Die Sakramente (eBook)
532 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7568-9370-6 (ISBN)
Dr. phil. Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie und vieler zukunftsorientierter, not-wendiger Impulse auf allen Gebieten der Kultur, wie z.B. die Freien Waldorfschulen. Begründer der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, mit Sitz in Dornach (bei Basel) / Schweiz.
Fragen
an einen freien christlichen
und ökumenischen
Tauf- / Empfangskultus
Im Wahrnehmungsprozess des Sakramentes,
im Gespräch zwischen Eltern, Paten, Zelebranten,
ergeben sich oftmals individuelle Fragen,
Bedürfnisse, Gestaltungsvorschläge ...
Oft spielen dabei zwei Gesichtspunkte
eine wesentliche Rolle :
1. » Gemeinde « oder » Gemeinschaft « ?
Für eine kirchenunabhängige, freie christliche Taufe sind »die anderen Lebensumstände« zu berücksichtigen:
Der Täufling wird hier nicht (wie in allen Kirchen, auch in der »Christengemeinschaft«) in eine spezielle Religionsgemeinschaft / Kirche und damit in eine »Gemeinde« - auch juristisch - hineingestellt, sondern ins Allgemein-Menschheitliche, in die universale Christus-»Gemeinschaft«, in die Gemeinschaft des Christus mit jedem Menschen.
(Siehe Rudolf Steiner, 19.6.1924, GA 300, Bd.3, S. 179)
Was meinte aber Rudolf Steiner mit dem Begriff »Gemeinde«?
Denn als er diesen Tauf-Text mit diesem »Gemeinde«-Begriff dem »freien christlichen« Waldorf-Religionslehrer Wilhelm Ruhtenberg gab, existierte nirgends eine »Gemeinde«, weder in der - noch gar nicht begründeten - »Christengemeinschaft«, die diesen Text später auch übernahm, und auch Ruhtenberg hatte keine eigene »Gemeinde« mehr, seitdem er nicht mehr evangelischer Pastor war.
Rudolf Steiner benutzte (hier noch) die Begriffe »Gemeinde« und »Gemeinschaft« synonym! Heute aber wird unterschieden und unter »Gemeinde« vor allem eine »kirchliche Orts-Gemeinde« verstanden.
Um Missverständnissen vorzubeugen könnte, ja sollte im Text dementsprechend »Gemeinde« durch »Gemeinschaft« ersetzt werden.
Die entsprechenden Stellen sind hier im Text mit * / ** gekennzeichnet und in den Fußnoten angezeigt.
2. Anerkennung der Taufe
Ein weltweiter (Minimal-)Konsens - fast - aller Christen und Kirchen betrifft die Aufnahme in die Gemeinschaft der Christen durch die Taufe, und zwar durch die Wassertaufe, vor allem aber durch die biblische Taufformel mit Christi Taufauftrag und -worten
(Matt. 28,19, s.S. 55).
Wird dieser mit (übergossenen) Wasser verwendet, wird die Taufe weltweit anerkannt.
Weil diese Worte in der Taufe fehlen, wie sie Rudolf Steiner (eben damals *) formulierte (und wie sie »Die Christengemeinschaft« praktiziert), wird bei Verwendung dieses nicht ergänzten, dissenten Tauf-Textes dem Täufling sein Christ-Sein durch die (kirchlich organisierte) Christenheit nicht anerkannt.
(* Als dieser Text in den 1920ern gegeben wurde, gab es noch keine Ökumene, heute ist sie Praxis, die damals nicht vorhersehbar war.)
(Entscheidung der EKD vom 31.5.1949, bestätigt 1969, und der Kath. Kirche: 9.3.1991, Acta Apostolicae Sedis, 1991.)
»Bezüglich der Glaubensgruppe 'Christengemeinschaft' hatte der Rat der EKD empfohlen, die in der 'Christengemeinschaft' vollzogene Taufe nicht anzuerkennen:
sie erfolgt nämlich laut deren Agende nur mittels wasserbenetzter Hand, also nicht durch Begießen, und die trinitarische Formel wird nicht schlicht verwendet, sondern unter Beimischung erläuternder Worte.«
(VO über das Verhältnis der Landeskirche zur "Christengemeinschaft" [ABl. 1949 A 24], EvLKS.)
»Es ist mit großer Wahrscheinlichkeit zu vermuten, dass Taufen, die gemäß der Agende der 'Christengemeinschaft' durchgeführt wurden, der Stiftung Christi widersprechen. Also muss an Übertretenden die Taufe (nochmals) nach normalem Ritus vollzogen werden.«
(Vgl. Stellungnahme des Theologischen Ausschusses der VELKD vom 20.-22.3.1957.)
Auch wenn das als Kleinkrämerei erscheint, das Problem dabei heute ist die Abweisung des Minimalkonsenses der Christenheit durch »Die Christengemeinschaft«.
(Weil Rudolf Steiner - im damaligen Kontext - diese Texte - aber eben als 'Eingeweihter'! - so gab, sieht sich die »Christengemeinschaft« prinzipiell nicht berechtigt und nicht in der Lage diese in irgendeiner Weise zu verändern. "Freie" christliche "Aktualisierungen" / Bearbeitungen sind angeblich ein Sakrileg und Hybris...)
Die Nichtanerkennung verbaut dem Täufling die evtl. spätere Teilnahme an einem kirchlichen Leben, bzw. zwingt ihn zur Wiederholung der Taufe.
