Wir und unsere Biologie (eBook)
192 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7543-6724-7 (ISBN)
Ich bin in Deutschland, im Rheinland geboren und aufgewachsen. Als junger Mensch studierte ich Lehramt Sonderpädagogik und Biologie. Im jungen Erwachsenalter nahm ich an steinzeitlichen Ausgrabungen teil. Ich mache bis heute viele Studienreisen in Europa und Asien. In meinem weiteren Familienkreis finden sich Mitglieder aus der ganzen Welt.
3. Die Freiheit des Menschen.
Die Freiheit des Menschen lässt sich als größtmögliche Lernfähigkeit und die größtmögliche Fähigkeit seinem biologisch orientierten Verhalten selber kritisch zu betrachten, beschreiben. Der Mensch hat gegenüber allen anderen Lebewesen auf der Erde, die qualitativ beste Möglichkeit nachzudenken, auch über sich selbst nachzudenken und über den Sinn seiner Existenz.
In vielen oder allen Gesellschaftsformen auf der Erde gibt es Handeln das biologischen Grundprinzipien entgegensteht. So gibt es in fast allen Gesellschaften Menschen, die sich der Sexualität, der Familie, dem Besitz, gute gesellschaftlicher Stellung usw. entziehen. Und die Sexualität ist für Menschen besonders in jungen Lebensjahren ein mächtiger Trieb. Es gibt auch heute wie auch in der menschlichen Vergangenheit schon Menschen, die Mönch oder Nonne werden, die als Künstler oder Lebenskünstler anderen Wege gehen. Es kann auch sein, dass der Verzicht auf vitale biologische Interessen nur zeitlich begrenzt, ist im Leben eines Individuums. Bei vielen Menschen kann aber auch das Alter Distanz zur Vitalität unserer Biologie bringen. Er kann ein Stück Altersweisheit und ein Stück mehr an Freiheit gewinnen. Der Mensch entwickelt sich bis zum Tode, im Normalfall. Im Rheinland sagt man auf Dialekt:“ Et jüt nix , what et net jüt!“. Auf Hochdeutsch würde man sagen: “Es gibt nichts, was es nicht gibt“. Damit ist natürlich der Mensch gemeint. Das ist ein Stück tieferer rheinischen Lebensphilosophie.
Eine der Freiheiten des Menschen ist es, sich selber oder anderen Menschen Fragen zu stellen. Das mag ursprünglich aus dem Neugier Verhalten unserer Primaten Vorfahren stammen.
Weitere freiheitliche Bereiche beim Menschen sind die Kunst und die Religiosität oder Nicht-Religiosität des Menschen. Gerade in unserer heutigen Gesellschaft wird das Individuum und die Freiheit in der Lebensgestaltung besonders hervorgehoben. Das hängt mit unserem zivilisatorischen, kulturellen Entwicklungsweg zusammen. Die großen staatsphilosophischen Ideologien, die dem Einzelnen sehr genau und exakt vorschrieben, wie sie zu leben hatten, sie alle haben in die Sackgasse geführt. Heute ist der Mensch für sein eigenes Weltbild verantwortlich, was auch eine weitere Freiheit ist.
Wenn ein Mensch neu geboren wird, so ist sein Verhalten, zentral durch seine Gene festgelegt. Das Neugeborene zeigt Verhalten, das sich in seiner Evolution bewährt hat. Als motorische Reflexe gelten zum Beispiel der Saugreflex, der Suchreflex, der Greifreflex, der Schwimmreflex, der Schreitreflex, der Kriechreflex, der Rückziehreflex bei Schmerz und der Moro-Schreckreflex. Es sind nur Einige, die man bei einem Baby finden kann. Die Bedeutung mehrere dieser Reflexe lässt sich heute nur noch aus der Biologie, also aus der Evolution des Menschen, erklären.
