Die Jothamfabel und außerisraelitische Parallelen (eBook)
102 Seiten
Vandenhoeck & Ruprecht Unipress (Verlag)
978-3-86234-005-7 (ISBN)
Dr. theol. Eberhard Ruprecht promovierte in Heidelberg im alttestamentarischen Bereich. Er ist Pfarrer im Ruhestand.
Dr. theol. Eberhard Ruprecht promovierte in Heidelberg im alttestamentarischen Bereich. Er ist Pfarrer im Ruhestand.
Vorwort 7
Inhalt 9
I. Historische und traditionsgeschichtliche Hintergründe der Jothamfabel 11
1. Der Aufbau und die Zielrichtung der Jothamfabel 11
2. Der König als Schatten spendender Baum in der altorientalischen Königsideologie 19
II. Die Fabel als Gattung 29
1. Zur Herkunft der Fabel als Erzählform 29
2. Tiere oder Pflanzen als Handlungsträger 34
3. Exkurs zu tiergestaltigen Göttern und Mischwesen 34
4. Fabelgestalt und Metapher 37
5. Schriftlose Kulturen und Subkulturen als Heimat der Fabel 41
III. Außerisraelitische Parallelen zur Jothamfabel 45
1. Drei afrikanische Fabeln 45
2. Einige Äsopische Fabeln aus der klassischen Antike 53
3. Zwei altindische Fabeln aus dem Pantschatantra 67
4. Die chinesische Fabel vom Fuchs und dem Tiger 75
5. Zwei russische Fabeln 76
6. Eine indianische Fabel aus Südamerika: »Die aufgeblasene Kröte« 90
7. Eine jüdische Fabel vom König als giftigem Baum 94
IV. Ergebnis 97
Verzeichnis der zitierten Literatur 101
"IV. Ergebnis (S. 95-96)
Wir sahen, daß die Jothamfabel von dem kläglich gescheiterten Versuch der Bäume erzählt, einen König zu wählen. Die Fruchtbäume wollen nicht König über die andern sein, weil sie dann über ihnen schwebend entwurzelt wären, so daß sie ihre Früchte wie ihre Blätter verlören. So steht der am Schluß gefragte Dornstrauch als eine entlarvende Karikatur der wahren Natur des Königtums da, wenn er voller Ironie Schutz im Schatten seiner Dornen anbietet. Damit wird der Anspruch der altorientalischen Könige, sie könnten ihren Untertanen in ihrem Schatten Schutz bieten, der Lächerlichkeit preisgegeben. In den uns erhaltenen literarischen Zeugnissen z.B. des Alten Orients gibt es nirgends eine solche kritische Einstellung gegenüber dem Königtum, die seine Existenzberechtigung bestreitet.
Das wäre auch nicht zu erwarten, ja undenkbar; denn die Schriftkultur lebt vor allem am Königshof und im Bereich der königlichen Verwaltung, in einer mit dem Hof verbundenen Oberschicht, in der absolute Loyalität dem König gegenüber eine Selbstverständlichkeit ist. Die Jothamfabel steht dagegen mit ihren Parallelen in einem breiten vorliterarischen Traditionsstrom, der nicht etwa durch die Schriftkultur abgelöst wird, sondern neben dieser in der nicht schriftkundigen Unterschicht weiterlebt. Hier bekommt die Fabel eine etwas abgewandelte Funktion. Sie ermöglicht es, verschlüsselt in einer Tier- oder Pflanzenfabel den Mächtigen gegenüber unerwünschte Kritik zu äußern. Sie wird hier zum Kampfmittel.
Es ist überraschend, daß in fast allen hier vorgeführten Fabeln ein gemeinsames Motiv immer wieder auftaucht: »Der König frißt seine eigenen Untertanen. « Das bedeutet, die Abgaben, die der König verlangt, sind so hoch, daß die Existenzgrundlage der Untertanen zerstört wird. »Er schlachtet die Kuh, die er melken wollte«, um das Gleiche in der Formulierung eines Sprichwortes zu sagen. Daß unsere Fabeln in diesem Punkt voneinander abhängig wären, ist angesichts der räumlich und zeitlich weiten Streuung ihrer Fundorte denkbar unwahrscheinlich. Es sind offenbar gleichartige Erfahrungen bei dem Problem der Abgaben, die das Königtum für einen erheblichen Teil der Untertanen immer wieder als existenzbedrohend erleben lassen.
Die Jothamfabel setzt mit ihrer Kritik an einem andern Punkt an: der König ist nutzlos und unproduktiv und nicht fähig, den Schutz zu bieten, dessen er sich rühmt. Somit hat er schlechterdings nichts zu bieten, das ihm eine Existenzberechtigung gäbe. Die Jothamfabel ist offenbar in einer leidenschaftlichen Gesprächssituation um das Für und Wider des Königtums entstanden. Fragen wir, wann es eine so kontroverse Diskussion um das Königtum in Israel gab, so ist das auf jeden Fall in der frühen Königszeit der Fall. Man denke nur an so gegensätzliche Positionen wie die Sebas, der zum Aufstand gegen David aufrief mit dem Ruf: »Wir haben keinen Teil an David, kein Erbe an dem Sohn Isais! Ein jeder zu seinen Zelten, Israel!« (2. Sam 20,1) und die Abordnung der Ältesten Israels (2. Sam 5,3), die David das Königsamt über die Stämme Israels anboten."
| Erscheint lt. Verlag | 12.9.2003 |
|---|---|
| Verlagsort | Göttingen |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Geschichte ► Teilgebiete der Geschichte ► Kulturgeschichte |
| Geschichte ► Teilgebiete der Geschichte ► Religionsgeschichte | |
| Geisteswissenschaften ► Religion / Theologie | |
| Schlagworte | 7-21 • 9 • Formgeschichte • Richter (Buch) • Richter (Buch), 9,7-21 • Traditionsgeschichtliche Forschung |
| ISBN-10 | 3-86234-005-8 / 3862340058 |
| ISBN-13 | 978-3-86234-005-7 / 9783862340057 |
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