Messe und Congress Innsbruck im Wandel der Zeit (eBook)
164 Seiten
Universitätsverlag Wagner
978-3-7030-6636-8 (ISBN)
Mag.a Susanne Gurschler: Studium der Deutschen Philologie und der Fächerkombination (Philosophie, Politikwissenschaft, Zeitgeschichte) an der Universität Innsbruck. Journalistin und Sachbuchautorin mit den Schwerpunkten Kunst und Kultur, Architektur, Tourismus und Regionalgeschichte. Susanne Gurschler schreibt für Magazine, Jahrbücher, Kataloge und Sammelbände, übernimmt die redaktionelle Betreuung von Buchprojekten und verfasst Bücher zu den genannten Themenbereichen, zuletzt '111 Orte in Osttirol, die man gesehen haben muss' (Emons Verlag 2020), 'Zwei Bühnen, acht Mal Kultur', Reihe Kulturorte Nr. 3 (Tyrolia Verlag 2021) sowie Redaktion für 'Sicher. Besonnen. Innovativ - eine Festschrift für Manfried Gantner', hrsg. von der Innsbrucker Kommunalbetriebe AG (2022). 2024 erscheint die Neuauflage von '111 Orte in Tirol, die man gesehen haben muss' (Emons Verlag). www.susannegurschler.at Mag. Dr. Wolfgang Meixner: Studium der Europäischen Ethnologie und der Fächerkombination mit Schwerpunkt Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Universität Innsbruck. Abschluss des Diplomstudiums 1989. Promotion mit einer wirtschaftshistorischen Arbeit zum Unternehmertum in Cisleithanien 2001. Mitarbeit an Forschungsprojekten und Ausstellungen. Seit 2007 Assistenzprofessor am Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie. Von Oktober 2007 bis Februar 2020 Vizerektor für Personal der Universität Innsbruck. Forschungsschwerpunkte in der regionalen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Unternehmer:innen- und Unternehmensgeschichte. Zahlreiche wissenschaftliche Publikationen und Aufsätze. Zuletzt sind erschienen: gemeinsam mit Erol Yildiz, Nach der Heimat. Neue Ideen für eine mehrheimische Gesellschaft (Reclams Universal-Bibliothek 14060), Ditzingen 2021 sowie Zur Entstehung des Tiroler Volkskunstmuseums in Innsbruck (bricolage monografien. Innsbrucker Studien zur Europäischen Ethnologie 4), Innsbruck 2020. Demnächst (gemeinsam mit Gerhard Siegl): Die Entwicklung der Tiroler Industrie seit den 1980er Jahren.
Mag.a Susanne Gurschler: Studium der Deutschen Philologie und der Fächerkombination (Philosophie, Politikwissenschaft, Zeitgeschichte) an der Universität Innsbruck. Journalistin und Sachbuchautorin mit den Schwerpunkten Kunst und Kultur, Architektur, Tourismus und Regionalgeschichte. Susanne Gurschler schreibt für Magazine, Jahrbücher, Kataloge und Sammelbände, übernimmt die redaktionelle Betreuung von Buchprojekten und verfasst Bücher zu den genannten Themenbereichen, zuletzt "111 Orte in Osttirol, die man gesehen haben muss" (Emons Verlag 2020), "Zwei Bühnen, acht Mal Kultur", Reihe Kulturorte Nr. 3 (Tyrolia Verlag 2021) sowie Redaktion für "Sicher. Besonnen. Innovativ - eine Festschrift für Manfried Gantner", hrsg. von der Innsbrucker Kommunalbetriebe AG (2022). 2024 erscheint die Neuauflage von "111 Orte in Tirol, die man gesehen haben muss" (Emons Verlag). www.susannegurschler.at Mag. Dr. Wolfgang Meixner: Studium der Europäischen Ethnologie und der Fächerkombination mit Schwerpunkt Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Universität Innsbruck. Abschluss des Diplomstudiums 1989. Promotion mit einer wirtschaftshistorischen Arbeit zum Unternehmertum in Cisleithanien 2001. Mitarbeit an Forschungsprojekten und Ausstellungen. Seit 2007 Assistenzprofessor am Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie. Von Oktober 2007 bis Februar 2020 Vizerektor für Personal der Universität Innsbruck. Forschungsschwerpunkte in der regionalen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Unternehmer:innen- und Unternehmensgeschichte. Zahlreiche wissenschaftliche Publikationen und Aufsätze. Zuletzt sind erschienen: gemeinsam mit Erol Yildiz, Nach der Heimat. Neue Ideen für eine mehrheimische Gesellschaft (Reclams Universal-Bibliothek 14060), Ditzingen 2021 sowie Zur Entstehung des Tiroler Volkskunstmuseums in Innsbruck (bricolage monografien. Innsbrucker Studien zur Europäischen Ethnologie 4), Innsbruck 2020. Demnächst (gemeinsam mit Gerhard Siegl): Die Entwicklung der Tiroler Industrie seit den 1980er Jahren.
