Sinnstiftung als Beruf (eBook)
274 Seiten
VS Verlag für Sozialwissenschaften
978-3-531-92388-8 (ISBN)
Dr. Dr. Michael N. Ebertz ist Professor an der Katholischen Fachhochschule Freiburg.
Dr. Rainer Schützeichel vertritt die Professur Mikrosoziologie und qualitative Methoden an der FernUniversität in Hagen.
Dr. Dr. Michael N. Ebertz ist Professor an der Katholischen Fachhochschule Freiburg. Dr. Rainer Schützeichel vertritt die Professur Mikrosoziologie und qualitative Methoden an der FernUniversität in Hagen.
Inhalt 5
Sinnstiftung und Beruf – einleitende Bemerkungen 7
Transformationen religiösen Sinns 10
Der letzte Sinn – Heilsarbeit im eschatologischen Büro 11
Handlungssinn und institutioneller Sinn 11
Lebenssinn: Autotelischer und heterototelischer Terminalsinn 13
Eschatologisches Büro 15
Die gesellschaftlichen Herausforderungen des eschatologischen Büros 17
Sinnbastelarbeit im eschatologischen Büro 20
Heilsarbeit am Fegefeuer 24
Heilsgeschenk für alle 25
Der allerletzte Sinn? 26
Literatur 27
Experte seiner selbst – Über die Selbstermächtigung desreligiösen Subjekts 30
1 Der ‚Experte seiner selbst‘ – Eine Typenbeschreibung 32
2 Der Bereich des Religiösen als letzter Hort der Freiheit 35
Literatur 37
Religiöse Inklusion über die Liturgie? Zum Verhältnis vonProfession und Publikum im Katholizismus 39
1 Die Messe in professionssoziologischer Perspektive 43
1.1 Inklusion über professionelle Betreuung 43
1.2 Liturgie als Tätigkeit von Priestern 45
1.3 Interaktion in der tridentinischen Messe? 47
2 Das Publikum der Messe 50
2.1 Leistungsrolle und Publikum 50
2.2 Vorgängige Inklusion des Publikums 53
2.3 Zur Beobachtung des Publikums 58
3 Liturgische Professionalisierung? 60
Literatur 63
Der Sinn der Orthodoxie – Herrschaftsstrukturen undOrthodoxie in Byzanz und Griechenland 67
1 Orthodoxie und Legitimation der Herrschaft 67
2 Herausbildung der „politischen Orthodoxie“ in Byzanz 69
2.1 Veralltäglichung und Institutionalisierung des Christentums 69
2.2 Orthodoxe Vergemeinschaftung und Politik 71
3 Der Übergang: Metabyzantinische Periode und Osmanenherrschaft 73
4 Kirche und Orthodoxie im Rahmen des griechischen Verfassungsstaates 73
4.1 Differenzen zu und Gemeinsamkeiten mit Byzanz 73
4.2 Säkularisierung des Staates versus Verweltlichung der Kirche: Gegensätze undSpannungen 76
5 Abschließende Fragen 79
Literatur 79
Sinnstiftung durch Professionen? 82
Die Vermittlung von System und Lebensweltals Bezugsproblem der Professionen – was dieProfessionssoziologie von der Theologie überProfessionen lernen kann 83
1 83
2 90
3 94
4 101
5 102
6 107
7 110
Literatur 113
Repräsentant des Gemeinwesens – Zum Aspekt derSinnstiftung im professionellen Handeln des Politikers 117
Literatur 122
KontingenzarbeitÜber den Funktionsbereich der psycho-sozialen Beratung 123
1 Funktionsbereiche1 125
2 Funktionsbereich der psycho-sozialen Beratung 128
2.1 Psychotherapie 130
2.2 Seelsorge 132
2.3 Coaching und Supervision 134
3 Der Sinn der psycho-sozialen Beratung 135
Literatur 136
Macht Religionsunterricht Sinn? Eine exemplarische Analyse pädagogischer Praxis ausprofessionalisierungstheoretischer Sicht 139
1 Einleitung 139
2 Die in Anspruch genommene Professionalität des Lehrers 140
3 Das didaktische Konzept der Stunde 141
4 Das Material und die mit ihm gegebenen Möglichkeiten 143
5 Der Arbeitsauftrag und seine Bewältigung 144
6 Das Interesse eines Schüler meldet sich: Das Problem des Sinns vonSelbstmordattentaten 146
