Mein Leben als letzter Wikinger (eBook)
198 Seiten
Mosaik (Verlag)
978-3-641-33011-8 (ISBN)
Das ist das Lebensmotto von Ken Stornes, einem norwegischen Extremsportler, dem es gelungen ist, die Grenzen des Menschenmöglichen immer wieder neu zu definieren. Inspiriert von den unerschütterlichen Tugenden der Wikinger – Ehre, Mut und Ausdauer, Selbstständigkeit, Disziplin, Gastfreundschaft, Treue, Aufrichtigkeit und Fleiß – ist der Norweger zu einem der fittesten Menschen des Planeten geworden.
Vom zweifachen Taekwondo-Landesmeister und Elitesoldaten zum Weltrekordhalter im sogenannten „Death Diving“. Sein mutiger Sprung aus 40,5 Metern Höhe in die eisigen Tiefen eines norwegischen Fjords war eine Sensation. Seine Kraft und Lebensenergie zieht er aus dem archaischen Erbe der Wikinger, die er in der wilden Natur Norwegens spürt.
Der letzte Wikinger ist die fesselnde Geschichte eines Mannes, der das Glück in der Kunst des einfachen Lebens findet und der beweist, dass die wahre Stärke im Überwinden der eigenen Zweifel liegt.
Ken Stornes ist ein echtes Phänomen. 1988 in Harstad, Norwegen, geboren, war er von 2008 bis 2012 Soldat bei einer Infanterie-Eliteeinheit und zweimal in Afghanistan stationiert. Er absolvierte eine Ausbildung zum Sanitäter und arbeitet heute als Healthcare-Worker. 2023 stellte er den Weltrekord im sogenannten „Death Diving“ auf. Kens Leben ist für sehr viele Menschen eine Inspiration; auf Social Media folgen ihm über eine Million Menschen. Gemeinsam mit seiner Hündin Ronja lebt er ein minimalistisches Leben in Verbindung mit der norwegischen Natur.
1. SELBSTSTÄNDIGKEIT
selbstständig: auf eigene Verantwortung, autark, auf eigene Faust
Vierzigeinhalb Meter unter mir treiben riesige eckige Eisschollen im See. Die Wassertemperatur beträgt knapp ein Grad Celsius. Die Luft ist mit minus zehn Grad noch deutlich kälter. Auf den Vorsprüngen der senkrecht-steilen Klippen liegt Schnee. Dezember in Norwegen. Ich nehme jede Faser meines Körpers wahr. Er ist stark. Er ist bereit für die unmittelbar bevorstehende Belastung. Kalt ist mir nicht. Auch als ich mich auf dem provisorisch errichteten Sprungbrett bis auf ein Paar schwarze Badeshorts ausziehe, friere ich nicht. Ich stehe wie in Trance auf der dünnen, lose aufliegenden Holzplatte, deren Unterlage von einem Traktor knapp über den Abgrund gefahren wurde. Direkt vom Klippenrand zu springen, hätte mir nicht genug Abstand vom Berg gegeben. Sorgfältig lege ich meine Kleider, ordentlich gefaltet, neben mich. Meine Konzentration ist wie zu einem Eisenstrang gebündelt. Ich höre nichts um mich herum. Absolute Stille. Als wäre ich ganz allein.
Der Blick nach unten: das Ziel. Doch sosehr ich es auch fixiere, es verschwimmt vor meinen Augen. Ich werde die Entfernung und die Dimensionen erst begreifen und einschätzen können, wenn ich den Felsbrocken, den ich fest in meiner Hand halte, in die Tiefe werfe, während meine Augen ihm folgen. Der Brocken wird die Wasseroberfläche in konzentrischen Kreisen auflockern, damit mein Körper auf weniger Widerstand trifft. Aber vor allem benötige ich den Punkt, den er beim Aufprall markiert, zur Orientierung. Das Wasser ist genau dort fünf Meter tief, dessen habe ich mich vorher vergewissert. Knapp daneben ist es nur einer. Der Stein gibt mir die Flugbahn vor. Ich habe genau so viel Zeit, um meinen Sprung zu visualisieren, bis der Felsbrocken auf das Wasser trifft. Dann muss ich ihm folgen.
Hier. Jetzt. Ich strecke meinen Arm aus, lasse den Brocken los und zähle in Gedanken den Countdown: »Vier.« Ich atme ein: »Drei.« Ich reibe meine Hände kurz aneinander: »Zwei, eins …« Dann mache ich einen schwungvollen Schritt nach vorn. Lasse los, lasse mich fallen. Ins Nichts. In die Erfüllung. In die Schwerelosigkeit. In die Freiheit. Dahin, wo alles Sinn macht und alles möglich ist, wo ich geboren wurde und wo ich sterben werde. Ich öffne Arme und Beine, strecke mich, spanne alle Muskeln an, mache mich hart – und dann fliege ich. Mein Kopf ist leer. Kein einziger Gedanke. In Blitzesschnelle forme ich meinen ganzen Körper instinktiv wie zu einem Ball, damit er so wenig wie möglich Oberfläche und damit Widerstand beim Eintauchen bietet. Wenn das Wasser sich über mir schließt, kommt mein Bewusstsein zurück. Das ist der entscheidende Moment: Ist alles gut gegangen? Fünf Sekunden auf Leben und Tod.
