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Psychotherapie ohne Fachgedöns* (eBook)

Fachbuch-Bestseller
*wissenschaftlich fundiert, verständlich formuliert - Therapiemomente miterleben und für die eigene Entwicklung nutzen

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025
149 Seiten
Kösel-Verlag
978-3-641-32302-8 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Psychotherapie ohne Fachgedöns* - Nike Hilber
Systemvoraussetzungen
12,99 inkl. MwSt
(CHF 12,65)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
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Was passiert eigentlich in der Therapie?

Die Psychologin und approbierte Psychotherapeutin Nike Hilber, bekannt durch ihren Instagram-Account @la_psychologista, gibt Einblick hinter die sonst verschlossenen Türen einer Therapie. Durch fiktive, aber alltagsnahe therapeutische Szenen, ermöglicht sie einen authentischen Einblick in die Welt der psychodynamischen Psychotherapie. Der realistische und erzählerische Blick auf universelle Themen wie Angst, Scham, Einsamkeit oder Wut schafft Verständnis für den intimen und emotionalen Prozess, den eine Psychotherapie mit sich bringt und erweitert das Wissen über mentale Gesundheit und die Möglichkeiten zur persönlichen Entwicklung. Neben individuellen Perspektiven werden auch gesellschaftliche Aspekte nicht außer Acht gelassen.

Die Geschichten über therapeutische Schlüsselmomente werden durch Erklärungen zu psychologischen Konzepten und Methoden sowie Anregungen zum Nachdenken erweitert. Natürlich alles #ohnefachgedöns.

Psychotherapie ohne Fachgedöns dient als Inspiration für Kopf und Herz sowie für ein tiefes Verständnis der Beziehung zu sich selbst und den Mitmenschen.

»Dieses Buch ist was für die Seele. Im wahrsten Sinne.« Dr. Christina Berndt, Süddeutsche Zeitung Wissenschaft und Spiegel-Bestsellerautorin

»Ein Buch ohne Fachgedöns – aber mit psychologischer Tiefe.« Cécile Loetz & Jakob Müller, Rätsel des Unbewussten

Nike Hilber, Jahrgang 1991, ist Psychologin und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapeutin. Sie brennt für die psychodynamische Psychotherapie, denn diese hat das Potenzial, sowohl psychische Erkrankungen erfolgreich zu behandeln als auch – dank ihrer Nähe zur Psychoanalyse – gesellschaftspolitische Prozesse unter die Lupe zu nehmen. Außerdem ist Nike Hilber seit 2018 wissenschaftsjournalistisch auf Instagram unter @la_psychologista aktiv. Dort macht sie ihre spannenden Inhalte unter dem Hashtag #ohnefachgedöns einem breiten Publikum zugänglich.

WAS MIR NOCH WICHTIG IST

DIE SACHE MIT DEN (SELBST-)DIAGNOSEN

Dieses Buch verzichtet bewusst auf die Nennung von Diagnosen. Und zwar um all den potenziell schädlichen Folgen wie Stigmatisierung und Fehleinschätzungen, die durch Selbstdiagnosen begünstigt werden, vorzubeugen.

Diagnosen an sich haben ihre Daseinsberechtigung und sind dringend nötig, um wissenschaftlich fundiert sowie zielorientiert arbeiten und forschen zu können. Gleichzeitig laden Diagnosen auch dazu ein, Menschen in Schubladen zu stecken. Diagnosen, gepaart mit Unwissenheit, können dazu verführen, den Menschen »hinter der Diagnose« zu vernachlässigen und den Fokus fortwährend auf die Erkrankung als solche zu legen. Doch Menschen sind nicht ihre Erkrankung, sie haben eine Erkrankung. Und um eine Erkrankung erfolgreich behandeln zu können, muss man den Menschen verstehen, der sie in sich trägt.

Gleichzeitig ermöglichen Diagnosen Behandlungsempfehlungen, was gerade in Abgrenzung zu unseriösen therapeutischen Angeboten einen wichtigen Marker darstellt. Viele Betroffene beschreiben den Moment, als sie ihre Diagnose erhalten haben, nachvollziehbarerweise als große Erleichterung. Endlich haben sie etwas in der Hand, womit sich ihr Zustand beschreiben lässt. Trotzdem dürfen wir nicht vergessen, dass mit jeder Diagnose automatisch auch die Möglichkeit für Ausgrenzung gegeben wird. Aus einzelnen Menschen werden plötzlich »die Borderliner« oder »die Depressiven«, die alle [füge hier ein beliebiges verallgemeinerndes Verb ein] sind. Individuen werden zu homogenen Gruppen zusammengestampft, was wiederum Raum für Vorurteile und strukturelle Diskriminierung schafft. Und außerdem existieren in der International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems (abgekürzt: ICD-10), dem aktuell in der Praxis dominierenden Diagnosenkatalog1, circa vierhundert verschiedene Diagnosen für psychische Erkrankungen, die sich wiederum in 17 Hauptkategorien einteilen lassen. Um eine gesicherte Diagnose stellen zu können, müssen zahlreiche weitere Kriterien in Betracht gezogen werden, zum Beispiel die Dauer oder der Schweregrad der Symptomatik. Und selbst dann bleibt es manchmal nicht ganz eindeutig.

