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Gesund leben mit dem Stoizismus (eBook)

Wie Sie durch die Philosophie der alten Stoiker seelisch und körperlich gesund bleiben
eBook Download: EPUB
2023 | 1. Auflage
176 Seiten
FinanzBuch Verlag
978-3-98609-248-1 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Gesund leben mit dem Stoizismus -  Gerhard Gleißner
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Der Stoizismus ist seit der Antike eine der erfolgreichsten lebensphilosophischen Schulen und bekanntermaßen bis heute unübertroffen in ihrer Art, Glück, Zufriedenheit und Gelassenheit zu vermitteln. Die Tatsache, dass die Anwendung der stoischen Prinzipien zu seelischer Gesundheit führt, die wiederum sogar die körperliche Gesundheit günstig beeinflusst, ist in der bisherigen Literatur zum Stoizismus aber nur angedeutet. Gerhard Gleißner geht als erfahrener Arzt dieser Verbindung in den relevanten Bereichen der stoischen Lehre nach und gleicht sie mit den Erkenntnissen der modernen Psychotherapie ab, indem er die besten Techniken und Methoden der Stoiker und der bedeutendsten Vertreter der kognitiven Psychotherapien wie Albert Ellis, A. T. Beck oder Martin Seligmann in einen Zusammenhang stellt. Daraus leitet er zahlreiche praktische Verhaltensregeln und Leitgedanken ab, die helfen, Resilienz aufzubauen und Krankheiten vorzubeugen, in einigen Fällen sogar zu heilen. Es gibt wohl kaum einen wichtigeren Wert im Leben als die Gesundheit - es lohnt sich also, sich durch die Anwendung der stoischen Prinzipen darauf zu fokussieren.

Dr. med. Gerhard Gleißner studierte Medizin in München und machte eine Weiterbildung im Akutkrankenhaus mit Abschluss als Facharzt für Allgemeinmedizin. Er ist spezialisiert auf Psychosomatik und evidenzbasierte Medizin. Von 19992013 arbeitete er als Hausarzt in eigener Praxis in Amerang, Chiemgau. Seit 2014 ist er als Amtsarzt und Gutachter im öffentlichen Gesundheitsdienst tätig. Nebenberuflich ist er ärztlich-philosophischer Berater. Er ist verheiratet und hat eine Tochter.

Dr. med. Gerhard Gleißner studierte Medizin in München und machte eine Weiterbildung im Akutkrankenhaus mit Abschluss als Facharzt für Allgemeinmedizin. Er ist spezialisiert auf Psychosomatik und evidenzbasierte Medizin. Von 19992013 arbeitete er als Hausarzt in eigener Praxis in Amerang, Chiemgau. Seit 2014 ist er als Amtsarzt und Gutachter im öffentlichen Gesundheitsdienst tätig. Nebenberuflich ist er ärztlich-philosophischer Berater. Er ist verheiratet und hat eine Tochter.

Stoische Erkenntnisse und Techniken mit Einfluss auf die Gesundheit


Das Schicksal lieben – amor fati


Das bekannteste deutsche Wörterbuch, der Duden, erklärt den Begriff »stoisch« mit »unerschütterlich, gleichmütig, gelassen«.7 Als Beispiel nennt das Standardwerk: »Er ertrug alles stoisch, mit stoischer Gelassenheit.« Die Gelassenheit oder stoische Seelenruhe (altgriechisch ataraxia) ist das entscheidende Ziel allen stoischen Bemühens, sie führt uns zum glücklichen Leben. Die ataraxia ist der Lohn dafür, wenn wir es schaffen, das Schicksal zu akzeptieren. Wenn es Ihnen also gelingt, alles, was kommt, gelassen zu ertragen, dann sind Sie ein guter Stoiker.

An dieser Stelle könnte ich aufhören zu schreiben, es ist damit alles gesagt … Weil aber das Einfache so schwer sein kann, haben sich die Stoiker sehr effektive Übungen ausgedacht, um das Ziel auf Umwegen zu erreichen. Also schreibe ich doch weiter …

Die stoische Seelenruhe leitet sich ursächlich vom stoischen Weltbild ab, das wiederum vom logos bestimmt wird. Der logos ist eine vernunftbetonte, göttliche Ordnung, die das ganze Universum durchdringt und funktionieren lässt. Wir Menschen können uns frei entscheiden, mit unserer Vernunft an der göttlichen Gesamtvernunft teilzuhaben und so den logos anzuerkennen. Das bedeutet konkret, wir respektieren die natürliche Ordnung/die Naturgesetze: Alles, was uns auf Erden zustößt, ist »in Ordnung« und im Plan des großen Ganzen vorgesehen; wenn wir es annehmen, akzeptieren wir unser Schicksal.

