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Soziale Arbeit in Gesellschaft (eBook)

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2008
VIII, 448 Seiten
VS Verlag für Sozialwissenschaften
978-3-531-90960-8 (ISBN)

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Soziale Arbeit in Gesellschaft -
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Die Bielefelder Arbeitsgruppe 8 Sozialarbeit/Sozialpädagogik hat in den letzten vier Dekaden deutliche Markierungen in der deutschsprachigen wie der internationalen Debatte um Soziale Arbeit gesetzt. Antriebsmotor dieser Entwicklung war und ist Hans-Uwe Otto. In diesem Band haben sich dessen Ko-Autorinnen und -Autoren aus Anlass seiner Pensionierung erstmals zu einer Gesamtschau dieser 'Bielefelder Forschungsperspektiven' auf die Soziale Arbeit versammelt.
Die acht zentralen Forschungs- und Themenfelder, die von der Bielefelder AG oder unter ihrer Beteiligung in den letzten Jahrzehnten bestellt wurden, gliedern den Band. Der gemeinsame Bezugspunkt aller hier versammelten Beiträge ist die Verbindung von Sozialer Arbeit und Gesellschaft: Soziale Arbeit als professionelle Instanz ist nur in ihrem gesellschaftlichen Kontext und damit in explizit gesellschaftspolitischer Positionierung realisierbar.

Bielefelder Arbeitsgruppe 8 'Sozialarbeit/Sozialpädagogik' an der Fakultät für Pädagogik der Universität Bielefeld.

Bielefelder Arbeitsgruppe 8 "Sozialarbeit/Sozialpädagogik" an der Fakultät für Pädagogik der Universität Bielefeld.

