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Verwaltete Familien

Vormundschaft und Fremdplatzierung in der Deutschschweiz, 1945–1980

(Autor)

Buch | Hardcover
304 Seiten
2022
Chronos (Verlag)
978-3-0340-1645-2 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Verwaltete Familien - Mirjam Janett
CHF 47,95 inkl. MwSt
Tausende Kinder und Jugendliche wurden im 20. Jahrhundert in der Schweiz in Heimen, Pflegefamilien und psychiatrischen Kliniken untergebracht. Sie sind Opfer einer repressiven Fürsorge­politik, die vorab auf Eltern zielte, deren Lebensführung nicht den bürgerlichen Ordnungsvorstellungen entsprach. Die Studie konzentriert sich auf die Praxis der Fremdplatzierung nach dem Zweiten Weltkrieg, die sich, medizinisch-­sozialwissenschaftlichen Trends folgend, immer mehr präventiv ausrichtete. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts geriet die Familie in den Fokus der Sozialpolitik. Die Behörden erhielten die Befugnis, in ökonomisch schwache und sozial auffällige Familien einzugreifen. Das wirksamste Instrument war die Fremdplatzierung der Kinder und Jugendlichen. Ziel war es, sie zu «normalisieren» und so «gesellschaftsfähig» zu ­machen. Häufig wurden sie aber genau dadurch ins gesellschaftliche Abseits befördert. Die Autorin untersucht das Vormundschaftswesen und die Fremdplatzierung am Beispiel der Kantone Basel-Stadt und Appenzell Innerrhoden und zeigt auf, wie die Praxis die Entwicklung des Sozialstaats prägte, von dieser geprägt wurde und so wirkmächtig Normalität festlegte.

ist promovierte Historikerin und arbeitet am Historischen Institut der Universität Bern. Sie forscht und lehrt zur Geschichte der Familie und der Kindheit, zur Frauen- und Geschlechtergeschichte, zum Zusammenhang von Wissenschaft und Gender.

1Einleitung
1.1Fragestellung, Periodisierung und Vergleich
1.2Der Mensch, das Handeln und die Macht
1.3Forschungsstand
1.4Heim- oder Verdingkind? Eine semantische Klärung
1.5Quellen und Aufbau

2Der Staat, die Fürsorge und das Kind
2.1Das Kind im Recht
2.2Basel-Stadt: Gemeinnützigkeit und Bürgergemeinde
2.3Appenzell Innerrhoden: Caritas und staatliche Mithilfe
2.4Die Fürsorge im Spiegel der Sozialstaatsforschung

3Ordnung schaffen: Die Vormundschaftsbehörden
3.1Basel-Stadt: Pragmatische Professionalisierung
3.2Appenzell Innerrhoden: Ländliche Miliz
3.3Die Verwaltung und ihre «Aufschreibesysteme»
3.4Aktenflüsse und Behördenhandeln

4Die Familie im Fokus
4.1Das Dispositiv in Zahlen
4.2Die Kantone im Vergleich
4.3Fürsorge zwischen Transformation und Beharren
4.4Sozialdisziplinierung oder Empowerment?

5Fremdplatzierung begründen
5.1Die Gefahr der «Verwahrlosung»
5.2Leidvolle Praktiken: Gewalt und Geschlecht
5.3«Moralisch defekt»: Sexualität problematisieren
5.4Arbeit, Erziehung und Ausschweifungen

6Im Visier der Humanwissenschaften
6.1Die Medikalisierung der Kinder- und Jugendfürsorge
6.2Kinderpsychiatrie und Sozialstaat
6.3Die psychologische Wende
6.4Begutachtungen, Tests und Empfehlungen

7Schluss und Ausblick

Dank
Anhang
Abkürzungen
Tabellen, Abbildungen und Grafiken
Quellen und Literatur

Erscheinungsdatum
Verlagsort Zürich
Sprache deutsch
Maße 160 x 240 mm
Gewicht 720 g
Themenwelt Sachbuch/Ratgeber Geschichte / Politik Politik / Gesellschaft
Geschichte Teilgebiete der Geschichte Kulturgeschichte
Schlagworte Familienpolitik • Fremdplatzierung • Fürsorge • Pflegefamilien • Psychiatrische Klinik • Sozialpolitik
ISBN-10 3-0340-1645-X / 303401645X
ISBN-13 978-3-0340-1645-2 / 9783034016452
Zustand Neuware
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
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