Epiktet fasst den Sachverhalt meisterhaft für uns zusammen:

»Bitte nicht darum, dass die Dinge so geschehen, wie du es wünscht, sondern wünsche dir, dass sie so geschehen, wie es von Natur der Fall ist, dann wird es dir gut gehen.«8

Der deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche (1844–1900) hat in seiner autobiografischen Schrift Ecce homo die Schicksalsabhängigkeit des Menschen nicht nur bestätigt, sondern er geht sogar noch weiter: »Meine Formel für die Grösse am Menschen: Das Notwendige nicht bloss ertragen … Sondern es lieben.«9 Nietzsche legt uns damit die Liebe zum Schicksal ans Herz, er prägt das Schlagwort »amor fati« (Liebe zum Schicksal).

»Alles fließt«

Als Teil der Natur sollen wir Menschen uns auch an ihre Gesetze halten, eines davon ist der ständige Wandel.

Dem Vorsokratiker und griechischen Philosophen Heraklit (520–460 vor Christus) ist der Ausspruch zuzurechnen: »Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen«10, »Pantha rhei« (»Alles fließt«) ist der Oberbegriff seiner Lehre. Mark Aurel als letzter Vertreter der jüngeren Stoa bestätigt dies: »Das Universum ist Wandel, das Leben eine Einbildung.«11

Dieses Bild vom Fluss bezieht sich auf den »Fluss« unseres Lebens. Er besteht aus verschiedenen aneinandergereihten Situationen; sie bilden die Gegenwart ab, um dann in Sekundenbruchteilen zur Vergangenheit zu werden. Die verschiedenen aktuellen Ereignisse ergeben die Realität; die vergangenen Erlebnisse werden in der Summe zu unserem Schicksal; beides müssen wir nach stoischer Auffassung annehmen, wie es ist – die Realität in der Gegenwart und unser Schicksal in der Vergangenheit.

Dieser Zusammenhang hilft uns entscheidend, die Dinge zu erkennen, die wir nicht verändern können: Es sind alle Ereignisse, die uns gerade im Moment passieren und die kurz darauf zur Vergangenheit – und damit zu unserem Schicksal – werden.

Was nicht fließt

Im Fluss des Lebens bietet uns der Stoizismus als Lebensphilosophie einen festen Halt. Er sagt uns dabei konkret, was nicht fließt: Es sind die Dinge, die in unserer Macht liegen, nämlich unsere Werte, unser Wille und unsere Wünsche. Hier bestimmen wir, was »fließen« soll. Wir können zum Beispiel politisch unser ganzes bisheriges Leben lang konservative Werte vertreten haben und es doch ab morgen ändern. Ein Schüler der neunten Klasse kann sich wünschen, Medizin zu studieren, in der zehnten Klasse will er lieber Pilot werden.

Wir können die Dinge, die in unserer Macht liegen, also auch an dem Zeitfaktor Zukunft erkennen. Unsere Werte und vor allem die Wünsche als Ziele beziehen sich vornehmlich auf das, was erst noch passieren wird – und genau deshalb sind sie frei und unterliegen nicht den Gesetzen der Realität und der Macht des Schicksals.

Byron Katie: Eine moderne Vertreterin des amor fati

Von den modernen Protagonisten der Stoa tritt Byron Katie (vergleiche Kapitel »Der Stoizismus und die kognitive Verhaltenstherapie«, Seite 65ff.) bei der Frage, wie weit wir von unserem Schicksal abhängen, am konsequentesten auf. Nicht umsonst führt ihr Standardwerk den Titel Lieben was ist.

So sieht sie die Realität: »Die Wirklichkeit – die in jedem Augenblick so ist, wie sie ist – ist immer freundlich. Nur unsere Geschichte über die Wirklichkeit trübt unseren Blick … Und macht uns glauben, die Welt sei ungerecht.«12

Ihrer Meinung nach ist es sinnlos, sich gegen das Schicksal aufzulehnen: »Das heißt nicht, dass Sie mit allem einverstanden sein müssen … Niemand will, dass seine Kinder krank werden, und niemand will in einen Autounfall verwickelt sein … Aber wenn diese Dinge geschehen, was hilft es dann, wenn wir uns in Gedanken dagegen wenden?«13

Byron Katie sieht es pragmatisch: »Ich bin eine Liebhaberin dessen, was ist, nicht weil ich ein spiritueller Mensch bin, sondern weil es wehtut, mit der Wirklichkeit zu streiten … Wenn wir mit ihr streiten, empfinden wir ›zusätzlich‹ Anspannung und Frustration.«14

Wie sollen wir mit Schicksalsschlägen umgehen?

