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Angst und Panik erfolgreich überwinden (eBook)

eBook Download: EPUB
2020
Anaconda Verlag
978-3-641-27632-4 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Angst und Panik erfolgreich überwinden - Catherine M. Pittman, Elizabeth M. Karle
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Nicht wenige Menschen leiden unter Angststörungen und erleben dadurch eine große Einschränkung ihrer Lebensqualität. Doch was passiert in unserem Gehirn, wenn wir Angst oder Panik verspüren? Angstgefühle haben ihren Ursprung in zwei Hirnregionen: der Amygdala und der Hirnrinde. Basierend auf aktuellsten neurowissenschaftlichen Forschungsergebnissen zeigt dieses Buch, wie Ängste im Gehirn entstehen und wie man mit bestimmten Übungen sein Gehirn 'umprogrammieren' und der Entstehung von Ängsten an der Quelle entgegenwirken kann.

Einführung


Die Wege der Angst


Sie fahren eines Tages zur Arbeit und fragen sich plötzlich: Habe ich den Herd ausgeschaltet? Im Kopf verfolgen Sie Ihre morgendlichen Schritte zurück, doch Sie können sich nicht erinnern, ihn ausgemacht zu haben. Vermutlich schon, aber … was wenn nicht? Die Angst in Ihnen wächst, als Sie sich vorstellen, wie etwas auf dem Herd Feuer fängt. Just in dem Moment macht das Auto vor Ihnen eine Vollbremsung. Sie klammern sich ans Lenkrad und steigen in die Eisen, kommen gerade noch rechtzeitig zum Stehen. Ihren gesamten Körper überrollt ein Energieschub, ihr Herz rast, doch Sie sind in Sicherheit. Sie nehmen tiefe Atemzüge.

Das war knapp!

Angst, so scheint es, umgibt uns auf Schritt und Tritt. Bei genauerer Betrachtung dieses kurzen Szenarios wird Ihnen auffallen, dass es zwei sehr verschiedene Wege illustriert, wie Angst entstehen kann: durch unsere Gedanken und durch unsere Reaktionen auf die Umwelt. Dies liegt darin begründet, dass Angst in zwei sehr unterschiedlichen Regionen des menschlichen Gehirns entstehen kann: im Cortex und in der Amygdala. Dieses Verständnis der Angst ist das Ergebnis jahrelanger Forschungen auf dem Gebiet der Neurowissenschaften, die sich mit Struktur und Funktion des Nervensystems beschäftigen, unter anderem auch mit denen des Gehirns.

Dieses einfache erste Beispiel vom brennenden Herd und der Vollbremsung verdeutlicht die Grundannahme dieses Buches: Zwei unterschiedliche Wege können Angst im Gehirn auslösen, und jeder dieser zwei Wege muss für sich verstanden und behandelt werden, um Angststörungen bestmöglich zu bekämpfen (Ochsner et al. 2009). Im Cortex wurde die Angst in diesem Beispiel durch Gedanken und Vorstellungen davon ausgelöst, was alles passieren könnte, wenn der Herd den gesamten Tag lang angeschaltet ist. Informationen über ein weiteres angsteinflößendes Ereignis, einen Auffahrunfall, nahmen den direkteren Weg über die Amygdala und sorgten für eine schnelle Reaktion, um ihn zu vermeiden.

Bei jedem Menschen kann Angst über beide Wege ausgelöst werden. Manch einer wird feststellen, dass seine Angst häufiger über den einen oder den anderen Weg entsteht. Wie Sie sehen werden, ist es von zentraler Bedeutung, beide Wege zu kennen und unterschiedlich zu behandeln. Ziel dieses Buches ist, die Unterschiede zwischen beiden Wegen zu erklären und zu zeigen, wie die Angst in diesen beiden Regionen entsteht. Anschließend lernen Sie praktische Übungen kennen, um die Schaltkreise beider Entstehungswege zu durchbrechen, damit die Angst kein so großes Hindernis mehr in Ihrem Leben ist. Wir werden Ihnen zeigen, wie Sie die Wege Ihres Gehirns tatsächlich verändern können und es weniger wahrscheinlich wird, dass dort Angst entsteht.

