Der Peloponnesische Krieg (eBook)
818 Seiten
Anaconda Verlag
978-3-641-32451-3 (ISBN)
- Das Standardwerk
- 'Das erste Blatt des Thukydides ist der einzige Anfang aller wahren Geschichte' Immanuel Kant
- Thukydides gilt als der einflussreichste antike Geschichtsschreiber
- 'Der peloponesische Krieg' ist das bedeutendste Geschichtswerk der antiken Literatur. Thukydides erkennt die Stärken und Schwächen der Verantwortlichen für diesen ganz Griechenland erschütternden Krieg und die zweifelhaften Mechanismen der Politik.
- 'Von der jämmerlichen Schönfärberei der Griechen ins Ideal, die der ?klassisch gebildete? Jüngling als Lohn für seine Gymnasial-Dressur ins Leben davonträgt, kurirt Nichts so gründlich als Thukydides. Man muss ihn Zeile für Zeile umwenden und seine Hintergedanken so deutlich ablesen wie seine Worte: es giebt wenige so hintergedankenreiche Denker.' Friedrich Nietzsche
- Thukydides ist an vielen Offiziersschulen und Militärakademine bis heute Pflichtlektüre
Zweites Buch
1. Nunmehr kommen wir zu dem Anfang des wirklichen Krieges zwischen den Athenern und Lakedämoniern und deren beiderseitigen Bundesgenossen, in welchem keiner ohne sicheres Geleit zu dem anderen kommen durfte und worin sie förmlich und beständig gegeneinander zu Felde lagen. Ich habe mich in der Beschreibung desselben an die Ordnung der Begebenheiten selbst, von einem Sommer und Winter zum anderen, gehalten.
2. Vierzehn Jahre war der nach der Eroberung von Euboia geschlossene dreißigjährige Friede in seiner Kraft geblieben. Allein im fünfzehnten Jahre dieses Zeitraums, im achtundvierzigsten des Priestertums der Chrysis zu Argos, unter dem Ephorat des Ainesios zu Sparta und der Regierung des Pythodoros zu Athen, welche noch zwei Monate dauerte, und im sechsten Monat nach der Schlacht bei Potidäa, beim Eintritt des Frühlings, zog sich ein Haufen Thebaner, der etwas über dreihundert Mann stark war, unter des Böotarchen Pythangelos, des Phyleides, und Diemporos, des Onetorides Sohnes, Anführung, bei Nacht während des ersten Schlafes mit völliger Rüstung in die Stadt Platäa in Böotien hinein, welche mit Athen im Bunde stand. Einige platäische Bürger, nämlich Naukleides und sein Anhang, hatten diese selbst herbeigelockt und ihnen die Tore geöffnet in der Absicht, ihre eigene Macht auf den Untergang derjenigen unter ihren Mitbürgern, die ihren Absichten entgegen waren, zu bauen und zu dem Ende die Stadt den Thebanern zuzuwenden. Die Mittelsperson, durch welche dieses betrieben wurde, war Eurymachos, ein Sohn des Leontiades, einer der vermögendsten Bürger in Theben. Denn da die Thebaner wohl voraussahen, dass es zum Krieg kommen würde, wollten sie gern noch während des Friedens und vor dem gänzlichen Ausbruch des Krieges sich der Stadt Platäa, mit welcher sie in beständigem Zwist lebten, zum Voraus versichern. Dieser Umstand machte auch, dass sie desto leichter unbemerkt hineinkamen, da keine Wachen ausgestellt waren. Sie zogen in voller Rüstung auf den Markt, und ohne sich gemäß dem Verlangen derer, die sie dahin gerufen hatten, zu bezeigen, welches dahinging, dass sie gleich Hand ans Werk legen und ihre Feinde in ihren Häusern überfallen sollten, wurden sie vielmehr schlüssig, durch öffentlichen Aufruf eine glimpfliche Erklärung bekannt machen zu lassen und die Stadt zu einem freundschaftlichen Vergleich zu bewegen zu suchen. Der Herold machte zu dem Zweck bekannt, wer nach altem Recht dem gemeinsamen böotischen Bund beipflichten wollte, der sollte sich gerüstet bei ihnen einfinden. Durch dieses Mittel glaubten sie, die Stadt am leichtesten an sich zu ziehen.
