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Urbanes Zusammenleben (eBook)

Zum Umgang mit Migration und Mobilität in europäischen Stadtgesellschaften
eBook Download: PDF
2009
261 Seiten
VS Verlag für Sozialwissenschaften
978-3-531-91913-3 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Urbanes Zusammenleben - Wolf-Dietrich Bukow
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Das urbane Zusammenleben beschäftigt die Menschen, seitdem sich Städte e- wickelt haben. Aber es beschäftigt sie trotz aller gesellschaftlicher Veränder- gen offensichtlich weniger in der Alltagspraxis als vielmehr in der Öffentlichkeit und in politischen Debatten. In der Alltagspraxis herrscht trotz eines zunehm- den gesellschaftlichen Wandels eine relativ große Gelassenheit. In der Politik werden dagegen ständig neue Erkenntnisse und Positionen formuliert. Die poli- schen Deutungen weisen mitunter ein recht knappes Verfallsdatum auf. Man bekommt dabei den Eindruck, dass die Bevölkerung letzten Endes den Hera- forderungen oft eher gewachsen ist als zum Beispiel die Politiker. Um das zu erkennen braucht man nur einen Blick auf die einschlägigen Begrifflichkeiten zu werfen. Nimmt man den Begriff „Ausländer“, so wird das Problem schnell deutlich. Nachdem vor allem durch den Mauerbau 1961 die Ost-Westmobilität gestoppt wurde, hat man ganz massiv Menschen aus dem Mittelmeerraum angeworben. Da sie aber nur als zeitweiliger Ersatz für die „Flüchtlinge aus der damaligen DDR“ betrachtet wurden, benötigte man für sie einen spezifischen Begriff, der genau dies zum Ausdruck bringen sollte. Und da der historisch vertraute Begriff des „Fremdarbeiters“ durch den Nationalsozialismus diskreditiert war, schien zunächst der Begriff „Gastarbeiter“ optimal. Er stellte ein dem Nachkriegsze- geist geschuldetes politisch korrektes funktionales Äquivalent dar. Und als dann die „Gastarbeiter“ blieben, wurde daraus der Begriff „Ausländer“, der sich - nächst in der Öffentlichkeit, dann aber auch im Alltag durchsetzte. Der „Gast- beiter“ war ja jetzt nicht mehr automatisch Arbeiter, sondern zunehmend häufig auch Arbeitsloser.

Dr. Wolf-Dietrich Bukow ist Professor für Erziehungs- und Kultursoziologie und Geschäftsführender Direktor der Forschungsstelle für interkulturelle Studien (FiSt) an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln.

Inhalt 6
Vorbemerkung 9
1 Warum es schwierig ist, einen angemessenen Zugang zur Thematik zu finden 14
1.1 Der wissenschaftliche Umgang mit Mobilität bzw. migrationsspezifischer Mobilität muss überdacht werden 15
1.2 Eine Neupositionierung der gesellschaftspolitischen Diskussion ist überfällig 35
2 Welche Bedeutung Mobilität im Übergang zur Postmoderne gewinnt 57
2.1 Wie man sich in der Stadtgesellschaft mit Mobilität arrangiert 58
2.2 Auf dem Weg von informeller zu struktureller Akkommodation: Zwei Beispiele 99
2.3 Welche Bedeutung Mobilität im globalen Kontext gewinnt 114
3 Von der Beharrlichkeit nationaler Erzählungen 148
3.1 Wenn das urbanen Zusammenleben in die Diskussion gerät 149
3.2 Gebetsstätte oder Islamischer Brückenkopf? Das Moscheeprojekt in Köln- Ehrenfeld 154
3.3 „Ethnic Theme Park“ oder „Parallelgesellschaft“? Noch einmal zur Keupstraße 172
3.4 Rassistische Kontextualisierungen und kein Ende 194
4 Zusammenfassende Überlegungen 219
4.1 Zusammenleben ist eine Frage wohlverstandener Routine 220
4.2 Warum kritische Debatten zur Sicherung des urbanen Zusammenlebens immer wichtiger werden 230
Literaturverzeichnis 241