Zur Bearbeitung der Texte
Es wird Ihnen aber gerade an diesem Beispiel klar sein können, wie überall eben aus dem Lebendigen heraus das Kultusartige gesucht werden muss. ... Etwas Prinzipielles kann es im Leben der Welt überhaupt nicht geben, sondern es kann nur das sich in Leben Wandelnde geben.
Rudolf Steiner, 4.10.1921, vormittags, GA 269
Denn Wenn heute [1923!] einer die Dinge in derselben Weise vertritt, mit der man sie 1919 vertreten hat, man da um Jahrhunderte zurückgeblieben ist.
Rudolf Steiner, 31.12.1923
Christuns ist der Lebendige und der Alle Liebende und die Korrespondenz mit IHM soll und muss gegenwärtig lebendig, wahrhaftig sein. So versuchen wir Ihn auch im Kultus-Text konkret, real aktuell lebendig anzusprechen und das konkret Reale unserer Zeit anzuschauen; auf dass ein Jeder, mitsamt seinen individuellen Bedürfnissen und Möglichkeiten die ihm gegeben sind, sich authentisch einbringen und ehrlich, tatsächlich wahrgenommen sieht ..
Wenn ein Kultus-Text das - weil aus einer anderen Zeit - nicht mehr leisten kann, muss er, die 'Wahrheit' des 'Gespräches mit IHM', dem tatsächlich stattfindenden Kultus-Geschehen entsprechend, "angepasst" / übersetzt werden ... Ist das "Hybris" oder Ehrlichkeit?
In der Praxis
Die Ignorierung der Ökumene und die dogmatische Position der Kirche »Die Christengemeinschaft« tangiert aber nicht den freien Christen.
Wer die Zukunft des Täuflings offen halten und ihm eine Ausgrenzung ersparen, vor allem aber ihn - bewusst - in die überkonfessionelle Gemeinschaft des Christus stellen will, sollte der biblischen Forderung entsprechen.
Will eine Kirche diese Taufe doch nicht anerkennen, kann man sich auf die Entscheidung, bzw. Gewissensnot berufen, dass man die christliche Taufe eben überkonfessionell empfangen und somit keine konfessionelle Kirche in Anspruch nehmen konnte; konfrontiert mit der Not: 'diese ("Not"-)Taufe, oder gar keine'. Aufgrund der Verwendung der biblischen Taufformel und des Wassers würde die Legitimation zumindest als gültige »Not-Taufe« durch die weltweite Christenheit und damit die Anerkennung als »Christ« gegeben sein.
Offen bleibt lediglich die Mitgliedschaft in einer bestimmten Kirche, diese aber will man ja mit einer "freien" Taufe gerade nicht, d. h. offen halten. Bei ggf. einem späteren Kircheneintritt kann diese - quasi als ein rein kirchlich-juristischer Akt - jederzeit vollzogen werden, sodass die Taufe selbst (in der Regel!) nicht wiederholt wird.
(»Erklärung der Bischofskonferenz der VELKD zur Lehre vom Sakrament der heiligen Taufe vom 25.07.1950« :)
»Jede Taufe mit Wasser unter Anrufung des dreieinigen Gottes wird als christliche anerkannt. « (ABl. 1951, A 21)
»Alle christlichen Kirchen anerkennen auch jede anderswo vollzogene Taufe, sofern sie unter Verwendung von Wasser auf den Namen des dreieinigen Gottes vollzogen wurde ..«
(ABl. 1960, A 19; dies entspricht einem Beschluss der Kirchenleitung der VELKD vom 4.11.1959 [ABl. VELKD, Bd.1, S.178] [Immer noch gültig. VDL].)
Wasser & Taufe
Mit der Wassertaufe wird dem Täufling Wasser übergegossen - verschiedentlich wird er unter- oder eingetaucht.
Da der Wasserakt im freien christlichen Ritual schon enthalten ist, müsste er grundsätzlich nicht noch einmal vollzogen werden.
Prinzipiell kommt es ja nicht auf die Quantität des Wassers an, auch nicht darauf, was an speziellen, kultischen Elementen außerdem vorhanden ist; hier haben sich in jeder Kirche, abweichend von den Formen und Texten der Taufe des Urchristentums, unterschiedlichste Liturgien entwickelt.
Daher ändert sich durch die Hinzunahme weiterer Substanzen (z. B. Salz und Asche) nicht das Motiv, Prinzip, die Funktion und Wirksamkeit der Taufe. Allerdings bestehen die meisten Kirchen (ob das den "lieben Gott" interessiert??) dogmatisch überspannt auf ein reales und dreimaliges »Übergießen« mit Wasser (auch Untertauchen), eine »Benetzung« reiche nicht aus:
»Einschärfung der Agende III, wonach die Taufe durch Begießen mit Wasser zu vollziehen ist, und nicht etwa nur mit benetztem Finger - damit die Katholische Kirche aufhöre, Taufen in der EvLKS in Zweifel zu ziehen und bei Übertretenden eine Konditionaltaufe...
| Erscheint lt. Verlag | 16.9.2022 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Geisteswissenschaften ► Religion / Theologie ► Christentum |
| ISBN-10 | 3-7568-9370-7 / 3756893707 |
| ISBN-13 | 978-3-7568-9370-6 / 9783756893706 |
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