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Die jesuitische Berichterstattung über die Neue Welt (eBook)

Zur Veröffentlichungs-, Verbreitungs- und Rezeptionsgeschichte jesuitischer Americana auf dem deutschen Buchmarkt im Zeitalter der Aufklärung
eBook Download: PDF
2011 | 1. Auflage
377 Seiten
Vandenhoeck & Ruprecht Unipress (Verlag)
978-3-647-10109-5 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Die jesuitische Berichterstattung über die Neue Welt -  Galaxis Borja Gonzalez
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Am Fallbeispiel der jesuitischen Americana wird die Bedeutung des Buchdrucks für die Vermittlung der Neuen Welt im Übergang zur Moderne erörtert. Es wird von der These ausgegangen, dass der Prozess, mit dem Hispanoamerika in das Bewusstsein der Europäer trat, nicht nur aus ideengeschichtlicher Perspektive, sondern auch im Zusammenhang mit den materiellen Verhältnissen auf dem Buchmarkt zu betrachten ist. Diskutiert wird die Wechselbeziehung zwischen Inhalt, Medium und den am Buchmarkt beteiligten Subjekten: Weshalb wurden die Amerika-Schriften jesuitischer Verfasser auf dem deutschen Buchmarkt gedruckt, gehandelt und gelesen? Welche Bedeutung kam den Lesewünschen und Erwerbsmöglichkeiten potentieller Buchkäufer im Hinblick auf die Publikations-, Verbreitungs- und Vertriebsmodalitäten von Americana zu? Welchen Einfluss übten die materielle Aufmachung der Texte, ihre medialen Verbreitungsformen und Zugangsmöglichkeiten auf die Art und Weise aus, wie die Leser die im Buch vermittelten Aussagen mit Sinn füllten? Die Analyse der jesuitischen Literatur ermöglicht, die Kraft des gedruckten Wortes vermittelten Selbst- und Fremdbilder einer religiösen Gemeinschaft zu erfassen, die fast zweihundert Jahre überstaatlich, interkulturell und transkontinental agierte und deren Mitglieder den Bildungs- und kirchlichen Eliten in der neuzeitlichen sozialen Ordnung angehörten. Die Kontinuitäten, Umbrüche und Auslassungen im jesuitischen Diskurs über den amerikanischen Kontinent und dessen Einwohner werden aufgezeigt. Zugleich wird die Interdependenz zwischen den materiellen Formen ihrer Übermittlung, den konkreten Aneignungsweisen der Subjekte und den innerhalb einer jeden Kommunikationsgemeinschaft geltenden Ordnungskategorien und Sinnstiftungsweisen diskutiert.

Galaxis Borja González ist Dozentin am Departement Geschichte der Universidad Andina Simón Bolívar - Sede Ecuador.

Galaxis Borja González ist Dozentin am Departement Geschichte der Universidad Andina Simón Bolívar – Sede Ecuador.