Ich bin 36 Jahre alt und habe schon viele solcher lebensentscheidenden Momente erlebt. Sei es als norwegischer Elitesoldat oder als zweifacher Weltrekordhalter im Death Diving, eine Sportart der Extreme, die in meiner Heimat erfunden wurde. Kein Wunder! Am Polarkreis aufgewachsen, kenne ich viele Extreme, die des Lichts, des Wetters und auch die der Vergangenheit. Meine Ahnen, die Wikinger, brachten einerseits auf ihren abenteuerlichen Überseefahrten Angst und Schrecken in Teile ihrer damaligen Welt, gleichzeitig aber war ihre Kultur geprägt von einer erstaunlichen Ingenieursexpertise und kunstvoller Ästhetik, durchdrungen von vielschichtigen Mythen und spirituellen Sagen. Ich kann diesen Wunsch nach intensivem Erleben, das ich daraus ablese, gut nachempfinden. Er findet seinen Widerhall in meinem Leben, wenn auch weitaus friedlicher.
Aufgewachsen bin ich in Aun, einem 40-Seelen-Dorf am norwegischen Polarkreis, 30 Kilometer entfernt von der nächsten Stadt. Um dort hinzugelangen, muss man erst die gewundene Passstraße über die Bergkette fahren, die das Dorf von der Außenwelt nicht selten ganz isoliert. Im Winter ist diese Straße häufig gesperrt, weil Schneemassen und Geröll sie unpassierbar machen. Es dauert dann manchmal tagelang, bis der Weg endlich wieder frei geräumt ist. Doch selbst wenn man ohne Probleme nach Harstad fahren konnte, taten wir das als Familie in meiner Kindheit nur selten. Mein Vater fuhr dorthin jeden Tag zur Arbeit. Aber meine Mutter und wir Kinder waren nur dabei, wenn wir vielleicht neue Schuhe brauchten oder eine neue Hose oder zu einem Sonntagsausflug. Die meiste Zeit verbrachten wir in unserem beschaulichen Dorf. Das Stadtleben mit all seinen Eindrücken war mir als Junge überhaupt nicht vertraut.
Aun liegt direkt an der Küste im Nordwesten des Landes. Als Kind hatte ich das Meer immer vor Augen. Selbst von meinem Platz in dem kleinen Schulhaus in unmittelbarer Nähe meines Elternhauses konnte ich durch das Fenster sehen, welche Laune die See gerade hatte und wie ihre Wellen gegen die kleine vorgelagerte Felseninsel peitschten. Meist war das Meer ziemlich aufgebracht. Windstille gab es selten. Und das Licht änderte sich ständig. Ich liebte es, wenn der Regen gegen die Scheiben klatschte. Sobald die Sonne in den Raum fiel, konnte ich kaum mehr still sitzen. Ich brauchte diesen Ausblick, diese Perspektive in die Weite, denn ich fand die Schule mit ihrer Handvoll Schüler und Schülerinnen so unglaublich langweilig. Nichts, aber auch gar nichts daran und darin interessierte mich. Ich hasste es jeden Morgen, um halb acht dort hingehen zu müssen. Ich fühlte mich in der Enge der Schule gefangen und war es ja auch. Mir fehlte die Faszination an dem, was mir beigebracht wurde. Ich wollte stattdessen immer nur hinaus. Mich zog es ständig ins Freie, in die Natur. In einem geschlossenen Raum zu sitzen und der Lehrerin zuzuhören, fühlte sich einfach falsch für mich an. Ich wollte barfuß herumlaufen, mit Stöcken als imaginierten Schwertern kämpfen, rennen, auf Felsen klettern, spielen und träumen. Nur wenn ich den Wind, den Regen, den Schnee oder die Sonne im Gesicht spürte, fühlte ich mich in meinem Element. Alles andere stimmte für mich nicht. Sobald ich einigermaßen klettern konnte, rannte ich jeden Tag mindestens einmal zu meinem Lieblingsbaum etwa 200 Meter hinter unserem Haus auf einer Anhöhe. Manchmal folgte mir auch mein kleiner Bruder, immer mit einem Stöckchen in der Hand. Auf einem der Äste sitzend, konnte man auf der einen Seite das Meer und auf der anderen den Wald sehen. Es war eine einzigartige Idylle, wenn die Sonne unterging und unter mir friedlich Schafe grasten und Katzen herumstreunten. Im Sommer roch es nach frischem Heu. Ich ahnte schon als Kind, dass es mehr geben musste als nur das, was wir sehen, fühlen und hören. Denn immer wieder überwältigten mich starke Gefühlsregungen, die mich auf eine mir unerklärliche Weise berührten. Der Sonnenuntergang in der Ferne – so eine tiefe Sehnsucht. Das Glitzern der Schneeoberfläche unter mir – eine Ahnung von himmelhochjauchzend. Irgendwann vergrub ich an diesem magischen Ort auch heimlich eine Kiste, gefüllt mit Gegenständen, die mir etwas bedeuteten, wie besonderen Steinen und anderen Fundstücken aus dem Meer, die ich für die Ewigkeit bewahren wollte. Dort waren sie gut aufgehoben, meine Schätze. Die Kiste muss noch immer an dieser Stelle vergraben sein.