Entstehung und Entwicklung von Messe und Kongresshaus
Wolfgang Meixner
Einen Tag vor der Eröffnung der ersten modernen Messe in Innsbruck verkündete der damalige Vizebürgermeister Franz Fischer im Tiroler Anzeiger, dass Innsbruck wieder zu den Messestädten gehöre. Die Messe fand vom 7. bis 14. Oktober 1923 statt und wurde durch Handelsminister Eduard Heinl eröffnet. Innsbruck schloss sich somit Graz (seit 1906), Wien und Bozen (beide seit 1921) an, die bereits Messen veranstalteten. Man orientierte sich auch an deutschen Messen wie Leipzig, Frankfurt und Köln, um sich mit einer internationalen Veranstaltung von lokalen Jahrmarktveranstaltungen abzuheben. Die Messe präsentierte Produkte aus der heimischen Landwirtschaft, Industrie, Kunsthandwerk und dem Handel. Kritisiert wurde, dass die Land- und Forstwirtschaft zu dominant vertreten war. Dies lag daran, dass die ersten Messen mit starker Beteiligung des Landeskulturrates (ab 1922 der Landwirtschaftskammer) stattfanden und 1923 noch über 50 Prozent der Berufstätigen in Tirol in der Land- und Forstwirtschaft beschäftigt waren. Daher lautete der offizielle Titel der ersten Messe „Alpenländische Landwirtschaftliche Messe (Alm)“. Der Bezug zur alpinen Landwirtschaft blieb bis heute im Namen von Fachmessen und in Ausstellungsthemen erhalten.
Erste Innsbrucker Messe „Alpenländische Landwirtschaftliche Messe (Alm), 7.–14. Oktober 1923“, Plakat gedruckt bei Wagner’sche Universitätsbuchdruckerei, Innsbruck, TLM, Historische Sammlung
Ausstellungsgelände der Tiroler Landesausstellung 1893 westlich des Sieberschen Waisenhauses im Saggen. Fotografie von Anton Gratl, Innsbruck TLM, Bibliothek, W 21998
Entwicklung von Märkten und Messen in Tirol
Die Messe baute auf früheren Veranstaltungen auf, wie einer Obst- und Gartenbauausstellung, die ein Jahr vor Messebeginn vom Landeskulturrat mit großem Publikumsinteresse organisiert wurde. 1919 wurde eine Warenbörse für Holz, später auch für Getreide, Felle und Molkereiprodukte eingerichtet. Dieser war aber kein großer Erfolg beschieden. Im 19. Jahrhundert fanden in Innsbruck verschiedene Landesausstellungen statt, zunächst im Bereich der Agrarwirtschaft, wie 1845 eine landwirtschaftliche Ausstellung oder 1862 eine Zuchtviehschau. Großen Zuspruch erfuhren 1893 die „Große Leistungsschau der Tiroler Wirtschaft“ oder 1896 die „Ausstellung für körperliche Erziehung, Gesundheitspflege und Sport“, die der Wirtschaft wichtige Impulse gaben und neue Absatzmärkte erschlossen.
