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Wettkampf der Nationen (eBook)

Konstruktionen einer deutschen Ehrgemeinschaft an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit
eBook Download: PDF
2013 | 1. Auflage
555 Seiten
Wallstein Verlag
978-3-8353-2076-5 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Wettkampf der Nationen -  Caspar Hirschi
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In jüngerer Zeit wird in den Sozialwissenschaften die Ansicht vertreten, Nationen seien Erzeugnisse der Moderne. Caspar Hirschis Theorie lautet gegenläufig, dass die Nationenbildung einen diskontinuierlichen Prozess von langer Dauer darstellt, der in Europa schon im Spätmittelalter eingesetzt hat. In Deutschland kommt den Humanisten besondere Bedeutung zu. Sie greifen die Propaganda der habsburgischen Kaiser an die Reichsstände auf und kombinieren sie mit politischen Diskursen der Antike. Damit begründen sie neue Formen der kollektiven Ehre und Ausgrenzung. Die eigene Gemeinschaft steht nicht mehr einer einheitlichen Masse von Heiden oder Barbaren gegenüber, sondern einer Vielzahl von Gemeinschaften, die kategorial gleich sind: Nationen. Dieses Gleich-zu-Gleich von autonomen Ehrgemeinschaften führt zu einem umfassenden Wettkampfkonzept. Diskurse entstehen, die die Überlegenheit der eigenen Nation beweisen sollen. Sie verleihen jeder Nation einen vermeintlich unverwechselbaren, realiter oft austauschbaren Charakter, der aus antiken Tugend- und Lasterkatalogen zusammengesetzt ist. Der humanistische Wettkampf der Nationen wird von der Konfessionalisierung abgebremst, trägt danach aber zum Siegeszug des modernen Nationalismus bei.

Caspar Hirschi, geb. 1975, studierte Geschichte und deutsche Literatur an den Universitäten Tübingen und Fribourg, wo er seit 2001 als Assistent frühneuzeitliche Geschichte lehrt. Publikationen zur Kunsttheorie Immanuel Kants, zum postmodernen Identitätsdiskurs und zum Nationskonstrukt des deutschen Humanismus.

Caspar Hirschi, geb. 1975, studierte Geschichte und deutsche Literatur an den Universitäten Tübingen und Fribourg, wo er seit 2001 als Assistent frühneuzeitliche Geschichte lehrt. Publikationen zur Kunsttheorie Immanuel Kants, zum postmodernen Identitätsdiskurs und zum Nationskonstrukt des deutschen Humanismus.

Inhalt 6
Dank 10
Einleitung 12
1. Theorie 18
Aufbau und Argumentation 20
1.1. Die Nation: Ein Kind der Moderne? 24
1.2. Die Methodenfrage 46
1.3. Der Humanismus: Vater der Moderne? 65
2. Von der Antike zum Humanismus: 78
Aufbau und Argumentation 80
2.1. Der Diskurs der patria: Monarchische Elitendisziplinierung 85
2.2. Von der natio zur Nation 125
3. Der italienische Humanismus: Kulturimperialismus als Anstoß der Nationalisierung 176
Aufbau und Argumentation 178
3.1. Antibarbaries 182
3.2. Der Barbarendiskurs der griechischen und römischen Antike 183
3.3. Die Italia im italienischen Humanismus 189
3.4. Das stereotype Bild der Deutschen im italienischen Humanismus 244
4. Humanistischer Nationalismus in Deutschland 252
Aufbau und Argumentation 254
4.1. Das agonale Prinzip 259
4.2. Antibarbaries 303
4.3. Antiromanitas 321
4.4. Nationalisierung der prisca theologia: Der Druidenmythos 349
Der Druidenmythos 349
4.5. Sozialgeschichte 358
des humanistischen Nationalismus 358
5. Deutsche Nationsdiskurse im Zeitalter 382
Aufbau und Argumentation 384
5.1. Von der »libertas Germaniae« zur »teutschen Libertät« 390
5.2. Reformation, Glaubensspaltung und konfessioneller Nationsdiskurs 414
5.3. Kontinuität und Transformation des humanistischen Nationsdiskurses 442
5.4. Die Kombination der Nationsdiskurse im Schmalkaldischen Krieg 464
5.5. Die Vereinheitlichung von Reichs- und Sprachgrenzen im Fürstenkrieg 482
5.6. Nationsdiskurse im konfessionellen Zeitalter: Eine Stütze der Reichseinheit? 486
Vom Humanismus zum Holocaust? – Ausblick und Schluss 490
Literaturverzeichnis 503
Register der Personen- und Kollektivnamen 542
Register der geographischen Namen 553

