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Kaffee mit Schuss | Ein humorvoller Whodunit Krimi im Wiener Kaffeehaus (eBook)

Eine schicke Vernissage, die tödlich endet …

(Autor)

eBook Download: EPUB
2024
363 Seiten
dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH (Verlag)
978-3-98998-541-4 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Kaffee mit Schuss | Ein humorvoller Whodunit Krimi im Wiener Kaffeehaus - Anja Rauter
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Privatdetektivin Samantha Sauer ermittelt in diesem rasanten Wien-Krimi

Jeder, der in Wien seinem Partner nicht über den Weg traut, beauftragt sie: Samantha Sauer. Als Privatdetektivin observiert sie hauptsächlich untreue Ehemänner, die sich nachts geheim in dunklen Bars oder diskreten Hotels herumtreiben. Genau das erwartet sie auch bei diesem Auftrag: Sie soll Erwin Buchsbaum – gut betuchter Kaffeehausbesitzer – bei einer Vernissage im traditionsreichen Café Mozart genauer unter die Lupe nehmen. Doch am Ende des rauschenden Festes ist Erwin Buchsbaum tot und Samantha steht vor einem Rätsel. Starb der erfolgreiche Geschäftsmann eines natürlichen Todes oder hatte jemand seine Finger mit im Spiel? Zusammen mit ihrer Mutter und Gräfin Cosima Cäcilia von Waldenstein macht sich die Privatdetektivin auf Spurensuche und muss schon bald feststellen – dieser Tote hat mehr als nur eine Überraschung für die Hinterbliebenen parat…

Erste Leser:innenstimmen
„Ein toller Cosy-Crime in meiner Lieblingsstadt Wien!“
„Lustig, spannend, rasant - ich liebe diesen Wien-Krimi.“
„Ich habe mit der Privatdetektivin Samantha Sauer von Anfang bis Ende mitgefiebert.“
„Dieser Wien Cosy-Crime lädt zum Miträtseln ein, das hat mir am besten gefallen!“



<p>Anja Rauter, geboren 1972, lebt mit ihrem Ehemann und ihrem nicht ganz unschuldigen Tigerkater, der es in jedes ihrer B&uuml;cher schafft, in ihrer geliebten Heimatstadt Baden bei Wien.</p> <p>Ihr Deb&uuml;t als Schriftstellerin gab Anja Rauter 2018 mit dem humorvollen Liebesroman &bdquo;Wir zwei auf Wolke Sieben&ldquo;.</p> <p>&nbsp;</p> <p class="MsoNormal"><span>&nbsp;</span></p>

<h2>KAPITEL 1</h2> <div class="style_blockquote"> <p>&bdquo;Sachertorte am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen!&ldquo;<br />(Samantha Sauer, Privatdetektivin, Spezialgebiet untreue Ehem&auml;nner)</p> </div> <p>&bdquo;Erwin ist kein Kind von Traurigkeit. Ich bin bereits seine dritte Ehefrau und siebenundzwanzig Jahre j&uuml;nger als er. Aber h&auml;lt ihn das davon ab, mich zu betr&uuml;gen? Nein! Er ist und bleibt ein Windhund. Ein notorischer J&auml;ger und Sammler!&ldquo;<br />Lena Buchsbaums Stimme klirrt kalt und eine ganze Nuance zu laut durch das geschichtstr&auml;chtige Caf&eacute; Mozart, und die Dame am Nebentisch mit den wei&szlig;en Pudell&ouml;ckchen, die eben noch genussvoll ihren Apfelstrudel verputzt hat, mustert uns sichtlich pikiert.<br />Verlegen zeichne ich mit dem L&ouml;ffel Muster in meine cremige Melange.<br />Ich hasse es, Aufsehen zu erregen, noch dazu in meinem geliebten Stammcaf&eacute; im Herzen der Wiener Innenstadt.<br />&bdquo;Ich verstehe ja, dass Sie aufgebracht sind, aber &hellip;&ldquo;, werfe ich mit ged&auml;mpfter, hoffentlich deeskalierender Stimme ein.