Kluge Köpfe, goldene Hände (eBook)
319 Seiten
Verlag Rüegger
978-3-7253-0881-1 (ISBN)
INHALTSVERZEICHNIS 8
VORWORT 13
EINLEITUNG 18
1 FORSCHUNGSÜBERSICHT 26
1.1 Berufliche Begabung aus historischer Sicht 27
1.2 Begabung im Lichte klassischer Berufsbildungstheorien 35
1.3 Hochbegabung, berufliche und praktische Begabung aus theoretischer Sicht 37
1.3.1 Hochbegabung 37
1.3.2 Berufliche Begabung 41
1.3.3 Praktische Intelligenz 42
1.4 Empirie beruflicher Begabung 44
1.5 Expertiseforschung: ein Paradigma zur Erklärung beruflicher Begabung 47
1.6 Forschung zu Jugend und frühem Erwachsenenalter 55
1.7 Berufliche Begabtenförderprogramme 59
1.8 Die aktuelle Situation in der Schweizerischen Berufsbildung 66
2 DIE LÄNGSSCHNITTSTUDIE UND IHRE METHODIK 70
2.1 Projektziele 70
2.2 Auswahl des Arbeitsmodells 71
2.3 Untersuchungsdesign 75
2.3.1 Fragestellungen 75
2.3.2 Datenerhebungen 76
2.3.3 Erhebungsinstrumente 77
3 AUSWAHLSTRATEGIE UND STICHPROBE 82
3.1 Ausgangsstichprobe 82
3.2 Begabungsprofile der Ausgangsstichprobe 84
3.3 Auswahlstrategie 86
3.4 Talentpool und Vergleichsgruppe 88
3.5 Die Problematik der Selbst- und Fremdbeurteilung 93
4 PERSÖNLICHKEITSENTWICKLUNG 96
4.1 Forschungsbefunde 97
4.1.1 Allgemeine Persönlichkeitsmerkmale 97
4.1.2 Identitätsentwicklung und Attribution 102
4.1.3 Stressbelastung und Stressbewältigung 105
4.2 Ergebnisse zur Persönlichkeitsentwicklung 106
4.2.1 Motivationale Variablen 108
4.2.2 Persönlichkeitsvariablen 110
4.2.3 Unterschiedliche Persönlichkeitstypen? 112
5 FAMILIE, FREIZEIT UND INTERESSEN 116
5.1 Entwicklungsaufgaben im beginnenden Erwachsenenalter 116
5.2 Beziehungsidentitäten zu den Eltern 118
5.3 Sozioökonomischer Hintergrund und Familientypen 121
5.4 Freizeitinteressen 123
5.5 Auswirkungen von Familien- und Interessensvariablen auf die Leistungen der überdurchschnittlich begabten Berufslernenden 129
6 ARBEITS- UND ZUKUNFTSORIENTIERUNGEN 132
6.1 Aktueller Forschungsstand 132
6.1.1 Die Bedeutung von Ausbildung und Beruf 133
6.1.2 Wertewandel und Zukunftsorientierungen 134
6.1.3 Berufswahl und Übergang in die berufliche Ausbildung 140
6.1.4 Berufseinmündungsprozesse und Persönlichkeitsentwicklung 141
6.2 Ergebnisse 144
7 BETRIEB UND BERUFSSCHULE 152
7.1 Betrieb und Berufsschule in der Forschung 153
7.1.1 Soziale Lernumwelten von Auszubildenden 154
7.1.2 Identifikations- und Fördermassnahmen 159
7.2 Förderung in Berufsschulen und Lehrbetrieben 167
7.3 Lehrmeister-Umwelten: eine Clusteranalyse 170
8 LEISTUNGSENTWICKLUNG UND BERUFSERFOLG 182
8.1 Theoretische Grundlagen 182
8.1.1 Zum Zusammenhang von Berufserfolg und Intelligenz 182
8.1.2 Expertisierungsverläufe und Berufserfolg 184
8.1.3 Schlüsselkompetenzen als Indikatoren für beruflichen Ausbildungserfolg 187
8.2 Ergebnisse 190
8.2.1 Fremdbeurteilung der betrieblichen Leistungen 190
8.2.2 Selbstbeurteilung der betrieblichen Leistungen 194
8.2.3 Beurteilungen durch die Berufsschule 196
8.2.4 Vergleich der Exzellenzentwicklung innerhalb der Subgruppen 197
8.2.5 Fremdbeurteilung vs. Selbstbeurteilung 199
8.3 Prädiktoren betrieblicher Leistung 201
