Psychologische Gesetze der Völkerentwicklung (eBook)
193 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-347-47657-8 (ISBN)
Gustave Le Bon (1841 - 1931) ist Franzose, promovierter Arzt, Anthropologe und Soziologe, der im Lauf seines langen Lebens 43 Bücher veröffentlicht. Viele seiner Bücher tragen die Bezeichnung "Psychologie" im Titel. Das Buch "Psychologie der Massen" ist sein erfolgreichstes Werk mit vielen Neuauflagen, das auch rund 125 Jahre nach der Erstveröffentlichung immer noch aktuell ist, weil Le Bon zeitlose Verhaltensweisen der Menschen analysiert. Sein Buch "Psychologische Gesetze der Völkerentwicklung" hingegen, ein Jahr vor der "Psychologie der Massen" geschrieben, ist fast vergessen, aber ebenso bedeutend. Le Bon versteht es, seine Erkenntnisse über die Völker klar und deutlich zu vermitteln, ohne Umschweife und die heute weit verbreitete Furcht, bei empfindlichen Geistern auf Missfallen zu stoßen.
Gustave Le Bon (1841 - 1931) ist Franzose, promovierter Arzt, Anthropologe und Soziologe, der im Lauf seines langen Lebens 43 Bücher veröffentlicht. Viele seiner Bücher tragen die Bezeichnung "Psychologie" im Titel. Das Buch "Psychologie der Massen" ist sein erfolgreichstes Werk mit vielen Neuauflagen, das auch rund 125 Jahre nach der Erstveröffentlichung immer noch aktuell ist, weil Le Bon zeitlose Verhaltensweisen der Menschen analysiert. Sein Buch "Psychologische Gesetze der Völkerentwicklung" hingegen, ein Jahr vor der "Psychologie der Massen" geschrieben, ist fast vergessen, aber ebenso bedeutend. Le Bon versteht es, seine Erkenntnisse über die Völker klar und deutlich zu vermitteln, ohne Umschweife und die heute weit verbreitete Furcht, bei empfindlichen Geistern auf Missfallen zu stoßen.
Vorwort des Herausgebers und
Übersetzers
Gustave Le Bon (1841-1931) ist vor allem durch sein Buch „Psychologie der Massen“ („Psychologie des foules“, 1895) bekannt, das eine beträchtliche Wirkung hat und bis heute immer wieder neu aufgelegt wird, obwohl zensuraffine Kritiker dieses Buch verdammen. Diese Wohlmeinenden lasten Le Bon an, dass sein Buch von totalitären Gestalten, auch Diktatoren übelster Art, wie Hitler, Stalin und Mao, gelesen worden ist, ein Umstand, für den der Autor nicht verantwortlich ist, da er sich seine Leserschaft nicht auswählen kann. Le Bon ist ein nüchterner Analytiker, der vor Diktaturen, rechten wie linken, warnt.
Ein Jahr vor der „Psychologie der Massen“ hat Le Bon das vorliegende Buch „Psychologische Gesetze der Völkerentwicklung“ veröffentlicht, das heute nahezu vergessen ist. („Lois psychologiques de l´évolution des peubles“, 1894). Mit diesen beiden Büchern über die Völker- und Massenpsychologie wird Le Bon zu einem sehr erfolgreichen Autor und berühmten Wissenschaftler im Frankreich vor der Wende zum 20. Jahrhundert.
Der Übersetzer Arthur Seiffhart überträgt das Buch „Lois psychologiques de l´évolution des peubles“ der vierzehnten Auflage (1919) aus dem Französischen unter dem Titel „Psychologische Grundgesetze in der Völkerentwicklung“ ins Deutsche, und der Leipziger Verlag Hirzel veröffentlicht es im Jahr 1922. Neuere Übersetzungen oder Veröffentlichungen gibt es in deutscher Sprache meines Wissens nicht.
Die jetzt hier vorliegende Neuübersetzung soll dazu dienen, die Gedanken Le Bons zur Psychologie der Völker vor dem Vergessen zu bewahren. Zwar hat Le Bon einzelne Passagen des Buches nach meinem Eindruck eher für eine Minderheit sehr speziell interessierter Leser geschrieben, dies gilt beispielsweise für die ausführlich, manchmal allzu gründlich dargelegten Einzelheiten indischer Kunst, jedoch sollte der Leser diese Schwächen verzeihen, denn die Lektüre dieses Buches vermittelt durchaus richtungweisende Erkenntnisse über die Psychologie der Völker, auch wenn diese Erkenntnisse nunmehr fast 130 Jahre alt sind. Sie sind über den Tag hinaus gültig.