Inhalt 5
Vorwort 9
Soziale Arbeit in Gesellschaft. Eine Einleitung zur Werkschau 11
1. Einstieg: Gute Praxis erfordert eine gute Theorie 11
2. Die „Bielefelder Arbeitsgruppe 8“: Der kollegiale Zusammenhang in und über Bielefeld hinaus 13
3. Soziale Arbeit in Gesellschaft – eine Werkschau 16
4. Das analytische Dreieck mit (mindestens) fünf Ecken – zur Gliederung der „ Werkschau“ 17
5. Danksagung 19
1. Gesellschaftliche Perspektiven 22
Gesellschaftliche Perspektiven „ ein Überblick 23
I 23
II 26
III 31
IV 32
Gerechtigkeit, globale Sozial- und Sozialisationsstaatlichkeit 36
Soziale Arbeit im Dienste der Befähigungsgerechtigkeit 42
1. Soziale Arbeit als normativ-politische Praxis 42
2. Soziale Gerechtigkeit, Lebensqualität und das gute Leben 43
3. Perspektiven einer Befähigungsgerechtigkeit 45
4. Funktionen und Fähigkeiten, Handlungsfreiheit und Wohlergehen 46
Community culture and social welfare 48
1. The Arts in Cold War America 48
2. The Rise of Community Arts 49
3. Conservative Reaction 51
4. Conclusion 52
Soziale Prävention 53
2. Disziplin und Disziplinpolitik 60
Disziplin und Disziplinpolitik 61
1. Akademisierung der Ausbildung im Kontext der Erziehungswissenschaft 61
2. Professionalisierung der sozialpädagogischen Praxis 64
3 Gesellschaftstheoretische und -politische Fundierung von Disziplin, Profession und Praxis 66
Anwendungsbezogene Forschung 68
1. Die Erforschung der sozialpädagogischen Praxis 68
2. Sozialpädagogische Forschung in Bielefeld 70
Hilfe oder Dienstleistung? Ein allgemeinpädagogischer Blick auf die Sozialpädagogik 74
1. Einleitung 74
Wissenschaftlicher Nachwuchs und Soziale Arbeit 80
Sozialpädagogische Forschung und Forschungspolitik 86
1. Sozialpädagogische Forschung in Bielefeld im Überblick 87
2. Qualitative Merkmale der Bielefelder Forschung zur Sozialen Arbeit 89
3. Erträge und Perspektiven 90
Ausbildung für eine europäische Soziale Arbeit 92
3. Wissenschaftstheorie und Empirie 101
Wissenschaftstheorie und Empirie „ ein Situationsbild: Reflexive Wissenschaftstheorie, kognitive Identität und Forschung ( in) der Sozialpädagogik 102
Einleitung 102
1. Sozialpädagogische Wissensformen und Theorie/ Praxisrelationierungen 103
2. Kognitive Identität und Qualität von Forschung 107
3. Disziplin und Profession 111
Empirische Forschung und Soziale Arbeit 116
Sozialarbeitswissenschaft „ Vom Entschwinden eines Phantoms 123
1. Ausgangslage 123
2. Rekapitulation der Problemlage 123
3. Anspruch und Wirklichkeit – Personales Zentrum 124
4. Vom Verschwinden der Konturen zur Auflösung des Kerns 126
5. Vom Entschwinden eines Phantoms: Trauerarbeit? 129
Reflexive Sozialpädagogik: Professions- und/oder Wissenschaftspolitik? 131
1. Reflexive Professionalität 131
2. Kognitive Identität der Sozialpädagogik 134
3. Bilanz 136
4. Profession und Professionstheorie 139
Die Durchsetzung der Profession als Selbstfindungsprojekt der Disziplin „ Hans- Uwe Otto und die Professionalisierungsdebatte in der Sozialen Arbeit 140
Ungewissheit und pädagogische Professionalität 155
1. Ungewissheit im Prozess der Modernisierung 155
2. Ungewissheit und professionelles (pädagogisches) Handeln 156
3. Ungewissheit im Professionsmodell pädagogischer Kommunikation 158
Geliebt und nicht gewollt, bemängelt und nicht zu verwirklichen. Zur Professionalisierung der Sozialarbeit 162
Profession auf dem Prüfstand 170
I. 170
II. 171
III. 172
IV. 173
V. 174
VI. 176
Wider der Alltagsideologie der „hohen Ideale“ „ zur Idee einer „ realen Interessensolidarität“.* Professionalität und Politik bei Hans- Uwe Otto 179
1. Von der „erfahrungsgestützten“, normativen zur „ evidenzbasierten“ sozialpädagogischen Praxis 179
2. Die Professionellen der Sozialen Arbeit als die „designierten“ VertreterInnen sozialen Wandels 183
5. Adressatinnen und Adressaten 187
Vom Adressaten zum „Nutzer“ von Dienstleistungen 188
1. Grundlegende Ideen 188
2. Adressatenorientierte Forschung 189
3. „Dienstleistung“ als Konzeption und Forschungsprogramm 191
4. Von den Adressaten zu den Nutzern Sozialer Dienstleistung 193
Qualität in der Sozialen Arbeit 196
1. Einleitung 196
2. Qualität: Zwischen Nutzerinteresse und Kostenkontrolle? 197
3. Qualität als Verhandlung 198
Die AdressatInnen sozialräumlich orientierter Sozialer Arbeit und der Sozialraum als Adressat „ eine empirische Betrachtung 202
Nutzungs- und Bildungsforschung im Kontext des Internet 208
Einleitung 208
1. Forschung im Kompetenzzentrum Informelle Bildung (KIB) 208
2. Relationales Qualitätsverständnis 210
3. AdressatInnenorientierung im Internet 213
Uneingelöste Versprechungen: Von der bleibenden Notwendigkeit einer AdressatInnenorientierung in der Jugendhilfe 216
1. Partizipation und Ressourcenorientierung in einer dienstleistungsorientierten Jugendhilfe 216
2. Die Perspektive der Profession und Organisation 218
3. Fazit 221
Beteiligung von Kindern und Jugendlichen 224
1. Besonderheiten von Kinderbefragungen 226
2. Partizipationsbereitschaft und Partizipationsfähigkeit im Vor- und Grundschulalter 227
3. Fazit 231
6. Soziale Dienste Organisation und Institution) 232
Soziale Dienste „ Ein Überblick. Institutionelle und organisatorische Herausforderungen professionellen Handelns 233
1. Soziale Arbeit bedeutet professionelles Handeln in Organisationen 233
2. Empirische Konstruktionen und Dekonstruktionen 235
3. Soziale Arbeit, Sozialmanagement und Verwaltungsmodernisierung 238
4. Qualität, Wirksamkeit und was dann? 239
