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Sie waren unsere Nachbarn - Die Einzelschicksale der in der Stadt Frankenthal (Pfalz) zwischen 1933 und 1945 lebenden Juden -  Paul Theobald

Sie waren unsere Nachbarn - Die Einzelschicksale der in der Stadt Frankenthal (Pfalz) zwischen 1933 und 1945 lebenden Juden (eBook)

eBook Download: EPUB
2019 | 1. Auflage
708 Seiten
Verlag DeBehr
978-3-95753-632-7 (ISBN)
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(CHF 6,80)
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'Es gab in Hadamar keine Unterbringungsmöglichkeiten. Deshalb wurden alle hier ankommenden jüdischen Patienten fast immer am Tag der Ankunft vergast. Die Leichen wurden anschließend verbrannt.' Das war auch das Ende von Rosa Löb, eine Frankenthaler Jüdin, die bis ins hohe Alter ihre Kundschaft immer freundlich und zuvorkommend bedient hatte. Frankenthal in der Pfalz. 1771 ließ Kurfürst Carl Theodor den Zuzug von 15 Schutzjuden zu. Die Stadt wählten weitere jüdische Familien als ihre Heimat, sodass die höchste Anzahl von jüdischen Personen mit 371 im Jahre 1900 erreicht wurde. Sie sahen sich von Anfang an als Bürger der Stadt und traten auf allen Gebieten für deren Wohl ein. Das Zusammenleben mit der christlichen Bevölkerung verlief harmonisch, bis die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 an die Macht kamen. Nun begannen die Diffamierungen, Diskriminierungen, Ausgrenzungen, Verfolgungen und letztlich die Deportationen in Konzentrationslager. Der Autor schildert die Schicksale der jüdischen Einwohner, die in der Zeit zwischen dem 1. Januar 1933 und 8. Mai 1945 in der vorderpfälzischen Stadt wohnten. Sein Anliegen ist es, die Erinnerung an diese unglücklichen Menschen wachzuhalten. 'In mühevoller Kleinarbeit wurde die Geschichte der Israelitischen Kultusgemeinde Frankenthal recherchiert, wie auch Einzelschicksale beleuchtet wurden. Wo heute in Frankenthal (Pfalz) noch Straßennamen oder Stolpersteine an ehemals historische Begebenheiten erinnern, war vielen Juden um 1933 noch nicht bewusst, welches Schicksal sie ereilen sollte. Das Buch 'Sie waren unsere Nachbarn' schafft den Brückenschlag zwischen Historie und Gegenwart und stellt gerade durch die Beschreibung der Einzelschicksale nochmals deutlich das Unrecht dar, das den Juden auch in Frankenthal (Pfalz) widerfahren ist.' Martin Hebich Oberbürgermeister. Als Taschenbuch 708 Seiten.

 

Kurze Darstellung der Geschichte der Israelitischen Kultusgemeinde Frankenthal

 

Als Adolf Hitler am 30. Januar 1933 an die Macht kam, sahen dies die meisten Frankenthaler Juden nicht als gefährliches Omen an. Sie hatten am Ersten Weltkrieg als Soldaten teilgenommen und stellten als Kriegsanleihe ihr Vermögen dem Vaterland zur Verfügung. Sie hatten damit ihre Liebe zu diesem hinreichend bewiesen. Was sollte ihnen also passieren?

Am 1. April 1933, als der Boykott der jüdischen Geschäfte, Ärzte und Rechtsanwälte reichsweit organisiert wurde, dachte man, schlimmer kann es nicht mehr kommen. Nur wenige erkannten sofort die Gefahr und verließen die Stadt. Es waren vor allem die jungen Menschen, die Deutschland den Rücken kehrten. Aber fast kein Staat war bereit, die Juden ohne Auflagen aufzunehmen, denn sie durften dem Staat nicht zur Last fallen. So verlangten die Vereinigten Staaten von Amerika die Bürgschaft von Personen, dass sie für den Lebensunterhalt aufkommen, bevor das Visum erteilt wurde. Es blieben hauptsächlich die Alten und diejenigen, die nicht reich, also arm waren, in Deutschland zurück. Aber bis dahin hatte die Israelitische Kultusgemeinde Frankenthal schon einen langen Weg ihrer Geschichte zurückgelegt.

Während im 16. Jahrhundert Juden in Frankenthal Handel trieben, ließen sich im 17. Jahrhundert die ersten Juden, wohnhaft in der Stadt Frankenthal, feststellen. So hielten sich im Dreißigjährigen Krieg zwei jüdische Familien in der Stadt auf, die jedoch wieder ausgewiesen wurden. 1674 wohnten hier 14 jüdische Familien und es ist nachgewiesen, dass die heutige Holzhofstraße in jener Zeit Judengasse hieß. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde Frankenthal durch die französischen Truppen zerstört und die Bevölkerung floh aus der Stadt. Der Stadtrat, der nach Hanau geflüchtet war und 1697 auf kurfürstliche Anordnung zurückkehrte, ließ nun keinen weiteren Zuzug von Juden zu.

