Einsichten und Betrachtungen III (eBook)
321 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-384-18475-7 (ISBN)
Zweites Buch
Mag der Mensch auch ein gebleichter Affe sein, so ist sein Affentum darum aber noch lange nicht verblichen.
Durch Homogenisierung kann von einem jedem gegebenen Begriff zu einem übergeordneten Begriff aufgestiegen werden. Logisch entspricht diesem Verfahren ein allgemeines Urteil, das besagt, dass jedes Element aus der Sphäre des ersten auch in derjenigen des zweiten Begriffs enthalten sein muss, nicht aber notwendig umgekehrt.
Eine Homogenisierung von Begriffen bedeutet, dass die Begriffssphäre des allgemeineren Begriffes diejenige des besonderen Begriffes, aus dem er abgezogen ist, vollständig umfasst, eine Folge von Homogenisierungen wiederum Transitivität dieses Verhältnisses, dass also, wenn die Begriffssphäre von Begriff A vollständig in derjenigen von Begriff B und diejenige von B wiederum vollständig in derjenigen von Begriff C enthalten ist, somit auch die von A vollständig in der von C enthalten sein muss.
Wird in eine Folge von begrifflichen Homogenisierungen eine Spezifikation eingeschoben, d.h. in eine Folge von allgemeinen Urteilen ein besonderes Urteil, anstatt ein "für alle gilt" also ein "es gibt einige", so lässt sich hieraus für die Sphären der spezifischeren Begriffe der Folge keine weiterführende Aussage notwendig ableiten, weder als ein allgemeines noch als ein besonderes Urteil. Das Gegenteil behauptet gerade alle Scheinanalogie.
Wird einer aufsteigenden Folge von allgemeinen Urteilen ein besonderes Urteil zwischengeschoben, so folgt hieraus für die Subjekte der vorhergehenden allgemeinen Urteile weder ein neuerliches allgemeines noch ein besonderes Urteil.
Sind alle A in B, alle B in C und alle C in D, und einige D wiederum in E, so ist hierdurch kein notwendiger Zusammenhang zwischen A, B, C auf der einen sowie E auf der anderen Seite abzuleiten.
Alle Katzen sind Säugetiere, alle Säugetiere sind Wirbeltiere, einige Wirbeltiere sind flugfähig. Hieraus folgt weder, dass alle Katzen, noch, dass auch nur einige Katzen flugfähig wären.
Folgt auf ein allgemeines Urteil wiederum ein besonderes Urteil, mit dem Prädikat des allgemeinen Urteils als Subjekt, so ist hierdurch für das Subjekt des allgemeinen Urteils weder ein weiteres allgemeines noch ein besonderes Urteil zu folgern.
Sind alle A in B, wie auch einige B wiederum in C, so ist hierdurch doch keinerlei notwendiger Zusammenhang zwischen A und C abzuleiten.
Sind alle A in B, und einige B wiederum in C, so folgt hieraus doch keinerlei notwendiger Zusammenhang zwischen A und C.
Der falsche Analogieschluss behauptet, dass, wenn alle A in B sind und einige B wiederum in C, hierdurch bereits eine Analogie zwischen A und C ausgemacht wäre.
Ist jedes Element von A in B, und sind einige Elemente von A in C enthalten, so sind auch einige Elemente von B in C enthalten. Ist jedes Element von A auch in B, und sind nunmehr einige Elemente von B in C enthalten, so ist deshalb kein Element von A notwendig auch in C enthalten. Dass demselben aber dennoch so wäre, behauptet gerade der falsche Analogieschluss.
Die Scheinanalogie schiebt der Transitivität in der Homogenisierung von Begriffen ein nur partikulares Urteil unter, um dasselbe dann aber zu behandeln, als wäre es ein allgemeines bezüglich der spezifischeren Begriffe.
Gesetzt alle A sind B und einige B sind C, so ist aller Versuch, ein allgemeines oder auch nur ein besonderes Urteil vom Verhältnis zwischen A und C aufzustellen, doch vergebens, und es dennoch zu unternehmen, führt bloß auf einen Analogieschluss ohne jede Beweiskraft.
