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Joseph Ratzinger (eBook)

Schlaglichter auf eine Person
eBook Download: EPUB
2023 | 1. Auflage
141 Seiten
neobooks Self-Publishing (Verlag)
978-3-7549-8740-7 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Joseph Ratzinger -  Cornelius Keppeler
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In der Theologie des 20. Jahrhunderts gehört Joseph Ratzinger zu den großen Gestalten. Schon als 35-jähriger nimmt er am Zweiten Vatikanischen Konzil teil. Doch seine Karriere als Theologieprofessor endet vorzeitig mit seiner Ernennung zum Bischof. Die entscheidenden Einflussnahmen auf die römisch-katholische Kirche und deren Lehrentwicklung fallen jedoch in die 23 Jahre, in denen Ratzinger Präfekt der Glaubenskongregation war, und in sein 8-jähriges Pontifikat als Benedikt XVI. Diese Vielfalt an Rollen macht eine Rezeption anspruchsvoll - zumal die Abgrenzung zwischen ihnen von Ratzinger immer wieder unterlaufen worden ist. Eine Einordnung dieser Person und ihres Verhaltens ist ein spannendes und herausforderndes Unterfangen.

Cornelius Keppeler studierte Philosophie und Theologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen (Frankfurt am Main) sowie der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. 2013 wurde er an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt zum Dr. theol. promoviert und ist aktuell in der Personalabteilung eines gemeinnützigen Unternehmens tätig.

Cornelius Keppeler studierte Philosophie und Theologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen (Frankfurt am Main) sowie der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. 2013 wurde er an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt zum Dr. theol. promoviert und ist aktuell in der Personalabteilung eines gemeinnützigen Unternehmens tätig.

Joseph Ratzinger: Wissenschaftler – Bischof – Präfekt – Papst Problematische Bezüge zwischen unterschiedlichen Rollen



Die Rezeption der Schriften von Joseph Ratzinger gestaltet sich schwierig. Denn Ratzinger äußerte sich während der Zeit, in der er Bischof von München-Freising war oder auch gesamtkirchliche Verantwortung als Präfekt der Glaubenskongregation und Papst trug, scheinbar unabhängig von diesen Funktionen zu verschiedenen theologischen Fragen als Wissenschaftler. Diese Schwierigkeit wird von vielen Autoren konstatiert, ohne jedoch daraus Konsequenzen zu ziehen oder dies eigens zu problematisieren.1

Dem Thema, dem sich dieser Beitrag widmen möchte, ist die Frage, ob Joseph Ratzinger immer nur im Dienst seiner jeweiligen Rolle agierte oder diese auch zur Durchsetzung seines eigenen theologischen Programms strategisch nutzte. Hierzu werden zunächst die verschiedenen Rollen mit ihren spezifischen Verantwortungsprofilen kurz betrachtet und im Anschluss unterschiedliche Begebenheiten beleuchtet, in denen es zu Grenzüberschreitungen in diesen Rollen gab.

Welche Folgen diese »Grenzüberschreitung« zwischen Wissenschaft und Lehramt für die Diskussion der jeweiligen Themen hatten, welche Auswirkungen sich daraus für den Verlauf der Auseinandersetzungen ergaben und inwieweit solches Vorgehen redlich und für die Wahrheitssuche zielführend gewesen ist, soll an einem Beispiel ausführlich nachgegangen werden.


1 „Ein (…) Problem wirft die Rolle auf, in der er [Ratzinger] jeweils spricht: als akademischer Theologe, als Bischof oder Kardinal, als Präfekt der Glaubenskongregation und nun auch als Papst. Welche Texte soll eine Auseinandersetzung mit ihm berücksichtigen?“, Hofmann, Peter, Benedikt XVI. Einführung in sein theologisches Denken, Paderborn 2009, 7; vgl. Hoping, Helmut/Tück, Jan-Heiner (Hrsg.), Die anstößige Wahrheit des Glaubens. Das theologische Profil Joseph Ratzingers, Freiburg 2005, 20; Twomey, Vincent, Benedikt XVI. – Das Gewissen unserer Zeit. Ein theologisches Portrait, Augsburg 2006, 27; Verweyen, Hansjürgen, Joseph Ratzinger – Benedikt XVI. Die Entwicklung seines Denkens, Darmstadt 2007, 80-82.



