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Professionalität in der Schuldnerberatung (eBook)

Handlungstypen im Vergleich

(Autor)

eBook Download: PDF
2008
XII, 264 Seiten
VS Verlag für Sozialwissenschaften
978-3-531-90977-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Professionalität in der Schuldnerberatung - Monika Thomsen
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Im Rahmen dieser Abhandlung werden aufgrund von zwanzig qualitativen Interviews sechs Typen professioneller Selbstverständnisse von Schuldnerberaterinnen und -beratern rekonstruiert, die sich in erster Linie auf die konkrete Gestaltung der Beratungssituation beziehen. Wesentlich hierfür sind Unterschiede bezüglich der Kategorien 'Beratungsorientierung', 'emotionale Haltung' und 'Positionierung zwischen Schuldner und Gläubiger'. Diese zentralen Kategorien korrespondieren mit individuellen Faktoren der beratenden Personen sowie den strukturellen Rahmenbedingungen der jeweiligen Organisation, in der die Berater tätig sind, welche allerdings für die Typenbildung nur eine nachrangige Rolle gespielt haben.

Dr. Monika Thomsen übt eine Lehrtätigkeit im Bereich der Schuldnerberatung und Gender/Arbeitsmarktpolitik aus.

Dr. Monika Thomsen übt eine Lehrtätigkeit im Bereich der Schuldnerberatung und Gender/Arbeitsmarktpolitik aus.

Danksagung 5
Inhaltsverzeichnis 6
Abkürzungsverzeichnis 10
1. Einleitung 12
2. Professionalisierung und Professionalität im Rahmen von Schuldnerberatung 16
2.1. Theoretische Überlegungen zur Professionalisierbarkeit von Schuldnerberatung 18
2.2. Professionalisierungsbemühungen im Feld Schuldnerberatung 35
2.3. Das professionelle Selbstverständnis der Schuldnerberater 46
3. Rahmenbedingungen von Schuldnerberatung 49
3.1. Gesetzliche Regelungen 49
3.2. Finanzierung 62
3.3. Organisation von Schuldnerberatung 68
3.4. Akteure im Feld 73
3.5. Ausmaß des Problems Überschuldung 77
3.6. Fazit 78
4. Forschungsansatz 80
4.1. Methodologische Vorüberlegungen 80
4.2. Erhebungsmethode 83
4.3. Auswahl der Interviewpartner 85
4.4. Analysemethode 88
4.5. Darstellung 90
5. Eine Typologie der professionellen Selbstverständnisse von Schuldnerberatern 92
5.1. Typ I: Die Vermittler 97
5.2. Typ II: Die Persönlichen 120
5.3. Typ III: Die kühlen Rechner 124
5.4. Typ IV: Die Mütter und Väter 136
5.5. Typ V: Robin Hood 152
5.6. Typ VI: Der Finanzdienstleister 165
5.7. Idealtypische Zusammenfassung der professionellen Selbstverständnisse 185
6. Interdependenzen von Qualifikation sowie Strukturbedingungen und professionellem Selbstverständnis 188
6.1. Einflüsse der Qualifikation 188
6.2. Organisationale Einflüsse 200
6.3. Einflüsse der Finanzierung von Schuldnerberatung 210
6.4. Einflüsse des Insolvenzverfahrens 222
6.5. In- und externe Kooperationspartner 229
6.6. Fazit 240
7. Zusammenführung der Ergebnisse und Ausblick 242
Literaturverzeichnis 251
Anhang 1 – Transkriptionsregeln 268
Anhang 2 – Finanzierung der einzelnen Beratungsstellen 269
Anhang 3 – Umgang mit einschränkenden Rahmensbedingungen 270
Anhang 4 – Verhältnis der Berater zu unterschiedlichen Stellen 271

5. Eine Typologie der professionellen Selbstverständnisse von Schuldnerberatern (S. 95-96)

Wie in Kapitel 2.1. dargestellt, skizziert Oevermann Professionalität im Rahmen von Therapie ausschließlich innerhalb des je individuellen Berater-Klienten-Verhältnisses. Auch für die Schuldnerberater hat sich die Beratungsbeziehung, die im Rahmen der Einzelfallarbeit konstituiert wird, als Ort erwiesen, an dem sich unterschiedliche professionelle Selbstverständnisse herauskristallisieren, allerdings mit dem Zusatz, dass gleichzeitig die Gläubiger in den Blick genommen werden. Die Beratungsbeziehung zeichnet sich dadurch aus, dass sie weitgehend unter Ausschluss einer wie auch immer gearteten Öffentlichkeit konstituiert wird.