Im Jahre 1726 lebten wieder zehn jüdische Familien in der Stadt und 1771 legte Kurfürst Carl Theodor die Anzahl auf höchstens 15 Schutzjuden fest. Im Jahre 1785 gab es mit Elias Durlacher den ersten Gemeindevorsteher und seit 1791 befand sich die erste Synagoge in der Glockengasse. Diese wurde, als sie zu klein geworden war und aufwendige Instandsetzungsarbeiten anstanden, abgerissen und an ihrer Stelle die zweite Synagoge gebaut.

 

Urkunde Grundsteinlegung

 

Die feierliche Einweihung fand am 28. August 1885 statt.

 

   Synagoge

 

  Als gegen Ende des 18. Jahrhunderts die Zeit der Franzosen in der Stadt Frankenthal (Pfalz) begonnen hatte und am 25. Januar 1798 auf dem Marktplatz ein Freiheitsbaum gepflanzt wurde, hielt außer drei weiteren Bürgern auch Herz Goldschmidt, der später den Namen Eduard Goldschmidt annahm, für die jüdische Gemeinde eine Ansprache, in der er die erreichte bürgerliche Gleichberechtigung der Juden herausstellte.

Im Jahre 1808 mussten die Juden vor dem Bürgermeister der Stadt Frankenthal erklären, welchen endgültigen Vor- und Nachnamen sie zukünftig führen wollen.

 Ihre Toten bestattete die jüdische Gemeinde zuerst auswärts, bis am 12. Dezember 1826 die erste Grablegung auf dem jüdischen Friedhof in Frankenthal erfolgte.

Als dieser zu klein geworden war, stellte der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde am 12. Juni 1915 den Antrag, einen neuen jüdischen Friedhof zu errichten, dem der Stadtrat in seiner Sitzung am 29. Oktober 1915 zustimmte. Die erste Beerdigung auf dem Neuen jüdischen Friedhof war die von Julius Nathan, der am 2. November 1915 in Frankenthal verstorben war.

 

   Alter jüdischer Friedhof


   Neuer jüdischer Friedhof

 

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde außerdem ein jüdisches Gemeindezentrum neben der Synagoge, eine jüdische Konfessionsschule (israelitische Volksschule bis 1875, danach noch Religionsschule) und ein rituelles Bad (Mikwe).

 

FW Nr. 76 vom Samstag, den 19.9.1840, S. 322

(Schulprüfung 1840 in der israelitischen Schule)


Das Badhaus im Schlossergäßchen ging am 10. Mai 1882 bei einer Versteigerung in den Besitz des Bäckermeisters Münzer um 3150 Mark über.

Es gab den Israelitischen Armenverein, der für „Hilfe für Oppau!“, für die Opfer des BASF-Explosionsunglücks, im September 1921 500 Mark spendete und den Zweck hatte, Ortsansässige zu unterstützen und der sich in der Wanderfürsorge einbrachte, sowie einen Israelitischen Kranken-Unterstützungsverein der Männer und einen für die Frauen.

Zur jüdischen Gemeinde Frankenthal gehörten auch die Juden der umliegenden Orte wie Heßheim, als sich die jüdische Gemeinde dort 1911 aufgelöst hatte, Roxheim und Bobenheim, bis sich dort 1854 eine jüdische Gemeinde gründete, Oppau und Edigheim, Schauernheim und Oggersheim. Als sich die Israelitische Kultusgemeinde Dirmstein 1933 aufgelöst hatte, kamen diese Juden ebenfalls nach Frankenthal.

Kontinuierlich nahmen die jüdischen Einwohner in der Stadt Frankenthal (Pfalz) zu und erreichten im Jahre 1900 mit 371 Personen den Höchststand. Danach ging die Anzahl stetig zurück.

1827 wurde die Pfalz in vier Rabbinatsbezirke aufgeteilt und Frankenthal Sitz eines solchen. Da der Bezirksrabbiner aber seinen Sitz in Dürkheim hatte, wurde das Bezirksrabbinat Dürkheim-Frankenthal genannt. Der letzte Rabbiner war Dr. Ernst Steckelmacher, der zuletzt in Ludwigshafen am Rhein wohnte und im KZ Majdanek umgekommen ist.