Die verschiedenen Rollen und ihre spezifischen Charakteristika


Bevor näher die Art und Weise betrachtet werden wird, wie Joseph Ratzinger in seinen verschiedenen Funktionen agiert hat und wie er seine jeweiligen Rollen interpretiert hat, sollen diese Rollen unabhängig von seiner Person in ihrem je eigenen Charakter dargestellt werden. Dabei stellt sich auch die Frage nach der Macht und den Einflussmöglichkeiten der jeweiligen Rolle.

  • Der Wissenschaftler kann nur mittels der besseren Argumente seinen Standpunkt verständlicher machen, plausibler begründen und damit stärken. Einen Abschluss der wissenschaftlichen Diskussion gibt es häufig nicht, weil selbst beste Argumente nicht immer zur Überzeugung der Vertreter anderer Positionen führen sowie unterschiedliche Positionen sich komplementär zu einander verhalten können und erst in ihrer Spannungseinheit die Wahrheit darstellen. So können auch Fragen offenbleiben.

  • Der Bischof hat dagegen das Lehramt inne. Seine Aufgabe ist es, eine Antwort auf theologische Fragen zu geben. Diese Verantwortung trägt er für seine Ortskirche, indem er für die rechte Verkündigung des Evangeliums sorgt. Dabei greift er auch auf die Erkenntnisse der wissenschaftlichen Theologen zurück, wird aber wohl Positionen anderer Bischöfe – insbesondere des römischen Bischofs und Papstes – stärker berücksichtigen, da er ebenfalls für die gesamtkirchliche Einheit verantwortlich ist.

  • Aufgabe des Präfekten der Glaubenskongregation ist es, für die Reinerhaltung des Glaubens zu sorgen. Seine Verantwortung liegt darin, theologische Lehrpositionen zu prüfen und sie gegebenenfalls zurückzuweisen, wenn sie nicht dem Glauben der katholischen Kirche entsprechen. Die Glaubenskongregation hat also nicht positiv zu formulieren, was katholisch ist, sondern negativ zurückzuweisen, was nicht katholisch ist. Dadurch bleibt die katholische Weite erhalten und kirchliches Leben wie auch theologische Wissenschaft bekommen den Raum für Vielfalt und Entwicklungen.

  • Der Papst hat das außerordentliche Lehramt inne. Dieses übt er jedoch äußerst selten aus. Allerdings sind seine Äußerungen, welche er in Enzykliken und auf andere Weise tätigt, von großem Gewicht und nehmen Einfluss auf Wissenschaft und Lehramt.



Rolle als Wissenschaftler und Professor (1958-1977)


Die theologische Begabung von Joseph Ratzinger wurde schon früh erkannt und von seinen Lehrern gefördert, so dass er schnell nach Studium, Priesterweihe und einem guten Jahr als Kaplan zum Dozent am Freisinger Priesterseminar berufen wurde. Nach seiner Promotion über Augustinus schrieb Ratzinger eine Habilitation über Bonaventura, welche er nur gegen große Widerstände von Michael Schmaus erfolgreich abschließen konnte.1 Danach lehrte er als Professor an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Freising, bis er einen Ruf der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn erhielt und 1959 als Professor für Fundamentaltheologie dorthin wechselte. Da Ratzinger „mit seiner überragenden Kenntnis der Kirchenvätertheologie und seinem wachen Sensorium für die Zeichen der Zeit als Hoffnungsträger der katholischen Theologie“2 galt und er auch ein vertrauensvolles Verhältnis zum Kölner Erzbischof Josef Kardinal Frings aufbaute, nahm dieser ihn als Peritus mit zum Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965). Dort ist er zusammen mit anderen Konzilsberatern wie Karl Rahner, Hans Küng oder Alois Grillmeier an der Erarbeitung der Konzilsdokumente beteiligt.3 Gehörte Ratzinger zu Beginn des Konzils zu jenen, die sowohl römische Theologie als auch kuriales Auftreten kritisierten4 und sich für eine weitgehende Reform der Kirche einsetzten, distanzierte er sich nach dem Ende der Kirchenversammlung zunehmend von diesen Kräften.5 Nachdem er 1963 als Dogmatik-Professor nach Münster an die Westfälische Wilhelms-Universität gegangen war, wechselte Ratzinger bereits 1966 an die Eberhard Karls Universität Tübingen und 1969 an die Universität Regensburg. Von den zahlreichen Publikationen aus dieser Zeit haben vor allem seine Berichte von den verschiedenen Konzilssessionen6 sowie die »Einführung in das Christentum«7 einen breiten Leserkreis gefunden. An ein eher akademisches Publikum richteten sich Bücher, in denen unterschiedliche wissenschaftliche Artikel von Ratzinger zusammengestellt worden sind wie »Das neue Volk Gottes« (1969) oder »Dogma und Verkündigung« (1973).

