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Yoga -  Albert Tigges

Yoga (eBook)

Der Weg ist das Ziel
eBook Download: EPUB
2021 | 1. Auflage
92 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7534-0013-6 (ISBN)
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Eine Sammlung von Texten als Leitfaden über Weg und Ziel im Yoga. Zentraler Baustein sind die Yoga Sutren von Patanjali.

Geboren 1953 im Sauerland, verheiratet, 2 Kinder. Nach über 30 Jahren Hausarzt jetzt Rentner.

Kleshas (Hindernisse)


Patanjali

II.3. Unwissenheit, Egoismus, Anhänglichkeit, Abneigung und Festhalten am Leben sind die fünf Belastungen.

Govindan

Hier führt Patanjali die fünf Belastungen auf, die die Verwirklichung des Selbst verhindern. In den folgenden Versen erklärt er sie einzeln. Die Reihenfolge, in der er sie nennt, ist von Bedeutung. Die Unkenntnis unseres wahren Selbst läßt das Ego hervortreten; das Ego, die Gewohnheit, uns mit unseren Gedanken und Empfindungen zu identifizieren, führt zu starker Anhänglichkeit oder Ablehnung (etwas mögen oder ablehnen) und diese wiederum zu Angst (vor dem Tod) (allgemein vor Verlust).

Taimni

Die Philosophie der Klesas ist tatsächlich die Grundlage des von Patanjali vorgelegten Yoga-Systems. Diese Philosophie muß gründlich verstanden werden, denn sie gibt eine zufriedenstellende Antwort auf die ursprüngliche und naheliegende Frage: ‚Warum sollen wir Yoga üben?'

Das große Problem des Menschenlebens ist zu drängend, zu ernst, zu tief und ehrfurchtgebietend, um Raum für rein intellektuelle Theorien - wie bestechend solche auch sein mögen - zu lassen. Wenn unser Haus in Flammen steht, suchen wir eine Fluchtmöglichkeit und sind gewiß nicht in der Stimmung, uns hinzusetzen und eine glänzende Abhandlung über Architektur zu lesen. Wer sich mit der bloßen spekulativen Philosophie zufriedengibt, hat das drängende Problem des Menschenlebens und dessen tieferen Sinn nicht wirklich begriffen. Erkennt er dieses Problem als das, was es wirklich ist, dann werden ihn nur solche Philosophien interessieren, die wirksame Mittel zu seiner Lösung zu bieten haben.

Der Mensch muß über die Tatsachen des Lebens nachdenken, um die täuschende Natur seines Lebens zu erkennen.

Klesa bedeutet Leid sowie Ursache von Leid. Die Philosophie der Klesas ist demnach eine Analyse der dem Leid zugrundeliegenden Ursache sowie der Art und Weise, wie diese Ursache wirksam beseitigt werden kann.

Die experimentelle Natur der Yoga-Philosophie basiert auf Erfahrungswissen und ist nicht das Resultat von Spekulationen oder logischem Denken.

Patanjali

II.4. Unwissenheit ist der Nährboden, [auf dem die anderen] Belastungen [gedeihen]. Sie können unterschwellig, abgeschwächt, mit Unterbrechungen oder stark ausgeprägt sein.

Govindan

Hauptursache des Leidens ist das Nichtwissen (avidya). Aus ihm entstehen die anderen Belastungen. Damit ist nicht Unwissenheit im allgemeinen gemeint, sondern vielmehr ganz speziell die fehlende Bewußtheit des Selbst. Hier liegt die Ursache der Verstrickung zwischen dem Subjekt - „Ich bin“ - und den Objekten der Wahrnehmung. Dieses Nichtwissen überdeckt unsere innere Bewußtheit und schafft eine falsche Identität, nämlich: Ich bin der Körper, das Denken, die Sinne, die Gefühle usw.

Beim Durchschnittsmenschen sind Unwissenheit (avidya), Egoismus (asmita), Anhänglichkeit (raga), Abneigung (dvesa) und das ängstliche Festhalten an diesem Leben (abhinivesah) anhaltend und stark ausgeprägt. Wir folgen ständig dem Antrieb unserer im Unterbewußtsein gespeicherten Wünsche. Wenn unser Wohlergehen oder unser Überleben bedroht sind, reagieren wir auf eine typisch ängstliche Weise ohne jede Reflexion. Wenn wir jedoch beginnen, Yoga zu üben, hinterfragen wir unsere Motivationen, widersetzen uns ihnen und ersetzen sie durch Gefühle der Liebe, Selbstdisziplin, der Großzügigkeit (dana) usw. Dazu muß man jedoch ständig auf der Hut sein und sich bemühen; andernfalls leben die alten Gewohnheiten wieder auf.

Bei einem fortgeschrittenen Yoga-Schüler werden diese Belastungen (klesa) sehr schwach (prasuptah). Sie sind nur noch unterschwellig vorhanden, weil der oder die Betreffende nicht mehr auf sie reagiert. Durch die ständige Disziplin (sadhana) hat der Schüler ein Stadium des Gleichmuts erreicht, das durch solche unterschwelligen Antriebe nicht mehr gestört werden kann.

Patanjali

II.5. Unwissenheit heißt, das Vergängliche als unvergänglich, das Unreine als rein, das Leidvolle als freudvoll und das Nicht-Selbst als das Selbst zu sehen.