8.4 Welches sind die besten Auszubildenden nach zwei Lehrjahren? 208
9 BEGABTE FRAUEN IN DER BERUFLICHEN AUSBILDUNG 212
9.1 Forschungsbefunde 213
9.1.1 Kognitive Fähigkeitsprofile und Berufswahl 213
9.1.2 Nicht-kognitive Persönlichkeitsmerkmale 216
9.1.3 Schulisch-berufliche Interessen und Orientierungen 219
9.2 Ergebnisse zu begabten Frauen in der beruflichen Ausbildung 220
9.2.1 Ausbildungsberufe 220
9.2.2 Nicht-kognitive Persönlichkeitsmerkmale 222
9.2.3 Berufliche Orientierungen, Arbeitswerte und berufliche Zukunftswünsche 227
10 MINDERLEISTER 232
10.1 Forschungsbefunde 233
10.1.1 Von der Leistungsvoraussage zur Differenz: Die historische Entwicklung des Konzepts 234
10.1.2 Was ist Underachievement? 236
10.1.3 Kategorien von Underachievement 238
10.1.4 Definitionen von Underachievement 240
10.2 Wer sind die Underachiever? 243
10.3 Underachievement und Geschlecht 246
10.4 Zusammenfassende Diskussion 248
10.5 Underachiever in unserer Studie 250
10.5.1 Personmerkmale 251
10.5.2 Familiäre Merkmale 254
10.6 Leistungsentwicklungen der Underachiever in der Berufausbildung 256
11 BILANZ UND AUSBLICK 262
11.1 Haupterkenntnisse 262
11.2 Begabtenförderung in der Berufsbildung als bildungspolitische Aufgabe 269
11.3 Gefragt sind kluge Köpfe mit goldenen Händen! 273
LITERATUR 276
ABBILDUNGSVERZEICHNIS 11
TABELLENVERZEICHNIS 318
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5 FAMILIE, FREIZEIT UND INTERESSEN (S. 115) Rebecca MÜLLER
Verschiedenste Kontextvariablen sind massgeblich an der Umsetzung des Begabungspotentials von hochbegabten Kindern und Jugendlichen in hervorragende Leistungen beteiligt. Es handelt sich hierbei nicht nur um schulische oder betriebliche Kontextvariablen, welchen bereits in verschiedenen Studien besonderes Augenmerk gegolten hat, sondern auch um Variablen aus den Bereichen Familie, Freizeit und Interessen, welche vergleichsweise unerforscht sind. Von besonderem Forschungsinteresse ist deshalb, ob sich die unterschiedlich begabten Berufslernenden bezüglich der Beziehungsintensität zu ihren Eltern und ihrer Freizeitinteressen unterscheiden und ob sich bestimmte Beziehungs- und Interessenskonstellationen auf die Leistung der überdurchschnittlich begabten Berufslernenden auswirken.
5.1 Entwicklungsaufgaben im beginnenden Erwachsenenalter
Allgemein gilt das Erwachsenenalter als Lebensphase, welche ungefähr mit dem sechzehnten Lebensjahr einsetzt und nach oben nur schwer abgegrenzt werden kann. ARNETT (2000) setzt das beginnende Erwachsenalter zwischen achtzehn und fünfundzwanzig Jahren fest und beschreibt es als von der Kindheit und dem eigentlichen Erwachsenenalter weitgehend unabhängige Phase, in welcher soziale Rollen in subjektiver Freiheit erprobt werden können. Doch zum beginnenden Erwachsenenalter gehört auch die Bewältigung verschiedener Entwicklungsaufgaben. Diese umfassen unter anderem den Auf- und Umbau der sozialen Beziehungen, die Entwicklung der Geschlechtsrolle, die Ablösung von den Eltern, die Autonomisierung gegenüber Erwachsenen, der Aufbau eines Wertsystems sowie die Berufsvorbereitung.