Soziale Arbeit statt Sozialmanagement 242
1. Zur Relevanz der Debatte um Konzepte des Sozialmanagements 242
2. „Sozialmanagement oder Management des Sozialen?“ 242
3. Sozialmanagement und Professionalität in der Sozialen Arbeit 244
4. Qualitätsmanagement und Professionalisierung 245
5. Sozialmanagement und Steuerungsphantasien des Managerialismus 247
Ergebnisse und Wirkungen im Feld der Sozialen Arbeit 250
1. Forschung über Ergebnisse und Wirkungen – eine grundlegend politische Fragestellung 250
2. Wirkungsorientierte Steuerung – Technologisierung Sozialer Dienste? 252
3. Empirische Wirkungsforschung – mehr als „What Works“? 253
4. Soziale Arbeit als evidenzbasierte Profession – der reflexive Nutzen von Wirkmechanismen 254
5. Bewertungsmaßstäbe für Wirkungen – Was sollen Soziale Dienste für wen bewirken? 255
Soziale Arbeit für den aktivierenden Staat 258
1. Vorbemerkung 258
2. Sozialpolitik und Soziale Arbeit: eine vergessene Dimension in der sozialpädagogischen Theoriebildung 259
3. Aktivierender Staat und Folgen für die Soziale Arbeit 262
Jugendamt trotz Verwaltungsmodernisierung 266
1. Wir erinnern uns 266
2. Zur Gegenwart 267
3. Die Bedrohungen der sozialpädagogischen Fachbehörde Jugendamt 268
4. Jugendamt trotz Verwaltungsmodernisierung 268
5. Jugendamt trotz Sozialraumorientierung 269
6. Jugendamt und veränderte Finanzausstattung 269
7. Jugendamt und Föderalismusreform I 271
7. Sozialpolitik 274
Soziale Arbeit und Sozialpolitik „ Notizen zu einem ambivalenten Verhältnis 275
1. Problemstellung 275
2. Die „Dienstleistungsstrategie“ in der Sozialpolitik: Soziale Arbeit als integraler Bestandteil von Sozialpolitik 278
3. Die Gleichzeitigkeit von Autonomisierung und Instrumentalisierung: die praktische Entwicklung eines ambivalenten Verhältnisses 280
4. Das Verhältnis von Sozialpolitik und Sozialer Arbeit im aktivierenden Sozialstaat 282
Normalität und Normativität. Bezugspunkte Sozialer Arbeit im Strudel wohlfahrtsstaatlicher Transformation 287
1. Sozialpolitik und Soziale Arbeit 287
2. Vom „Normalarbeitsverhältnis“ zum „Arbeitskraftunternehmer“ 288
3. Divergente Muster der Konstitution von Normalität 289
4. Soziale Arbeit im wohlfahrtsstaatlichen Umbruch: Kritik und Perspektiven 291
Sozialpädagogische und sozialpolitische Praxis „ einander ergänzende oder behindernde Lebensaufgaben? 294
1. Personenbezogene und politikbezogene Leistungen von Sozialpädagogen und Sozialarbeitern 294
2. Gemeinsamkeiten beider Leistungsformen 296
3. Wie weiter? 297
Jugendberichte und ihre (politische) Wirkung 301
1. Die Expertenkommission und ihre Zusammensetzung 302
2. Die Arbeitsweise der Kommission und die dafür notwendigen Rahmenbedingungen 303
3. Die Ergebnisse des Jugendberichtes und gesellschaftspolitische Einordnung 305
Die Sozialpädagogische Ordnung des Sozialen 307
1. Für eine Sozialpädagogische Ordnung des Sozialen durch die offensive Nutzung des Zeitfensters der aktuellen Hochschul- und Berufsbildungsreform 307
2. Dimensionen einer neuen Hochschul-, Berufsbildungs- und Bildungsreform für Soziale Berufe 309
3. Anstelle eines Schlusses: Die sozialpädagogische Ordnung des Sozialen als Jahrhundertchance erfordert Jahrhundertdenken 314
Ungleichheit in der frühen Kindheit 316
1. Inanspruchnahme der Kindertageseinrichtungen 317
2. Ungleichheit im Verlauf von Bildungsprozessen in Kindertageseinrichtungen 320
3. Wirkungen der Kindertageseinrichtungen 323
8. Bildung 327
Bildung. Zur Vermittlung von Jugendhilfe und Bildungspolitik 328
I. 328
II. 330
Menschenrechtsbildung und gesellschaftliche Bildung 337
1. Menschenrechte – Bürgerrechte, Weltgesellschaft – Einzelgesellschaft 337
2. Menschenrechtsbildung 338
3. Bereiche der gesellschaftlichen Bildung jenseits der civic education 339
4. Menschenrechtsbildung und die Bereiche der gesellschaftlichen Bildung – Versuch einer Gewichtung 342
Bildung und Lebenskompetenz. Ein neuer Begriff von Bildung? 343
1. Aktuelle Bildungsdiskurse – worum geht es? 343
2. Wo liegt die Messlatte? Neue Versuche, Bildung als Erwerb von ( Lebens-) Kompetenzen zu bestimmen 343
3. Bildung ist mehr! Für ein weit gefasstes Bildungsverständnis 345
4. Zukunftsfähige Bildung – auch für die Jugendhilfeklientel? 347
5. Welche Angebote können Jugendhilfe und Sozialpädagogik machen? 347
Qualität von Bildung 350
„Qualität von Wissen“ 352
Merkmale „guten Unterrichts“ 354
Wie misst man die Qualität von Bildung? 354
Was ist Lehrqualität? 355
Bildung als „Produkt“? Zum „Gebrauchswert“ von Bildung 356
Jugendhilfe und Schule 360
1. „Jugendhilfe und Schule“ heute – eine kurze Skizzierung 360
2. Schulbezogene Jugendhilfe 363
3. Ganztagsbildung 364
4. Kritische Soziale Arbeit im Kontext von „Jugendhilfe und Schule“ 364
Kooperation von Schule und Jugendhilfe „ die schulpädagogische Perspektive 367
1. Schule und Jugendhilfe – ein historischer Exkurs 367
2. Kooperationsbarrieren zwischen Schule und Jugendhilfe 368
3. Perspektiven der künftigen Kooperation 372
4. Fazit 376
Das »Netzwerk Bildung« als Ausdruck gesellschaftlicher Bildung 378
1. Vorbemerkungen 378
2. Sozialpädagogische Bildungsbezüge 379
3. Die Kinder- und Jugendhilfe als Ermöglichungsraum für gesellschaftliche Bildung 382
4. Das „Netzwerk Bildung“ als Antwort der Kinder- und Jugendhilfe 385
Zeitgemäße Bildung 391
Epilog 403
Schriftenverzeichnis von Hans-Uwe Otto 409
Monografien und Herausgeberschaften 409
Aufsätze und Beiträge 414
Autorinnen und Autoren 430