Aber vom Moment der Geburt an findet Verhaltensausformung und lernen statt. Gerade in den ersten Lebensjahren lernt der Mensch enorm. Ein Facharzt lernt in Deutschland nach der Schule, viele Jahre, am längsten von allen Berufen, bis er fertig ist. Einer meiner Fachärzte hat 14 Jahre für seine Ausbildung gebraucht Die Ausbildung und die Lernphasen sind in unserer zivilisatorischen Entwicklung enorm angestiegen. Auch deshalb existiert bei Menschen in den entwickelten Ländern die Tendenz zu freiheitlicheren und individuelleren Lebensläufen. Der Grad menschlicher Freiheit hängt also vom Lebensalter ab, wie auch oft von institutionellen Lernphasen im Leben, wie Bildung, Schule. Der Mensch entwickelt sich bis zum Tod. Auf der anderen Seite ist es wohl auch so, dass Menschen unterschiedliche Grade an Freiheit entwickeln. Ein geistig behinderter Mensch wird sich nicht so entwickeln wie ein normal intelligenter. Aktuell ist das in Deutschland so (2018), dass in großen Städten wie Düsseldorf, Frankfurt oder Stuttgart 70% der jungen Menschen die Schule mit einem Abitur verlassen. Alle streben den höheren Schulabschluss an. Das mag so sein, weil es beruflich verlangt wird, weil man immer mehr Geistiges benötigt, um die Gesellschaft zu verstehen und im Alltag zurecht zu kommen, aber auch weil es ein Stück menschliche Freiheit ist. 2016 haben in ganz Deutschland 41 %, also fast die Hälfte ein Abitur oder Fachabitur gemacht. Die Tendenz geht zu höheren Bildungsabschlüssen und zum Studium. Die Duale Bildung ist rückläufig (Menkens Sabine 2016). 2019 haben in Deutschland 51 % der 25 -35-Jährigen eine Fachhochschulreife oder die Hochschulreife gemacht. Die langen Lernphasen heute, ermöglichen einem, seine Welt besser zu erklären und sich in ihr zu bewegen. Die Gesamtzahl der Schüler sinkt (Statistisches Bundesamt 2019). Im Jahr 1960 machten im Gegensatz dazu nur 5,9 % das Abitur (BMBF).
Das, was wir denken, wie wir denken, wie wir uns entscheiden ist also stark beeinflusst von unserer Biologie. Wenn wir uns entscheiden, so spielen dabei Affekte und Gefühle eine wesentliche Rolle. Oder es spielen vergangene Affekte und Gefühle eine wesentliche Rolle. Diese haben ihren Ursprung oft in unserer Biologie. Als wir ein Säugling waren, waren wir voller Affekte und Gefühle, aber noch ohne Gedanken. Dies kommt halt später, aufgrund von Verarbeitung, Lernen und Auseinandersetzung. Heute erwarten wir, dass ein erwachsener Mensch seine Gefühle durchdenken und kontrollieren kann. Bei einem erwachsenen Menschen gibt es auch eine gegenseitige Beeinflussung von Gefühl und Gedanke. Auch wenn ein erwachsener Mensch aus starken negativen Gefühlen, Aggression einen anderen Menschen schädigt, wird er bestraft im Namen der sozialen Gemeinschaft. Auch Kinder werden bei so etwas bestraft und belehrt.
Vielfach rationalisieren wir um unsere Affekte herum. Die Ursachen unserer Gedanken sind oft ursprünglich biologisch, evolutiv, oder biologisch- evolutiv beeinflusst.
