Was machst du aus deinem Leben? (eBook)
304 Seiten
FinanzBuch Verlag
978-3-96092-778-5 (ISBN)
Krishnamurti war ein indischer Philosoph und Theosoph. Er beanspruchte keine Loyalität zu einer Kaste, Nationalität oder Religion und war an keine Tradition gebunden. Er reiste um die Welt und sprach bis zu seinem Lebensende im Alter von 90 Jahren vor einem großen Publikum. Er sagte, der Mensch müsse sich durch Selbsterkenntnis von aller Furcht, Konditionierung, Autorität und allen Dogmen befreien.
Krishnamurti war ein indischer Philosoph und Theosoph. Er beanspruchte keine Loyalität zu einer Kaste, Nationalität oder Religion und war an keine Tradition gebunden. Er reiste um die Welt und sprach bis zu seinem Lebensende im Alter von 90 Jahren vor einem großen Publikum. Er sagte, der Mensch müsse sich durch Selbsterkenntnis von aller Furcht, Konditionierung, Autorität und allen Dogmen befreien.
KAPITEL 1
WAS SIND SIE?
– 1 –
Den Geist verstehen
Mir scheint, wir können das hochkomplexe Problem Leben nur verstehen und lösen, wenn wir begreifen, wie unser eigener Geist arbeitet. Dieses Verständnis kann nicht aus Büchern kommen. Der Geist ist schon an sich ein komplexes Problem. Ebendieser Prozess, in dem wir uns ein Verständnis unseres Geistes erarbeiten, kann uns helfen, die Krisen zu verstehen, mit denen uns das Leben konfrontiert, und darüber hinauszugehen.
– 2 –
Mir scheint es sehr wichtig, das Funktionieren des eigenen Geistes zu verstehen …
– 3 –
Was ist der Geist?
Wir wissen nicht, wie unser Geist1 arbeitet – der Geist, wie er tatsächlich ist, und nicht, wie er sein sollte oder wie wir ihn haben möchten. Der Geist ist das einzige Instrument, das wir haben, das Instrument, mit dem wir denken und handeln, worin wir unser Dasein führen. Wenn wir die Arbeitsweise unseres Geistes nicht verstehen, so wie er in jedem von uns aktiv ist, wird jedes Problem, mit dem wir konfrontiert sind, noch komplexer und zerstörerischer. Mir will daher scheinen, dass es die wichtigste Aufgabe jeder Form der Erziehung ist, den eigenen Geist verstehen zu helfen.
Was ist unser Geist, Ihrer und meiner? Und zwar nicht nach Einschätzung von jemand anderem. Wenn Sie meiner Beschreibung des Geistes nicht folgen können, aber – während Sie mir zuhören – Ihren eigenen Geist in Aktion beobachten, dann wäre es vielleicht sinnvoll und nützlich, die Frage des Denkens anzugehen. Was ist unser Geist? Er ist – oder etwa nicht? – das Resultat des Klimas, das Produkt von Jahrhunderten der Tradition, der sogenannten Kultur, der sozialen und ökonomischen Einflüsse, der Umwelt, der Ideen, der Dogmen, welche die Gesellschaft dem Geist einprägt durch Religion, durch sogenanntes Wissen und oberflächliche Informationen. Bitte beobachten Sie Ihren eigenen Geist. Folgen Sie nicht einfach der Beschreibung, die ich Ihnen gebe, denn Beschreibungen sind nicht weiter wichtig. Wenn wir die Vorgänge in unserem Geist verstehen, dann können wir vielleicht mit den Problemen umgehen, vor die uns das Leben stellt.
Der Geist teilt sich in das Bewusste und das Unbewusste. Wenn wir diese beiden Begriffe nicht mögen, können wir auch von »oberflächlich« und »verborgen« sprechen – den oberflächlichen Bereichen des Geistes und seinen tieferen Schichten. Das Ganze, das Bewusste und das Unbewusste, das Oberflächliche und das Verborgene, der gesamte Prozess unseres Denkens – dessen wir uns nur zum Teil bewusst sind, während wir uns des Restes, der den größeren Teil ausmacht, nicht bewusst sind –, das nennen wir Bewusstsein. Das Bewusstsein ist Zeit, ist das Ergebnis jahrhundertelanger Bemühungen des Menschen.
