten des Zwanzigsten Jahrhunderts: Dietrich Bonhoeffer. Seine Worte über die guten Mächte, die einen im Leben begleiten mögen, sind Ende 1944 in dem gefürchteten Kellergefängnis der `Geheimen Staatspolizei´ (Gestapo) in der Prinz-Albrecht-Straße in Berlin entstanden. Sein Verfasser, am Widerstand gegen Adolf Hitler2 - Diktator, Massenmörder, Psychopath, Neurotiker und Verbrecher3 - beteiligt, sollte zwar in ein neues Jahr gehen. Aber Dietrich Bonhoeffer hat Silvester 1945 nicht mehr erlebt. Der evangelische Theologe, Pastor und Dichter starb im Konzentrationslager Flossenbürg einen grausamen Märtyrertod, von den Nationalsozialisten ermordet wie viele andere Gegner des Naziregimes und so ein der Opfer der Shoah4 – sechs Millionen europäischer Juden, hilflose Kranke und oppositionelle Gesunde, Sinti und Roma, Mitglieder aller christlichen Konfessionen, Katholiken, Protestanten, Zeugen Jehovas, Mitglieder aller Parteien, Sozialdemokraten, Sozialisten, Kommunisten und Liberale, Bürgerliche und Unbürgerliche, Homosexuelle und Heterosexuelle. Dietrich Bonhoeffer gilt heute wegen seines Einsatzes für die Menschlichkeit aus seinem Glauben heraus als einer der wenigen „Heiligen“5 , die wir evangelischen Christinnen und Christen kennen bzw. überhaupt akzeptieren. Wie kein anderer Theologe wurde Bonhoeffer nach dem Krieg gelesen und sein Handeln weltweit geachtet – bei Christen wie bei Nichtchristen, bei Agnostikern wie bei Nihilisten, bei Atheisten wie bei Angehörigen anderer Konfessionen.

Vor ein paar Jahren wurde vielerorts Dietrich Bonhoeffers öffentlich gedacht. Dabei erstreckte sich, um genau zu sein, der Zeitraum des Gedenkens vom Datum der Wiederkehr seines 60. Todestages am 9. April 2005 bis zu den Jubiläumsfeiern zu seinem Geburtstag, der sich am 4. Februar 2006 zum hundertsten Mal jährte. Zwischen diesen beiden Eckdaten ging es darum, sich an den großen Theologen, Schriftsteller und Widerstandskämpfer angemessen zu erinnern. Dies gilt auch heute: sich Dietrich Bonhoeffers angemessen zu erinnern. Und es geht, wie schon so häufig vor uns, darum, die Frage zu beantworten: Wer ist Dietrich Bonhoeffer für uns heute? Was ist für sein Werk charakteristisch? Und was ist die Wirkung, die er durch sein Werk nach seinem Tod hinterlassen hat?

Während die Täter, Gesinnungstäter und Mitläufer nach der Befreiung Deutschlands vom Faschismus später behaupteten, sie seien zu ihren Handlungen von den Nazis gezwungen worden und hätten von all dem Unrecht nichts gewusst, sind Dietrich Bonhoeffer, seine Familie und seine Freunde von Anfang an über die Verbrechen der Nazis informiert gewesen.6 Deshalb bewies Bonhoeffer, seinem Glauben und seinem Gewissen folgend, den Mut, den der Großteil seiner Kirche und auch der nicht vom Nazi-Bazillus infizierte Teil des deutschen Volkes nicht gehabt hatte: Er war an den Vorbereitungen des militärischen Widerstands gegen Hitler beteiligt, mit dem Ziel, den Diktator gewaltsam zu töten. Und er war auch selbst dazu bereit – sich dessen bewusst, dass, wer jemanden tötet, damit Schuld 7 auf sich lädt. Er wollte dadurch Schlimmeres verhindern.

Dietrich Bonhoeffer wusste, wie gesagt, sehr früh von den Verbrechen gegenüber den Juden und er wusste auch von den Morden an behinderten und kranken Kindern8 und Erwachsenen. Einem Staat, der das Leben seiner Bürger vernichtete, statt es zu schützen, einem Staat, der Wehrlose und Kranke tötete9, dem konnte aus Verantwortung gegenüber Gott und den Menschen nur die Gefolgschaft aufgekündigt werden – so Bonhoeffers Überzeugung.10 Nur das Militär war nach der brutalen Zerschlagung der bürgerlichen und der kommunistischen politischen Opposition noch in der Lage, diesen Schritt zu tun.11 Das Attentat des 20. Juli 1944 ist bekanntlich fehlgeschlagen.12 Das misslungene Attentat steigerte Hitlers Popularität noch einmal: Es wurde als Zeichen der Vorsehung interpretiert, dass der Diktator – wieder einmal – überlebt hatte! Mit unerbittlicher Härte ging das Regime nun gegen die Attentäter vor und die Repressalien, denen die gefangenen Hitler-Gegner und auch der sich zu diesem Zeitpunkt in Haft befindliche Bonhoeffer ausgesetzt waren, wurden nach dem Attentat erhöht. Der Deutschen Wehrmacht, zu dem der militärische Geheimdienst, genannt `Abwehr/Ausland im Oberkommando der Wehrmacht´ (OKW), in dem Bonhoeffer zum Schluss mitarbeitete, gehörte, wurden nach dem Attentat keinerlei Privilegien mehr eingeräumt.

