Schtetl - Stadt - Staat:
Raum und Identität in deutschsprachig-jüdischer Erzählliteratur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts
2017
Studien Verlag
978-3-7065-5113-7 (ISBN)
Studien Verlag
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Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit deutschsprachig-jüdischer Literatur hat es mit einem vergleichsweise jungen Untersuchungsgegenstand zu tun. Denn erst im Zuge der Haskala, der jüdischen Aufklärung, und der einsetzenden Emanzipation bildete sich eine eigenständige säkulare jüdische Literatur in deutscher Sprache aus. Diese Literatur entwickelte sich in einer fruchtbaren Auseinandersetzung mit der jüdischen Diasporasituation in je unterschiedlichen kulturellen Räumen an unterschiedlichen geographischen Orten. Bereits diese knappen Anmerkungen legen die Vermutung nahe, dass die Kategorie Raum eine zentrale Funktion in vielen Texten der deutschsprachig-jüdischen Literatur des 19. Jahrhunderts einnimmt. Da die Lebenswelten von Juden in Europa über lange Zeit durch verordnete, aber auch selbst gewählte Separierung von Siedlungsgemeinschaften oder durch symbolische Grenzen geprägt waren, nimmt es nicht wunder, dass reale und konkret erfahrene räumliche Gegebenheiten auch grundlegenden Einfluss auf die Herausbildung literarischer Genres haben sollten. Die wesentlichen topographischen Bezugsräume bildeten in diesem Zusammenhang "Schtetl", "Stadt" und "Staat". Im Erzählvorgang der Ghettogeschichte, des Großstadtromans und des zionistischen Roman werden diese Bezugsräume nachhaltig und bedeutungsrelevant entfaltet. Dabei werden das erzählte Schtetl oder Dorf, die erzählte Stadt und der erzählte bzw. imaginierte Staat durch unterschiedliche topographisches Settings - z.B. eine bestimmte (An)-Ordung von Straßen, die Fokussierung auf signifikante Gebäude und Räumlichkeiten, architektonische Aufbau- und Verfallsszenarien -, aber auch durch die Situierung und Bewegung von textrelevanten Gegenständen und vor allem der handelnden Figuren als relationale, dynamische, aber auch instabile Räume entworfen. Diese Räume werden nahezu durchgängig als soziale, rituelle und/oder habituelle Konstruktionen dargestellt. Aus dieser narrativen Konstruktionsweise speist sich auch ihr Potenzial, nicht nur Schauplatz, sondern konstitutiver und außerliterarisch wirkmächtiger Teil der erzählten Geschichte(n) zu sein.
Die Autorin Petra Ernst, Dr., Studium der Neueren deutschen Literatur, Linguistik, Theater- und Musikwissenschaft in Würzburg und München. Wissenschaftliche und künstlerische Projekte in Deutschland und Österreich. Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Centrum für Jüdische Studien der Karl-Franzens-Universität Graz.
| Reihe/Serie | Schriften des Centrums für Jüdische Studien |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Einbandart | gebunden |
| Themenwelt | Geisteswissenschaften ► Sprach- / Literaturwissenschaft |
| Schlagworte | deutschsprachig-jüdische Erzählliteratur • Judentum, Literatur • Kategorie Raum • literarische Topographie • narrative Raumkonstruktion |
| ISBN-10 | 3-7065-5113-6 / 3706551136 |
| ISBN-13 | 978-3-7065-5113-7 / 9783706551137 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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