3. Wissenschaftstheorie und Empirie Wissenschaftstheorie und Empirie – ein Situationsbild: Reflexive Wissenschaftstheorie, kognitive Identität und Forschung (in) der Sozialpädagogik (S. 105-106)

Bernd Dewe

Einleitung

Wissenschaftstheorie und Empirie – ein Situationsbild Die wissenschaftstheoretische Rekonstruktion sozialpädagogischer Theorieüberlegungen verweist auf die besondere Bedeutung der Reflexivität in der Sozialpädagogik als struktur- und prozessreflexive Handlungswissenschaft. Sozialpädagogik kann von ihrer historischen Entwicklung her als professionalisierte Reflexionswissenschaft gedacht werden und zielt damit auf theoretische Ansätze zur Entwicklung eines angemessenen forschungsmethodischen Zugangsbedarfs, der die gesellschaftliche Realität der SA/SP in ihrer Komplexität und der das nutzerspezifische Potenzial in seiner Tiefendimension zu erschließen vermag.

Tatsächlich besteht ein hoher Bedarf an wissenschaftlich und empirisch fundierter Reflexionskompetenz in der sozialpädagogischen Theorie und Praxis. Hierzu sind theoretische Grundlagen eines reflexiven Verständnisses ebenso wichtig wie die Transformation wissenschaftlicher Reflexion in die berufliche Praxis. Reflexion wird evoziert in Organisationen Sozialer Arbeit, in wissenschaftlichen Evaluationen, in der beruflichen Supervision, bei der Hilfeplanung und in der Beratung. Dabei geht es zum einen um den Erwerb professioneller Reflexionskompetenz und zum anderen um die Anleitung zur Reflexion.