Von Kindesbeinen an bringt man uns dazu, an bestimmte Ideen zu glauben. Wir sind konditioniert von Dogmen, Glaubenssätzen und Theorien. Jeder von uns ist von verschiedenen Einflüssen konditioniert, und aus dieser Konditionierung, aus diesen begrenzten und unbewussten Einflüssen sprudeln unsere Gedanken hervor und machen uns zum Kommunisten, zum Hindu, zum Muslim oder Wissenschaftler. Das Denken entspringt ganz offensichtlich dem Hintergrund des Gedächtnisses, der Tradition. Vor diesem Hintergrund des Bewussten und des Unbewussten, der oberflächlichen und tieferen Schichten des Geistes, begegnen wir dem Leben. Das Leben ist immer in Bewegung, niemals statisch. Aber unser Geist ist statisch. Unser Geist ist konditioniert, an Dogmen gebunden, an Glaubenssätze gefesselt, an Erfahrungen und Wissen. Mit diesem konditionierten Geist, diesem so sehr gefesselten Geist, begegnen wir dem Leben, das ständig in Bewegung ist. Das Leben mit seinen vielfältigen, schnell sich wandelnden Problemen steht niemals still. Es erfordert jeden Tag, jede Minute eine neue, frische Herangehensweise. Wenn wir auf das Leben treffen, dann kommt es zum Kampf zwischen dem konditionierten, statischen Geist und dem sich ständig verändernden Leben. Das ist es doch, was geschieht, nicht wahr?
Und es ist ja nicht nur der Kampf zwischen dem Leben und dem konditionierten Geist. Dieser Geist schafft, kaum trifft er auf das Leben, stets weitere Probleme. Wir erwerben oberflächliches Wissen, finden neue Möglichkeiten, uns die Natur untertan zu machen, die Wissenschaften. Aber der Geist verharrt in diesem konditionierten Zustand, auch wenn er neues Wissen erwirbt. Er bleibt gefesselt an ein bestimmtes Glaubenssystem.
Unser Problem besteht also nicht in der Begegnung mit dem Leben, sondern darin, wie der Geist sich angesichts all seiner Konditionierungen, Dogmen und Glaubenssätze selbst befreien kann. Denn nur der befreite Geist wird mit dem Leben fertig, nicht der an Systeme, Glaubens- und Wissensformen gefesselte Geist. Wenn wir also nicht noch mehr Probleme schaffen wollen, wenn wir vielmehr Leid und Sorge ein Ende setzen möchten, ist es da nicht von höchster Wichtigkeit zu verstehen, wie unser eigener Geist arbeitet?
– 4 –
Was ist das Selbst?
Wissen wir denn, was wir meinen, wenn wir vom Selbst sprechen? Ich jedenfalls meine damit die Idee, die Erinnerung, die Folgerung, die Erfahrung, die verschiedenen Formen benennbarer und nicht benennbarer Absichten, das bewusste Bemühen, zu sein oder nicht zu sein, die angesammelten Erinnerungen im Unbewussten – der Ethnie, der Gruppe, des Individuums, des Clans –, all das, ob es nun als Handeln hinaus in die Welt oder als Tugend ins Spirituelle projiziert wird. Das Streben nach alldem ist das Selbst. Es umfasst den Wettbewerb, den Wunsch zu sein. Dieser gesamte Prozess ist das Selbst. Und wir wissen, wenn wir damit konfrontiert sind, dass es böse ist. Ich verwende hier ganz bewusst den Begriff »böse«, denn das Selbst wirkt spalterisch: Das Selbst konzentriert sich einzig auf sich, und seine Aktivitäten – wie edel sie auch anmuten mögen – wirken isolierend und trennend. Wir wissen all das. Wir kennen auch diese außergewöhnlichen Augenblicke, wenn das Selbst nicht da ist, wenn es nicht einen Hauch von Bemühen oder Anstrengung gibt. Etwas, das geschieht, wenn Liebe zugegen ist.