<br />&bdquo;Wissen Sie, Frau Sauer, ich habe in den letzten Jahren bei Erwins kleinen Seitenspr&uuml;ngen immer ein Auge, ach was sage ich, beide Augen zugedr&uuml;ckt. Was nicht immer leicht war&ldquo;, f&auml;llt mir Lena Buchsbaum ins Wort.<br />Zum Gl&uuml;ck spricht sie nun eine Spur leiser.<br />Mitf&uuml;hlend nicke ich ihr kurz zu. Ich wei&szlig; aus eigener Erfahrung, wie weh ein Betrug tun kann, und in ihrem speziellen Fall d&uuml;rfte das ja auch keine einmalige Sache gewesen sein, sondern vielmehr an der Tagesordnung liegen.</p> <p>Ich seufze leise. Da bin ich doch lieber Teilzeit-Single, oder wie auch immer man meinen aktuellen Beziehungsstatus nennen mag. Mit aller Kraft sch&uuml;ttele ich den Gedanken an meine eigene verkorkste Beziehung ab und versuche, mich wieder auf das Gespr&auml;ch und meine potenzielle neue Klientin zu konzentrieren.<br />&bdquo;Das tut mir leid, Frau Buchsbaum&ldquo;, setze ich an und sehe halb beeindruckt, halb geschockt dabei zu, wie Lena ihr Weinglas an die etwas entenschnabeligen Lippen setzt und es mit einem kr&auml;ftigen Schluck zur H&auml;lfte leert.<br />Trinkfest scheint das zierliche Pers&ouml;nchen zu sein.<br />&bdquo;Was soll ich sagen? Ich bin Kummer gew&ouml;hnt, doch diesmal ist die Lage ernst.&ldquo; Ihr Blick huscht flatternd durch das Caf&eacute;, w&auml;hrend sie weiterspricht: &bdquo;Mein Mann scheint eine feste Freundin zu haben. Seit drei Monaten verweigert er jede k&ouml;rperliche Interaktion, und dass bei seinem noch immer beachtlichen Hormonstatus. Sie verstehen, Frau Sauer?&ldquo;</p> <p>Sie richtet ihre Augen fragend auf mich.<br />&bdquo;Ich verstehe, Sie brauchen nicht weiterzureden&ldquo;, presse ich hervor und nicke bekr&auml;ftigend.<br />Immer wieder versuchen mir meine Klientinnen, schmutzige Details zu erz&auml;hlen, die ich nicht h&ouml;ren will. Das tut nichts zur Sache und keinesfalls w&uuml;nsche ich mir noch detailliertere Informationen zu Erwin Buchsbaums hohen Testosteronwerten oder seinen speziellen Vorlieben. Die Tatsache, dass er m&ouml;glicherweise fremdgeht, reicht mir als Basisinformation, damit kann ich arbeiten.<br />&bdquo;Haben Sie noch weitere Anhaltspunkte? Verh&auml;lt er sich anders als sonst, kommt er sp&auml;ter nach Hause?&ldquo;, insistiere ich und lenke das Gespr&auml;ch geschickt in geordnete Bahnen.</p> <p>&bdquo;Das Seltsamste an Erwins Verhalten, au&szlig;er seinem k&ouml;rperlichen Desinteresse, ist, dass er einmal in der Woche wie vom Erdboden verschluckt ist. Genauer gesagt jeden Donnerstag ab Punkt siebzehn Uhr bis weit in die Morgenstunden. Er hebt nicht am Handy ab und niemand wei&szlig;, wo er ist. Nicht mal seine Sekret&auml;rin, die seit &uuml;ber vierzig Jahren f&uuml;r die Familie arbeitet und Erwins Termine koordiniert, hat eine Ahnung, wo er sich jeden Donnerstag herumtreibt. Seit drei Monaten! Da ist bestimmt eine andere Frau im Spiel.&ldquo; Sie seufzt schwer.<br />&bdquo;Und das ist nicht gut, gar nicht gut.&ldquo;</p> <p>Lenas Stimme ist nur noch ein Fl&uuml;stern und sie sackt in sich zusammen, als w&auml;re mit einem Schlag alles Leben aus ihr gewichen.