7 Ein weiteres Schülerinteresse meldet sich – und wird „kaltgestellt“ 149
8 Die Dynamik des „Sammelns“ von Vorurteilen 150
9 Weitere Folgen dessen, dass der Begriff des Vorurteils ungeklärt ist 152
10 Fazit 154
Literatur 155
Lebensweltliche Sinnkonfigurationen 156
Unternehmer als Sinnstifter – Macht das Sinn? 157
1 157
2 159
2.1 159
2.2 161
3 163
3.1 164
3.2 166
4 167
Literatur 170
Neue Erfordernisse im Elitehandeln im Kontext sekundärer Folgeprobleme der modernen Gesellschaft 172
1 Einleitung 172
2 Funktionsverlust der Eliten in der Moderne 174
3 Sekundäre Folgeprobleme der Moderne 176
3.1 Professionelle Bearbeitung existentieller Probleme des Menschen 177
3.2 Bearbeitung von Integrationsproblemen 179
3.3 Bearbeitung netzwerkspezi scher Intransparenzen 182
4 Eliten als Funktionsermittler, -vermittler, Integrationsinstanzen und Orientierungsgeber 184
Literatur 186
„Fragen Sie die ‚liebe Marta‘“ – Sexualberaterinnen als Sinnstifterinnen 189
1 Die soziale Dimension: Sexpertinnen 191
2 Die formale Dimension: Beratung als spezifische Form der Kommunikation 196
3 Sinnstiftung durch Beratung – Beraterinnen als Sinnstifterinnen 198
Literatur 206
Soziale Konfigurationen einer terminalen Erkrankung – oderwie der Sinn versammelt werden kann 208
Die Sinnproblematik 208
1 Husserl: die paradoxe Form des Jetzt 210
2 Operationale Kohärenz statt Sinnkonsistenz 212
3 Hochschulmedizin 213
5 Anthroposophische Medizin 217
6 Verkettungen von Gegenwarten 219
Literatur 219
Wissenschaft und Verbreitungsmedien 221
Sinn liefern, Sinn verbürgen oder Sinn stiften? Was davonkann das Fernsehen eigentlich? 222
1 Was Bobby Zimmermann und Lisa aus Berlin verbindet 222
2 Subjektiver und gesellschaftlicher Sinn 223
3 Religion als Teil gesellschaftlicher Kultur 225
4 Über den transzendenten Sinn und dessen Legitimation 228
5 Sinn und Bürgschaft 229
6 Schaffen, liefern oder verbürgen die Medien Sinn? 230
7 Kann das Fernsehen Sinn schaffen? 231
Literatur 233
Der Sinn der Praxis – Zum Verhältnis vonNachrichtenjournalismus und Wissenschaft 234
1 Das Konzept des praktischen Sinns bei Bourdieu 235
2 Sinnstiftung in der Berufspraxis von Fernsehnachrichtenjournalisten 240
2.1 Die ‚öffentliche Aufgabe‘ 240
2.2 Die Dramaturgie der Tagesschau 242
2.3 Der ‚imaginäre Zuschauer‘ 244
2.4 Nomischer Sinn und journalistische Praxis 246
3 Betrachtungen über den Sinn als wissenschaftliches Konzept 248
Literatur 249
Sinnstiftung durch Soziologen? 251
Literatur 259
Autoren 261
Unternehmer als Sinnstifter – Macht das Sinn? (S. 157-158)
Ekaterina Svetlova
1
Am 15. Januar 2009 fiel die Aktie des Computerherstellers Apple um sieben Prozent. Der Grund: Am Vorabend gab das Unternehmen bekannt, dass sein Chef Steve Jobs ein halbes Jahr Auszeit nehmen muss, um eine Krankheit zu kurieren. Ein Jahr davor hatte das „Manager Magazin“ die Analystenmeinung veröffentlicht, deren zufolge die Aktie 25 Prozent fallen würde, verließe Jobs Apple (Kaufmann 2008). Der Unternehmer gilt als Motor und Garant des Erfolgs seines Konzerns.
Er revolutionierte den Markt mit neuen Produkten wie dem di gitalen Musikplayer iPod und dem Multimediahandy iPhone. Seine Verkaufspräsentationen sind legendär und begeistern jedes Jahr Millionen von Fans. Er ist ein Markensymbol der Firma und ist hiermit unersetzlich. Die FAZ gab dem Artikel, der die Auszeit von Steve Jobs kommentierte, den Titel „Götterdämmerung bei Apple“ (Linder 2009). Der Unternehmer Steve Jobs scheint bei Apple in der Tat ein Gott, ein richtiger Sinnstifter zu sein.
