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Elite im Verborgenen -  Carsten Schreiber

Elite im Verborgenen (eBook)

Ideologie und regionale Herrschaftspraxis des Sicherheitsdienstes der SS und seines Netzwerks am Beispiel Sachsens
eBook Download: PDF
2008 | 1. Auflage
510 Seiten
De Gruyter Oldenbourg (Verlag)
978-3-486-70654-3 (ISBN)
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Die V-Männer des von Reinhard Heydrich geführten Sicherheitsdienstes (SD) stellen einen der letzten weißen Flecken der Topografie des NS-Terrors dar. Carsten Schreiber gibt nach jahrzehntelangen Spekulationen erstmals Auskunft über Aufgaben, Funktion und Umfang dieses geheimdienstlichen Netzwerks und über die Sozialstruktur der V-Männer. Empirische Basis ist ein beispielloser Quellenfund: die Personalkartei des Dresdner SD-Abschnittes mit den Namen aller 2746 V-Leute im Land Sachsen. Sie führt vor Augen, wie bereitwillig sich gesellschaftliche Eliten aus Wirtschaft und Verwaltung anwerben ließen. Der Verfasser deckt das geheime Netzwerk des Sicherheitsdienstes auf, um dieses sowohl innerhalb der deutschen Gesellschaft als auch im Gefüge der nationalsozialistischen Herrschaftsinstanzen zu verorten. Der SD, jene titelgebende 'Elite im Verborgenen', war ein gefährliches Amalgam aus Geheimdienst und totalitärer Weltanschauungselite. In Anknüpfung an die neuesten Forschungstrends der 'Täterforschung' stellt diese Arbeit, über ihr Thema hinaus, einen gewichtigen Beitrag zur Sozial- und Herrschaftsgeschichte des 'Dritten Reiches' dar.

"IV. Funktionen im Netzwerk: Zubringer, V-Leute, Mitarbeiter, Beobachter und Außenstellenleiter (S. 173-174) Die Funktion seiner Akteure bestimmte die nachrichtendienstliche Komponente im Doppelcharakter des Sicherheitsdienstes, diesem gefährlichen Amalgam aus Geheimdienst und Weltanschauungstruppe. Die sechs in diesem Kapitel behandelten Funktions-Typen – Zubringer, V-Leute, Agenten, Mitarbeiter, Beobachter und Außenstellenleiter – sind weitgehend technischen Charakters, sie umreißen die organi satorische Struktur des Netzwerks, seine Befehlslinien und Informationsflüsse, kurz: Sie sind Herrschaftstechniken. Ob diese Techniken wirklich gänzlich unbeeinflusst von ideologischen Prämissen konzipiert wurden und funktionierten, ist dabei eine der Fragestellungen dieses Kapitels. Bei der Beschreibung des Netzwerks fällt ins Auge, dass die in diesem Kapitel ausführlich zu diskutierenden Funktionstypen – insbesondere der V-Mann als klassische SD-Funktion – ganz offensichtlich strukturelle Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten mit anderen Geheimdienst- und Polizeistrukturen aufweisen, und zwar mit solchen, die sowohl zeitlich vor, zeitgleich als auch historisch nach dem Sicherheitsdienst existierten. V-Leute und Agenten benutzte schon die alte Preußische Politische Polizei der Bismarckzeit im Kampf gegen die Sozialisten,1 die Politische Polizei der Weimarer Republik, genauso wie das spätere Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR. Der Universalismus des historischen Phänomens des „inoffiziellen Mitarbeiters"" der Herrschenden ist nicht in einer eventuellen Verwandtschaft der politischen Systeme zu suchen, sondern in der Übertragbarkeit menschlichen Verhaltens unter der Diktatur. Obwohl hier nicht der Ort eines breit ausgeführten Diktaturvergleichs sein kann, gibt es offenbar universelle Herrschaftstechniken, die sich in der Historie genetisch weiterentwickelten, den gesellschaftlichen Verhältnissen angepasst und modernisiert wurden.4 Der in SD und MfS herrschende Ungeist war ein anderer, alle Gemeinsamkeiten sind bloße funktionelle Ähnlichkeiten. Die Konstrukteure des Sicherheitsdienstes haben auch nach eigenen Angaben einiges kopiert und Elemente aus bestehenden oder bereits historischen Institutionen übernommen. Gerade weil sich grundlegende Funktionen wie das aus dem Methodenkatalog des repressiven Polizeistaates des 19. Jahrhunderts stammende Instrument des Agenten vom politischen Umfeld des Dritten Reiches abstrahieren lassen, stellt sich die Frage: Wenn im nachrichtendienstlichen Funktionskatalog des SD nichts wirklich neu war und in der Wilhelmstraße eine Runde von Kopisten am Werk war, die sich aus bewährten Elementen der Preußischen Politischen Polizei, des englischen Secret Service – von dem das Decknummernsystem der SDKartei stammt – und dem französischen Deuxième Bureau ihren eigenen Nachrichtendienst zusammensetzten, wie konnte es dann so weit kommen, dass sich diese Patchwork-Organisation zu einer der aggressivsten Institutionen des 20. Jahrhunderts radikalisierte, die ihren politischen Einflussbereich weit über das geheimdienstliche Kerngeschäft von Überwachung und Verfolgung ausweitete und zum Wegbereiter der „Endlösung"" wurde? Die Beschreibung der Funktionen des Netzwerks, seine zugrunde liegenden Techniken, im Stil einer Verwaltungsgeschichte ist dem Gegenstand durchaus angemessen und Inhalt des folgenden Kapitels. Allein dadurch lässt sich sein verbrecherischer Charakter aber weder erkennen und herauspräparieren noch angemessen darstellen. Die Funktionen im Netzwerk sind für sich allein genommen nicht mehr als ein verwaltungstechnisches Grundgerüst, tote Materie, die erst durch die ihr eingeflößte Seele, „die Kräfte, die sie ideenmäßig beseelt"" (Heydrich)6 – namentlich die im vorherigen Kapitel ausgeführte Rassenideologie und die kämpferische Mentalität der Weltanschauungselite – ihre unheilvolle Eigendynamik entwickelten."

Erscheint lt. Verlag 5.12.2008
Sprache deutsch
Themenwelt Geschichte Allgemeine Geschichte Neuzeit (bis 1918)
Geschichte Allgemeine Geschichte 1918 bis 1945
ISBN-10 3-486-70654-3 / 3486706543
ISBN-13 978-3-486-70654-3 / 9783486706543
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