Die hier zu rekonstruierende und zu diskutierende wissenschaftstheoretische Position befasst sich mit der Entwicklung von Reflexionskompetenz, der Entstehung von Wirklichkeitskonstruktionen, der Transformation von Bedeutungsperspektiven, der Relationierung von Wissensformen und dem Erwerb von Könnensstrukturen und Fallbearbeitungskompetenzen. Ziel meiner Absichten ist eine Bündelung der sozialwissenschaftlichen Ansätze zur Reflexivität in der Sozialpädagogik unter Hinzuziehung der aktuellen Theorie-Debatten und Forschungsbeiträge. Ausgehend von der Fragestellung nach den Bedingungen, Grundlagen und Voraussetzungen eines wissenschaftlichen Verständnisses sozialpädagogischer Reflexion sollen die Antworten in den Praxisfeldern, der Theoriebildung, den sozialpädagogischen Institutionen, der Aus- und Weiterbildung und der Forschung gefunden werden.

1. Sozialpädagogische Wissensformen und Theorie/ Praxisrelationierungen

Mit der Rede von sozialpädagogischen Wissensformen und Theorie/Praxisrelationierungen wird prinzipiell die Frage nach der handlungsleitenden Funktion von pädagogischem Wissen wie umgekehrt auch die Frage nach seiner handlungsleitenden Organisierbarkeit aufgenommen. Es liegt mir fern, diese Problematik im Stil der üblichen, in der Sozialpädagogik so beliebten, Theorie-Praxis-Rhetorik zu bearbeiten. Vielmehr liegt mir daran, sie als theoretische Frage auszugeben, mithin als Frage nach den Orten und nach der Anordnung, in der die Organisation von Wissen und die von Handlungen sich aufeinander beziehen. Die gängige Theorie-Praxis-Rhetorik neigt dazu, die Anordnung der Orte vorab vorzunehmen, indem sie nämlich die Sprachspiele des theoretischen Wissens nur dann für bedeutsam hält, wenn sich in ihnen der Gang der Handlung spiegelt (vgl. Dewe 2007b).

Im Mainstream der Theorie-Praxis-Rhetorik, der für die meisten Sozialpädagogen/ Sozialarbeiter so selbstverständlich ist, dass sie ihr Berufsleben lang daran festhalten, sind gleichwohl starke und in keiner Weise selbstverständliche Hypothesen enthalten. Die Forschungen zu „Handlungsrezepten" und „Topoi" (vgl. Dewe 2007a) haben deutlich gemacht, dass die Vermittlungsproblematik in der handlungsgängigen Sprachspielgestaltung keineswegs aufgeht, sondern, dass im Gegenteil Schematismen und Zurechnungsmechanismen, deren Rekonstruktion ausgesprochen abstrakte Wissensbestände erkennen lässt, durch auslösende Ereignisse situativ in ausgesprochen handlungswirksame Orientierungsleistungen übergehen können.

Umgekehrt können Wissensbestände mit sehr konkretem Outfit, wie sie das Arsenal der humanistischen Psychologie und der sozialtherapeutischen Ansätze bereithält, sich ihrer Handlungswirksamkeit gegenüber als Abstraktion erweisen. Die generelle Frage reflexiver Sozialpädagogik ist, inwieweit das sozialpädagogische Wissen seine eigene Bedeutsamkeit überhaupt in der Hand hat. Wissenschaftliche Fundierungsbemühungen im sozialpädagogischen Diskurs greifen unter Missachtung dieser Fragestellung häufig zu kurz, weil sie die Komplexität ihres Gegenstandsbereiches verkennen und danach trachten, dort eindeutiges Wissen und Planbarkeit zu generieren, wo diese Ziele kaum erreichbar sind (Nörenberg 2007).

Erscheint lt. Verlag 17.7.2008
Zusatzinfo VIII, 448 S.
Verlagsort Wiesbaden
Sprache deutsch
Themenwelt Geisteswissenschaften
Sozialwissenschaften Pädagogik Sozialpädagogik
Sozialwissenschaften Politik / Verwaltung
Schlagworte Bildung • Erziehungswissenschaft • Profession • Sozialarbeit • Soziale Arbeit • Soziale Dienste • Sozialpädagogik • Sozialpolitik
ISBN-10 3-531-90960-6 / 3531909606
ISBN-13 978-3-531-90960-8 / 9783531909608
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