Schlotbarone, Tribünenbastler, Diamantenaugen. Band I (eBook)
408 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-347-94028-4 (ISBN)
Bernd Engel wurde 1962 in Letmathe, heute Iserlohn, geboren. Nach Abitur, Zivildienst, M.A.-Abschluss Japanologie / BWL an der Ruhr-Universität Bochum folgten die beruflichen Stationen Marketing-Assistent in Düsseldorf, wissenschaftlicher Mitarbeiter in Berlin (Freie Universität), Drehbuch-Autor und Konzeptioner für interaktive Medien sowie Inhaber einer kleinen Internet-Agentur in Hamburg. Seit einigen Jahren arbeitet Engel nur noch freiberuflich und vermietet parallel Ferienwohnungen an der Nordsee. Reaktiviertes Hobby: Schreiben. Früher als freier Journalist (Japan-Themen) und Fachbuchautor (Wirtschaftsjapanisch). Mittlerweile nach Interesse und Neigung, u.a. fußballhistorische Themen.
Bernd Engel wurde 1962 in Letmathe, heute Iserlohn, geboren. Nach Abitur, Zivildienst, M.A.-Abschluss Japanologie / BWL an der Ruhr-Universität Bochum folgten die beruflichen Stationen Marketing-Assistent in Düsseldorf, wissenschaftlicher Mitarbeiter in Berlin (Freie Universität), Drehbuch-Autor und Konzeptioner für interaktive Medien sowie Inhaber einer kleinen Internet-Agentur in Hamburg. Seit einigen Jahren arbeitet Engel nur noch freiberuflich und vermietet parallel Ferienwohnungen an der Nordsee. Reaktiviertes Hobby: Schreiben. Früher als freier Journalist (Japan-Themen) und Fachbuchautor (Wirtschaftsjapanisch). Mittlerweile nach Interesse und Neigung, u.a. fußballhistorische Themen.
Der Papa macht das gut
Arbeit am Schalker Fundament
Das 20. Jahrhundert hat begonnen, als der Vorsitzende eines etablierten Turnvereins jungen Straßenfußballern unter die Arme greift und sich sogar bereit erklärt, den Turnverein für den Fußballklub zu verlassen. Das ist für die damalige Zeit mehr als ungewöhnlich, aber auch schon bald sehr erfolgreich. Denn die hochveranlagten Talente bringen in Kombination mit der erfahrenen, fürsorglichen Vereinsführung den jungen Fußballverein in kürzester Zeit nach ganz oben. Am Ende stehen unter der Leitung des alten „Turnvaters“ mehrere Deutsche Meisterschaften, ein Pokalsieg und ein unverwechselbarer Spielstil auf der Habenseite. Ein Spielstil, der in ganz Deutschland Bewunderer findet. Es ist ein modernes Märchen.
Das Ruhrgebiet erlebt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine extreme Boomphase. Die Förderung hochwertiger Steinkohle schafft unablässig neue Arbeitsplätze, für die stets neue Arbeitskräfte benötigt werden. Nur wenige Jahrzehnte zuvor, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, zählte das damals noch selbständige Dorf Schalke gerade einmal 250 Einwohner. Doch der Bergbau, die Anbindung an die Köln-Mindener Eisenbahn und die bald folgende Ansiedlung von Hüttenwerken und metallverarbeitenden Betrieben lassen die Bevölkerungszahl auf 8.000 (1875), 28.000 (19031) und 33.710 Menschen (1910) emporschnellen. Kamen zu Beginn des Booms die Arbeitskräfte noch vorwiegend aus dem Rheinland, dem Münsterland, dem Sauerland oder aus Ostwestfalen, so kann gegen Ende des 19. Jahrhunderts das Wachstum nur noch mit Arbeitskräften aus Pommern, Schlesien, Ostpreußen, Masuren und Polen gesichert werden. Das Ruhrgebiet wird zum Schmelztiegel. 1890 sind ca. 80 Prozent der Einwohner Gelsenkirchens Zuwanderer der ersten oder zweiten Generation. In der Mehrzahl Masuren und Polen. Diese Migranten gehörten in ihrer alten Heimat überwiegend zur Schicht der mittellosen Landbevölkerung (Knechte, Landarbeiter, Tagelöhner), die mit sicheren Löhnen, später auch Arbeitersiedlungen und anderen Vergünstigungen ins Ruhrgebiet gelockt wurden.
Eine kinderreiche Familie im Ruhrgebiet
Fritz Unkel kommt am 20. August 1865 in Schalke als siebtes Kind von Wilhelm und Anna Wilhelmine Unkel zur Welt. Vater Wilhelm wurde am 6. Juli 1825 in Eppinghofen, heute Mülheim, geboren. Mutter Wilhelmine ist etwa vier Jahre jünger als ihr Mann. Sie erblickt am 8. Oktober 1829 in Werden, heute ein Stadtteil von Essen, als Anna Wilhelmine Loosen das Licht der Welt. Die Eltern heiraten am 2. November 1851 in Duisburg.