Rückblickend beschreibt Ratzinger seine Theologie in einem Interview wie folgt: „Ich habe nie versucht, ein eigenes System, eine Sondertheologie zu schaffen. Spezifisch ist, wenn man es so nennen will, daß ich einfach mit dem Glauben der Kirche mitdenken will, und das heißt vor allem mitdenken mit den großen Denkern des Glaubens. (…) Deshalb war für mich die Exegese immer sehr wichtig. Ich könnte mir keine rein philosophische Theologie denken. Der Ausgangspunkt ist zunächst einmal das Wort. (…) Von daher hat meine Theologie eine etwas biblische Prägung und eine Prägung von den Vätern, besonders von Augustinus.“8

In dieser Zeit als Professor war Ratzinger für viele Jung-Akademiker prägend,9 die bei ihm promovierten oder habilitierten.10 Zu diesem Schülerkreis, der sich erstmals nach der Bischofsweihe Ratzingers und in der Folge regelmäßig getroffen hat, zählen viele bekannte Namen wie Wolfgang Beinert, Hansjürgen Verweyen oder Siegfried Wiedenhofer. Nach 2008 bildete sich zusätzlich der »Neue Schülerkreis«, in dem sich Theologen zusammengefunden haben, die über die Theologie Joseph Ratzingers wissenschaftliche Arbeiten geschrieben haben. Dieser Kreis beschäftigt sich auf seinen jährlichen Treffen mit aktuellen theologischen Fragestellungen und der Rezeption von Joseph Ratzinger/Benedikt XVI.


1 Diese traumatische Erfahrung im Wissenschaftsbetrieb hat ihn nach eigener Aussage geprägt. Vgl. Ratzinger, Joseph, Aus meinem Leben. Erinnerungen (1927-1977), München 1998, 89.

2 Hoping, Helmut/Tück, Jan-Heiner (Hrsg.), Die anstößige Wahrheit des Glaubens. Das theologische Profil Joseph Ratzingers, Freiburg 2005, 9.

3 Vgl. Keppeler, Cornelius, Ratzinger – Rahner. Spielarten gegenseitiger Rezeption, Berlin 2022, 10-21.

4 Vgl. Benedikt XVI., Letzte Gespräche. Mit Peter Seewald, München 2016, 158.

5 Vgl. Schlögl, Manuel, Joseph Ratzinger in Münster, Münster 2012, 85f.

6 Vgl. Ratzinger, Joseph, Die erste Sitzungsperiode des Zweiten Vatikanischen Konzils. Ein Rückblick (1963), in: ders., Gesammelte Schriften, Band 7: Zur Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils. Formulierung – Vermittlung – Deutung, Erster Teilband, Freiburg 2012, 296-322; ders., Das Konzil auf dem Weg. Rückblick auf die zweite Sitzungsperiode des Zweiten Vatikanischen Konzils (1964), in: ders., Gesammelte Schriften, Band 7 (s.o.), 359-410; ders., Ergebnisse und Probleme der dritten Konzilsperiode (1965), in: ders., Gesammelte Schriften, Band 7 (s.o.), 417-472; ders., Die letzte Sitzungsperiode des Konzils (1966), in: ders., Gesammelte Schriften, Band 7 (s.o.), 527-575.

7 Vgl. Ratzinger, Joseph, Einführung in das Christentum, München 1968, aufgenommen in: ders., Gesammelte Schriften, Band 4: Einführung in das Christentum. Bekenntnis – Taufe – Nachfolge, Freiburg 2014, 31-322.

8 Ratzinger, Joseph, Salz der Erde. Christentum und katholische Kirche an der...

Erscheint lt. Verlag 2.1.2023
Reihe/Serie Theologische Studien
Theologische Studien
Verlagsort Berlin
Sprache deutsch
Themenwelt Geisteswissenschaften Religion / Theologie Christentum
Schlagworte Benedikt • Entweltlichung • Kasper • katholische • Soziallehre • Walter • XVI. • Zauberlehrling
ISBN-10 3-7549-8740-2 / 3754987402
ISBN-13 978-3-7549-8740-7 / 9783754987407
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