Kredite für NS-Verbrechen (eBook)
495 Seiten
De Gruyter Oldenbourg (Verlag)
978-3-486-70644-4 (ISBN)
"V. Die Evakuierung deutscher Kreditinstitute aus Polen und das Ende des Zweiten Weltkrieges 1944/1945 (S. 433-434) Allgemein waren die Kreditinstitute auch in den Ostgebieten seit der zweiten Jahreshälfte 1943 auf mögliche Zerstörungen von Niederlassungen durch Bombenangriffe vorbereitet, so dass zwar Gebäude, nicht aber der Zahlungsverkehr, Kontostände, Überweisungsaufträge u. Ä. gefährdet waren.1 Verluste von Niederlassungen durch die näherrückende Front oder durch Bombenschäden hatten wegen der bereits früher regulär oder in kluger Voraussicht getätigten Abschreibungen 1944 keine größeren finanziellen Einbußen zur Folge. Viel unkalkulierbarer jedoch war das Verhalten der Einleger und der Kreditkundschaft. Daher ist angesichts des Bombenkrieges erstaunlich, dass es zwar zu einem messbaren, nicht aber zu einem nennenswerten Abzug von Depositen bei Banken und Sparkassen kam3, wobei namentlich letztere und die Großbanken mit ihren reichsweiten Filialnetzen sich als flexibel erwiesen.4 Verstärkte Einlagenabzüge, wie z. B. nach der Landung der Alliierten in der Normandie, konnten durch den „Freizügigkeitsverkehr der Sparkassenbücher"" abgeschwächt werden.5 In den besetzten Ostgebieten machte sich bei der Kundschaft dagegen spätestens im Frühjahr 1944, als die Rote Armee an der Ostgrenze Polens stand, Unruhe bemerkbar. In einem Schreiben an die Deutsche Bank in Ratibor vom 15. April 1944 stellte ein Kunde Gedanken darüber an, inwieweit „in Zeiten wirtschaftlicher Katastrophen"" auch das Geldwesen in Mitleidenschaft gezogen werde: „Ich bitte daher um Übersendung einer Bürgschaftserklärung, in die Sie die Verpflichtung aufnehmen, im Fall einer eingetretenen Entwertung der Reichswährung, gleichgültig welcher Art diese sein und welchen Namen sie auch tragen möge, mich nach Herstellung der Währung in vollwertiger, stabiler Reichswährung vollwertig zu entschädigen. Alsdann erfolgt weitere Überweisung von Sparguthaben."" Die Deutsche Bank wahrte in ihrer Antwort vom . Mai 1944 zwar die Form, verwies aber auch darauf, dass die Betrachtungen des Kunden von Voraussetzungen ausgingen, „die der Vergangenheit mit ihrem überholten wirtschaftlichen Denken"" angehörten: „Unser heutiges Wirtschaftssystem und unsere Geldlage sind, wie auch von berufensten Stellen immer wieder hervorgehoben und letzthin wieder durch den Herrn Reichsminister in seiner Eigenschaft als Präsident der Deutschen Reichsbank gelegentlich der Hauptversammlung dieser Bank betont, so fest begründet, daß eine Geldentwertung, eine Kaufkraftsenkung oder wie Sie es sonst nennen wollen, ausgeschlossen ist. Ihre Folgerungen aus Ihren Betrachtungen und der daraus entsprungene Wunsch entbehren daher jeder Grundlage.""7 Die Bezugnahme auf „den Herrn Reichsminister"" ermöglichte es den Bankiers, gute Miene zu einem Spiel zu machen, an das sie selbst kaum mehr glauben konnten. Angesichts einer Summe von 10,5 Mrd. RM, die das Deutsche Reich 1944 nur für den Schuldendienst aufzubringen hatte, war jedem Fachmann klar, dass man eine wesentlich auf Anleihen beruhende Währungsstabilität im Kriege nur mit einer zurückgestauten, d. h. Nachkriegsinflation erkaufen konnte.8 Darüber hinaus war mit den Vorbereitungen auf das Ende, wie immer es auch aussehen sollte, im Kreditsektor längst begonnen worden. Es ist schwer zu erkennen, inwieweit die Anweisungen der Kreditinstitute betr. Aufgabe von Niederlassungen auf den Erfahrungen fußten, die man zuvor mit der Evakuierung deutscher Dienststellen gemacht hatte, die der Ostfront deutlich näher lagen als die Niederlassungen der Kreditinstitute und daher auch früher als diese geräumt werden mussten.9 Als aufschlussreich erweisen sich die Richtlinien, die einzelne Kreditinstitute ihren Filialen für „die theoretischen möglichen Fälle"" einer Evakuierung ausgaben. "
| Erscheint lt. Verlag | 5.12.2007 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Geschichte ► Allgemeine Geschichte ► 1918 bis 1945 |
| Geschichte ► Teilgebiete der Geschichte ► Wirtschaftsgeschichte | |
| ISBN-10 | 3-486-70644-6 / 3486706446 |
| ISBN-13 | 978-3-486-70644-4 / 9783486706444 |
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Größe: 32,6 MB
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