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Liebe, Lust und Last (eBook)

Die Pille als weibliche Generationserfahrung in der Bundesrepublik 1960-1980
eBook Download: PDF
2013 | 1. Auflage
488 Seiten
Wallstein Verlag
978-3-8353-2090-1 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Liebe, Lust und Last -  Eva-Maria Silies
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Die Markteinführung der Pille in der Bundesrepublik 1961 eröffnete Frauen und jungen Mädchen neue Wege bei der Familienplanung und im Sexualverhalten: Die Verhütung wurde sicherer, die Anwendung einfacher, und die Verantwortung lag nun bei ihnen. Zugleich wurde öffentlich darüber debattiert, ob und wie die Pille die Sexualmoral der jungen Generation veränderte; moralische Bedenken prallten auf die Forderung nach sexueller Selbstbestimmung. Als mit der Frauenbewegung Anfang der 1970er Jahre das Private politisch wurde, forderten viele Frauen ein Umdenken in Bezug auf die Geschlechterrollen. Sie entwickelten ein neues Körperbewusstsein, infolgedessen sie die Pille wiederum häufig ablehnten. Die sexuellen und körperlichen Erfahrungen der Frauen, die in den 1960er Jahren mit der Pille verhüteten, unterschieden sich grundlegend von denen ihrer Mütter. Die Möglichkeiten der Pille waren eine stille generationelle Erfahrung, die Frauen mindestens so sehr prägte wie das politische Geschehen dieser Zeit, und die ihr Verhältnis zur Generation ihrer Mütter und zu Männern neu definierte.

Eva-Maria Silies, geb. 1978, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Hamburg; studierte in Mainz, Tours und Göttingen Geschichte, Politik sowie Medien- und Kommunikationswissenschaft, 2005-2008 Stipendiatin im DFG-Graduiertenkolleg 'Generationengeschichte' an der Georg-August-Universität Göttingen.

Eva-Maria Silies, geb. 1978, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Hamburg; studierte in Mainz, Tours und Göttingen Geschichte, Politik sowie Medien- und Kommunikationswissenschaft, 2005-2008 Stipendiatin im DFG-Graduiertenkolleg "Generationengeschichte" an der Georg-August-Universität Göttingen.

Inhalt 6
I. Einleitung 8
II. Die »gefährdete Frau« Sexualität und Verhütung bei der Einführung der Pille 38
1. Frauenleben im Wiederaufbau. Frauen und Familie in den fünfziger und sechziger Jahren in der Bundesrepublik 38
2. Geburtenplanung, Bevölkerungsexplosion und biologisch-technische Machbarkeit. Die Entwicklung der Pille im internationalen Kontext 63
3. Die Einführung der Pille in der Bundesrepublik. Vermarktung, mediale Inszenierung und faktische Durchsetzung 75
III. Die bedrohte Moral. Die Pille als gesellschaftliche Herausforderung 102
1. Zielgruppe und Nachfrage. Die Pillennutzung in der Bundesrepublik 102
2. »Freiheit in Pillenform« oder »Kein Freibrief für die Pille«? Der mediale Blick auf Sexualität und die Pille 125
3. Die Moral der jungen Generation. Öffentliche Debatten über Verfügbarkeit und Auswirkungen der Pille 162
IV. Die »umsorgte Frau«. Die Pille im Blick von Experten 184
1. Beraten oder Erziehen? Verschreibung und Selbstverständnis in der Ärzteschaft 187
2. »Aufklärung rettet die Ehe«. Verhütung in der Ehe- und Sexualberatung 222
3. Wider die natürliche Ordnung. Die katholische Kirche und die Sorge um die Moral 246
V. »Vergiss die Pille nicht!« Die Pille als generationelle Erfahrung 278
1. »Es war alles im Vagen, im Nebulösen sozusagen.«16 Sexualität und Aufklärung in Zeiten des Tabus 284
2. »Und das gehörte halt so zu dieser Frauenwissensseite.« Das Reden über die Pille 298
3. »Wir wollten nicht werden wie sie.«161 Mütter- und Töchtererfahrungen mit der Pille 329
VI. Die »bewegte Frau«. Auseinandersetzungen um die Pille als Zeichen einer neuen Weiblichkeit 350
1. »Wer zweimal mit derselben pennt …«. Die Pille und die Protestbewegungen der sechziger Jahre 350
2. Die Pille als Symbol der Unterdrückung. Sexualität und Verhütung in der Neuen Frauenbewegung 377
3. Generationenbruch oder Wertetradierung? Neue Modelle von Mutterschaft und Familie in den ausgehenden siebziger Jahren 414
VII. Schlussbemerkungen 426
Danksagung 434
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis 438
Abkürzungsverzeichnis 439
Quellen- und Literaturverzeichnis 441
Register 482