<br />&bdquo;Ich verstehe Ihre Sorge, auch wenn es f&uuml;r seine Abwesenheit einen ganz harmlosen Grund geben kann&ldquo;, werfe ich ein, obwohl ich selbst nicht daran glaube, dass Erwin Buchsbaum jeden Donnerstag von siebzehn Uhr bis Mitternacht t&ouml;pfert, Karaoke singt, joggt oder sonst einem anderen Hobby nachgeht.<br />Tr&ouml;stend will ich nach ihrer feingliedrigen, blassen Hand mit dem riesigen Diamantring tasten, als pl&ouml;tzlich wieder Leben in Lena kommt.<br />Sie beugt sich &uuml;ber den Tisch und zischt mir zu: &bdquo;Ich habe n&auml;mlich einen Ehevertrag! Verstehen Sie, Frau Sauer? Im Falle einer Scheidung bekomme ich nichts! Niente! Nada!&ldquo;<br />Aha, daher weht also der Wind.<br />Die m&ouml;gliche Aussicht, bald von Erwin Buchsbaums Verm&ouml;gen geschieden zu sein, scheint Lena wirklich nahezugehen.</p> <p>Mit einem finalen, kr&auml;ftigen Zug leert Lena Buchsbaum das Glas und stellt es mit lautem Klirren auf dem grauen Marmortisch zwischen uns ab, was ihr ein Stirnrunzeln der beiden M&auml;nner am Nebentisch einbringt, die bis eben in eine rege Unterhaltung vertieft waren.<br />Ungeduldig bedeutet sie dem Kellner mit einem Winken, ihr Nachschub zu bringen.<br />Verstohlen werfe ich einen Blick auf meine Armbanduhr. Es ist erst elf Uhr, sollte sie nicht etwas langsamer machen?<br />&bdquo;Ein V&ouml;gelchen in meiner Yoga-Gruppe hat mir gezwitschert, dass Sie als Privatdetektivin eine hohe Erfolgsquote haben und hat mir Ihre Visitenkarte gegeben. Wie sieht es aus, Frau Sauer, wollen Sie meinen Fall &uuml;bernehmen und herausfinden, wo mein G&ouml;ttergatte sich jeden Donnerstag ab siebzehn Uhr aufh&auml;lt?&ldquo; Lenas Blick aus rauchgrauen Augen ist unangenehm stechend, fast hypnotisch, und unmittelbar sp&uuml;re ich, wie sich meine Nackenmuskeln angstvoll verspannen.<br />In Gedanken mache ich mir eine Notiz, heute Abend mit dem <i>Singv&ouml;gelchen</i> ein ernstes Wort zu reden. Endlich habe ich den Beweis, dass meine Mutter ungefragt Neukundinnen f&uuml;r mich in ihrer Yoga-Gruppe akquiriert.<br />&bdquo;Bei meiner morgigen Vernissage k&ouml;nnten Sie unauff&auml;llig einen ersten Blick auf Erwin werfen. Bitte kommen Sie! Ich muss herausfinden, mit wem er mich betr&uuml;gt, um Schlimmeres zu verhindern. Sie sollen laut meiner Quelle der beste Sp&uuml;rhund in Sachen untreue Ehem&auml;nner sein.&ldquo; Lenas Stimme ist schmeichelnd, fast flehend.<br />Fahrig zieht sie aus ihrer moosgr&uuml;nen kastenf&ouml;rmigen Herm&egrave;s-Tasche mit der auff&auml;lligen Kroko-Pr&auml;gung, die bestimmt mehr kostet, als ich in einem halben Jahr verdiene, einen farbenfrohen Flyer und legt ihn vor mir auf den Tisch.</p> <p><i>&bdquo;Wiener Wut</i> &ndash; ein Bilderzyklus von Lena Lotte Buchsbaum&ldquo;, lese ich.<br />Aufmerksam betrachte ich die neonbunten Klecksbilder, die laut erkl&auml;rendem Kurztext, die w&uuml;tende Ohnmacht der K&uuml;nstlerin &uuml;ber die industrielle Zerst&ouml;rung der Umwelt ausdr&uuml;cken sollen. Ein wichtiges Thema nat&uuml;rlich, auch wenn ich glaube, dass Lenas Wut einen ganz anderen Ursprung hat.</p> <p>Und pl&ouml;tzlich habe ich ein D&eacute;j&agrave;-vu.<br />Lena Buchsbaums Bilder erinnern mich frappant an die ersten, wie ich bis gerade eben dachte, talentbefreiten Malversuche meiner Tochter Lisa aus der Kindergartenzeit.<br />Ein leichter Schauder l&auml;uft &uuml;ber meinen R&uuml;cken.