Märkte sind nach Fernand Braudel Schnittpunkte von Angebot und Nachfrage, Orte des zwischenmenschlichen Austauschs, die über reine Selbstversorgung hinausgehen. Bereits im Jahr 1133 errichteten die Grafen von Andechs am nördlichen Innufer einen Markt, das spätere St. Nikolaus. 1180 erwarben sie durch Tausch mit dem Kloster Wilten eine Grundfläche am südlichen Innufer. Innsbruck erhielt 1187 das Markt- und einige Jahre später das Stadtrecht. Mit der Stadterhebung waren Privilegien verbunden, wie das alleinige Recht, im Umkreis keine weitere Warenniederlage zu errichten. Durchreisende Händler mussten ihre Waren in der Stadt umladen und über Nacht lagern. Allerdings musste sich Innsbruck seit der Stadterhebung von Hall, 1303, dieses Privileg teilen. Dies führte dazu, dass Innsbruck lange Zeit im Schatten der Schwesterstadt stand, die eine Saline und eine Münze beherbergte. Das nicht mehr existierende Lagergebäude von Innsbruck, das Ballhaus, befand sich am Ende der Kiebachgasse in der Altstadt in der Nähe des Goldenen Adlers. Die Dogana neben der Hofburg, auch Ballhaus genannt, wurde nur in der bayerischen Zeit um 1800 als Lagerhalle genutzt. Zollprivilegien und das Monopol von Handwerk und Gewerbe brachten den Bürger:innen der Stadt Einkommen und Wohlstand. Die Dienste der Stadt mussten in Anspruch genommen werden, was den Zwischenhandel verhinderte. Geschäfte und Verkaufsstände entlang der heutigen Herzog-Friedrich-Straße und um den Stadtplatz versorgten Innsbruck und die umliegenden Gemeinden. Zwei Jahresmärkte sind seit 1356 schriftlich belegt.
Eingang zur Tiroler Landesausstellung 1893, Fotografie von Anton Gratl. Innsbruck, TLM, Bibliothek, W 26386
Ingenieursleistungen auf der Tiroler Landesausstellung 1893, Fotografie von Franz Mayr, K. K. Ingenieur, Innsbruck, TLM, Historische Sammlung
Die Ansiedlung des Hofes in Innsbruck unter Leopold IV. und Friedrich IV. ab den 1420er Jahren veränderte die Wirtschaftsstruktur der Stadt. Innsbruck entwickelte sich zu einer Konsument:innenstadt, die hauptsächlich den Hof, die Beamtenschaft, den Klerus, den Adel und die Bürger:innen versorgte. Neben dem Handel mit handwerklichen Waren entstanden spezialisierte Gewerbe, die vor allem den Hof mit Baugewerbe, Luxuswaren und Waffen belieferten. Ab 1460 sorgte ein Wochenmarkt vor dem Pickentor für die Versorgung der Stadt mit Lebensmitteln. Der Jakobimarkt fand seit 1598 auf dem Rennplatz und in der Vorstadt statt, und seit 1648 gab es den Thomasmarkt vor der Innkaserne. Die Zuschüttung des Stadtgrabens im Jahr 1765 ermöglichte die Abhaltung von Märkten westlich des Marktgrabens. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Marktplatz erweitert und ab 1878 während der Markttage für den Verkehr gesperrt. Ab 1891 waren am Marktplatz ständige Verkaufsbuden aufgestellt. Die geplante Markthalle wurde erst im Oktober 1914 eröffnet. Grund für diese Entwicklung war das Bevölkerungswachstum. Von 1842 bis 1910 stieg die Einwohner:innenzahl der Stadt von 10.926 auf 53.194. Der Beginn des Eisenbahnzeitalters ab der Mitte des 19. Jahrhunderts begünstigte die industrielle Produktion und den Handel. Die Eisenbahn brachte günstigere Waren aus ganz Europa und Übersee nach Tirol und erhöhte die Produktion und den Umlauf von Waren, jedoch begleitet von Preisverlusten. Um 1840 wurden in Tirol jährlich 662 lokale Märkte abgehalten. Die Eisenbahn bildete auch die Grundlage für den Tourismus, der Sommergäste anzog und zur Entwicklung von Hotels, Unterkünften und Verkehrsverbindungen in den neu entstehenden Fremdenverkehrsorten führte.