Aufgrund dieser Komplexität und der bei direkter oder indirekter Betroffenheit fehlenden Objektivität gehört die Diagnosestellung psychischer Erkrankungen in die Hände von entsprechend ausgebildeten Expert:innen. Der Bedarf an Diagnostik für bestimmte psychiatrische Störungsbilder übersteigt nach wie vor das Angebot an qualifizierten Anlaufstellen, was verständlicherweise zu Frustration und Wut bei Hilfesuchenden führt. Im Idealfall sollte jede betroffene Person einen einfachen, barrierefreien Zugang zu professioneller Diagnostik erhalten. Übrigens: Die meisten Menschen haben mindestens einmal in ihrem Leben eine Panikattacke. Eine Panikstörung haben sie dadurch allerdings noch lange nicht. Auch gibt es Zeiten, in denen man besonders traurig ist oder mal einige Zeit nicht so gut schlafen kann. Depressiv oder »gestört« ist man deshalb ebenfalls noch lange nicht. Menschen sind fühlende Wesen, und es ist nicht ungesund, wütend oder traurig zu sein. Nicht das Fühlen an sich löst psychische Belastungen aus, aber dazu später mehr.

ENTSTIGMATISIERUNG

Weißt du, was ein riesiger Stimmungskiller ist? Mein Beruf! Um eines direkt klarzustellen: Keinesfalls meine ich damit meine tatsächliche Arbeit als Psychotherapeutin, etwas Erfüllenderes, als auf diese Art meinen Lebensunterhalt zu verdienen, kann ich mir aktuell kaum vorstellen.

Nein, ich beziehe mich mit dieser Feststellung auf ganz normale alltägliche Begegnungen, zum Beispiel die auf einer Geburtstagsparty oder auf einer Hochzeit von Freund:innen. Das gegenseitige Kennenlernen auf solchen Treffen gestaltet sich dank des von uns allen gut verinnerlichten Small-Talk-Repertoires meistens ziemlich harmlos. Das gilt allerdings für mich als »Psychotante« nur so lange, bis die Frage nach dem Beruf kommt …

»Wie ist dein Drink?«

»Gut, danke, und deiner?«

»Ja, auch lecker.«

»Von wo bist du angereist?«

»Aus Nürnberg.«

»Ah, Franken, ein Kumpel von mir hat in Erlangen studiert.«

»Bist du mit der Braut oder dem Bräutigam befreundet?«

»Mit der Braut!«

Und dann kommt irgendwann die alles entscheidende Frage: »Und was machst du beruflich?«

»Ich bin psychologische Psychotherapeutin«, sage ich und versuche, einen besonders beiläufigen Gesichtsausdruck aufzusetzen, während ich mich innerlich bereits auf die leider nur sehr selten erleichternd unaufgeregt ausfallenden Reaktionen meines Gegenübers einstelle. And here we go again, denke ich im Stillen: unsichere Gesichter, ausweichende Blicke, vor Schreck weit aufgerissene Augen, ein beschämtes Hüsteln, begleitet von einem »Tschuldigung, jetzt habe ich mich doch glatt an meinem Gin Tonic verschluckt«, ein unangenehm berührtes Nicken, ein nervöses »Ach, dann muss ich wohl ab jetzt aufpassen, was ich sage« und, und, und.