2 Welche Bedeutung Mobilität im Übergang zur Postmoderne gewinnt (S. 59-60)

Vergegenwärtigt man sich die einzelnen Elemente jener wissenschaftlichen „Grundmelodie“ bzw. – wenn es richtig ist, dass hier Wissenschaft und Öffentlichkeit oft konform gehen – jenes Kulturprogramms an nationalen Erzählungen und bedenkt man die jeweiligen Implikationen, so wird schnell klar, wie wichtig es ist, in Umkehrung der Perspektive Migration und migrationsspezifische Mobilität nicht länger im Sinn eines zu vermeidenden Sonderfalles, sondern umgekehrt im Sinne eines substantiellen, basalen Geschehens zu betrachten.

Von daher ist es systematisch zu reinterpretieren und im Kontext der Stadtgesellschaft zurechtzurücken. Genau genommen ist hier freilich die europäische Stadt, bzw. die metropolitane Stadt gemeint. Das ist oben ja auch schon stillschweigend so vorausgesetzt worden.28 Es ist wichtig, das in Erinnerung zu behalten, da sich nicht alle Stadtgesellschaften gleich entwickelt haben. Es gibt auch Stadtgesellschaften, die ein völlig anderes Bild bieten.

Hier ist vor allem an die hoch segmentierte und extrem gestreute amerikanische Stadt zu denken. Während nämlich die europäische Stadt trotz aller Veränderungen in den letzten hundert Jahren (Feldkeller 2001) bis heute eine verdichtete, binnendifferenzierte und zentripedale Struktur mit Zentrumsstrukturen aufweist und durch einen schnellen Wechsel von öffentlichem und privatem Raum geprägt ist, breitet sich die typische amerikanische Stadt29 extrem segmentiert, extrem entmischt, zentrifugal und ohne wirkliches Zentrum uferlos in die Fläche aus und verzichtet zudem weitgehend auf öffentliche Räume, so dass sich urbanes Zusammenleben auf funktional begrenzte rechtlich gesehen private Zonen (Arbeitsplatz, Shopping Mall, Fastfood-Restaurants, Schulen, Kirchen) beschränkt.

Die europäische Stadt hat dagegen eine metropolitane Funktion übernommen, das umgebende Land mit geprägt, gewissermaßen von sich abhängig gemacht und insofern eine Schrittmacherfunktion übernommen. Die typische amerikanische Stadt hat solche metropolitanen Funktionen kaum und wenn dann nur rudimentär entwickelt. Es gibt dort freilich auch einige wenige metropolitan funktionierende Städte wie New York oder San Francisco. Sie sind jedoch die Ausnahme. Man kann sich vorstellen, dass sich der Umgang mit mobilitätsgenerierter Vielfalt völlig unterschiedlich Hier geht es also um die europäische Stadt.

Dabei soll schrittweise verfahren und zunächst die gesamte Thematik aus der Perspektive jenes Kulturprogramms heraus gelöst werden. Dabei werden die Migration und die migrationsrelevante Mobilität im Kontext de Postmoderne, genauer im Kontext des Übergangs zur Postmoderne bzw. der sich entwickelnden transmodernen Weltgesellschaft eingeordnet und genauer differenziert. Damit sollten ausreichende Grundlagen für die Diskussion dieser beiden Prozesse im urbanen Zusammenleben zur Verfügung stehen. darstellt.

Erscheint lt. Verlag 3.11.2009
Reihe/Serie Interkulturelle Studien
Interkulturelle Studien
Zusatzinfo 261 S.
Verlagsort Wiesbaden
Sprache deutsch
Themenwelt Geschichte Teilgebiete der Geschichte Kulturgeschichte
Sozialwissenschaften Politik / Verwaltung
Sozialwissenschaften Soziologie
Schlagworte Gesellschaft • Migration • Mobilität • Multikulturelle Gesellschaft • Nation • Pädagogik • Parallelgesellschaft • Postmoderne • Soziologie • Stadt • Stadtsoziologie
ISBN-10 3-531-91913-X / 353191913X
ISBN-13 978-3-531-91913-3 / 9783531919133
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