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Krieg um Berlin? -  Matthias Uhl

Krieg um Berlin? (eBook)

Die sowjetische Militär- und Sicherheitspolitik in der zweiten Berlin-Krise 1958 bis 1962. Veröffentlichungen zur SBZ-/DDR-Forschung im Institut für Zeitgeschichte

(Autor)

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2008 | 1. Auflage
301 Seiten
De Gruyter Oldenbourg (Verlag)
978-3-486-70737-3 (ISBN)
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Mit seiner aggressiven Berlin-Politik - Ultimatum 1958 und Mauerbau 1961 - ging der sowjetische Partei- und Regierungschef Chruschtschow ein Risiko ein, das sich kaum noch kalkulieren ließ. Die sowjetischen Quellen belegen, dass die sowjetische Führung in der zweiten Berlin-Krise vor allem unter Beachtung militärstrategischer Gesichtspunkte agierte. Infolgedessen eskalierte der Rüstungswettlauf derart, dass die sowjetische Rüstungsindustrie kostspielige Waffenprojekte auch gegen die gesamtwirtschaftlichen Interessen der Staatsführung durchsetzen konnte. Der militärisch-industriell-akademische Komplex in der Sowjetunion ist daher der eigentliche Gewinner der zweiten Berlin-Krise.

"4. Von der Verteidigung zum Angriff – Der militärische Strategiewechsel der Sowjetunion in der zweiten Berlin-Krise (S. 155-156) Während der ersten Berlin-Krise 1948/49 waren Nuklearwaffen kein Bestandteil der amerikanischen contingency Planung für Berlin, die UdSSR entwickelte gerade ihre erste Atombombe. Weder die USA noch die Sowjetunion zeigten die Bereitschaft, wegen des Konfliktes um Berlin eine globale militärische Auseinandersetzung zu riskieren1. Damit blieb die erste Berlin-Krise trotz ihrer enormen Bedeutung für Europa im Wesentlichen ein „lokales"" Ereignis. Im Gegensatz zu 1948/49 waren in der zweiten Berlin-Krise Nuklearwaffen für die westlichen wie für die östlichen Krisenszenarien von zentraler Bedeutung. Sowohl die USA als auch die UdSSR gingen davon aus, dass sich jeder militärische Konflikt um Berlin binnen kürzester Zeit zum „all-out nuclear war"" bzw. „umfassenden Kernwaffenkrieg"" entwickeln würde und machten dieses Faktum zur unabdingbaren Voraussetzung für ihre jeweiligen strategischen Planungen. Ein, wenn nicht gar der entscheidende Unterschied zwischen der ersten und der zweiten Berlin-Krise liegt also in der nuklearen Dimension der Konfrontation. Im Verlauf der Krise erkannte die politische und militärische Führung der USA allerdings, dass das bisherige Strategiekonzept der massive retaliation zu wenig flexibel und insgesamt nicht mehr tauglich war. Im Rahmen der contingency Planung für Berlin erfolgte deshalb ein allmählicher Strategiewechsel, der 1967 in der offiziellen Bestätigung der flexible response endete. Die Idee der flexible response wurde also im westlichen Bündnis während der zweiten Berlin-Krise geboren. Die Auslösung eines all-out nuclear war als Antwort auf einen zunächst lokalen militärischen Konflikt um West-Berlin wollten die politischen Entscheidungsträger in Washington, Paris und London nicht mehr verantworten. In der Sowjetunion hingegen verhalf die zweite Berlin-Krise der Strategie des allumfassenden Kernwaffenkrieges zum Durchbruch. Denn die politische Führung und vor allem das sowjetische Militär gingen davon aus, dass sich entspre chend der These der „Unvermeidbarkeit der Eskalation"" jeder begrenzte Konflikt binnen kürzester Zeit zum unbegrenzten Atomkrieg entwickeln würde. Dieser sollte durch offensives Vorgehen und massiven Kernwaffeneinsatz zugunsten des sozialistischen Lagers entschieden werden. Deshalb sahen die sowjetischen Szenarien für die zweite Berlin-Krise und die daraus entwickelten Kriegspläne des Warschauer Paktes, die hier vor allem auf der Grundlage der Kommandostabsübung Burja diskutiert werden, vor, die USA durch einen Nuklearschlag auszuschalten und Westeuropa nach einem überwältigenden Atomschlag durch konventionelle Truppen zu besetzten4. Burja war im Herbst 1961 die erste gemeinsame Kommandostabsübung des Warschauer Paktes, die umfassend die Operationen der Vereinten Streitkräfte auf dem westeuropäischen Kriegsschauplatz unter den Bedingungen der seit 1960 geltenden Strategie des unbegrenzten Kernwaffenkrieges simulierte. Die Generalstäbe der Sowjetarmee, der Polnischen Armee, der Tschechoslowakischen Volksarmee und der Hauptstab der Nationalen Volksarmee der DDR probten zu diesem Zweck unter der Leitung des Oberkommandierenden der Vereinten Streitkräfte erstmalig Elemente des offensiven Zusammenwirkens im strategischen, operativen und taktischen Rahmen. Gleichzeitig trainierten die Militärs des östlichen Verteidigungsbündnisses den Einsatz ihrer Streitkräfte in der Anfangsperiode eines Raketen-Kernwaffenkrieges. Im Ergebnis der Übung zeigte sich, dass die Militärführung des Warschauer Paktes davon ausging, die in Westeuropa stationierten NATO-Truppen in kürzester Zeit zu schlagen. Burja schien die damalige Ansicht des sowjetischen Generalstabes zu bestätigen, dass sich mittels massiven Nuklearwaffeneinsatzes ganz Kontinentaleuropa innerhalb von zehn bis fünfzehn Tagen unter die Kontrolle des Warschauer Paktes bringen lassen würde. Die Kommandostabsübung belegt damit eindeutig den während der zweiten Berlin- Krise stattgefundenen Strategiewechsel der sowjetischen Militärdoktrin. Seit 1960 galt der Militär- und Staatsführung der UdSSR Verteidigung als obsoletes strategisches Mittel. An ihre Stelle traten Angriff und Offensive, denn: „Under the condition of nuclear war only „blitz"" operations can promise victory."""

Erscheint lt. Verlag 31.10.2008
Sprache deutsch
Themenwelt Geschichte Allgemeine Geschichte Zeitgeschichte
Geschichte Teilgebiete der Geschichte Militärgeschichte
ISBN-10 3-486-70737-X / 348670737X
ISBN-13 978-3-486-70737-3 / 9783486707373
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