Heute, 90 Jahre nach seinem Tod, würdigt die französische Wikipedia Le Bon als „umstrittene Persönlichkeit“ („une personalitée controversée“), mit einem Nachruf, der den Wissenschaftler Le Bon desavouieren soll, ihn jedoch, wenn diese herausragende faszinierende Persönlichkeit des französischen Geisteslebens noch lebte, nicht sonderlich treffen dürfte, da Le Bon zeitlebens frei und unabhängig von gesellschaftlichen Strömungen, Vorurteilen und Tabus seine Studienergebnisse so veröffentlicht hat, wie sie sich ihm darstellten. Er hat Wissenschaft im unverfälschten Sinn verstanden, als System von Erkenntnissen, die überprüft werden können. Mit mehreren dutzend Büchern, 43 Bücher, um exakt zu sein, hat Le Bon, der Polygraph, sich als Wissenschaftler in die Geschichte der Psychologie und Soziologie eingeschrieben, auch wenn, wieder zitiert aus der französischen Wikipedia, sein Dilettantismus seinen Zeitgenossen peinlich gewesen sei („son amateurisme gêne ses contemporains“).
Le Bon selber ist umgekehrt auch nicht zimperlich in der Beurteilung seiner Kollegen. So attestiert er dem italienischen Anthropologen Scipio Sighele, dessen Buch „Die kriminellen Massen“ enthalte „keinen einzigen originellen Gedanken“ (Le Bon, „Psychologie der Massen“, Hamburg 2021, S. 43), oder er spricht den Psychologen seiner Zeit generell die wissenschaftliche Qualifikation ab, denn sie, die Berufskollegen, experimentierten nur in Laboratorien und vernachlässigten damit den einzig richtigen Weg zur Erkenntnis, nämlich lange Reisen zu machen (Fußnote 3 im vorliegenden Buch).
Übrigens: Wie jeder Autor, der als „umstritten“ bezeichnet wird, kann auch Le Bon sich durch diese „Einordnung“ geehrt fühlen, die ihn als unabhängigen Denker ausweist, der nicht der herrschenden Einheitsmeinung hinterherläuft.
Die Lektüre der Bücher Le Bons kann auch heutige Leser noch faszinieren, weil er seine Theorien anhand plastischer Beispiele aus der Geschichte, der Kunst oder der Wissenschaft untermauert. Seine umfassende Bildung und seine Fähigkeit sich verständlich auszudrücken, prädestinieren ihn, mit Beginn des Jahres 1902 knapp dreißig Jahre lang, bis zu seinem Tod 1931, als Leiter einer Buchreihe populärwissenschaftlicher Werke zu wirken („Bibliothèque de Philosophie Scientifique“). Die Sammlung umfasst schließlich fast 200 Titel aus den Bereichen Physik, Geschichte, Philosophie und Biologie. Und zudem ist die Buchreihe auch wirtschaftlich erfolgreich. Le Bon ist in Frankreich jahrzehntelang eine herausragende intellektuelle Persönlichkeit.
Dass Le Bon als umstritten gilt (s.o.), bei wem, bleibt offen, diese Zuschreibung wird in der französischen Wikipedia so erläutert: Er gebe ein „pseudorassistisches Bild“ ab, was auch immer diese Charakterisierung bedeuten mag, und er habe „antiklerikale Tendenzen“.
Letzteres, die „antiklerikalen Tendenzen“, zeigt Le Bon deutlich, bekennt sich als Atheist und Gegner der Institution Kirche. Gleichzeitig bedauert er jedoch, dass die beschädigten christlichen Fundamente der abendländischen Gesellschaften seelische und soziale Konflikte zur Folge hätten, die, weil es keinen Glauben mehr gebe, in den Sozialismus führten.
Ausführlicher ist auf das „pseudorassistische Bild“ einzugehen, das Le Bon zeige.
Le Bon schreibt in diesem Buch, aber auch in vielen anderen seiner Werke, über Rassen und Völker. Jede Rasse besitze geistige und anatomische Charakteristika, und jedes Individuum werde durch die Rasse, der es angehört, geprägt, behauptet der Autor.