Ein falscher Assoziationsschluss liegt bereits dann vor, wenn man sagen wollte: einige A sind B, einige B sind C, also sind einige A auch C.
Sind alle A auch in B und wiederum einige C gleichfalls in B enthalten, so ist aber die Behauptung, dass jedes A allemal notwendig mit einem C zu assoziieren wäre, ohne jede logische Notwendigkeit.
In dem Umstand, dass alle A in B und einige B wiederum in C sind, bereits eine Analogie zwischen A und C erkennen zu wollen, vermag nur, wem die Absicht hierbei über jede Einsicht geht.
Sind auch alle A in B und einige B wiederum in C, so ist hierdurch doch keine Analogie zwischen A und C ausgemacht.
Wenn alle A auch in B sind und einige B wiederum in C, so ist hierdurch eben keine denknotwendige Verbindung zwischen A und C entdeckt.
Aus allgemeinen Urteilen erwachsen durch Transitivität wiederum allgemeine, aus partikularen Urteilen aber nicht mal wiederum partikulare.
Die Stufenleiter der Begriffe kann man, in logischer Hinsicht, eben nicht auf dieselbe Weise hinabsteigen wie man sie heraufgestiegen ist. Denn was einem Begriff einmal an logischen Bestimmungen durch Homogenisierung abhandengekommen ist, das lässt sich aus diesem selbst niemals wiedergewinnen.
Die Stufenleiter der Begriffe kann man, in logischer Hinsicht, eben nicht auf dieselbe Weise hinabsteigen wie man sie heraufgestiegen ist, denn was einem Begriff einmal an logischen Bestimmungen durch Homogenisierung abhandengekommen ist, kann aus dem Begriff selbst nicht wiedergewonnen werden, sondern allein durch eine neuerliche Spezifikation desselben.
Die fortgesetzte Homogenisierung von Begriffen kann nicht wieder in einem Begriffe münden, von dem im Verlaufe derselben bereits ausgegangen wurde, und damit das ganze Verfahren nicht im Kreis gehen.
Der Analogieschluss behauptet da sein Recht, wo er allein uns Aufschluss geben kann über ein Verhältnis, von dessen zwei Teilen uns nur eines vollständig bekannt ist, der andere sich aber der Erkenntnis durch Begriff wie Erfahrung entzieht.
Wo weder Erfahrung noch Begriff hinreichen, da, aber auch nur da, behauptet der Analogieschluss sein Recht.
Von einem Verhältnis, dessen einer Teil ins transzendentale und somit metaphysische herüberreicht, mag nur in einem Falle eine Kenntnis beider Teile möglich sein, so ist dieser Fall aber doch schon hinreichend, durch einen Analogieschluss auch für alle anderen Fälle ein gleichartiges Verhältnis annehmen zu dürfen.
Ist mir das eigene Gehirn als das materiale Korrelat meines Bewusstseins bekannt, so kann ich, auch wenn sich alles andere Bewusstsein für mich der empirischen Erfahrung entzieht, doch durch Analogie auf sein Vorhandensein schließen, und zwar aus dem bloßen Vorhandensein des fremden Gehirns.
Der Analogieschluss, wo er berechtigt ist, verlangt nur die vollständige Erkenntnis eines Verhältnisses in einem Fall, aus welchem dann die Gleichartigkeit aller anderen Fälle mit Zuversicht geschlossen werden kann.
Der falsche Analogieschluss besteht darin, ein Verhältnis, dessen beide Hälften der Erfahrung durchaus zugänglich sind, so zu behandeln, als wäre dasselbe für eine der Hälften gerade nicht der Fall, um sich so berechtigt zu glauben, mittelst eines Analogieschlusses die vermeintliche Erkenntnis eines Prinzips, dass demselben Verhältnis zugrunde liegen soll, zu behaupten.
