Geplantes 'Wirtschaftswunder'? (eBook)
500 Seiten
De Gruyter Oldenbourg (Verlag)
978-3-486-70868-4 (ISBN)
I. Ein bayerischer Sonderweg? Regionale Aspekte des ökonomischen Strukturwandels in Deutschland seit dem späten 19. Jahrhundert (S. 17-18) Der ökonomische Aufstieg Bayerns und die damit einhergehenden Strukturveränderungen der bayerischen Wirtschaft nahmen ihren Ausgang keineswegs erst in den Jahrzehnten nach 1945.1 Das auf den ersten Blick eindeutige Bild einer erfolgreichen Nachkriegsentwicklung im Rahmen des bundesdeutschen „Wirtschaftswunders“ erweitert und differenziert sich, sobald man längerfristige Wandlungsprozesse der wirtschaftsgeographischen Struktur Deutschlands in die Betrachtung einbezieht. Ungeachtet der grundlegenden Veränderungen, denen die politische, demographische oder ökonomische Landkarte Deutschlands und gerade auch Bayerns nach 1945 ausgesetzt war2, kann doch für die 1950er und 1960er Jahre eine Wiederaufnahme und Vertiefung von Trends konstatiert werden, die sich in Ansätzen schon zwischen den Weltkriegen abgezeichnet hatten. So zeigt ein systematischer Vergleich der Wirtschaftskraft deutscher Regionen seit der Jahrhundertwende, daß der Transfer von ökonomischen Standortpotentialen zugunsten des Südens spätestens in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg eingesetzt und bis Mitte der 1930er Jahre bereits ein bemerkenswertes Ausmaß erreicht hatte. Dieser Befund spiegelt zugleich eine wachstumsgeographische Tendenzwende in der deutschen Industrialisierungsgeschichte. Während noch die Phase der Früh- und Hochindustrialisierung von der Verstärkung sozialer und ökonomischer Ungleichheiten zwischen vorwiegend agrar- bzw. industriewirtschaftlich geprägten Regionen konstitutiv gekennzeichnet war, kehrte sich dieser Trend etwa seit Beginn des 20. Jahrhunderts um. Das bis dahin etablierte gewerbliche Standortmuster, geprägt von überdurchschnittlich industrialisierten Gebieten im Westen, um Berlin oder in Teilen Sachsens und Schlesiens, erfuhr eine sukzessive Erweiterung und Auflockerung. Bis 1936 konnten nicht nur einige agrarisch strukturierte ostelbische Gebiete aufholen. Markanter noch entwickelte sich der Süden Deutschlands, besonders dessen westlicher Teil, zur Zone des stärksten Wachstums. Bayern gehörte zu dieser Gruppe neuer Wachstumsregionen im Deutschen Reich. Deren Zugewinn an ökonomischem Gewicht manifestierte sich vor allem im Bereich der weit überdurchschnittlichen Zuwachsraten des Pro-Kopf-Einkommens. Dieser Bedeutungsgewinn erhielt zusätzliche Signifikanz aufgrund der Tat sache, daß gleichzeitig ein relativer Schwund an wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit bei jenen Wirtschaftsregionen zu vermerken war, die noch vor dem Ersten Weltkrieg eine klare Führungsstellung innegehabt hatten. Gemessen an den Zuwachsraten vor dem Ersten Weltkrieg konnten Berlin, Hamburg, Sachsen, Hessen oder auch das Rheinland bis 1936 eine nurmehr abgeschwächt expandierende, stagnierende oder sogar rückläufige Entwicklung ihres einwohnerbezogenen Volkseinkommens verzeichnen.4 Im Hinblick darauf nahm Bayern bereits um 1913 zusammen mit Württemberg, Baden und auch Hessen eine „ökonomische Mittelstellung“ ein. Bis gegen Mitte der dreißiger Jahre konnten Bayern, Baden und Württemberg zusammen beim durchschnittlichen Bevölkerungseinkommen sogar mit dem stark industrialisierten Westen (Westfalen, Rheinprovinz und Hessen) gleichziehen.5 Der zeitgenössischen Fachwissenschaft blieb dieses einigermaßen überraschende Phänomen nicht verborgen, und weitsichtige Beobachter faßten schon gegen Ende der 1920er Jahre die Perspektive einer Nord-Süd-Verschiebung der dominierenden Wachstumskräfte ins Auge
| Erscheint lt. Verlag | 1.7.2009 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Geschichte ► Allgemeine Geschichte ► Zeitgeschichte |
| Geisteswissenschaften ► Geschichte ► Regional- / Ländergeschichte | |
| Sozialwissenschaften ► Politik / Verwaltung | |
| ISBN-10 | 3-486-70868-6 / 3486708686 |
| ISBN-13 | 978-3-486-70868-4 / 9783486708684 |
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Größe: 34,1 MB
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