Cover 1
Title Page 4
Copyright 5
Table of Contents 6
Body 10
Vorwort 6
Einleitung 8
1. Die Amerika-Schriften auf dem deutschen Buchmarkt 28
1.1 Der Buchmarkt im 18. Jahrhundert 29
1.2 Die Druck- und Verteilungszentren von Americana 42
1.3 Die Vorstellungen von Amerika in den deutschsprachigen Publikationen 55
1.4 Zusammenfassung 67
2. Die erste Phase jesuitischer Americana 70
2.1 Vom Manuskript zum Buchdruck: Jesuitische Verfasser, Buchmarkt und koloniale Welt 71
2.1.1 Jesuitische Publikationstätigkeit in der Spannung zwischen Erbauung und Zensur 71
2.1.2 Missionsliteratur als Bindeglied zwischen Buchmarkt und Kolonialhandel 77
2.2 Vom Verfasser zum Leser und Zuschauer: Die Amerika-Schriften jesuitischer Missionare 85
2.2.1 Anton Sepp und seine paraguayischen Reisebeschreibungen 86
2.2.2 Der Chiquitanía-Bericht des spanischen Jesuiten Juan Patricio Fernández 101
2.2.3 Dominikus Mayrs »Neu-aufgerichteter Americanischer Mayerhof« 110
2.3 Von der Einzelschrift zur Kompilation: Jesuitische Publizisten und das Medium Zeitschrift 125
2.3.1 Joseph Stöcklein und »Der Neue Welt-Bott« 125
a. Die Ökonomie der Informationen 127
b. Vermarktungsstrategien 135
c. Zusammenarbeit auf dem überregionalen Buchmarkt 139
2.3.2 Identitätskonstruktionen in der jesuitischen Missionszeitschrift 146
a. Die Geografie der Mission im »Neuen Welt-Bott« 146
b. »Wir« und »die Anderen«: Die Vorstellungen von Südamerika 150
c. »Wir« und »die Anderen«: Deutsche Identitätskonstruktionen 160
2.4 Zusammenfassung 165
3. Die zweite Phase jesuitischer Americana 168
3.1 Von der Anwerbung zur Verteidigung: Exjesuiten, aufgeklärte Polemik und Kolonialkritik 170
3.1.1 Die aufgeklärte Auseinandersetzung um die jesuitische Mission 170
3.1.2 Jesuitische Exilliteratur, Modernität und Patriotismus 181
3.2 Von der Missionsliteratur zur Geschichtsschreibung: Jesuitische Schriften auf dem deutschen Buchmarkt 197
3.2.1 Die deutschen Übersetzungen jesuitischer Exilliteratur 197
3.2.2 Die Amerika-Schriften deutscher Exjesuiten 207
3.2.3 Die Publikationstätigkeit von Christoph Gottlieb von Murr . 221
3.3 Vom Text zur Lektüre: Die Rezeption jesuitischer Americana 237
3.3.1 Jesuitische Schriften und aufgeklärte Zeitschriften 237
3.3.2 Die Americana in den Bücherbeständen deutscher Leser .. 250
3.4 Zusammenfassung 260
Schluss 264
ANHANG Anhang 1: Die Missionsschriften von Anton Sepp 276
Anhang 2: Die jesuitische Missionszeitschrift der »Neue Welt-Bott« 278
Anhang 3: Berichterstattung im »Neuen Welt-Bott« nach Regionen 280
Anhang 4: Berichterstattung im »Neuen Welt-Bott« nach Herausgeber und Regionen 283
Anhang 5: Amerika-Schriften in den Verlags-, Privat- und Bibliothekskatalogen des 18. Jahrhunderts 286
Anhang 6: Jesuitische Amerika-Schriften in den Verlags-, Privat- und Bibliothekskatalogen des 18. Jahrhunderts 296
Anhang 7: Die Preise jesuitischer Amerika-Schriften im 18. Jahrhundert 306
VERZEICHNISSE Quellenverzeichnis 312
A. Jesuitische Americana vor 1811 312
B. Bücherkataloge vor 1800 319
C. Zeitschriftenaufsätze vor 1800 322
D. Zitierte Literatur vor 1800 326
Literaturverzeichnis 333
Abkürzungsverzeichnis 358
Abbildungsverzeichnis 358
Tabellenverzeichnis 359
Register 360
Back Cover 386

3. Die zweite Phase jesuitischer Americana (S. 167-168)

Als 1767 der Jesuitenorden durch Erlass von Karl III. aus den spanischen Ländern ausgewiesen wurde, gingen ca. 5.700 Ordensmitglieder ins europäische Exil1. Die Mehrheit von ihnen kam aus den Kolonien der amerikanischen und philippinischen Territorien. Darunter befanden sich auch ca. 300 ausländische Jesuiten, die u.a. aus den deutschen und italienischen Ordensprovinzen stammten und sich in den Kolonien hauptsächlich als Missionare betätigt hatten.

