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Verbrechermenschen

Zur kriminalwissenschaftlichen Erzeugung des Bösen

(Autor)

Buch | Softcover
252 Seiten
2005 | 2., erw. Aufl.
Campus (Verlag)
978-3-593-37747-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Verbrechermenschen - Peter Strasser
CHF 27,85 inkl. MwSt
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Schon schien es, als ob die Versuche, kriminelle Menschen als "andersartig" zu etikettieren, der Vergangenheit angehörten. Mittlerweile jedoch erleben wir - aus den USA kommend - eine neue Faszination für Serienkiller und Profiler, eine Renaissance des harten Strafens, den Abbau rechtsstaatlicher Sicherungen, die partielle Aufhebung menschenrechtlicher Garantien und eine neue biologistische Welle in der Kriminologie. Damit ist Peter Strassers zuerst 1984 erschienene, hier durch ein neues Kapitel ergänzte Streitschrift gegen die Mystifizierung des Verbrechers als "böse", "krank" - eben: anders - heute wieder hoch aktuell.

Peter Strasser lehrt Philosophie und Rechtsphilosophie an der Universität Graz.

"Heute ist das alles bereits Geschichte. Soziologie, Psychiatrie, Kriminologie sie haben samt und sonders aufgehört, in der Öffentlichkeit als kritische Wissenschaften in Erscheinung zu treten. Das ist nicht nur die Folge einer Ermüdung des Theorieeifers, wie er insbesondere in den Gesellschaftswissenschaften seit den 1980er Jahren massiv bemerkbar wurde. Zwei andere Faktoren scheinen mindestens ebenso wichtig. Erstens erreichten die Kritiker von einst nach Jahrzehnten der Agitation tatsächlich mehr, als sie zunächst vielleicht erwarten durften: Die europäischen Rechtsordnungen humanisierten in vielen Aspekten die nationalen Strafordnungen, ob es sich nun um den Strafvollzug selbst, die Behandlung jugendlicher Rechtsbrecher, die Bereitstellung therapeutischer Hilfeleistungen oder allgemein den Ausbau resozialisierender Maßnahmen handelte. Zweitens jedoch und damit zusammenhängend verflachte schließlich der humanitäre Elan, während gleichzeitig wieder stärker die verschiedenen Bedrohungen, denen unsere freizügigen, liberalen, multikulturellen Gesellschaften durch verbrecherische Elemente ausgesetzt sind, in den Vordergrund gerückt wurden. Die Kriminologie begann erneut, das zu werden, was sie schon einmal war: eine Wissenschaft zur Erforschung des Verbrechens und des asozialen Menschen, auch der kriminellen Subkulturen aus dem Bereich des organisierten Diebstahls, des Drogen- und Frauenhandels, des Menschenschmuggels inmitten anwachsender Asylantenströme.Eine symptomatische Entwicklung stellt die Gestalt und Popularität des so genannten Profilers dar offizielle Bezeichnung: »criminal investigative analyst«, eine seit 1978 beim FBI formal anerkannte Position. Diese neuere Gestalt des kriminologischen Betriebs benützt teils empirische, teils intuitive Methoden der Einfühlung in einen Verbrecher, nicht, um ihm gegenüber mitmenschliche Anteilnahme zu entwickeln, sondern um seine nächsten Schritte voraussehen zu lernen, damit die Polizei seiner habhaft werden kann. Als der FBI-Agent John Douglas zusammen mit Robert Ressler Ende 1970 eine Spezialeinheit für Serienverbrecher übernahm, musste er gegen ein eingefleischtes Vorurteil seiner Kollegen ankämpfen. Allgemein hielt man Psychologie und Verhaltensforschung für nutzlosen Quatsch."

Reihe/Serie Campus Bibliothek
Sprache deutsch
Maße 140 x 213 mm
Gewicht 330 g
Einbandart kartoniert
Themenwelt Geschichte Teilgebiete der Geschichte Kulturgeschichte
Schlagworte Das Böse • Kriminologie • Lombroso, Cesare • Psychiatriegeschichte • Verbrecher
ISBN-10 3-593-37747-0 / 3593377470
ISBN-13 978-3-593-37747-6 / 9783593377476
Zustand Neuware
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