Zur Zeit der Entstehung seines Buches kann Le Bon diese Ansicht nahezu unwidersprochen veröffentlichen, aber schon kurz danach, Ende der 1890er Jahre, gründet Le Bons Zeitgenosse, der Anthropologe Franz Boas (1858-1942), in den USA eine wissenschaftliche Bewegung, der zufolge die psychische Grundlage kultureller Merkmale bei allen Rassen gleich sei und jede Kultur nur aus sich selbst heraus verstehbar sei. Wer es anders sieht, wird als Rassist gebrandmarkt. Boas ist nicht nur Wissenschaftler, sondern auch politischer Aktivist, der in einem guten Dutzend kommunistischer Organisationen tätig ist und es versteht, Epigonen um sich zu scharen und zu fördern. Boas ist erfolgreich: Heute gibt es keine Rassen mehr, obwohl ein Blick auf die Mitmenschen und die Erfahrung mit ihnen anderes zeigt. Inzwischen gilt sogar der Begriff der Rasse als biologische Erscheinung als „rassistisch“.
Für „Antirassisten“ ist es demzufolge undenkbar, dass es psychologische Unterschiede zwischen den Menschen gibt. Die Fortschritte der genetischen Forschung können zwar belegen, dass unterschiedliche Temperamente der Rassen auch genetische Grundlagen und nicht nur kulturelle Ursachen haben, so dass Unterschiede in der Impulsivität und Aggressivität oder in der Angepasstheit an gesellschaftliche Umstände genetisch erklärt werden können, jedoch sind diese Erkenntnisse aus ideologischen Gründen zu ignorieren, denn die Ideologie stellt fest: Alle Menschen sind gleich.
Le Bon schreibt dazu in diesem Buch: „Gleichheit kann nur in der Unterlegenheit existieren, sie ist der obskure und beschwerliche Traum der vulgären Mittelmäßigkeit.“
Die Bezeichnungen „Rassen“ und „Völker“ grenzt Le Bon nicht voneinander ab, sondern wechselt frei zwischen beiden Begriffen und gebraucht sie als Synonyme, manchmal im selben Satz. Er ist damit nicht allein, denn klare Begriffsdefinitionen zum Beispiel zur Rasse gibt es nicht, zur Zeit Le Bons nicht, weil ein wissenschaftliches „Arsenal“ kaum vorhanden ist, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Rassen zu messen, heute nicht, weil die analytischen Möglichkeiten zur Entschlüsselung des menschlichen Genoms zwar entwickelt worden sind, jedoch bei den dem Geist der Zeit hörigen Wissenschaftlern eine ausgeprägte Scheu davor besteht, Forschungserkenntnisse zu veröffentlichen, die der Ideologie, es gäbe keine Rassen, entgegenstehen. Deshalb findet beispielsweise medizinische Forschung, die die unterschiedliche Wirksamkeit von Medikamenten oder Therapien in Abhängigkeit von der Rasse der Probanden feststellt, eher im Verborgenen statt, um dem Vorwurf des Rassismus zu entgehen.
Le Bon konzentriert seine Forschungen jahrzehntelang auf Rassen (etwa seit 1874, als er sein Handbuch der Physiologie publiziert). Während der langen Zeit bis zur Veröffentlichung des vorliegenden Buches (1894) ändern sich Le Bons Vorstellungen über die Rassen, jedoch teilt er die Menschheit, ausgehend von den Vorstellungen über die Evolution, durchgehend konsequent und selbstverständlich in höhere und...
| Erscheint lt. Verlag | 9.1.2022 |
|---|---|
| Mitarbeit |
Cover Design: Simona Jekabsons |
| Übersetzer | Holger Schulz |
| Verlagsort | Ahrensburg |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Geisteswissenschaften ► Geschichte |
| Sozialwissenschaften ► Soziologie ► Spezielle Soziologien | |
| Schlagworte | Arbeit • Bedeutung • Bildung • Energie • Entwicklung • finden • Folgen • Gedanken • Gefühle • Geist • Geschichte • Glauben • Jahre • Jahren • Mensch • Menschen • Neuen • oft • Recht • Religion • Sagen • scheint • Seele • seines • SOFORT • Tag • verschiedenen • Welt • Wissen • Zeit |
| ISBN-10 | 3-347-47657-3 / 3347476573 |
| ISBN-13 | 978-3-347-47657-8 / 9783347476578 |
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