Nach der Bekanntmachung der königlichen Verfügung wurden die Ausgewiesenen in den kolonialen Hauptstädten gesammelt und als Gefangene nach Spanien gebracht. Dort aber trennten sich ihre Wege. Während die ausländischen Patres mehrheitlich in ihre Herkunftsprovinzen zurückkehrten, führte der Verbannungsweg die spanischen und kreolischen Jesuiten in den Vatikanstaat2. Im italienischen Exil durften die Ordensbrüder zunächst weder religiöse noch andere Ämter bekleiden, ebenso wenig wurde ihnen gestattet, die ihnen angewiesenen Aufenthaltsorte zu verlassen. 1773 ordnete Clemens XIV. mit dem Breve Dominus ac Redemptor die weltweite Auflösung der Gesellschaft Jesu an.

Die päpstliche Verfügung bedeutete zweifelsohne einen schweren Schlag für die Ordensleute, andererseits gab sie den Patres die Handlungsfreiheit zurück, die sie während der ersten Jahre nach der Ausweisung verloren hatten. Viele der ehemaligen Jesuiten im Exil zogen in die kulturellen Zentren Italiens, widmeten sich nunmehr den Wissenschaften und mischten sich mit ihren mehrsprachigen Abhandlungen und wissenschaftlichen Beiträgen in die zeitgenössischen Debatten ein.

Im Folgenden werden die jesuitischen Americana, die in den letzten drei Dekaden des 18. Jahrhunderts und in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts auf dem deutschen Buchmarkt erschienen sind, untersucht. Diese zweite Phase der jesuitischen Publikationstätigkeiten erfolgt im Zusammenhang mit der Ausweisung und Auflösung des Ordens, entstand aber auch als Reaktion auf die aufgeklärten Thesen über den Charakter des amerikanischen Kontinents und seinen Status in der Menschheitsgeschichte. Diese in die Geschichtsforschung als »Disput über Amerika«4 eingegangene Debatte entfachte eine rege publizistische Tätigkeit, an der sich Gegner und Fürsprecher Amerikas beteiligten, darunter auch die Mitglieder der verbotenen Gesellschaft Jesu.

Auf der Grundlage welcher diskursiven Strategien, mit welchen Beweggründen und mittels welcher Kommunikationsmedien wurden die Werke der verbotenen Ordensmitglieder während der letzten Dekaden des 18. Jahrhunderts auf dem deutschen Buchmarkt angeboten? Welche Bilder von Amerika wurden darin formuliert, und in welcher Beziehung stand der vermittelte Inhalt zu den Überlegungen der an der Veröffentlichung und Verbreitung der jeweiligen Schrift beteiligten Anbieter?

Dies sind die Fragen, denen sich das folgende Kapitel widmet. Das Erkenntnisziel besteht darin, die Americana aus der zweiten Phase jesuitischer Publikationstätigkeit im Zusammenhang mit den Entwicklungen auf dem Buchmarkt, den Identitätsentwürfen der Aufklärung und den in die Defensive geratenen jesuitischen Verfassern zu erforschen. Im ersten Abschnitt (3.1) wird die Auseinandersetzung zwischen aufgeklärten Intellektuellen und Exjesuiten über die Rolle der Mission in den spanischen Gebieten Amerikas vor dem Hintergrund der jesuitenfeindlichen und kolonialkritischen Debatten erörtert.

Erscheint lt. Verlag 16.11.2011
Reihe/Serie Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz
Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz
Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz.
Verlagsort Göttingen
Sprache deutsch
Themenwelt Geschichte Teilgebiete der Geschichte Kulturgeschichte
Geisteswissenschaften Religion / Theologie
Geisteswissenschaften Sprach- / Literaturwissenschaft
Schlagworte 18. /Schrift • Buch • Jahrhundert • Jahrhundert, 18. /Schrift, Buch, Presse • Jesuiten • Mission • Presse
ISBN-10 3-647-10109-5 / 3647101095
ISBN-13 978-3-647-10109-5 / 9783647101095
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