VII. Schlussbemerkungen (S. 425-426)

In der ersten medialen Veröffentlichung zur Pille im Stern wurde ihre Einführung als »historischer Tag« bezeichnet.1 Tatsächlich waren die Veränderungen in den generationellen und geschlechtlichen Beziehungen, die sich durch das neue Verhütungsmittel im Verlauf der sechziger und siebziger Jahre entwickelten, gravierend. Dies bezog sich sowohl auf die öffentliche Sagbarkeit des Themas Sexualität und Empfängnisverhütung als auch auf den individuellen Umgang damit und das Selbstverständnis von Frauen in Partnerschaft und Familie.

Frauen machten hier in den sechziger und siebziger Jahren sehr hete rogene Erfahrungen, die aber durch das Wissen um eine sichere Verhütung und die nicht mehr permanent bestehende Angst vor einer ungewollten oder ungeplanten Schwangerschaft eine gemeinsame Basis für eine veränderte soziale Praxis erhielten. Die Ergebnisse lassen sich in drei Aspekten zusammenfassen: die Deutung der Pille als eine generationelle Erfahrung von Frauen; der Zusammenhang zwischen der Pille und einer vermeintlichen »sexuellen Revolution«; und die internationale Bedeutung der Pillennutzung.

Ausgangspunkt war die These, dass die Pille eine generationelle Erfahrung der Frauen war, die sie in den sechziger und siebziger Jahren als Erste nutzen konnten. Damit unterschieden sie sich elementar von den Frauen ihrer Mütter- und Großmüttergeneration. In der Mediendebatte der sechziger und frühen siebziger Jahre war die Abgrenzung der jungen Generation von der älteren sehr präsent, auch auf den Umgang mit Sexualität bezogen.

Die bis in die siebziger Jahre anhaltende Debatte um die Verfügbarkeit der Pille für junge Mädchen, in der häufig nicht medizinische, sondern moralische Gründe eine Rolle spielten, verweist auf die Virulenz der Diskussion, in der vielfach Sexualität für unverheiratete Frauen diskursiv verurteilt wurde.

Der praktische Umgang junger Frauen mit Sexualität und Verhütung hatte sich aber in den sechziger Jahren bereits an vielen Stellen von den konservativen moralischen Vorgaben gelöst: Voreheliche sexuelle Erfahrungen und damit ein verändertes Verhalten in der Partnerschaft waren weit verbreitet, schufen aber zugleich die Notwendigkeit eines sicheren Verhütungsmittels. Indem junge Frauen in den sechziger Jahren in Auseinandersetzungen mit Eltern, Ärzten und moralischen Autoritäten wie der katholischen Kirche für den Erhalt der Pille kämpften, setzten sie sich von deren Lebensmodellen ab.

Die Pille ermöglichte jungen Frauen, Erfahrungen mit Sexualität und Verhütung zu machen, die ihren Müttern im vergleichbaren Lebensabschnitt ganz überwiegend verwehrt geblieben waren. Sexualität konnte ohne die permanente Angst vor einer ungewollten oder zu dem Zeitpunkt nicht geplanten Schwangerschaft erlebt werden, und die Anwendung des Verhütungsmittels war im Vergleich zu anderen Methoden, auf die die Mütter zurückgegriffen hatten, einfach und zuverlässig.

Erscheint lt. Verlag 28.10.2013
Reihe/Serie Göttinger Studien zur Generationsforschung
Verlagsort Göttingen
Sprache deutsch
Themenwelt Geschichte Allgemeine Geschichte Zeitgeschichte
Geisteswissenschaften Geschichte Regional- / Ländergeschichte
Sozialwissenschaften Politik / Verwaltung
Sozialwissenschaften Soziologie
Schlagworte 20. Jahrhundert • 60er Jahre • 70er Jahre • 80er Jahre • Bundesrepublik • Ehe • Emanzipation • Erfahrungen • Familie • Frauen • Frauenbewegung • Generation • Geschlechter • Kulturgeschichte • Mädchen • Moral • Pille • Selbstbestimmung • Sexualität • Verhütung
ISBN-10 3-8353-2090-4 / 3835320904
ISBN-13 978-3-8353-2090-1 / 9783835320901
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