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Netter Versuch, Schicksal (eBook)

Wie ich die innere Leere nach meinen Fehlgeburten wieder füllen konnte
eBook Download: EPUB
2021 | 1. Auflage
224 Seiten
mvg Verlag
978-3-96121-686-4 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Netter Versuch, Schicksal -  Christina Diehl
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»Guter Hoffnung kann ich trotzdem sein« Als Christina Diehl mit Mitte 30 bereit für eine Familie ist, wird sie sofort schwanger. Voller Vorfreude und Zuversicht startet sie gemeinsam mit ihrem Partner in ein neues Leben - bis zur niederschmetternden Diagnose der Frauenärztin: Das Herz des Babys schlägt nicht mehr. Sie fällt in ein Loch, verliert aber nicht den Mut. Doch nach fünf weiteren Fehlgeburten findet sie aus der Leere kaum mehr raus. Der Druck der biologischen Uhr, die Schuld- und Schamgefühle überrollen sie und sie sucht bei sich und ihrem Körper nach der Ursache für ihre Fehlgeburten. Als Christina Diehl erfährt, dass sie mit diesem Schicksal nicht alleine ist und es so viele Frauen gibt, die mit ihrem Schmerz zurückgelassen werden, beschließt sie, Betroffenen eine Stimme zu geben. Berührend erzählt sie, wie es ihr gelungen ist, mit dem Verlust umzugehen, das Thema Fehlgeburten aus der Tabuzone zu holen - und wieder einen neuen Sinn im Leben zu finden.

Christina Diehl, geboren 1974 in Sindelfingen, ist gelernte Journalistin und leitete einige Jahre das Mode-Ressort einer Frauenzeitschrift in Hamburg. In ihrer Wahlheimat Köln arbeitet sie unter anderem als Speakerin und Moderatorin bei einer großen Mediengruppe. Als systemischer Coach und Autorin unterstützt sie darüber hinaus Menschen bei der Bewältigung ihrer persönlichen Schicksale und nutzt ihre eigene Geschichte als Mutmacher für Betroffene. Weitere Infos unter www.christina-diehl.de

Christina Diehl, geboren 1974 in Sindelfingen, ist gelernte Journalistin und leitete einige Jahre das Mode-Ressort einer Frauenzeitschrift in Hamburg. In ihrer Wahlheimat Köln arbeitet sie unter anderem als Speakerin und Moderatorin bei einer großen Mediengruppe. Als systemischer Coach und Autorin unterstützt sie darüber hinaus Menschen bei der Bewältigung ihrer persönlichen Schicksale und nutzt ihre eigene Geschichte als Mutmacher für Betroffene. Weitere Infos unter www.christina-diehl.de

Ohne Kind und Karriere?


»Soll ich mitkommen?«, fragt Betty.

»Nein, ich schaffe das schon«, lächele ich sie an. Klingt überzeugend, dabei mache ich mir fast in die Hosen vor Angst. Ich habe Betty vor ein paar Tagen erklärt, warum ich sie nicht während ihrer Schwangerschaft begleiten kann. Und habe ihr damit die Kurzform meiner Befürchtungen offengelegt. Meinen Neid, das Zellmaterial im Müll und den Folterknecht behielt ich allerdings für mich. Sie hat mich trotzdem verstanden. Genau wie Markus vorhergesagt hat.

Zusammen haben sie und ich deshalb heute Morgen einen Plan entwickelt, den ich nun alleine umsetzen will. Oder besser gesagt: muss. Ich werde unseren beiden Firmenchefs die Wahrheit erzählen. Und sie bitten, meinen Schreibtisch bis zu Bettys vorübergehendem Abschied in ein anderes Büro zu stellen. Ich habe Herrn Schrader direkt nach unserem Gespräch angerufen und um einen Termin gebeten — er schlug mir vor, direkt im Büro der beiden vorbeizukommen. Denn was hatte ich im Urlaub gelernt? Darüber reden befreit! Und bringt Lösungen. So weit, so gut. Heißt aber natürlich auch, dass ich das jetzt durchziehen muss. Auch wenn ich mir total ins Hemd mache.

Ich habe zwar mittlerweile einigen Freunden von meinen Verlusten erzählt, gegenüber den Vorgesetzten ist so eine Offenbarung aber nochmal eine ganz andere Nummer. Ich habe Schiss, dass sie mich nach diesem Gespräch zu den Akten legen. Weil ich offiziell verkünde, ein Kind zu wollen. Was aber bis dato nicht geklappt hat. In meiner Vorstellung könnten mir beide dafür den Loser-Stempel aufdrücken: »Leidet unter ihrem Kinderwunsch, ist deshalb nicht belastbar und im Falle einer doch noch eintretenden Schwangerschaft weg vom Fenster. Lohnt sich nicht länger, in sie zu investieren.« Haken dran. Im schlimmsten Fall würden sie mir kündigen. Oha, jetzt ist mir noch mulmiger. Im Übrigen habe ich bisher auch kaum einem Mann von meinem Seelenschmerz erzählt. Und erst recht keinem so hohen Tier, bei dem ich sonst nur meine Arbeitsergebnisse abliefere. Keine Ahnung also, wie die Herren mit diesem intimen Geständnis umgehen.