Die Liste ließe sich endlos weiterführen. Manchmal verstummt die Person, der ich gerade bereitwillig erzählt habe, wie mein Drink schmeckt, von wo ich angereist bin und dass ich mit der Braut befreundet bin, auch einfach von jetzt auf gleich und verabschiedet sich von mir. Meist unter irgendeinem Vorwand, jedoch offensichtlich unangenehm berührt, ganz nach der Devise: »Hauptsache weg«. So effizient wie mit der Antwort »Ich bin psychologische Psychotherapeutin« habe ich selten Gespräche abgebrochen oder zumindest gestört. Mein Mitgefühl gilt an dieser Stelle auch all meinen psychiatrischen Kolleg:innen, die aufgrund der sich hartnäckig haltenden Vorurteile gegenüber Psychiatrien vermutlich auch ein Lied von solchen Begegnungen singen können. Und das, obwohl man doch heute denken könnte, psychische Erkrankungen seien in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Gleichzeitig bewege ich mich als weiße, studierte Fachperson für psychische Erkrankungen noch immer auf einer sehr privilegierten Position. Für Menschen mit psychischen Erkrankungen gehören Diskriminierungserfahrungen zum Alltag, sie sind also die Hauptleidtragenden. Wie stark Menschen von Diskriminierung betroffen sind, hängt auch davon ab, ob jemand mit Behinderung lebt, von Rassismus, Ableismus oder Antisemitismus betroffen ist, eine FLINTA*-Person (FLINTA* steht für Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nicht binäre, transgeschlechtliche und agender Personen) oder ein Mann ist. Auch darf der Zusammenhang zwischen psychischen Erkrankungen und Armut nicht unerwähnt bleiben. Armut kann zu »Rückzug, Selbsthass, Selbstvorwürfen und gegen sich selbst gerichtete Schuldzuweisungen« (Franzese, 2020, S. 34; Seeck, 2022) führen. Armut ist zudem oft mit Scham verbunden, was wiederum psychische Belastungen fördert. Auch Rassismuserfahrungen können sich in körperlichen Beschwerden, wie zum Beispiel Autoimmunerkrankungen, oder einem generellen physischen sowie psychischen Unwohlsein ausdrücken (Jacob et al., 2023; Torres-Harding, Torres & Yeo, 2020). Die Forschung konnte mittlerweile sogar zeigen, dass strukturelle Diskriminierung wie Rassismus epigenetische Veränderungen hervorrufen kann, welche wiederum zur Aufrechterhaltung chronischer Schmerzen und Depression beitragen können. Epigenetik beschäftigt sich mit biologischen Mechanismen, die aufgrund von Umweltbedingungen wie Stress in der Kindheit, wirtschaftlicher Not oder Diskriminierung zu einer Veränderung der Genexpression führen können, ohne die zugrunde liegende genetische Sequenz zu verändern. Ganz konkret zeigte eine Studie, dass »African Americans« im Vergleich zu »Non-Hispanic Whites« überproportional häufig an schweren, massiv einschränkenden, chronischen Schmerzen leiden (Aroke et al., 2019).

Da sich die eben genannten Faktoren alle gegenseitig beeinflussen und oft auch verstärken, wäre schon einiges gewonnen, wenn die Gesellschaft zumindest psychische Erkrankungen ein für alle Mal aus ihrer vorurteilsbehafteten Schublade entweichen lassen würde. Menschen mit Depressionen gelten als »faul« und »nicht belastbar«, Menschen mit Angststörungen als »überempfindlich« und Menschen mit Schizophrenie oft sogar als »gefährlich«, um nur ein paar der abwertenden Zuschreibungen anzuführen. Psychische Erkrankungen sind viel schwieriger greifbar als ein dickes Knie oder ein gebrochenes Handgelenk, sie sind quasi unsichtbar. »Du gehst doch arbeiten, so schlimm kann es gar nicht sein«, »Du hast doch vorhin gelacht, sicher, dass du depressiv bist?« oder »Mach doch einfach mal Sport, dann wird das wieder« – diese oder ähnlich schmerzhafte Kommentare werden den meisten Betroffenen schon einmal um die Ohren geflogen sein. Als ob psychische Erkrankungen an sich nicht schon leidvoll genug wären, muss man sich zusätzlich auch noch mit stigmatisierenden Sprüchen und schrägen Blicken herumschlagen. 

Stigmatisierung schafft Leid, wo keines sein müsste. Genau deshalb möchte dieses Buch auch einen Beitrag zu der Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen leisten. Und was eignet sich für den Abbau von Vorurteilen besser als ein gezielter Blick hinter die Kulissen, begleitet von Begegnung und Selbstreflexion?

EINBLICKE IN...

Erscheint lt. Verlag 26.3.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Geisteswissenschaften Psychologie Allgemeine Psychologie
Schlagworte Angst • Chronische Schmerzen • Depression • eBooks • Einsamkeit • Gesundheit • Irvin Yalom • mentale Gesundheit • Mental Health • Persönlichkeitsentwicklung • Psychoanalyse • Psychologie • Psychotherapie • Ratgeber • Scham • Schmerz • Selbstreflexion • Stress • Therapie to go • Trauma • Wut
ISBN-10 3-641-32302-9 / 3641323029
ISBN-13 978-3-641-32302-8 / 9783641323028
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