Vorgesetzte können zwar Vorgaben in Bezug auf die Zeit oder zu produzierende Ergebnisse wie z.B. Übersichten oder Akteneinträge machen. Wie die Berater aber zu den Ergebnissen kommen, wie sie mit den Klienten umgehen, wo sie Schwerpunkte in der Beratung setzen etc., kann nicht kontrolliert werden. Die Schuldnerberater können die Beratungsbeziehung also autonom gestalten. Herr Pit spricht deshalb auch davon, dass Berater in der Einzelfallarbeit mit den Klienten nach ihrer eigenen subjektiven Profession (04 Z. 450) arbeiten können.

Bei der Analyse der Daten schälten sich drei Kategorien heraus, die für das professionelle Selbstverständnis der Berater konstitutiv erschienen. Die erste Kategorie wird als „Beratungsorientierung" bezeichnet. So zeigen sich Berater in der Beratung primär an den Finanzen, am Recht oder am jeweiligen Einzelfall orientiert. Die ersten beiden Orientierungen sind eher als funktional einzustufen. Im Fokus der Berater liegt die Bearbeitung des Schuldenproblems, und zwar in kaufmännischer oder in rechtlicher Hinsicht. Dieses muss „gelöst" werden, entweder durch die Beseitigung der Schulden oder durch die Klärung der Rechtslage. Orientieren sich die Berater dagegen am jeweiligen Einzelfall, so ist ihre Orientierung kommunikativ und interaktiv. Sie handeln gemeinsam mit den Schuldnern aus, was das Ziel der Beratung sein soll.

Die „Beratungsorientierung" beschreibt also eine Facette der Ausgestaltung des Arbeitsbündnisses zwischen den Professionellen und den Klienten. Im Speziellen geht es um das von Oevermann beschriebene Ausbalancieren von asymmetrischem Expertentum und symmetrischer Akzeptanz der Autonomie der Lebenspraxis. Die zweite Kategorie wird als„emotionale Haltung" insbesondere gegenüber den Klienten und den Gläubigern bezeichnet. Das Kontinuum reicht diesbezüglich von einer geschäftsmäßig distanzierten über eine emphatische Haltung bis zur Identifikation oder Projektion. Verhält sich ein Berater geschäftsmäßig distanziert, dann betont er die rollenförmigen Anteile der Beziehung.

Er agiert als Experte. Eigene Gefühle und die der Klienten spielen in der Beratung eine untergeordnete Rolle. Identifiziert er sich mit dem Schuldner oder mit dem Gläubiger oder projiziert etwas auf ihn, so betont er dagegen die diffusen Anteile der Beziehung. Die Arbeitsbeziehung nimmt damit Züge einer Privatbeziehung an. Gefühle, sowohl die der Klienten als auch die eigenen spielen eine große Rolle, auch wenn das den Beratern nicht immer bewusst zu sein scheint. Eine empathische Haltung schließlich ist dann gegeben, wenn der Berater alles, was Schuldner und Gläubiger bewegt, berücksichtigt, jedoch selbst darauf nicht so reagiert wie in Privatbeziehungen.

Empathische Berater nehmen die Gefühle der Klienten auf und versuchen, auch ihre eigenen Gefühle zu registrieren, agieren diese jedoch nicht aus. Insgesamt scheint es, wie die folgenden Ausführungen zeigen werden, jedoch ausreichend zu sein, lediglich zwischen einer Haltung, die durch eine emotionale Verwicklung des Beraters gekennzeichnet ist, und einer Haltung, die nicht durch eine solche Verwicklung gekennzeichnet ist, zu unterscheiden. In Ermangelung eines besseren Begriffs bezeichne ich letztere als „emotional distanziert". Die „emotionale Haltung" zeigt also insbesondere an, inwiefern sich Berater selbst als Personen in die Beratungsbeziehung einbringen oder, wie Oevermann es fordert, abstinent bleiben.

Erscheint lt. Verlag 17.7.2008
Zusatzinfo XII, 264 S.
Verlagsort Wiesbaden
Sprache deutsch
Themenwelt Geisteswissenschaften
Sozialwissenschaften Pädagogik Sozialpädagogik
Sozialwissenschaften Politik / Verwaltung
Schlagworte Beratungsorientierung • Gläubiger • Professionalisierung • Qualifikation • Schuldner • Soziale Arbeit
ISBN-10 3-531-90977-0 / 3531909770
ISBN-13 978-3-531-90977-6 / 9783531909776
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