Ein anschauliches Beispiel dafür, dass vieles mit unserer Biologie zu tun hat ist dieses: Ein Mensch bewegt sich durch einen Ort. Plötzlich bemerkt er ein Gefühl im Magen. Der Magen meldet ans Gehirn, dass er schon längere Zeit leer ist. Es ist ein biologisches Gefühl, das wir mit den anderen entwickelten Lebewesen auf der Erde teilen. Die Nervenimpulse vom Magen gelangen zum Gehirn. Der Gedanke entsteht „Ich habe Hunger“. Vielleicht teile ich einem Menschen, der neben mir steht mit Worten mit, dass ich Hunger habe. Ich orientiere mich neu und suche nach einer Imbissbude. Aus dem biologischen Gefühl ist eine Handlung, ein Tun geworden(durchdacht). Der Mensch betritt den Imbiss und bestellt etwas und bekommt etwas von einem anderen Menschen. Das biologische Gefühl ist zu einem Teil unseres sozialen Zusammenlebens geworden. Das ist ein Beispiel, was jeder einsieht. Ein Schimpanse, als Beispiel hat keine Imbissbude und er bezahlt nicht. Er sucht seine Nahrung in der Natur. Beim Menschen haben Denken und Tun und Soziales oft etwas mit seiner Biologie zu tun. Viele Grundprinzipien von dem was wir denken, tun oder wie wir zusammenleben haben etwas mit unserer Natur zu tun. Man findet sie auch bei anderen Lebewesen. Vieles was unsere alltäglichen Gedanken und Handlungen ausmacht sind Essen, Trinken, Familie, unsere Wohnung, unsere Arbeit, Schlafen, unser Lebenspartner, die Sexualität und anderes. Dies alles hat was mit unserer Biologie zu tun. In meinem Studium besuchte ich eine philosophische Vorlesung. Das ist viele Jahrzehnte her. Auf die Frage, ob menschlicher Verstand und Vernunft auch etwas mit Biologie zu tun haben, gab es zuerst keine Antwort. In der nächsten Stunde gab es Aussagelogik. Was Aussagelogik mit unserer Biologie zu tun hat, weiß ich auch nicht. Aussagelogik ist was Freiheitliches beim Menschen. Menschlicher Verstand und Vernunft haben sehr wohl was mit unserer Biologie zu tun. Oft gehen wir von Sachen aus, die uns normal vorkommen und hinterfragen sie nicht. Oft haben auch diese Sachen etwas mit unserer Biologie zu tun.
Die Epigenetik ist eine neue Wissenschaft und beschäftigt sich mit Umwelteinflüssen, die wieder auf die Gene zurückwirken und sie beeinflussen. Auch dies widerspricht der großen Freiheit des Menschen.
„-die Umwelt kann auf das Genom einwirken über sogenannte Epigenetische Marker
-bei Pflanzen und Wirbellosen können die epigenetischen Marker vererbt werden
-bei Säugern werden epigenetische Marker nur selten vererbt
-häufig kommt es zu genetisch übergreifenden epigenetischen Effekten – der Prägung des Fetus im Mutterleib.“ (Henn Volker 2019)
Laut Eibl-Eibesfeldt findet beim Menschen eine Entkopplung der Handlung von den Antrieben statt und es folgt die bewusste Selbstkontrolle. Er begründet das mit der Entwicklung des menschlichen Gehirns in den Jahrmillionen. „Der Mensch erlebt subjektiv, dass er sich entscheiden kann, dies zu tun und jenes zu unterlassen, dass er die Freiheit hat, zwischen verschiedenen Alternativen zu wählen“. „Der Mensch ist in der Lage, die Erfüllung eines Triebzieles zurückzustellen, seine Triebsphäre so weit abzukoppeln, dass ein entspanntes Feld entsteht, indem er überlegt und vernünftig handeln kann. Tiere zeigen diese Fähigkeit in beschränktem Maße“ (Eibl-Eibesfeldt 2004 s.130). Der Mensch kann sich Ziele setzen, auch wenn sie...
| Erscheint lt. Verlag | 14.10.2021 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Geisteswissenschaften |
| ISBN-10 | 3-7543-6724-2 / 3754367242 |
| ISBN-13 | 978-3-7543-6724-7 / 9783754367247 |
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