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Das Nachleben der schlesischen Piasten

Dynastische Tradition und moderne Erinnerungskultur vom 17. bis 20. Jahrhundert
Buch | Hardcover
X, 460 Seiten
2012
Böhlau Köln (Verlag)
978-3-412-20694-9 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Das Nachleben der schlesischen Piasten - Maximilian Eiden
CHF 109,95 inkl. MwSt
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Im Jahr 1675 starb in Schlesien die letzte Teillinie der Piasten aus. In der Erinnerungskultur jedoch lebte das vom polnischen Königshaus abstammende, seit langem allerdings im deutschen Kulturkreis beheimatete Fürstengeschlecht noch Jahrhunderte fort. Habsburger und Hohenzollern, Vertreter von Adel, Geistlichkeit und Bürgertum, Anhänger des deutschen und des polnischen Nationalismus - sie alle suchten die dynastische Vergangenheit des Landes für die Interessen ihrer Gegenwart umzudeuten. Kenntnisreich und auf breiter Quellenbasis wird das Nachleben der schlesischen Piasten, das für die deutsch-polnische Konfliktgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert hohe Symbolkraft besaß, erstmals bis in die neueste Zeit nachgezeichnet.

Maximilian Eiden ist Kulturreferent für Schlesien am Schlesischen Museum zu Görlitz und wurde mit dieser Arbeit an der Universität Stuttgart promoviert.

I. Von der Tradition zur Erinnerungskultur.
Einführung in Gegenstand, Fragestellung und Methodik
1. Gegenstand und Leitfragen
2. Widersprüchliche Assoziationen „an den Sarkophagen der
Piasten“.
3. Landestradition und ihre nationalistische Umformung als
Prüfstein für eine transnationale Gedächtnisgeschichte
– Das Gedächtnis der schlesischen Piasten als Untersuchungsgegenstand
– „Gedächtnisgeschichte“ als adäquater Zugang zur Beziehungsgeschichte
im deutsch-polnischen Spannungsfeld.
– Der methodische Rahmen für die Untersuchung der Gedächtnisgeschichte
der schlesischen Piasten.
– Aufbau der Arbeit.
II. Grundlagen bis zum Aussterben des Fürstenhauses im
Jahr 1675.
1. Grundzüge der Geschichte der Piastendynastie in Schlesien
2. Familiengeschichte und Politik der Liegnitz-Brieger Piasten
von der Reformation bis 1675
3. Selbstverständnis und Repräsentation der Liegnitz-Brieger Piasten
seit der Mitte des 16. Jahrhunderts
– Das Bildprogramm des Brieger Schlosstors (um 1553)
– Darstellungen der Abkunft vom legendären Piastus und den
polnischen Königen: Die Adelsrepublik Polen-Litauen als
Vorbild für ständische und konfessionelle Freiheit
– Genealogische Traktate und literarisches Fürstenlob:

Reichsorientierung und Prestigestreben.
– Gefährdung und Ende der Dynastie im Spiegel von Publizistik,
Dichtung und Trauerschrifttum.
– Das Liegnitzer Mausoleum als Apotheose der Dynastie (1679)
4. Zwei Fürstengestalten als Eckpfeiler vormodernen Landesbewusstseins:

Zum Kult der hl. Hedwig und zum Mythos
um den Abwehrkampf Heinrichs II. gegen die Mongolen
VI Inhalt
III. Aneignungen der Piastentradition im habsburgischen
und preußischen Schlesien (bis 1806)
1. Zum historischen Hintergrund.
2. Katholische und pro-habsburgische Erinnerungskultur
– Hedwigsverehrung in der Diözese Breslau und im Trebnitzer
Konvent
– Erneuerung des Stiftergedächtnisses und Neufassungen
von Fürstengräbern in den Klöstern
– Die Piasten als Symbole der schlesischen Fürstentümer
3. Adelige Erinnerungskultur: Die Selbstdarstellung der Familie
Schaffgotsch als Nachkommen der Piasten in weiblicher Linie
4. Die bürgerlich-städtische Erinnerungskultur.
5. Der Blick des Eroberers: Erbansprüche Friedrichs II. als
Legitimation für den Erwerb Schlesiens.
6. Der Blick der Nachbarn: Die schlesischen Piasten im polnischen
Geschichtsbild der Frühneuzeit.
IV. Umdeutungen der Dynastietradition in der Erinnerungskultur
des 19. und frühen 20. Jahrhunderts
1. Zum historischen Hintergrund.
– Politisch-soziale Rahmenbedingungen eines neuen Umgangs
mit der Vergangenheit
– Zeitgeschichte als konstitutives Element schlesischer
Erinnerungskultur des 19. Jahrhunderts.
2. Thematischer Längsschnitt: Die Dynamik des Wahlstatt-Stoffs.
3. Voraussetzungen: Ausweitung der historischen Forschung und
das deutsch-nationale Paradigma
– Institutionelle Grundlagen und wichtige Vertreter der Landesgeschichtsschreibung
– Gustav Freytag als Beispiel für die Popularisierung des neuen
Geschichtsbildes
4. Piastenherzöge als Figuren des guten Herrschers.
– Die Darstellung der Herzöge des 13. Jahrhunderts als Förderer
der Germanisierung
– Piastische Bezüge der dynastischen Erinnerungskultur im
Umfeld König Friedrich Wilhelms IV.
– Die Erneuerung des Kults der hl. Hedwig als Patronin der
Katholiken in Schlesien und Preußen.
– Evangelische Hedwigsdeutunge
– Stilisierungen Dorothea Sibyllas von Brieg zur evangelischen
Hedwig und schlesischen Königin Luise.
Inhalt VII
– Herzoginnen und Herzöge in der schönen Literatur: ein uneinheitliches
Bild
– Die schlesischen Piasten im Schulunterricht. Einige Befunde.
5. Piastenherzöge als ambivalente Gestalten
– Negative Werturteile über das Fürstenhaus in Historiographie
und Publizistik
– Die Opposition der Stadt Liegnitz gegen die Herzöge als
Vorbild bürgerlichen Emanzipationsstrebens.
– Heinrich XI. von Liegnitz: Ein berüchtigter Herzog
– Deutungen des Aussterbens der Piasten zwischen Trauer und
konstruierter Notwendigkeit.
6. Erinnerungskultur und Denkmalpflege in ehemaligen piastischen
Residenzstädten.
– Die Frage nach den fehlenden figürlichen Herzogsdenkmälern
des 19. Jahrhunderts
– Piastische Denkmäler und Denkmalpflege in schlesischen
Städten
– Verknüpfung von Orten und Erinnerungsstätten mit den
piastischen Herzögen in den Medien von Grafik, Heimatkunde
und Onomastik
– Die Bolkonen-Herzöge als Symbolfiguren bürgerlicher Geselligkeit
in Schweidnitz
7. Die Rezeption der schlesischen Traditionen im geteilten Polen
und im österreichisch-schlesischen Teschen – Echos und Gegenstimmen
zur deutsch-schlesischen Erinnerungskultur.
– Wahrnehmung Schlesiens im polnischen Geschichtsdiskurs und
die Rolle des Landes bei der Ausbildung des „Westgedankens“
– Reiseberichte, Reportagen und schöne Literatur als Zugänge
zur schlesischen Fürstengeschichte
– Erste wissenschaftliche Beiträge aus Polen zur Geschichte
der schlesischen Piasten.
– Heinrich der Bärtige, Hedwig und ihre Söhne in Historiographie
und Belletristik
V. Auseinanderfallen der Erinnerungskultur um die schlesischen
Piasten zwischen 1918 und 1945.
1. Zum historischen Hintergrund.
2. Stoffe und Gestalten der Piastentradition als Gegenstand der
Breslauer Historiographie und des deutsch-schlesischen
Heimatkults
– Tendenzen in der deutschen historischen Schlesienforschung
zwischen den Weltkriegen
– Populäre Rezeptionen der Piasten zwischen Republik und
NS-Diktatur
3. Polnische Wahrnehmungen der schlesischen Piasten zwischen
den Kriegen
4. Konkurrierende nationalistische Umdeutungen der schlesischen
Piasten. Der Wahlstatt-Stoff in Historiographie, Belletristik
und Festkultur
5. Die völkische Verzeichnung der Dynastiegeschichte und die
Auslöschung des Namens „Piasten“
VI. Zusammenfassung
– Zusammenfassung in polnischer Sprache
– Zusammenfassung in englischer Sprache
VII. Anhang
1. Abkürzungen
2. Quellen- und Literaturverzeichnis
Quellen
– Handschriften und nach 1800 gedruckte Editionen und
Regesten handschriftlicher Quellen
– Altdrucke bis zum Erscheinungsjahr 1799 und moderne
photomechanische Nachdrucke
– Quellen einschließlich solcher wissenschaftlicher Texte,
die als Quellen hinsichtlich der Erinnerungskultur
ausgewertet wurden, ab dem Erscheinungsjahr nach 1800
– Internet-Ressourcen
Literatur
– Bibliographien
– Wissenschaftliche Darstellungen
3. Abbildungsnachweis
4. Personenregister
5. Ortsregister

Erscheint lt. Verlag 14.3.2012
Reihe/Serie Neue Forschungen zur Schlesischen Geschichte ; Band 022
Zusatzinfo 28 Illustration(en), schwarz-weiß
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Maße 180 x 247 mm
Gewicht 987 g
Themenwelt Geisteswissenschaften Geschichte Hilfswissenschaften
Geisteswissenschaften Geschichte Regional- / Ländergeschichte
Schlagworte Erinnerung (Geschichte) • Geschichte als Erinnerungskult • Geschichte als Erinnerungskultur in Schlesien • Piasten • Piasten (Dynastie) • Schlesien • Schlesien, Geschichte • Schlesische Piasten
ISBN-10 3-412-20694-6 / 3412206946
ISBN-13 978-3-412-20694-9 / 9783412206949
Zustand Neuware
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
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