Govindan

Dies ist der fundamentale Irrtum, zu dem die Menschen neigen. Er rührt daher, daß wir uns mit dem identifizieren, was wir nicht sind. Wir sagen: „Ich bin müde“ oder „Ich bin krank, verärgert oder besorgt“. Wir kommen der Wahrheit jedoch näher, wenn wir sagen: „Mein Körper ist müde“ oder „Ich habe zornige Gedanken“. Unser heutiges kulturelles Umfeld, die Medien, der Aufbau unserer Sprache und unser Bildungssystem - sie alle unterstützen diesen fundamentalen Irrtum, der unsere wahre Identität, unser Selbst, verbirgt. Das Selbst ist der ewige Beobachter, der Sehende, ein unveränderliches, reines ganzheitliches Wesen, unbegrenzt, alles durchdringend, in allem vorhanden. Alles andere verändert sich und wird daher eines Tages verloren sein. Indem wir an dem Vergänglichen, an dem, was sich verändert, festhalten, ignorieren wir das Wahre, und wir leiden. Jeder Wunsch ist schmerzhaft, denn er führt zu einem unstillbaren Verlangen etwas zu haben, was wir im Moment nicht besitzen oder etwas zu sein, was wir nicht sind. Selbst wenn Wünsche erfüllt werden, wird es immer weitere Wünsche geben - ganz abgesehen von dem Wunsch, das, was wir haben, nicht zu verlieren. Und so werden wir immer weiter leiden.

Taimni

Diese Sutre definiert Avidya als die Wurzel der Klesas. Offensichtlich wird das Wort Avidya nicht in seinem gewöhnlichen Sinne von Unwissenheit bzw. Mangel an Wissen benutzt, sondern in seiner höchsten philosophischen Bedeutung. Um diese Bedeutung des Wortes zu erfassen, müssen wir auf den ursprünglichen Vorgang zurückkommen, wonach gemäß der Yoga-Philosophie Bewußtsein, die der Manifestation zugrundeliegende Wirklichkeit, in Materie verstrickt wird. Wie kann Atma, das frei und unabhängig ist, dazu gebracht werden, die Beschränkungen auf sich zu nehmen, die bei einer Verbindung mit der Materie unumgänglich sind? Indem man es der Erkenntnis oder Wahrnehmung seiner ewigen und unabhängigen

Natur beraubt. Dieser Entzug der Erkenntnis seiner wahren Natur, der es in den Entwicklungszyklus verwickelt, wird durch eine der letzten Wirklichkeit innewohnende transzendente Kraft herbeigeführt, die Maya oder die Große Täuschung heißt.

Diese einfache Feststellung einer transzendenten Wahrheit kann natürlich zu unzähligen philosophischen Fragen Anlaß geben, wie z. B.: „Warum sollte es nötig sein, daß das unabhängige Atma in die Materie verstrickt wird?“ „Wie ist es möglich, daß Atma, das doch ewig ist, in die Schranken von Zeit und Raum verwickelt wird?“ Auf solche endgültige Fragen gibt es keine wirkliche Antwort, obgleich von Zeit zu Zeit einige Philosophen eine Menge offenbar absurder Antworten anboten. Gemäß jenen, die der Wirklichkeit bereits gegenüberstanden und ihr Geheimnis kennen, besteht die einzige Methode zur Entwirrung dieses Rätsels darin, die Wahrheit zu erkennen, die der Manifestation zugrundeliegt und die ihrem innersten Wesen nach nicht mitteilbar ist.

Als Resultat der Täuschung, in die das Bewußtsein verstrickt wird, beginnt es, sich mit der Materie zu identifizieren, mit der es zusammengebracht wurde. Diese Identifizierung wird immer stärker, je tiefer das Bewußtsein in die Materie einsinkt, bis es den Wendepunkt erreicht und in die entgegengesetzte Richtung emporzuklimmen beginnt. Der entgegengesetzte Vorgang der Evolution, in dem sich das Bewußtsein allmählich gewissermaßen aus der Materie herauszieht, führt zu progressiver Verwirklichung seiner wahren Natur und gipfelt in der vollkommenen Selbstverwirklichung im Kaivalya (Befreiung). Dieser fundamentale Entzug der Erkenntnis seiner wirklichen Natur, womit der Entwicklungszyklus beginnt und der durch die Macht der Maya herbeigeführt wurde und mit dem Erlangen der Freiheit in Kaivalya sein Ende erreicht, wird Avidya genannt. Avidya hat nichts mit dem durch den Intellekt erworbenen Wissen zu tun, das sich auf die Dinge der phänomenalen Welt bezieht. Dieses Nichterkennen unserer wahren Natur führt zu der Unfähigkeit, zwischen dem ewigen, reinen, seligen Selbst und dem nicht-ewigen, unreinen und leidvollen Nicht-Selbst zu unterscheiden.

Das Wort „ewig“ bedeutet hier, wie üblich, den Bewußtseinszustand, der jenseits der Schranken der Zeit liegt, wie wir diese als Aufeinanderfolge von Erscheinungen kennen. „Rein“ bezieht sich auf die Lauterkeit des Bewußtseins, wie es von der Materie unberührt und unverändert existiert, bis ihm diese Beschränkungen und Täuschungen auferlegt. „Selig“ bezieht sich natürlich auf Ananda oder die ihm innewohnende Seligkeit des Atma, die unabhängig ist von allen äußeren Ursachen oder Bedingungen. Der Raub dieses Sukha = Seligkeit, der unvermeidlich...

Erscheint lt. Verlag 21.6.2021
Sprache deutsch
Themenwelt Geisteswissenschaften
ISBN-10 3-7534-0013-0 / 3753400130
ISBN-13 978-3-7534-0013-6 / 9783753400136
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