ERIKSON (1974) hat als Hauptentwicklungsaufgabe der Jugendlichen die Entwicklung der eigenen Identität bezeichnet. Zwar erachtete er die Identitätsbildung als lebenslange Aufgabe, doch hat er ihr gerade im Jugendalter zentrale Bedeutung beigemessen. Grund seien die ausgeprägten körperlichen, sozialen und kognitiven Veränderungen inklusive der schulischen und familiären Erwartungen, welche den hauptsächlichen Anstoss zur Beschäftigung mit dem Selbst gäben. Der Prozess der Bildung einer «Ich-Identität» werde durch verschiedene Widersprüche (sexuelle Reifung im Kontrast zur empfundenen Minderwertigkeit, rapide körperliche Veränderungen und eine damit verbundene Neubewertung durch andere) ausgelöst und führe zu einer Identitätskrise, die den Jugendlichen auf eine Suche nach sich Selbst bewege.
ERIKSONS Auffassung der krisenhaften Entwicklung im Jugendalter, die sich besonders in einem Abfall des Selbstwertes manifestiere, konnte empirisch nicht repliziert werden. Untersuchungen von FEND (1998) oder der Deutschen Shell (JUGENDWERK DER DEUTSCHEN SHELL, 2002) verweisen eher auf eine kontinuierliche Entwicklung, wobei in der mittleren Adoleszenz eine Integration der selbstbezogenen Kognitionen mit zunehmender Selbstwertschätzung erfolge. Gleiches gilt für überdurchschnittlich begabte Jugendliche in der Schweiz, welche recht zuversichtliche Zukunftsvorstellungen haben, die an sie gestellten Anforderungen bewältigen zu können (STAMM, 2005).
Für junge Menschen, die in die Berufslehre eintreten, ist das frühe Erwachsenenalter zugleich die Phase eines wichtigen biographischen Übergangs. Mit dem Eintritt in eine Berufslehre werden die Jugendlichen mit Rollenveränderungen konfrontiert, mit denen sie umgehen lernen müssen. Eine weitere wesentliche Entwicklungsaufgabe besteht entsprechend darin, den schulischen und beruflichen Herausforderungen in wachsendem Masse in Selbstverantwortung nachzugehen, diesbezüglich eigene Normen und Ansprüche herauszubilden und diese als verbindlich und orientierend anzusehen.
Ziel der Bewältigung schulischer und beruflicher Qualifikationsanforderungen ist die Ausübung eines Berufes, der ökonomische und soziale Absicherung in Aussicht stellt, ausserdem ein Mindestmass an persönlicher Entfaltung und gesellschaftlicher Anerkennung garantiert. Für die heutige Generation kennzeichnend ist die verlängerte Abhängigkeit junger Erwachsener aufgrund längerer Ausbildungszeiten und grösserer Probleme auf dem Arbeitsmarkt bei gleichzeitig früherer psychosexueller und gesetzlicher Reife, wobei die Differenz zwischen psychischer und ökonomischer Selbstständigkeit bis zu fünfzehn Jahre betragen kann. Typische Erwachsenensymbole werden immer später erreicht, während die psychosexuelle und gesetzliche Reife immer früher einsetzt (STEIN, 2004).
| Erscheint lt. Verlag | 1.6.2007 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Geisteswissenschaften |
| Sozialwissenschaften ► Pädagogik | |
| Sozialwissenschaften ► Politik / Verwaltung | |
| ISBN-10 | 3-7253-0881-0 / 3725308810 |
| ISBN-13 | 978-3-7253-0881-1 / 9783725308811 |
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