<br />Was wenn ich vor vielen Jahren wertvolles Kulturgut in der schn&ouml;den Altpapiertonne entsorgt habe?<br />Oder was noch viel schlimmer w&auml;re: Ein kleines Verm&ouml;gen?<br /><i>Wiener Wut</i>, darauf muss man erst mal kommen! Aber wie sagt meine Freundin Cosima immer? Alles ist Marketing. Und recht hat sie. Mit einer knackigen Story kann man wohl wirklich jeden Schrott verkaufen. Sogar h&auml;ssliche neonfarbene Bilder.<br />&bdquo;Frau Sauer? Darf ich also morgen Abend mit Ihnen rechnen?&ldquo; Lenas Stimme knarzt wie Fingern&auml;gel auf einer Schiefertafel durch meine Gedanken.<br />Ich halte mich f&uuml;r einen sehr empathischen Menschen und die Schicksale meiner Klientinnen gehen mir normalerweise nahe, aber Lena Buchsbaum macht es mir wirklich schwer, Mitgef&uuml;hl f&uuml;r ihre missliche Lage zu entwickeln.<br />Ihr scheint es wirklich nur ums Geld zu gehen.</p> <p>Ich ringe mir ein, wie ich hoffe, professionelles L&auml;cheln ab und ziehe meine Mundwinkel fest nach oben, wie ich es vor meinem Schlafzimmerspiegel trainiert habe.<br />&bdquo;Sehr gern. Ich werde Erwin morgen unauff&auml;llig, wie es in der Fachsprache hei&szlig;t, kurz-observieren&ldquo;, sage ich und nicke gewichtig.</p> <p>Klingt doch allemal besser, als zu sagen: &bdquo;Na gut, dann sehe ich mir morgen mal eben Ihr fremdgehendes Frettchen von Ehemann bei einem Gl&auml;schen Prosecco live und in Farbe an.&ldquo;<br />&bdquo;Und dann k&ouml;nnen wir im Anschluss alle weiteren Details unserer Zusammenarbeit besprechen. Ich freue mich&ldquo;, setze ich einen obendrauf und ziehe meine Mundwinkel mit aller Konzentration so weit nach oben, dass mein Gesicht schmerzt.<br />Ich habe die S&auml;tze kaum ausgesprochen, als mein Magen laut und vernehmlich protestiert und wie ein hungriger Wolf knurrt.<br />Lena Buchsbaum zuckt erschrocken zusammen und betrachtet mich halb angeekelt, halb fasziniert. Beruhigend lege ich eine Hand auf meinen Bauch. Leider meldet sich mich mein Magen immer lautstark zu Wort, wenn ich l&uuml;ge.<br />Meine Mutter nennt das Donnergrollen meiner Eingeweide immer &bdquo;Samantha Sauers Stimme der Wahrheit&ldquo;, und meint, dass ich wirklich stolz sein kann, dass mein Magen mit mir spricht.<br />Gerade eben aber w&uuml;nschte ich nur, mein Bauch w&uuml;rde die Klappe halten. Lena schaut n&auml;mlich ziemlich pikiert wegen meiner rumorenden Eingeweide. Bestimmt hat die Frau, die so kerzengerade vor mir sitzt, ihre K&ouml;perfunktionen immer unter Kontrolle.</p> <p>&bdquo;Entschuldigung, ich wollte Sie nicht erschrecken, ich hatte heute noch kein Fr&uuml;hst&uuml;ck. Ich bin auf Di&auml;t. Ich faste nach Intervallart, ich darf bis Mittag nichts essen&ldquo;, versuche ich mich in einer weiteren Notl&uuml;ge, lege rasch die zweite Hand auf meinen gegen Lena protestierenden Magen und atme tief in den Bauch hinein und lasse die Luft dreimal so lange wieder hinausstr&ouml;men.<br />Ganz so, wie es mir mein guter Freund Toni, seines Zeichens Barkeeper in der Skybar, beigebracht hat, als ich eines Abends nach meiner emotionalen Scheidung einen heftigen Weinkrampf und nicht enden wollenden Schluckauf an seiner Theke bekommen habe.<br />Ich wiederhole das Ganze noch ein paar Mal und wie immer klappt es und mein Magen beruhigt sich nach wenigen Atemz&uuml;gen.