Junge Migranten online (eBook)
VIII, 320 Seiten
VS Verlag für Sozialwissenschaften
978-3-531-91384-1 (ISBN)
Jenseits der enggeführten Debatte über die Entstehung 'virtueller Parallelgesellschaften' zeigt der Band am Beispiel junger Türken in Deutschland empirisch-qualitativ auf, wie sie sich Online-Communities zunutze machen, um dort soziale Anerkennung zu finden und sich ihrer national-ethnisch-kulturellen Zugehörigkeit zu vergewissern.
PD Dr. Kai-Uwe Hugger ist Akademischer Oberrat an der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Bielefeld.
PD Dr. Kai-Uwe Hugger ist Akademischer Oberrat an der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Bielefeld.
Inhaltsverzeichnis 6
Einleitung 10
1. Theoretischer Rahmen 18
2. Das Feld der Online-Communities für junge Türken in Deutschland 69
3. Untersuchungsdesign 103
4. Fallrekonstruktionen 112
5. Zentrale Dimensionen der Verarbeitung natioethno- kultureller Hybrididentität im Internet: Vergleichende Analyse 250
6. Verarbeitungstypen natio-ethno-kultureller Hybrididentität im Internet 267
7. Zusammenfassung und Desiderate 281
Literatur 291
Abbildungsverzeichnis 306
Tabellenverzeichnis 307
Anhang 308
"6. Verarbeitungstypen natio-ethno-kultureller Hybrididentität im Internet (S. 267-268)
Die Frage nach der Identitätsrelevanz von Online-Communities, die an türkische Jugendliche bzw. junge Erwachsenen der zweiten und dritten Migrantengeneration in Deutschland gerichtet sind, lässt sich – dies machen die Fallrekonstruktionen deutlich – anhand des Zusammenhangs beantworten, in dem Zugehörigkeit und Anerkennung in natio-ethno-kultureller Perspektive miteinander stehen. Demnach zeigt sich insgesamt, dass sie den Jugendlichen dazu dienen, ihre natio-ethno-kulturelle Hybrididentität zu verarbeiten, d.h. sich in der Online- Welt ihrer Zugehörigkeit zu vergewissern und ihre Anerkennungsprobleme, die mit deren Ungewissheit verbunden sind, zu bewältigen.
Kennzeichnend für die Verarbeitungsweisen ist, dass sich ihr Wert für die türkischen Jugendlichen nicht alleine aus einer individuellen Leistung ergibt, sondern erst in Verbindung mit dem sozialen Bezugsrahmen, den ihnen die Communities bereitstellen. Mithilfe der Typenbildung, deren Ergebnisse ich im Folgenden darstelle, fokussiere ich die Analyse der einzelnen Fälle, um die charakteristischen Kennzeichen des Untersuchungsobjekts hervorzuheben. Auf diese Weise sollen sowohl wichtige Gemeinsamkeiten wie Ähnlichkeiten als auch Unterschiede im Datenmaterial sichtbar werden.
Die vorgestellte empirisch begründete Typenbildung hat vor diesem Hintergrund insbesondere heuristischen Wert (vgl. Kelle/Kluge 1999). Ihr Zweck liegt vor allem darin, auf der Grundlage der detaillierten Einzelfallanalyse und des Vergleichs der zentralen Dimensionen im vorigen Kapitel die hervorstechenden Sinnzusammenhänge zwischen den gefundenen Kategorien bzw. Merkmalen noch einmal zu pointieren. Mein Vorgehen orientiert sich an den vier Auswertungsschritten, die Kelle/Kluge (ebd., 81f.) für den Prozess der Typenbildung als maßgeblich betrachten:
1) Die Erarbeitung relevanter Vergleichsdimensionen, bei der es darum geht, „jene Kategorien bzw. Merkmale zur erarbeiten und zu definieren, mit deren Hilfe die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den Untersuchungselementen (…) angemessen erfasst und anhand derer die ermittelten Gruppen und Typen schließlich charakterisiert werden können"" (ebd., 81). Kennzeichnend für eine qualitative Studie ist dabei, dass die relevanten Merkmale und ihre Ausprägungen erst im Laufe des Auswertungsprozesses bestimmt werden können, und zwar unter Hinzuziehung des Datenmaterials und theoretischer Aspekte, die sich aufgrund der Forschungsfrage ergeben. Zu den zentralen Vergleichskategorien, die sich in meiner Untersuchung herauskristallisiert haben, zählen insbesondere Zugehörigkeit und Anerkennung, aber auch die Frage der sozialen Verankerung der Jugendlichen in der Online- Community.
2) Im zweiten Auswertungsschritt werden die Fälle anhand der definierten Vergleichsdimensionen und ihrer Ausprägungen gruppiert und die entstehenden Gruppen in Bezug auf empirische Regelmäßigkeiten analysiert. Dies erfolgt nach Kelle/Kluge mithilfe der (Re-)Konstruktion eines „Merkmalsraums"" (Lazarsfeld 1937, Barton 1955), der der Typologie zugrunde liegt. Der Merkmalsraum entsteht aus der Kombination der für die Charakterisierung der Typen relevanten Kategorien bzw. Subkategorien und Merkmale. Angewendet auf diese Untersuchung ist der Zusammenhang zu analysieren, in dem Anerkennung und Zugehörigkeit mit Blick auf einzelne Fälle stehen.
Die Kategorie „Anerkennung"" lässt sich dabei im Kern in zwei Sub-Kategorien dimensionalisieren: „Anerkennung in der Online-Community (OC)"" und „Soziale Verankerung in der OC"". Allerdings mussten diese beiden Sub-Kategorien erst aus einer Reihe von Faktoren entwickelt werden, die zur Frage der Anerkennung in Online-Communities für türkische Jugendliche auf der einen Seite sehr vielschichtige Antwortperspektiven liefern, auf der anderen Seite den Fallvergleich durch diese Differenziertheit erschwerten. Aus diesem Grund habe ich zwei Messeinheiten bestimmt, die es erlauben, diese Faktoren sowohl zusammenzufassen als auch zu gewichten. Die erste Messeinheit konkretisiert sich in der Kategorie „Anerkennung in der Online-Community (OC)"". "
| Erscheint lt. Verlag | 29.1.2009 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Medienbildung und Gesellschaft | Medienbildung und Gesellschaft |
| Zusatzinfo | VIII, 320 S. |
| Verlagsort | Wiesbaden |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Geisteswissenschaften |
| Sozialwissenschaften ► Pädagogik ► Sozialpädagogik | |
| Sozialwissenschaften ► Politik / Verwaltung | |
| Schlagworte | Communities • Einwanderer • Erziehungswissenschaft • Internet • Internetlandschaft • Jugend • Kommunikation • Medienbildung • Medienkommunikation • Medienpädagogik • Migranten • Migration • Online-Communities • Pädagogik • Parallelgesellschaften • Partizipation |
| ISBN-10 | 3-531-91384-0 / 3531913840 |
| ISBN-13 | 978-3-531-91384-1 / 9783531913841 |
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