In den nächsten Jahrzehnten erlebt die Familie Unkel, die kurz vor Fritz‘ Geburt von Essen nach Schalke zieht, diverse Ereignisse und Entwicklungen, die hinreichend Stoff für eine interessante Familiensaga bieten würden. Diese Schlussfolgerung lassen verschiedene Zeitungsmeldungen, Zeitungsanzeigen, Mitteilungen der örtlichen Standesämter und Recherchen auf genealogischen Plattformen zu, die punktuelle, fragmentarische, manchmal auch recht tiefe Einblicke in das Unkel’sche Familienleben erlauben. Ein Familienleben, bei dem sich erfreuliche Anlässe wie Geburten, Hochzeiten, berufliche Erfolge mit Krankheiten, Unglücken und (frühen) Todesfällen abwechseln. In diesem Sinne steht die Familie Unkel auch exemplarisch für viele Familien gegen Ende des 19. Jahrhunderts, im Ruhrgebiet: Eine hohe Kinderzahl geht oft einher mit wohnlicher Enge und bescheidenem Wohlstand oder gar Pauperität. Ungesunde, unfallträchtige Arbeitsbedingungen, unausgewogene Ernährung und mangelhafte medizinische Versorgung sorgen für eine reduzierte Lebenserwartung.
Vor Fritz Unkel bringt Mutter Wilhelmine bereits vier Söhne und zwei Töchter zur Welt. Der älteste Sohn bzw. Fritz‘ ältester Bruder, Johann Wilhelm Unkel, kommt in Essen am 10. November 1852 zur Welt. Am Weihnachtstag 1854, am 25. Dezember, folgt Schwester Anna Wilhelmine; knapp ein Jahr später, am 5. Januar 1856, Schwester Aletta Catharina Wilhelmine.
Es folgen drei weitere Brüder, nämlich am 21. November 1858 Johann August, am 13. Dezember 1860 Max Gerhard, am 16. März 1863 Ernst Wilhelm, bevor am 20. August 1865 Fritz als siebtes Kind der Unkels zur Welt kommt. Fritz wird bereits in Schalke geboren, aber die Taufe findet noch einmal in Essen statt.
Fritz bleibt für zehn Jahre das Nesthäkchen der Familie. Dann kündigt sich erneut Nachwuchs an. Es lässt sich nur mutmaßen, ob es sich um ein Wunschkind oder um einen – im zeitgenössischen Sprachgebrauch – „Unfall“ handelt. Immerhin ist Mutter Wilhelmine bereits 45 Jahre alt und Schwangerschaften im hohen Alter sind im 19. Jahrhundert keineswegs risikofrei. Aber es gibt keine Komplikationen. Am 11. Juli 1875 kommt Hedwig Ida Wilhelmine in Gelsenkirchen zur Welt. Am 29. Juli erfolgt die Taufe.
Tragischerweise verunglückt Vater Wilhelm im Alter von 50 Jahren vier Wochen vor der Geburt tödlich. Der Betriebsführer der Zeche Consolidation, kurz Consol, verletzt sich am 14. Juni 1875 bei Abteufarbeiten. Vermutlich waren es Arbeiten am Wetterschacht, Schacht 4, später Schacht 5 genannt2. Trotz der Geburt von Hedwig Ida Wilhelmine sind es für die Unkels schwere Tage.
Abb. 2: Fritz Unkels Elternhaus // Bild: be - eigenes Werk; CC BY-SA 4.0
+++ Exkurs: Fritz Unkels Elternhaus +++
Bruder Wilhelm
Fritz‘ ältester Bruder Wilhelm ist 23 Jahre alt, als Vater Wilhelm tödlich verunglückt. Er übernimmt jetzt mehr und mehr die Rolle des Familienoberhauptes. Etwa zwei Jahre später, am 28. Juni 1877, heiratet er die zwei Jahre jüngere Elise Bast aus Schalke. Am 22. Oktober 1979 kommt Tochter Leonore Aletta Christine zur Welt, die am 11. Juli 1901 den Drogisten Albert Heinrich Stränger heiraten wird. Am 20. November 1881 folgt Sohn August Wilhelm, der am 29. Januar 1913 heiratet und im Ersten Weltkrieg Karriere macht (Eisernes Kreuz (EK), Vizewachtmeister). Am 27. Juli 1884 Sohn Ernst Max. Ernst Max stirbt kurz vor Vollendung des zweiten Lebensjahres, am 11. Juli 1886. Am 29. August 1886 wird Tochter Martha Elfriede Wilhelmine geboren, die am 31. Juli 1915 einen Walter Achenbach ehelicht.