Aus Respekt vor seinem Mut und der Wertschätzung für das, was Dietrich Bonhoeffer mit seinen Freunden im Widerstand an persönlichem Leid und persönlicher Opferbereitschaft auf sich genommen hat, ist dieses Buch nach langen Studien zu Bonhoeffer und seiner Zeit entstanden. Natürlich wäre es ohne die unermüdliche Arbeit von Dietrich Bonhoeffers Freund und Weggefährten Eberhard Bethge nicht zu denken, der akribisch das ihm vorliegende Material seines Freundes sicherte, sichtete, zusammentrug, publizierte, bis an sein Lebensende dessen Erbe bewahrte und auf das ich, wie viele andere vor mir, zurückgreifen konnte.13 Eberhard Bethge hat mit seiner Biographie über Dietrich Bonhoeffer Maßstäbe gesetzt, an der sich jede andere Annäherung an Bonhoeffers Leben und Werk messen lassen muss.14 Berge von Sekundärliteratur sind zwischenzeitlich dazugekommen.15 Bildbände, die erschienen sind, nehmen Leserinnen und Leser mit in eine untergegangene Welt.16 Auch im Internet ist zwischenzeitlich sehr viel über Dietrich Bonhoeffers Leben und Werk in Erfahrung zu bringen.17

Das ist sehr erfreulich. Erfreulich sind auch die vielen Formen der Erinnerung an Dietrich Bonhoeffer. Eine Form der Erinnerung ist, ein Haus nach dem zu Erinnernden zu benennen.

Der Kirchengemeinderat der evangelischen Kirchengemeinde Kadelburg, in der ich zusammen mit meiner Frau, Pfarrerin Andrea Kaiser, von 1998 bis 2008 im Jobsharing den Dienst als Gemeindepfarrer versah, beschloss auf unseren Antrag 2005 hin einstimmig, das bis dato namenlose Kadelburger `Evangelische Gemeindehaus´ Dietrich Bonhoeffer zu Ehren in `Dietrich-Bonhoeffer-Haus´ umzubenennen. Die kleine Diaspora-Gemeinde ganz im Süden Deutschlands, unmittelbar an der Grenze zur Schweiz gelegen, von deren heutigen Mitgliedern viele nach dem Krieg aus Deutschlands Osten zugezogen waren, würdigte damit das Leben und das Werk eines Theologen, der vielen Menschen durch sein Denken und seine Texte im Glauben weitergeholfen hat. Außerdem ehrte sie einen verantwortlich handelnden Christen, der in schwieriger Zeit in Deutschland gebetet und das Gerechte getan hat. Mit dieser Namensgebung sollte die Erinnerung an Dietrich Bonhoeffer für die Zukunft wachgehalten werden.

Kadelburg, 20. Juli 2014

Thomas O. H. Kaiser

1 Dietrich Bonhoeffer, Von guten Mächten (1944), in: ders., Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, hg. von Eberhard Bethge, München 141990, 219. Das Gedicht privater Natur, in einem Brief Bonhoeffers vom 19.12.1944 an Maria von Wedemeyer überliefert, ist das letzte Gedicht, das der gefangene Bonhoeffer im Kellergefängnis der Prinz-Albrecht-Straße verfasst hat, vgl. Dietrich Bonhoeffer Werke (DBW) 8, 607f.). In der Nachkriegszeit vielfach vertont, hat es so auch – außergewöhnlich für ein privates Gedicht – als Lied Eingang ins deutsche Evangelische Gesangbuch (EG 65) gefunden. In vielen Gemeinden in Deutschland wird es regelmäßig zum Jahreswechsel gesungen. Es gibt über 50 musikalische Fassungen, von denen sich zwei durchgesetzt haben: Zum einen die 1959 in Ost-Berlin entstandene Melodie von Otto Abel (1905-1977), zeitweise Landeskirchenmusikdirektor der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg, die in der DDR populär war und Eingang in den Stammteil des EG gefunden hat; zum anderen die musikalische Fassung von Siegfried Fietz (geb. 1946), eine gefällige Melodie im Sechsachteltakt, eher dem Sacro-Pop zuzurechnen, die sich derzeit in den Gemeinden in der Bundesrepublik Deutschland durchzusetzen scheint. Zur Interpretation des Gedichts, vgl. Jürgen Henkys, Geheimnis der Freiheit. Die Gedichte Dietrich Bonhoeffers aus der Haft. Biographie, Poesie, Theologie, Gütersloh 2005, 262-287. Bonhoeffers Gedichte sind samt und sonders in DBW 8 (1998) veröffentlicht worden. Das Original liegt in Maria von Wedemeyers Nachlass in der Houghton Library in Harvard.

2 Auf die im Druck kursiv gesetzten Namen – mit Ausnahme von Hitler und der verbrecherischen Führungsriege der Nazis – wird im Personenverzeichnis im Anhang gesondert eingegangen. Das soll Leserinnen und Lesern...

Erscheint lt. Verlag 7.11.2024
Sprache deutsch
Themenwelt Geisteswissenschaften Religion / Theologie Christentum
Schlagworte Dietrich Bonhoeffer, Biografie, Dichter, Theologe, Pastor, Pfarrer, Christentum, militärischer Widerstand gegen Hitler • Dietrich Bonhoeffer, Biografie, Religion, Christentum, Widerstand gegen Hitler • Dietrich Bonhoeffer, Klaus von Dohnanyi, Renate Schleicher, Klaus Bonhoeffer • Dietrich Bonhoeffer, Theologie, Karl Barth, V-Mann, Geistlicher • Dietrich Bonhoeffer, Widerstand, Nationalsozialismus, Geschichte
ISBN-10 3-7693-9039-3 / 3769390393
ISBN-13 978-3-7693-9039-1 / 9783769390391
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