Die Reaktionen darauf sind sowieso jedes Mal eine Wundertüte — ganz egal, wem ich meinen Leidensweg preisgebe. Ob im Freundeskreis, in der Familie oder gegenüber Ärzten: Letztlich kann ich nie wissen, ob mein Gegenüber mit Mitgefühl, Unverständnis oder Ratschlägen reagiert. Von »Das tut mir leid« über »Ist das denn so schlimm?« bis »Die Zeit heilt alle Wunden« habe ich schon alles erlebt. Und weiß deshalb bereits, dass es mir am meisten hilft, wenn mich jemand einfach versteht, mir zuhört und versichert, für mich da zu sein.

Aber das kann ich wohl kaum von meinen Chefs erwarten. Die werden vielleicht eher geschockt sein. Oder sauer, weil ich sie so unprofessionell überrolle. Kann auch sein, dass ich sie mit meinem Auftritt überfordere. Ich finde keine der Varianten besonders verlockend, und trotzdem komme ich nicht drum herum. Ansonsten bleibt nur, zu kündigen. Ja, das ist mein Ernst! Ich würde den Job lieber schmeißen, als mit meiner schwangeren Freundin das Büro zu teilen. Den täglichen Schmerz würde ich nicht aushalten, diese Erkenntnis ist auch nach unserer Fernreise geblieben.

Deshalb: Augen zu und durch. Shit, wenn ich nur nicht so aufgeregt wäre! Meine Güte, dabei bin ich seit über zehn Jahren im Berufsleben und habe selbst als Führungskraft gearbeitet. Aber die-ser bevorstehende Seelenstriptease wirft mich gerade völlig aus der Bahn.

Meine Chefs sitzen eine Etage höher. Ich nehme die Treppe. »Hallo, Frau Diehl.« Was? Oh, war das Herr Klemm? Ich drehe mich um, sehe meinen Kollegen nur noch von hinten. Zu spät, nun brauche ich ihn auch nicht mehr zurückzugrüßen. Sorry, bin grad ganz woanders mit meinen Gedanken! Ich lese mich durch die Namensschilder im Flur, bleibe schließlich vor der Tür der beiden Firmenbosse stehen. Mein Herz klopft mir bis zum Hals. Ich schaue auf meine Hand, die wie blöde zittert. Am liebsten würde ich umdrehen. Ist das die schlechteste Idee, die ich je hatte? Blamiere ich mich gleich bis auf die Knochen und katapultiere mich selbst ins Aus?

»Komm schon!«, ermutige ich mich leise und klopfe.

»Ja?« Ich erkenne die Stimme von Herrn Schrader, der mich bittet hereinzukommen. Ich öffne die Tür.

»Hallo, Frau Diehl!«, begrüßt mich jetzt auch Herr Funkenberg. Die beiden Männer stehen auf, ich folge ihnen zum runden Meetingtisch in der Ecke. Herr Funkenberg knöpft das Jackett seines Anzugs auf, bevor er sich setzt, Herr Schrader lässt seines über dem Bürostuhl hängen. Puh, das sind halt so richtig zugeknöpfte Chefs, stelle ich fest, als wir uns zu dritt gegenübersitzen. In Anbetracht dessen, was ich den beiden gleich servieren will, hemmt mich ihr konservativer Auftritt zusätzlich.

Vielleicht hat Herr Schrader meinen Blick gedeutet, er eröffnet das Gespräch jedenfalls betont locker: »Na, was können wir denn für Sie tun, Frau Diehl? Sind sie hier, um sich freiwillig für die Planung der Weihnachtsfeier zu melden? Das würde uns natürlich ganz besonders freuen!« Er schmunzelt über seinen Einstiegsgag, Herr Funkenberg steigt mit ein. Ich überlege, ob ich seine Frage einfach bejahe. Oder mir auf die Schnelle noch ein anderes Anliegen aus den Fingern sauge.

»Nicht ganz«, starte ich stattdessen zögerlich und werde rot. Super, sehr souverän. Ich räuspere mich. »Also eigentlich geht es um was ganz anderes ...« Ich muss kurz eine Pause machen und schnell nochmal auf sieben ausatmen. Eins, zwei, drei, vier... Das dauert zu lange.

Meine Chefs schauen mich erwartungsvoll an.

»Alles klar«, sagt Herr Schrader, dessen Stimme jetzt ernster auf mich reagiert, »dann schießen Sie mal los.«

»Ich möchte nicht mehr mit Betty im Büro sitzen. Also mit Frau Heinrich ...«, haue ich als Erstes raus.