 

 Foto: Dr. Ernst Steckelmacher mit Ehefrau, 2. von rechts

 

Allen Benachteiligungen und Demütigungen zum Trotz entwickelten auch die Frankenthaler Juden eine tiefe Liebe zu ihrer Heimatstadt und ihrem Vaterland. So meldeten sie sich freiwillig, als der Erste Weltkrieg ausbrach und in der Synagoge wurden Bittgottesdienste für „Kaiser, König und Vaterland“ abgehalten. Drei Frankenthaler Juden fielen in diesem großen Krieg von 1914 bis 1918. Aber als auf dem Jahnplatz 1936 ein Kriegerdenkmal zur Erinnerung an die Gefallenen eingeweiht wurde, fehlten die Namen von Max Schweitzer, Richard Lurch und Leopold Gutmann. Als Schüler/-innen des Karolinen-Gymnasiums entdeckt hatten, dass die Namen der jüdischen Gefallenen fehlten, wurde 1999 eine Tafel mit diesen am Sockel des Denkmals angebracht.

 

Das Kriegerdenkmal am Jahnplatz mit der Tafel für die gefallenen  

jüdischen Soldaten

 


Dabei waren die Frankenthaler Juden vor der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 in die städtische Gesellschaft integriert. Dies soll an folgenden Beispielen verdeutlicht werden:

Emil Loeb (1859–1940), Mitinhaber des Bankhauses Mann & Loeb, gehörte zu den Gründern des Frankenthaler Rudervereins, war von 1900 bis 1909 dessen 1. Vorsitzender und danach dessen Ehrenvorsitzender. Außerdem gehörte er dem Vorstand des Kaufmännischen Vereins, des Saalbau-Vereins und des Altertumsvereins an.

Moses Mayer (1857–1937), Inhaber eines Bekleidungs- und Weißwarengeschäftes in der Wormser Straße, wurde zum 1. Vorsitzenden des Geselligkeitsvereins „Klub Humor“ gewählt und war Mitbegründer des Detaillistenvereins, des Hansabundes und des Allgemeinen Karnevalsvereins, zu dessen 2. Vorsitzenden er 1913 gewählt wurde. Seine Tochter Anna war im Jahre 1914 die „Prinzessin Karneval“.

Simon Durlacher (1841–1899), von Beruf Weinhändler und Versicherungsagent, war 1. Vorsitzender des Hausbesitzervereins und des Musikvereins. Außerdem engagierte er sich im Turnverein.

Emanuel Wolff (1851–1921), der eine Holzhandlung hatte, war 1. Vorsitzender des Schwimmvereins von 1897 und des Vereins für Hundefreunde. Auch der Geflügelzuchtverein legte auf seine Mitarbeit großen Wert.

Die Liste könnte mit weiteren Personen fortgesetzt werden. Regelmäßig wurde in der Frankenthaler Zeitung auf die jüdischen Feiertage hingewiesen, während die jüdischen Geschäfte anzeigten, wenn an jüdischen Feiertagen geschlossen war. Else Ritterspacher, die jüdische Ehefrau des Landgerichtsrates Dr. Ludwig Ritterspacher, trug ihre Gedichte in Pfälzer Mundart bei Veranstaltungen der Frankenthaler Vereine vor, die natürlich auch in der Frankenthaler Zeitung erschienen.

Es war selbstverständlich, dass Juden in den Rat der Stadt Frankenthal (Pfalz) gewählt wurden. So war Marx Kaufmann (1820 – 1887), Inhaber einer Branntwein-, Essig- und Spirituosengroßhandlung, die sich in der Karolinenstraße befand, das erste jüdische Mitglied des Rates der Stadt Frankenthal (Pfalz) von 1869 bis 1887. Er war außerdem der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Frankenthal und gehörte dem Aufsichtsrat der Frankenthaler Volksbank an. Nach ihm gehörte von 1889 bis 1898 der Justizrat und Rechtsanwalt Joseph (Josef) Thalmann (1835 – 1899) dem Frankenthaler Stadtrat an, dem dann der Gastwirt und Weinhändler Emil Kaufmann I. (1848 – 1909) folgte. Er war in den Stadtrat nachgerückt und dessen Mitglied von 1891 bis 1894. Vielen Frankenthalern ist heute noch das „Hotel Lang“ ein Begriff. Doch bevor das Hotel diesen Namen hatte, hieß es „Hotel Kaufmann“ und wurde von Emil Kaufmann I. und seinem Onkel Lazarus Kaufmann...

Erscheint lt. Verlag 5.4.2019
Sprache deutsch
Themenwelt Geisteswissenschaften Geschichte
ISBN-10 3-95753-632-4 / 3957536324
ISBN-13 978-3-95753-632-7 / 9783957536327
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