Angst verstehen


Angst ist ein komplexes emotionales Phänomen, das der Furcht ähnelt. Jeder Mensch verspürt Furcht und Angst. Wir können uns durch Ereignisse bedroht fühlen, beispielsweise wenn ein schwerer Sturm an unserem Haus rüttelt oder wenn wir sehen, dass ein fremder Hund auf uns zustürzt. Angst kann entstehen, wenn wir uns um einen geliebten Menschen sorgen, der gerade weit weg ist; wenn wir nachts ein merkwürdiges Geräusch hören oder wir in Gedanken alles durchgehen, was wir vor einem nahenden Abgabetermin bei der Arbeit oder im Studium noch erledigen müssen. Viele Menschen haben sehr häufig Angst, ganz besonders, wenn sie Stress ausgesetzt sind. Wirklich problematisch wird es jedoch, wenn uns die Angst bei wichtigen Aspekten unseres Lebens in die Quere kommt. In diesem Fall müssen wir unsere Angst in den Griff bekommen und selbst wieder die Kontrolle übernehmen. Wir müssen verstehen, wie wir mit ihr umgehen können, sodass sie uns im Leben nicht mehr im Weg steht.

Angst kann unser Leben auf überraschende Arten einschränken – und manchmal merken wir gar nicht, dass die Angst dahintersteckt. Während manche Menschen beispielsweise den ganzen Tag lang von Sorgen geplagt werden, fällt es anderen schwer einzuschlafen. Manch einer hat Schwierigkeiten, das Haus zu verlassen, andere Menschen wiederum stehen beruflich vor dem Aus, da sie nicht vor größeren Gruppen sprechen können. Eine frischgebackene Mutter muss morgens vielleicht stundenlange Rituale verrichten, bevor sie ihr Kind bei einem Babysitter lassen kann. Ein Teenager wird von Alpträumen geplagt und wegen wiederholter Prügeleien der Schule verwiesen, nachdem das Haus seiner Familie durch einen Tornado zerstört wurde. Ein Klempner hat solche Panik davor, auf eine große Spinne zu treffen, dass er mit seinem reduzierten Einkommen seine Familie nicht mehr ernähren kann. Ein Kind will plötzlich nicht mehr zur Schule gehen und traut sich nicht, mit seinen Lehrern zu sprechen, sodass seine schulische Laufbahn in Gefahr gerät.

Auch wenn Angst potenziell die Macht besitzt, jemanden daran zu hindern, an den einfachsten Aktivitäten teilzunehmen, können all diese Menschen wieder zurück ins Leben finden. Sie können die Ursachen ihrer Schwierigkeiten verstehen und neues Selbstvertrauen gewinnen. Dieses neue Verständnis wird durch die jüngsten revolutionären Erkenntnisse über jene Gehirnstrukturen ermöglicht, die für die Erzeugung von Angst verantwortlich sind.

In den letzten zwei Jahrzehnten wurde weltweit in zahlreichen Laboren zum neurologischen Fundament der Angst geforscht (Dias et al. 2013). Versuche an Tieren haben neue Details über die neurologischen Wurzeln von Angst ans Licht gebracht. Gehirnstrukturen wurden identifiziert, die Bedrohungen erkennen und Schutzmechanismen auslösen. Gleichzeitig haben neue Technologien wie die Magnetresonanztomografie und die Positronen-Emissions-Tomografie detaillierte Informationen darüber geliefert, wie das menschliche Gehirn in unterschiedlichsten Situationen reagiert. Wird dieses neue Wissen verfolgt, analysiert und kombiniert, können Neurowissenschaftler Verbindungen zwischen der Forschung an Tieren und an Menschen herstellen. Sie können so ein klares Bild dessen entwerfen, was Furcht und Angst auslöst. Durch diese neurowissenschaftlichen Methoden ist unser Verständnis von Angst mittlerweile größer als das jeder anderen Emotion.