Wie das Standesamt Gelsenkirchen anlässlich der Hochzeit in der „Emscher-Zeitung“ mitteilt arbeitet Wilhelm im Sommer 1877 bereits als Bäcker. Auch eine Anzeige aus dem Jahre 1884 belegt den „Bäcker und Colonialwarenhändler Wilhelm Unkel zu Schalke, Wilhelminenstraße Nr. 234“. Der Anlass der Anzeige ist weniger erfreulich, denn der von Wilhelm beauftragte Rechtsanwalt Greve aus Gelsenkirchen klagt gegen den Fabrikarbeiter Friedrich Schulz aufgrund nicht beglichener Forderungen von 29 Mark und 37 Pfennig. Da Schulz sich wohl nicht mehr in Schalke aufhält, wird die Anzeige von einem gewissen Hovestadt, Gerichtsschreiber des Königlichen Amtsgerichts, in Form einer „Öffentlichen Zustellung“ bekannt gemacht. Und das gleich mehrmals. So gehen Abschreckung und Werbung eine ungewöhnliche Symbiose ein.
Auch sonst scheint Wilhelm das Licht der Öffentlichkeit nicht zu scheuen. Sein Name taucht oft in den Gelsenkirchener Zeitungen auf – nicht nur im Anzeigenteil. Er betätigt sich als Hauptschöffe am Königlichen Amtsgericht, engagiert sich bei den „Gemeinde-Verordnetenwahlen“ in vorderer Wahlabteilung, spendet für den Schalker Wohltätigkeitsverein, lässt seine Stimme im Männerchor erklingen. Kurz, Wilhelm Unkel wohnt in der Wilhelmstraße3 12, ist in Schalke ein bekannter Mann und im öffentlichen Leben bestens integriert.
Am 30. April 1924 endet das erfüllte Leben Wilhelms im 72. Lebensjahr. Zuletzt wohnt der ehemalige Bäcker in der Gewerkenstraße 18 in unmittelbarer Nähe zu den ersten Schächten der Zeche Consolidation. Seine Frau Elise ist bereits verstorben; das genaue Datum ließ sich nicht ermitteln.
Schwestern Anna Wilhelmine und Aletta
Komplett im Dunkeln liegt das Leben der am 1. Weihnachtstag 1854 geborenen Anna Wilhelmine, Fritz‘ ältester Schwester. Weder Adressbücher noch Zeitungsarchive liefern Hinweise zu ihrem Leben.
Anders verhält es sich mit der zweitältesten Tochter Aletta. Ihre Lebensstationen zeigen, dass das Leben der Unkels nach dem Unfalltod des Familienoberhauptes weitergehen musste und auch weiterging. Sie bestellt im November 1876, also etwa achtzehn Monate nach dem Tod von Vater Wilhelm, das Aufgebot mit dem Schalker Steiger Karl4 Diedrich Höstermann, geboren 1851. Höstermann kommt ursprünglich aus Überruhr-Hinsel, heute ein Stadtteil von Essen, südlich der Ruhr gelegen. Die Hochzeit findet am 28. November statt; zweieinhalb Monate später, am 23. Februar 1877, kommt das erste Kind zur Welt, August Wilhelm Höstermann.
Zwei Jahre später freuen sich die beiden über die Geburt von Tochter Aletta. Doch schon am 27. November 1879, beklagen die Eltern den Tod des kleinen Mädchens. Zehn Jahre später, 1889, kommt Tochter Hildegard Elisabeth zur Welt. Auch sie wird nur 19...
| Erscheint lt. Verlag | 16.5.2023 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Schlotbarone, Tribünenbastler, Diamantenaugen. | Schlotbarone, Tribünenbastler, Diamantenaugen. |
| Verlagsort | Ahrensburg |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Biografien / Erfahrungsberichte |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Sachbuch/Ratgeber ► Sport | |
| Geschichte ► Teilgebiete der Geschichte ► Wirtschaftsgeschichte | |
| Schlagworte | 2. Liga • Borussia Dortmund • Bundesliga • Diamantenaugen • Fritz Unkel • Fußball • Fußballhistorie • Glückauf-Kampfbahn • Günter Siebert • MSV Arena • MSV Duisburg • Oberliga West • Ottokar Wüst • Otto Wüst • Papa Unkel • Peter Maaßen • Regionalliga • Reinhard Rauball • Revier • Rot-Weiss Essen • Rot-Weiß Oberhausen • Ruhrgebiet • Ruhrstadion • Schalke 04 • Schlotbarone • Stadion Niederrhein • VfL Bochum • Walter Hellmich • Wattenscheid 09 • Westfalenstadion • Westfalia Herne |
| ISBN-10 | 3-347-94028-8 / 3347940288 |
| ISBN-13 | 978-3-347-94028-4 / 9783347940284 |
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