Herr Schrader schaut mich verwundert an: »Okay, weil ...?«

»Weil sie schwanger ist und ich nicht. Ich habe drei Kinder verloren und halte das nicht aus.« Oh Gott, wie so eine Dreijährige. Aber mehr als diese hingeworfenen Sätze ist nicht drin. Ich bin zu nervös. Aber jetzt ist es raus. Wenn auch etwas vereinfacht. Verdammt, ist das heiß hier drin! Mein Kopf glüht. Ich schätze, ich sehe aus wie ein Feuermelder. Ich räuspere mich wieder. Ich sehe meinen Chefs an, dass sie mit allem gerechnet hätten, nur nicht mit dieser Offenbarung.

»Und wo möchten Sie stattdessen sitzen?«, übernimmt jetzt Herr Funkenberg.

Berechtigte Frage. Auf die ich so schnell keine Antwort habe. Ich hatte mich auf andere Rückfragen vorbereitet: Trauen Sie sich das laufende Projekt trotzdem zu? Müssen wir mit weiteren Krankheitsausfällen rechnen? Versuchen Sie immer noch ein Kind zu bekommen?

»Ähm, ich weiß es nicht«, stottere ich. »Vielleicht ist in der ITAbteilung noch was frei?« In der IT? Da willst du sitzen? Zwischen den Computernerds? Fällt dir noch was Bescheuerteres ein? Nein, erstmal will ich hier nur schnell wieder raus!

»Gut, Frau Diehl«, antwortet Herr Schrader mit fester Stimme. »Das ist theoretisch kein Problem und ich kann dort gerne für Sie nachfragen. Aber so richtig sehe ich Sie da nicht. Es gibt dort kaum Platz und Ruhe, um richtig arbeiten zu können.«

Ja eben, sag ich doch: Scheißidee! Und aus der Nummer komme ich jetzt auch nicht mehr raus. Sauber, Christina, Karriere in Windeseile ruiniert!

»Darf ich Ihnen daher einen Vorschlag machen?«, setzt Herr Schrader nochmal an.

Einen Vorschlag? Was denn für einen Vorschlag? Dass ich lieber gleich ganz woanders arbeiten sollte?

»Äh ja, ich denke schon«, antworte ich. Mein Misstrauen sieht er mir hoffentlich nicht an.

»Was halten Sie davon, dass Sie jederzeit entscheiden können, ob Sie Ihren Job von zu Hause erledigen möchten. Sie bleiben also einfach im Homeoffice, wann immer Ihnen danach ist.«

Stille. Ich bin nicht sicher, ob ich das jetzt richtig verstanden habe. Also nochmal: Von zu Hause aus arbeiten, wann immer ich Bock darauf habe? Okay, sehr nice. Aber mal ehrlich, liebe Herren: Wo ist der Haken? Das ist doch ein Trick! Unmöglich, dass mein Problem so einfach zu lösen wäre. Ich weiß von zwei Kollegen, die zweimal die Woche von zu Hause aus arbeiten. Beide haben mir erzählt, dass sie einige zähe Verhandlungen führen mussten, bis ihr Antrag auf Homeoffice genehmigt wurde. Also raus damit: Wie hoch wäre mein Kampfeinsatz?

»Klingt nach einer guten Idee, aber was muss ich dafür tun?«, frage ich deshalb. Jaha, ich habe euch nämlich durchschaut! Als ob ich im Job irgendetwas geschenkt bekommen würde, das wäre ja was ganz Neues! Ohne Fleiß kein Preis, dieses Erfolgsmantra kenne ich nun wirklich in- und auswendig. Jetzt bin ich gespannt. So leicht lasse ich mich nicht aufs Glatteis führen. Na?

»Sie müssten sich dafür einen sogenannten Token aus der IT abholen, damit Sie sich von zu Hause aus in unsere Arbeitsumgebung einwählen können«, springt jetzt Herr Funkenberg wieder mit ein. »Ich werde das nach unserem Termin direkt für Sie veranlassen. Und noch etwas, Frau Diehl: Es tut uns sehr leid, von Ihren Verlusten zu hören. Geben Sie uns gerne Bescheid, wenn wir sonst noch irgendetwas für Sie tun können.«

Wow, verrückt! Das hörte sich jetzt gar nicht mehr nach einer Falle an. Vielmehr nach einer zielgenauen Antwort. Ich habe den beiden mein Problem geschildert, und die tüten die Lösung offensichtlich ohne Umschweife und passgenau ein. Ich bin zwar irgendwo irritiert über die prompte Reaktion meiner Chefs, gleichzeitig fällt mir aber eine ganze Felsformation vom Herzen. Also, das nenne ich mal Problembewältigung...

Erscheint lt. Verlag 12.9.2021
Verlagsort München
Sprache deutsch
Themenwelt Geisteswissenschaften Psychologie
Schlagworte Beyoncé • Fehlgeburt • Fehlgeburten • fehlgeburten buch • Fehlgeburt verarbeiten • Kinderlos • Kinderwunsch • Löschen • Meghan • Scham • Schwangerschaft • schwanger werden • Sternenkind • Tabuthema • Unerfüllter Kinderwunsch
ISBN-10 3-96121-686-X / 396121686X
ISBN-13 978-3-96121-686-4 / 9783961216864
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