3. Der italienische Humanismus: Kulturimperialismus als Anstoß der Nationalisierung (S. 177-178)

Aufbau und Argumentation


Setzt sich Kapitel 2 mit den außeritalienischen Voraussetzungen des humanistischen Nationalismus in Deutschland auseinander, so geht es im Folgenden um die Anstöße aus Italien. Dabei interessiert weniger die Frage, wer was von wem gelesen hat, d.h., auf welchen Wegen literarische Motive tradiert und transformiert worden sind, als die diskursive Konstruktion des kollektiv Eigenen und Fremden. Durch den provokativen Charakter dieser Konstruktion, so die hier vertretene Auffassung, intensiviert der italienische Humanismus die Nationalisierung Europas. Daher geht dieses Kapitel den Konstanten und Variablen des humanistischen Italiendiskurses nach.

Das methodische Leitprinzip lautet, den italienischen Humanismus als autonome Formation zu erfassen, aus seinen Eigenheiten aber die Hauptwirkung auf den Nationalismus deutscher Humanisten abzuleiten. Aus diesem Grund erhält Petrarca, der Vater des humanistischen Italiendiskurses, mehr Raum als Enea Silvio oder Flavio Biondo, die den deutschen Humanisten Baumaterial für ihre eigene Nationskonstruktion geliefert haben.

Der Renaissance-Humanismus in Italien entwickelt kein Nationskonzept; Italien steht im humanistischen Diskurs nicht einer Vielzahl anderer Nationen gegenüber, sondern bildet eine Insel der Zivilisation, umspült vom Meer der Barbarei. Die Sicht italienischer Humanisten auf die Welt ist vornehmlich bipolar, nicht multipolar. Das hat weitreichende Folgen: Die italienischen Humanisten suchen selten den Wettstreit mit Gelehrten außerhalb Italiens. Wo keine Gemeinsamkeiten zugestanden werden, entsteht keine Konkurrenz. Die Fallhöhe von der Zivilisation zur Barbarei lässt keine Fragen offen. Die Aggressionen der Zivilisierten beschränken sich auf Terraingewinne gegen die Barbarei. Das humanistische Italienkonzept ist daher als imperialistisch zu bezeichnen. Die Unterschiede zum späteren Nationskonzept deutscher Humanisten sind auffällig.

Grundlegend für die Konstruktion Italiens wird der Barbarendiskurs. Die Humanisten ersetzen das mittelalterliche Barbarenbild nicht einfach durch das antike. Ihr Konzept von Zivilisation und Barbarei ist starrer als das der Griechen und Römer. Dem antiken Zivilisationsmodell wohnt, bedingt durch das zyklische Geschichtsdenken, ein ambivalentes Moment inne: Hohe Kultur bricht notwendig in ursprüngliche Rohheit zusammen. Anders im Humanismus: Die vom antiken Rom begründete Ordnung beansprucht überzeitliche Geltung. Die politischen und kulturellen Verhältnisse der europäischen Gegenwart dagegen erscheinen als verkehrte Welt. Dominiert im antiken Barbarenkonzept die ethnographische Deskription, so im humanistischen die Polemik.

Erscheint lt. Verlag 1.11.2013
Verlagsort Göttingen
Sprache deutsch
Themenwelt Geschichte Allgemeine Geschichte Neuzeit (bis 1918)
Geisteswissenschaften Geschichte Regional- / Ländergeschichte
Sozialwissenschaften Politik / Verwaltung
Sozialwissenschaften Soziologie
Schlagworte Deutschland • Europa • Gemeinschaften • Geschichte • historisch • Humanismus • Italien • Kulturgeschichte • Ländergeschichte • Mittelalter • Moderne • Nation • Nationalismus • Nationen • Neuzeit • Sozialgeschichte • Staaten
ISBN-10 3-8353-2076-9 / 3835320769
ISBN-13 978-3-8353-2076-5 / 9783835320765
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