Brand der neuen Hofburg zu Innsbruck (Ruhelust), 1728, Ölgemälde von Michael Ignaz Mildorfer, Innsbruck, TLM, Ältere kunstgeschichtliche Sammlung, Inv. Nr. Gem 1460
Ansicht des Mautamtes und der Dogana am Rennweg, 1808 unter König Josef Max von Bayern aus dem ehemaligen Theater geschaffen, 1809, aquarellierte Federzeichnung von Joseph Leopold Strickner, Innsbruck, TLM, Bibliothek, FB 1673/15
Messen sind nicht nur Großmärkte, sondern auch gesellige Volksfeste, die oft zu kirchlichen Feiertagen abgehalten wurden. Sie zogen Besucher:innen aus der umliegenden Landbevölkerung an. Die wirtschaftliche Bedeutung der Messen lag jedoch in den Aktivitäten der Großkaufleute, die die Messen als Treffpunkt und Gelegenheit für Zahlungen, Kreditvergabe und Wechselabwicklung nutzten. Jahrmärkte und Messen waren eng miteinander verbunden und bildeten einen wirtschaftlichen Kreislauf, da Händler:innen ihre Waren von einem Messeort zum anderen brachten. Der Hof war mit der hohen Besucher:innenfrequenz von Jahrmärkten und Messen, die viele Fremde in die Stadt brachten, nicht zufrieden. Aus diesem Grund fanden über Jahrhunderte die bedeutendsten Messen nicht in Innsbruck, sondern in Bozen statt. Dort sind jährlich stattfindende Messen seit 1202 belegt. Zur Belebung des Handels nach den Kriegen wurde 1635 von Claudia von Medici der privilegierte Merkantilmagistrat eingerichtet, ein Sondergericht, das die Handelsangelegenheiten regelte. Mit dem Ausbau der Fernhandelsstraße in Graubünden (1718) und dem Aufstieg des Freihafens Triest (1719) als Ersatz für Venedig verlor Bozen an Bedeutung. Im 19. Jahrhundert konnten die Messen in Bozen und Innsbruck dem Tempo des aufkommenden Wirtschaftslebens nicht mehr standhalten und wurden zu regionalen Veranstaltungen, die hauptsächlich von lokalen Händler:innen besucht wurden. Ein Grund dafür war der Abbau von Zöllen, wodurch die Messen ihre Privilegien der Befreiung von Zollabgaben während der Messezeit verloren.
Marktplatz am Innrain gegen Südwesten um 1900, Innsbruck, Postkarte Unterberger, Innsbruck, StAI, Ph-6939
Errichtung der Innsbrucker Messe
Die Innsbrucker Messe entstand in der Zeit des Aufschwungs nach dem Ersten Weltkrieg. Im November 1918 wurde die „demokratische Republik Deutsch-Österreich“ ausgerufen. Die Tiroler Volkspartei gewann die Landtagswahl im Juni 1919 mit einer Zweidrittelmehrheit vor den Sozialdemokraten und behielt ihre Führungsposition während der Ersten Republik. Durch den Vertrag von Saint-Germain-en-Laye wurde Tirol 1920 geteilt. Das Bundesland Tirol war nur noch halb so groß wie das ehemalige Kronland, und die Bevölkerungszahl betrug 1923 313.888 Personen, ein Drittel weniger als zu Kriegsbeginn. 27.000 Soldaten, darunter knapp 11.000 aus dem heutigen Tirol, kehrten nicht aus dem Krieg zurück. Unmittelbar nach Kriegsende starben etwa 1.500 Menschen an der Spanischen Grippe. Hunger und Unterernährung führten zu Unruhen und Plünderungen. Die ersten Nachkriegsjahre waren von Hyperinflation geprägt. Von Januar bis August 1922 sank der Wert...
| Erscheint lt. Verlag | 18.4.2024 |
|---|---|
| Verlagsort | Innsbruck |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Geschichte ► Teilgebiete der Geschichte ► Kulturgeschichte |
| Schlagworte | Festschrift • Firmengeschichte • Frühjahrsmesse • Grafikdesign • Herbstmesse • Lokalgeschichte • Messe • Wirtschaftsgeschichte • Zeitgeschichte |
| ISBN-10 | 3-7030-6636-9 / 3703066369 |
| ISBN-13 | 978-3-7030-6636-8 / 9783703066368 |
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