Diese Forschungen haben etwas sehr Wichtiges gezeigt: Zwei weitestgehend separate Wege können im Gehirn Angst auslösen. Einer beginnt im Cortex (auch Großhirnrinde genannt), dem großen, grauen Teil unseres Gehirns mit den vielen Windungen. Dieser Weg involviert unsere Wahrnehmungen und Gedanken über gewisse Situationen. Der andere führt sehr viel direkter über die Amygdalas (gesprochen: Amügdalas), zwei kleine, mandelförmige Strukturen, je eine in jeder Gehirnhälfte. Die Amygdala (für gewöhnlich wird der Singular benutzt) triggert die seit Urzeiten bestehende Kampf-oder-Flucht-Reaktion, die praktisch unverändert von den ältesten Wirbeltieren auf diesem Planeten an uns weitervererbt wurde.

Beide Wege spielen für die Entstehung von Angst eine Rolle, wobei manche Formen der Angst typischerweise mit dem Cortex in Verbindung gebracht werden, während andere unweigerlich auf die Amygdala zurückzuführen sind. In der Psychotherapie von Angststörungen lag der Fokus häufig auf dem Cortex-Weg, wobei der therapeutische Ansatz darauf zielte, das Denken zu verändern und logisch gegen die Angst zu argumentieren. Mehr und mehr legen Studien jedoch nahe, dass auch die Rolle der Amygdala verstanden werden muss, um einen vollständigeren Eindruck davon zu gewinnen, wie Angst entsteht und wie man sie kontrollieren kann. In diesem Buch werden wir beide Wege erforschen. Denn nur so können Sie sich ein vollständiges Bild vom Wesen der Angst machen und lernen, wie man sie verändern kann – ganz gleich, wo sie entsteht.

Cortex und Amygdala


Vermutlich haben Sie schon einmal vom Cortex gehört, also von jenem Teil des Gehirns, der oben an der Schädeldecke sitzt. Hier findet unser Denken statt, und manch einer behauptet, der Cortex mache uns erst zum Menschen: Denn er befähigt uns, zu schlussfolgern, Sprachen zu erfinden und komplexe Denkvorgänge durchführen zu können, beispielsweise in der Logik oder Mathematik. Es wird häufig angenommen, dass Spezies mit großem Cortex intelligenter als andere Lebewesen sind.

Zahlreiche therapeutische Ansätze bei Angststörungen zielen auf im Cortex entstehende Angst ab und konzentrieren sich für gewöhnlich auf Kognitionen – so nennt die Psychologie jene mentalen Prozesse, die für gewöhnlich als »Denken« bezeichnet werden. Gedanken, die im Cortex entstehen, können sowohl Angst auslösen als auch diese verstärken oder vermindern. In vielen Fällen kann eine Veränderung der Gedanken dabei helfen, unsere kognitiven Prozesse daran zu hindern, Angst auszulösen oder zu begünstigen.

Der Weg über die Amygdala wird in der Behandlung von Angst erst seit Kurzem mit in Betracht gezogen. Die Amygdala ist zwar klein, doch sie besteht aus tausenden Zellkreisläufen, die unterschiedlichen Zwecken dienen. Diese Kreisläufe beeinflussen Liebe, Bindung, Sexualität, Wut, Aggressionen und Angst. Die Rolle der Amygdala besteht darin, Situationen oder Objekten emotionale Bedeutung zuzuschreiben und ein emotionales Gedächtnis zu formen. Emotionen und die Erinnerung an diese können positiv oder negativ sein. In diesem Buch werden wir uns darauf konzentrieren, wie die Amygdala Angst mit Erfahrungen verknüpft und angstauslösende Erinnerungen erzeugt. So werden Sie die Amygdala besser verstehen und lernen, wie Sie ihre Kreisläufe verändern können, um Ihre Angstgefühle zu minimieren.

Uns Menschen ist nicht bewusst, wie die Amygdala Angst mit Situationen oder Objekten verknüpft, genau wie wir nicht...

Erscheint lt. Verlag 21.12.2020
Übersetzer Dietlind Falk
Sprache deutsch
Themenwelt Geisteswissenschaften Psychologie Allgemeine Psychologie
Schlagworte Achtsamkeit • amygdala • Angst • Angst bewältigen • Ängste überwinden • Angststörung • Angst und Panikattacken • eBooks • Entstehung • Gehirn • Gesundheit • Großhirnrinde • Kortex • Neuropsychologie • Neurowissenschaften • Panikattacke • Reaktion • Umpolen
ISBN-10 3-641-27632-2 / 3641276322
ISBN-13 978-3-641-27632-4 / 9783641276324
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