Dass jedes beobachtete A allemal auch in B ist, heißt nicht, dass auch jedes nur mögliche A allemal in B sein müsse, vor allem, wenn die bloße Behauptung, dass es sich so verhalten würde, als ein Beweggrund, gerade alles bislang beobachtete A derart hervorgebracht hat, dass es eben in B ist.
Zu vermeinen, wo man verschiedene Erscheinungen bloß unter einen gemeinsamen Begriff zu bringen wüsste, da müsse ihnen auch dasselbe verursachende Prinzip zugrunde liegen, ist doch nichts anderes als der ewig vergebliche Versuch, die immer nur synthetische Kausalität rein analytisch erfassen zu wollen.
Mag man auch das Ältere für besser als das Jüngere ansehen, so man eine Entwicklung ausgehend von einem Idealzustand annimmt, dem das Ältere also im höheren Maße entsprechen würde als das in seiner Entwicklung bereits weiter Fortgeschrittene, oder aber umgekehrt das Jüngere für besser als das Ältere, so man eine Entwicklung hinführend zu einem Idealzustand annimmt, dem wiederum das Jüngere als das in seiner Entwicklung bereits weiter Fortgeschrittene im höheren Maße entsprechen würde, so ist beiden Sichtweisen doch die falsche Annahme eines derselben Entwicklung zugrundeliegenden Prinzips gemein, dessen Entwicklungsgang dann durch den Vergleich mit einem Idealzustand objektiv zu bewerten wäre.
In einem Raumpunkt zu einem Zeitpunkt kann ein Körper weder in Bewegung noch in Ruhe sein, da beide Begriffe auf diesen Fall gar keine Anwendung finden.
Man machte sich einer Erschleichung schuldig, wollte man die einzig dem Begriff selbst in logischer Hinsicht zukommende Bedeutung auch demjenigen beilegen, was lediglich konkrete Verwirklichung desselben Begriffes ist, also bloß in seine Begriffssphäre fällt.
Die Notwendigkeit der Funktion eines abstrakten Gegenstandes macht damit aber dasjenige, in dem eine konkrete Realisierung des Gegenstandes gegeben ist, nicht gleichfalls notwendig für dieselbe Funktion.
Für das Funktionieren des Staates ist eine Beamtenschaft notwendig, mitnichten ist damit aber auch eine bestimmte Beamtenkaste, aus der sich die Beamtenschaft rekrutieren würde, notwendig für das Funktionieren des Staates.
Die bloß logische Notwendigkeit eines Begriffes überträgt sich nicht auf den Gegenstand, in dem der Begriff seine konkrete Realisierung erfährt.
Die bloß logische Notwendigkeit eines Begriffes überträgt sich nicht auf den Gegenstand, in dem der Begriff seine konkrete Realisierung erfährt, als wäre derselbe dadurch in gleicher Weise als ätiologisch notwendig erkannt.
Die logische Notwendigkeit eines Begriffs überträgt sich...
| Erscheint lt. Verlag | 25.3.2024 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Einsichten und Betrachtungen |
| Verlagsort | Ahrensburg |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Sachbuch/Ratgeber ► Gesundheit / Leben / Psychologie ► Partnerschaft / Sexualität |
| Geisteswissenschaften ► Philosophie | |
| Schlagworte | Aphorismus • Aufklärung • Dialektik • Disputierkunst • Epistemologie • Erfahrung • Erkennen • Erkenntnis • Erkenntnistheorie • Ethik • Hume • Idealismus • Ideologiekritik • Inhalt • John Locke • Kant • Kritisches Denken • Kritizismus • Kultur • Lebensphilosophie • Lebensweisheit • Liberalismus • Lichtenberg • Max Weber • Metaphysik • Moral • Moralphilosophie • Natur • Philosophie • Rationalismus • Rationalität • Recht • Religionskritik • Schopenhauer • Selbstreflexion • Sinn des Lebens • Skeptizismus • Transzendentaler Idealismus • Wahrheit • Werte • Wissenschaft |
| ISBN-10 | 3-384-18475-0 / 3384184750 |
| ISBN-13 | 978-3-384-18475-7 / 9783384184757 |
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