3. Als die Platäer erfuhren, dass die Thebaner in der Stadt seien und sie so plötzlich besetzt hätten, verursachte die Furcht und der Irrtum, dass sie deren Anzahl wegen der Dunkelheit der Nacht für weit stärker hielten, dass sie sich gleich zu einem Vergleich verstanden, den geschehenen Antrag annahmen und sich ruhig hielten, zumal niemandem irgendwelches Leid widerfuhr. Allein mitten in diesen Unterhandlungen merkten sie, dass der Thebaner nicht so gar viel wären, und glaubten, sie bei einem Angriff leicht zu überwältigen, wie denn der große Haufe zu Platäa gar nicht geneigt war, die Partei der Athener zu verlassen. Sie kamen also durch die Zwischenwände ihrer Häuser, welche sie zu dem Ende durchbrachen, zusammen, damit sie nicht, wenn sie deshalb über die Straße gingen, bemerkt werden möchten, besetzten darauf die Straßen mit unbespannten Wagen, um solche statt einer Vormauer zu brauchen, machten sonst alles, was ihnen bei solchen Umständen etwas helfen konnte, zurecht, und gingen darauf, nachdem sie alle möglichen Anstalten gemacht hatten, noch in der Dunkelheit der Nacht gerade um die Zeit der Morgendämmerung aus ihren Häusern auf den Feind los. Diese Zeit nahmen sie deswegen wahr, damit dem Feind nicht bei dem Anbruch des Tages der Mut wachsen möchte, da er alsdann gleiche Vorteile mit ihnen haben würde; daher wollten sie sich den Schrecken der Nacht und die Überlegenheit, die ihnen die Kenntnis der Gegenden der Stadt über jene gaben, zunutze machen. Sie gingen also unverzüglich auf sie los und kamen gleich mit ihnen zum Streiten.
4. Als die Thebaner merkten, dass man sie hintergangen, schlossen sie sich dicht aneinander und boten dem Feind an allen Seiten, wo sie angegriffen wurden, die Spitze. Zwei- bis dreimal schlugen sie den Angriff ab, allein da jene noch immer mit großem Getümmel auf sie eindrangen und zu gleicher Zeit die Weiber und Knechte von den Häusern herunter unter lautem Geschrei Steine und Ziegel auf sie herabwarfen, in der Nacht auch ein starker Regen gefallen war, so wurden sie endlich scheu und sahen sich nach der Flucht um, auf der sie sich durch die Gassen der Stadt zerstreuten. Da sie bei der Dunkelheit der Nacht, der Mond war eben im letzten Viertel, und dem kotigen Boden größtenteils der Auswege unkundig waren, wodurch sie hätten entkommen können, während dem nachsetzenden Feind alle Gänge bekannt waren, um ihnen solche zu verlegen, kamen die meisten um. Einer von den Platäern ging nach dem Tor, wo sie hereingekommen waren und welches allein offen war, und verschloss es, indem er den Schaft von seinem Spieß anstatt eines Riegels vorschob, sodass sie also auch hier nicht mehr hinauskommen konnten. Da man überall in der Stadt hinter ihnen her war, stiegen einige von ihnen auf die Mauer und stützten sich auswärts hinunter, kamen aber größtenteils dabei ums Leben. Einige entkamen unvermerkt durch ein Tor, das unbesetzt geblieben war und das sie mit einer Axt, die ihnen eine Frau daselbst gegeben, aufgehauen hatten. Doch waren solcher nur wenige, da man es bald gemerkt hatte. Unterdessen diese Leute, der eine hier der andere dort, in der Stadt ihren Tod fanden, warf sich der stärkste Haufen, der sich noch am geschlossensten gehalten hatte, in ein großes Haus, welches in der Mauer lag und dessen Tür eben offen stand, in der Meinung, die Haustür sei das Stadttor und habe auf der anderen Seite einen offenen Ausgang. Da die Platäer sie hier in der Falle sahen, gingen sie miteinander zu Rate, ob sie das Haus in Brand stecken und die darin befindlichen Thebaner ohne Umstände verbrennen oder was sie sonst mit ihnen anfangen sollten. Endlich schlossen diese sowohl, als was sonst noch von den Thebanern am Leben war und in der Stadt umherschweifte, mit den Platäern einen Vergleich, dass sie sich mit ihren Waffen denselben auf Willkür ergeben wollten. So ging es diesen in Platäa.