Ich wollte so sein wie die Landschaft um mich herum: wild und stark. Und natürlich wollte ich so sein wie meine Vorfahren, die Wikinger. Ihr Vermächtnis, ihre Geschichten gehörten irgendwie immer dazu, ihre Heldentaten wurden von Generation zu Generation weitererzählt. Mein Großvater, der Fischer war, erwähnte gern, wie fortschrittlich die Wikinger zu ihrer Zeit im Schiffbau waren. Ich war stolz auf meine Vorfahren, ihr Vorbild prägte mich. Ich liebte die Legenden von Dunkelheit und Gefahr, von heroischen Taten, von Eroberungszügen. Die Lebendigkeit der Bilder von den Kämpfen für das Gute, für den Wohlstand und die Freiheit rührten mich schon immer zu Tränen. Mein größter Wunsch war es, solche Erzählungen Realität werden zu lassen, sie wirklich zu leben. Ich dachte früher, dass alle Kinder sich so fühlen müssten wie ich, dass sie ebenfalls diesen immensen Freiheits- und Tatendrang empfänden. Aber das war offensichtlich nicht der Fall. Ich schien der einzige Junge im Dorf zu sein, der Actionfilme nicht nur anschauen, sondern sie auch nachspielen wollte.
Ich glaube, meine Mitschüler fanden mich mit meiner verträumten und gleichzeitig unbändigen Art etwas seltsam. Sie hänselten mich oft, weil ich nicht so war wie sie. Sie wollten nie die gleichen Dinge tun wie ich. Ich fand sie eigentlich ziemlich langweilig. Während sie immer nur Fußball spielten, saß ich lieber auf meinem Baum hinter unserem Haus, schnitzte Speere oder lief zu den Schafen meines Onkels Kristian, der sie weiter oben in Richtung Berge grasen ließ. Kristian war ein Jäger, ein Abenteurer, ein Freigeist und vor allem ein Mann der Natur. Er erzählte mir immer die wildesten Geschichten und inspirierte mich dazu, die Natur so zu bewundern, wie er es tat. Die anderen Kinder fanden es wohl auch lustig, dass ich damals etwas prall war. Auch passte ich mich ungern an und hielt mich nicht an irgendwelche Benimmregeln. Wenn ich laut schreien oder herumtollen wollte, ließ ich mich davon nicht abhalten. Ich tat, was mir gerade in den Sinn kam und mir Spaß machte. Meine Eltern hatten es sicher schwer mit mir. Sie versuchten mich zu ermutigen, mich zuzeiten auch mit etwas mehr Strenge dazu zu drängen, das zu tun, was von mir erwartet wurde. Aber der Erfolg...
| Erscheint lt. Verlag | 23.4.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Geisteswissenschaften ► Psychologie ► Allgemeine Psychologie |
| Schlagworte | 7 vs Wild • Abenteuer • Adventure • Angst • Ausreißer • bücher wie vikings • Can't Hurt Me • das limit bin nur ich • David Goggins • Disziplin • eBooks • echte wikinger • Eine Frage der Leidenschaft • Elitesoldat • Eremit • Extremsport • geburtstagsgeschenk mann • Geschenk Mann • Innere Stärke • Jäger und Sammler • Jan Frodeno • jonas deichmann • Kampfsport • Klippenspringer • Männlichkeit • Minimalismus • Motivation • Natur • Never finished • Norwegen • Outdoor • Positives Denken • Psychologie • Ross Edgley • Selbstständigkeit • Selbstverteidigung • Selbstwert • seven vs. wild • Sport • Survival • Survival Buch • Taekwondo • Unbesiegbarkeit • Vikings • Weltrekord • werde unbesiegbar • wikinger buch • Willenskraft • Wim Hof • Wunderheilung |
| ISBN-10 | 3-641-33011-4 / 3641330114 |
| ISBN-13 | 978-3-641-33011-8 / 9783641330118 |
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