Dies ist ein Beispiel aus der Praxis, das viele bestehende Managementtheorien bestätigt. Seit den Arbeiten von Joseph Schumpeter wird das Verständnis von Unternehmern als professio nellen Sinnstiftern, die existentielle Fragen ihrer Kunden und Mitarbeiter aus eigener Kraft beantworten, zelebriert (z. B. Meyer-Faje 2003; Höhler 2004; Böckmann 1999, 2002; Hartfel der 1984; Dyllick 1983). Neben einer umfangreichen Literatur gibt es Seminare für Manager, wo die Idee vermittelt wird, dass es eine elementare Aufgabe von Führungskräften ist, den ihnen anvertrauten Menschen den Sinn ihres Tuns zu offenbaren.
Diese sinnorientierte Füh rungskonzepte werden als Schlüssel zum unternehmerischen Erfolg dargestellt. Steve Jobs hat es geschafft, eine geistige Orientierung sowohl für Kunden als auch für Mitarbeiter von Apple zu leisten; hiermit hat er die Siegeszüge der Firma in der Computer- und Musikbranche mög lich gemacht. Für die Konsumenten erzeugen Unternehmer Waren und Dienstleistungen. Der Begriff „Un ternehmertum“ ist allerdings vor allem mit der Erzeugung neuer Produkte verbunden: Schum peter (1912) unterscheidet den Unternehmer, der neue Kombinationen von Produktionsmit teln entdeckt und auf dem Markt durchsetzt, von dem Wirt, der die schon bestehenden Tech nologien und Absatzkanäle verwendet.
Die Durchsetzung ist ein zentrales Element des unter nehmerischen Handelns, dies betont Schumpeter insbesondere in der zweiten Ausgabe seines Hauptwerks „Theorie der gesellschaftlichen Entwicklung“ (1926). Eine erfolgreiche Durch setzung im Markt bedeutet, dass das neu hergestellte materielle oder geistige Objekt anfängt, als eine ökonomische Ware zu gelten.
„‚Damit ein Ding zum Gute werde‘, muss nämlich ers tens das (heutige oder zukünftige) Bedürfnis erkannt werden, und es muss zweitens erkannt werden, dass das Ding Eigenschaften besitzt, welche es für die Befriedigung dieses Bedürf nisses tauglich machen.“ (Löwe 1999: 99, mit Bezug auf Carl Menger (1968 [1871])). Die Bedürfnisse werden oft von den Unternehmern nicht bloß erkannt, sondern mit dem Produkt zusammen kreiert und den Kunden vorgestellt. Es muss ein Übergang von etwas Sinnlosem (einem neuen unbekannten Produkt) zu etwas Sinnvollen (einer auf dem Markt etablierten Ware) stattfinden. In diesen Prozessen spielen Unternehmer eine zentrale Rolle.
Sie laden Güter mit Sinn und Bedeutung auf, sie kreieren passende Sinnangebote zu jeder Ware. Dies ist eine zentrale Funktion eines Unternehmers. So hatte Steve Jobs „ein untrügliches Gespür dafür …, wie man mit technischen Produkten wegen ihres Designs und ihrer Software-Funk tionalität Begehrlichkeiten beim Verbraucher wecken kann“ (Linder 2009). Eine Ware wird begehrt und gekauft, wenn ein Konsument Sinn damit verbinden kann. Jeder Unternehmer „erzählt das Gut als potentiell sinnaufwertendes Ereignis im Leben der Konsumenten: ‚sensemaking‘“ (Priddat 2004: 343).
| Erscheint lt. Verlag | 28.6.2010 |
|---|---|
| Zusatzinfo | 274 S. |
| Verlagsort | Wiesbaden |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Geisteswissenschaften |
| Sozialwissenschaften ► Pädagogik ► Sozialpädagogik | |
| Sozialwissenschaften ► Politik / Verwaltung | |
| Sozialwissenschaften ► Soziologie | |
| Schlagworte | Kontingenzarbeit • Lebenswelt • Profession • Psychotherapeut • Religion • Seelsorge • Sinn • Soziologie |
| ISBN-10 | 3-531-92388-9 / 3531923889 |
| ISBN-13 | 978-3-531-92388-8 / 9783531923888 |
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