5. Inzwischen eilten die übrigen Thebaner, welche noch während der Nacht mit dem ganzen Heer hätten anlangen sollen, für den Fall, dass es ihren eingelassenen Landsleuten nicht glücken sollte, auf die noch unterwegs erhaltene Nachricht von dem, was vorgegangen, schleunig zum Beistand herbei. Platäa liegt siebzig Stadien weit von Theben, und jetzt hatte noch der die Nacht über gefallene Regen ihren Zug verzögert, da der Asopos stark angelaufen war und den Übergang schwer machte. Da sie also im Regen hatten gehen und mit großer Mühe über den Asopos setzen müssen, kamen sie endlich an, als ihre Landsleute bereits teils niedergehauen waren, teils sich lebendig in Feindes Händen befanden. Als die Thebaner erfuhren, was vorgegangen war, machten sie einen Anschlag auf die außerhalb der Stadt befindlichen Platäer, die sich mit ihren Haushaltungen hin und wieder auf dem Land auf hielten, da man noch im Frieden zu leben glaubte und niemand ein solches Unglück vermutet hatte. Sie wollten nämlich diejenigen, deren sie so habhaft werden konnten, als Geiseln für ihre in der Stadt befindlichen Landsleute behalten, die etwa dem Feind in die Hände geraten sein möchten. Sie waren noch mit diesen Beratschlagungen beschäftigt, als die Platäer in der Annahme, dass etwas von der Art im Werk sein möchte und aus Besorgnis für ihre draußen befindlichen Landsleute, einen Herold zu den Thebanern herausschickten, mit dem Bedeuten, es sei ein unverantwortliches Beginnen von ihnen, dass sie mitten im Frieden sich ihrer Stadt zu bemächtigen gesucht hätten, sie sollten sich also ja nicht noch an den Leuten auf dem Land vergreifen. Täten sie es doch, so würde es ihren Landsleuten, die sie in Händen hätten, ebenfalls das Leben kosten. Wenn sie hingegen ihr Gebiet wieder räumten, wollten sie ihnen die Leute herausgeben. So erzählen die Thebaner die Sache und fügen noch hinzu, sie hätten solches mit einem Eid bekräftigt. Die Platäer hingegen wollen es nicht Wort haben, dass sie sich gleich anheischig gemacht hätten, die Leute wieder herauszugeben, sondern erst für den Fall, wenn sie bei weiteren Unterhandlungen zu einem Vergleich kommen würden. Auch wollen sie von keinem Eid etwas wissen. Die Thebaner zogen sich indessen aus ihrem Gebiet wieder zurück, ohne sich im Geringsten an etwas zu vergreifen. Allein kaum hatten sie den Rücken gewandt, so schafften die Platäer geschwind alles vom Land in die Stadt und brachten sodann ihre Gefangenen ums Leben. Die Anzahl derselben belief sich auf hundertundachtzig, und Eurymachos, mit welchem die Verräter ihre Unterhandlungen gepflogen hatten, war mit darunter.
6. Nach diesem Streich schickten sie einen Boten nach Athen, ließen den Thebanern unter sicherem Geleit ihre Toten verabfolgen und machten sodann in der Stadt ihre Einrichtung so, wie sie es bei den vorliegenden Umständen am dienlichsten erachteten. Sobald die Athener von den platäischen Händeln Nachricht bekamen, ließen sie sogleich alle Böotier, die sich in Attika befanden, beim Köpf nehmen und schickten einen Herold nach Platäa, mit dem Bedeuten, ihnen zu sagen, sie sollten den in ihrer Gewalt befindlichen...
| Erscheint lt. Verlag | 11.12.2024 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Geschichte ► Allgemeine Geschichte ► Altertum / Antike |
| Schlagworte | 2024 • Akropolis • Antike Geschichte • Athen • Attika • Attische Demokratie • attische seuche • Clausewitz • eBooks • Geschichte • Griechenland • griechenland-feldzug • griechische Geschichte • Herodot • Krieg Buch • kriegsstrategien • mellierdialog • Militärgeschichte • Neuerscheinung • Offiziersausbildung • Peloponnesischer Bund • Perikles • Plutarch • Salamis • Scherbengericht • Seeschlacht • Sparta • Themistokles • Thrakien • Thukydides-Falle |
| ISBN-10 | 3-641-32451-3 / 3641324513 |
| ISBN-13 | 978-3-641-32451-3 / 9783641324513 |
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