<br />Lena r&auml;uspert sich laut und ich gebe mir einen Ruck. Als Mutter einer kleidungstechnisch immer markenaffiner werdenden Teenager-Tochter kann ich mir den Luxus, eine zahlungskr&auml;ftige Klientin abzulehnen, nicht leisten.<br />Auch wenn mir die attraktive Frau, deren versteinertes Gesicht keinerlei Gef&uuml;hlsregung verr&auml;t, alles andere als sympathisch ist.<br />Was soll&rsquo;s, ich bin alleinerziehend und brauche das Geld.<br />&bdquo;Ich komme morgen zu Ihrer Vernissage, Frau Buchsbaum. Ich w&uuml;rde aber gern eine Begleitung mitnehmen, ich nehme an, das ist m&ouml;glich&ldquo;, sage ich entschlossener, als mir zumute ist.<br />Die linke Augenbraue von Lena Buchsbaum versucht, fragend nach oben zu schnellen, was dank Botox kl&auml;glich misslingt und sehr seltsam aussieht, weil sich ihre Stirn keinen Millimeter bewegt und stattdessen nur ihr linkes Auge etwas hervorquillt.<br />Mit aller Kraft unterdr&uuml;cke ich das aufkeimende Lachen, huste zur Ablenkung in die Serviette und beschlie&szlig;e einmal mehr, in W&uuml;rde zu altern.<br />&bdquo;Ich dachte, Privatdetektivinnen gehen stets allein auf die Pirsch? Ermitteln Sie immer zu zweit in Sachen untreue Ehem&auml;nner, Frau Sauer?&ldquo; Lena tippt mit ihren farblich zum Wein passenden rubinroten Fingern&auml;geln ungeduldig auf die Tischplatte.<br />&bdquo;Wenn es meiner Tarnung dient, nehme ich zu meinen Observierungen manchmal eine gute Freundin mit. &Uuml;blicherweise ermittle ich nachts in Bars oder Hotellobbys, da ist eine allein herumsitzende Frau ziemlich auff&auml;llig&ldquo;, informiere ich sie.<br />Oder wird selbst mit unsittlichen Angeboten &uuml;berh&auml;uft, was mir nicht nur einmal passiert ist. Ich sch&uuml;ttele mich innerlich.<br />&bdquo;Verstehe&ldquo;, schnarrt Lena Buchsbaum. &bdquo;Sie k&ouml;nnen nat&uuml;rlich gern jemand mitnehmen, f&uuml;r diese zweite Person zahle ich aber keinen Cent.&ldquo;<br />Reich und knausrig. Das kenne ich leider zur Gen&uuml;ge.<br />&bdquo;Selbstverst&auml;ndlich bezahlen Sie nur mich, Frau Buchsbaum&ldquo;, versichere ich ihr und bete, dass mein Magen ruhig bleibt.<br />Ich verrechne immer eine Pauschale und in Lena Buchsbaums Fall habe ich spontan beschlossen, genug Spielraum f&uuml;r Schmerzensgeld einzukalkulieren.<br />Lena scheint mit meiner Antwort zufrieden zu sein. Und ich bin froh, dass ich die Wiener A und B Promis, die sich gern auf den Feiern der reichen Unternehmerfamilie Buchsbaum tummeln, die neben dem Caf&eacute; Mozart und dem Caf&eacute; Landtmann noch ein weiteres Kaffeehaus in Salzburg und eine Kaffeer&ouml;sterei am Wiener Stadtrand besitzt, nicht allein verkraften muss.</p> <p>&bdquo;Sehr gut, Frau Sauer, dann sehen wir uns also morgen um achtzehn Uhr. Ich setze Sie gleich auf die G&auml;steliste. Sie und Ihre Begleitperson.&ldquo; Lena Buchsbaum richtet wieder ihren durchdringenden Blick auf mich. &bdquo;Welche weitere Person darf ich denn nun als Ihre Begleitung morgen eintragen, Frau Sauer?&ldquo;<br />&bdquo;Gr&auml;fin Cosima von Waldenstein&ldquo;, sage ich scheinbar beil&auml;ufig und wie immer f&auml;llt die Reaktion entsprechend aus.<br />Lenas blasse Wangen &uuml;berzieht eine pl&ouml;tzlich aufflammende, hektische R&ouml;te und sie mustert mich, als sehe sie mich zum ersten Mal.