– 5 –
Selbsterkenntnis ist ein Prozess
Wollen wir die unzähligen Probleme verstehen, die jeder von uns hat, ist Selbsterkenntnis da nicht eine entscheidende Voraussetzung? Des Selbst gewahr zu sein gehört gleichzeitig zu den schwierigsten Dingen – und damit sind nicht etwa Isolation und Rückzug gemeint. Natürlich ist es von entscheidender Bedeutung, dass wir uns selbst kennen. Aber sich selbst zu kennen heißt nicht, dass wir uns aus allen Beziehungen lösen müssen. Es wäre ein Fehler zu glauben, dass wir uns tiefgründig, vollkommen, ganz verstehen können, wenn wir uns in Isolation begeben, uns zurückziehen, zum Psychologen gehen oder zu irgendeinem Priester. Oder dass wir Selbsterkenntnis durch ein Buch erlernen können. Selbsterkenntnis ist ganz offensichtlich ein Prozess, kein Selbstzweck. Wenn wir uns selbst erkennen wollen, müssen wir unser in Aktion gewahr sein, was heißt, in Beziehung. Sie entdecken sich selbst nicht in der Isolation, nicht im Rückzug, sondern in der Beziehung – in der Beziehung zur Gesellschaft, zu Ihrer Frau, Ihrem Mann, Ihrem Bruder, den Menschen. Aber zu erkennen, wie Sie reagieren, welche Resonanz in Ihnen geschieht, erfordert eine außergewöhnliche Aufmerksamkeit im Geist, eine außerordentliche Schärfe der Wahrnehmung.
– 6 –
Die Welt ist, was Sie sind
Und wie sieht nun die Beziehung zwischen Ihnen und dem Elend beziehungsweise der Verwirrung in Ihnen und um Sie herum aus? Die Verwirrung, das Leid sind doch sicher nicht aus sich selbst entstanden. Sie und ich haben beides geschaffen, keine kapitalistische, kommunistische oder faschistische Gesellschaft. Sie und ich in Beziehung zueinander. Was Sie im Innern sind, ist nach außen, in die Welt, projiziert worden. Was Sie sind, was Sie denken und was Sie fühlen, was Sie Tag für Tag tun, wird nach außen projiziert, und das macht die Welt aus. Wenn wir im Innern Leid, Verwirrung und Chaos erleben, dann wird das durch Projektion zur Welt, zur Gesellschaft. Denn die Beziehung zwischen Ihnen und mir, zwischen mir und anderen Menschen ist die Gesellschaft. Gesellschaft ist das Produkt unserer Beziehungen. Und wenn unsere Beziehungen chaotisch, egozentrisch, eng, begrenzt, nationalistisch sind, dann projizieren wir das nach außen und tragen das Chaos in die Welt.
Die Welt ist, was Sie sind. Ihr Problem ist das Problem der Welt. Das ist doch eine ganz einfache und grundlegende Tatsache, oder etwa nicht? In unseren Beziehungen zu einzelnen oder vielen Menschen scheinen wir diesen Punkt ständig zu übersehen. Wir wollen Veränderungen schaffen durch Systeme, revolutionäre Ideen oder Werte, die auf bestimmten Systemen fußen. Und dabei vergessen wir, dass Sie und ich es sind, die die Gesellschaft schaffen, die Verwirrung oder Ordnung in die Welt tragen durch die Art, wie wir leben. Wir müssen also in...
| Erscheint lt. Verlag | 21.2.2021 |
|---|---|
| Übersetzer | Elisabeth Liebl |
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Geisteswissenschaften ► Philosophie ► Geschichte der Philosophie |
| Schlagworte | Abhängigkeit • Beziehungen • Beziehung führen • Das SEIN • Dogmen • Eifersucht • Einsamkeit • Entscheidungsfindung • Familie • Gefühle zulassen • gutes Leben leben • indischer Philisoph • indisches Kastensystem • Jiddu Krishnamurti • Kastensystem • Kontrolle • Kraft schöpfen • Lebensfrage • Lebenssinn • Leben verbessern • Leid • Optimierung • Philosoph • Philosophie • Religionen • Sehnsucht • Selbsterkenntnis • Selbstoptimierung • Sinn des Lebens • sinnstiftendes Leben • Sinnstiftung • Theologie • Theosoph • Umgang mit dem Tod • Umgang mit Gefühlen • Wandel zulassen • Was machst du aus deinem Leben? • Weisheit • What are you doing with your life |
| ISBN-10 | 3-96092-778-9 / 3960927789 |
| ISBN-13 | 978-3-96092-778-5 / 9783960927785 |
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