Auch ein Stoiker darf Trauer, Schock und Angst empfinden – aber nur über einen angemessenen Zeitraum –, anschließend sollte die Vernunft die Oberhand über die Gefühle gewinnen. Wir können die in diesem und den folgenden Kapiteln vorgestellten stoischen Übungen einsetzen, um mit dem Schicksalsschlag selbstständig fertigzuwerden.

Wenn es die Situation erfordert, sollten wir die Hilfe von Therapeuten annehmen. Sie führt uns dann mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Psychotherapie – ich empfehle hier eine mit einem kognitiven Ansatz, also zum Beispiel die kognitive Verhaltenstherapie. Sie beruht wiederum auf stoischen Prinzipien.

Der Stoizismus ist deshalb so wertvoll für uns, weil er uns zwei elementare Dinge an die Hand gibt: Wir tun erstens gut daran, unsere subjektiven Vorstellungen über die Realität und das Schicksal zu hinterfragen. Zweitens zeigt er uns, was wirklich in unserer Macht steht und was wir beeinflussen können. Diese kognitive Klarheit, zu wissen, was wir erfolgreich und effektiv gestalten können und was nicht, macht uns stark, zufrieden und fördert unsere seelische und körperliche Gesundheit.

Der logos


Das wichtigste stoische Prinzip ist es also, die Realität und das Schicksal anzuerkennen. Doch wie kamen die Stoiker zu ihrer Theorie?

Die Wurzeln ihrer Lehre führen uns zum physikalisch-ethisch begründeten logos: Alle Vorgänge in unserer Welt und im Universum laufen nach einer inneren Logik, Ordnung und Gesetzmäßigkeit ab. In dieser Ordnung hat jede Lebensform der Erde ihren bestimmten Platz und ist gleichzeitig steter Veränderung ausgesetzt. Die verschiedenen Lebensformen erfüllen ihre typischen Funktionen, um zum Erhalt des großen Ganzen beizutragen.

So versucht zum Beispiel die Pflanze, Nährstoffe aus dem Boden aufzunehmen, um mit dem CO2 aus der Luft der Sonne entgegenzuwachsen;15 damit befindet sie sich in Übereinstimmung mit der Natur.

Was ist uns Menschen nun für eine Aufgabe im logos zugedacht?

Wir sollen das benutzen, was uns von allen anderen Lebewesen auf der Erde unterscheidet: unseren menschlichen Verstand.

Mit der göttlichen Gesamtvernunft des Kosmos erhielt die stoische Philosophie zusätzlich eine religiöse Komponente. Mark Aurel erklärt uns den logos so:

»Alles ist wie durch ein heiliges Band miteinander verflochten! Nahezu nichts ist sich fremd. Eines schließt sich ja dem anderen an und schmückt, mit ihm vereinigt, dieselbe Welt. Aus allem zusammengesetzt ist eine Welt vorhanden, ein Gott, alles durchdringend, ein Körperstoff, ein Gesetz, eine Vernunft, allen vernünftigen Wesen gemein, und eine Wahrheit, wofern es auch eine Vollkommenheit für all diese verwandten, derselben Vernunft teilhaftigen Wesen gibt.«16

Welche Schlussfolgerung ergibt sich daraus für das Leben von uns Menschen? Wenn das Universum nach einem in sich logischen und vernünftigen Prinzip funktioniert und wir daran mit unserer menschlichen Vernunft teilhaben können, dann müssen wir auch die natürlichen Gesetze dieser Ordnung akzeptieren. Das bedeutet,...

Erscheint lt. Verlag 19.2.2023
Verlagsort München
Sprache deutsch
Themenwelt Geisteswissenschaften Psychologie
Schlagworte Gelassenheit • Gesundes Leben • Gesundheit • Glück • krank • Psychotherapie • Stoa • Stoiker • Stoizismus
ISBN-10 3-98609-248-X / 398609248X
ISBN-13 978-3-98609-248-1 / 9783986092481
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