<br />W&auml;re ich ein Kunstwerk h&auml;tte ich meinen Sch&auml;tzwert durch die Nennung meiner adeligen Begleitung in der letzten Minute verdoppelt.<br />&bdquo;Eine echte Gr&auml;fin, auf meiner Vernissage!&ldquo; Lenas Augen glitzern und ein verhaltenes Strahlen geht &uuml;ber ihr Gesicht.</p> <p>Laut dem &ouml;sterreichischen Adelsaufhebungsgesetz darf sich Cosima nicht mehr offiziell <i>Gr&auml;fin</i> nennen und muss das <i>von</i> weglassen, aber f&uuml;r viele &Ouml;sterreicher ist auch &uuml;ber einhundert Jahre nach dem Ende der Monarchie in &Ouml;sterreich nichts so attraktiv wie eine adelige Abstammung.<br />&bdquo;Hat Frau von Waldenstein nicht auch eine kleine Kunstgalerie hier im Ersten? Vielleicht will sie mich ja ausstellen?&ldquo;</p> <p>Ich zucke bewusst vage mit den Schultern, ich will Lena nicht zu viel Hoffnung machen. Cosimas Fokus liegt zwar auf moderner Kunst und der F&ouml;rderung von talentierten, aufstrebenden K&uuml;nstlerinnen und K&uuml;nstlern, aber ob ihr Lenas Bilder gefallen w&uuml;rden?<br />Ich werfe nochmals einen pr&uuml;fenden Blick auf den Flyer vor mir und sch&uuml;ttele innerlich den Kopf. Auch wenn ich nicht, wie Cosima, Kunstgeschichte studiert habe oder eine Fachfrau f&uuml;r modernde Kunst bin, so fresse ich einen Besen, wenn sie die seltsam anmutenden Klecksbilder von Lena Lotte Buchsbaum ausstellt.<br />Doch die <i>Kaffeehausbesitzergattin</i> sieht ihre Chancen wohl ganz anders. Vergessen scheint der Gedanke an ihren untreuen Ehemann, und ihre gef&auml;hrliche Nebenbuhlerin zu sein. Die zarte Chance, eines Tages ihre bunten Bilder nicht nur dank dem Wohlwollen ihres Mannes in dessen Kaffeeh&auml;usern zu pr&auml;sentieren, sondern eines Tages vielleicht in einer echten Galerie ausstellen zu k&ouml;nnen, wirkt wie ein extra starkes Aufputschmittel auf Lena Buchsbaum.<br />Hektisch winkt sie Kellner Franz zu und informiert ihn, dass meine Konsumation aufs Haus geht und steckt ihm einen F&uuml;nf Euro Schein als Trinkgeld zu, was ihn kurz aus dem Takt zu bringen scheint.<br />&bdquo;Vielen Dank f&uuml;r Ihre Zeit, Frau Sauer.&ldquo; In einer flie&szlig;enden Bewegung schl&uuml;pft sie in ihren Mantel. &bdquo;Dann will ich gleich mal nach Hause fahren und nachsehen, wie weit unsere Mitarbeiter mit dem Verpacken meiner Bilder gekommen sind. Wenn man nicht alles selbst kontrolliert, Sie kennen das sicher. Bis morgen, Frau Sauer, ich freue mich.&ldquo;<br />Beschwingt st&ouml;ckelnd verl&auml;sst sie das Caf&eacute; Mozart und mancher Blick folgt der schlanken, attraktiven Frau im bodenlangen Nerzmantel.<br />Seufzend lehne ich mich zur&uuml;ck und winke meinem Lieblingskellner, der sich diskret zur&uuml;ckgezogen hat, kurz zu.<br />&bdquo;Darf&rsquo;s noch eine Melange sein? Und ein kleines St&uuml;ckerl Sachertorte zur St&auml;rkung? Frau Buchsbaum war heute etwas emotional, wenn ich das anmerken darf.&ldquo; Oberkellner Franz, wie immer im korrekten schwarzen Anzug und dunkler Fliege zum wei&szlig;en Hemd, zwinkert mir kurz zu und ich frage mich, wie viel er wohl von dem Gespr&auml;ch zwischen mir und seiner Chefin <i>rein zuf&auml;llig</i> aufgeschnappt hat.<br />Ich zwinkere zur&uuml;ck, was ihm ein kurzes L&auml;cheln entlockt. Die Wiener Kaffeehauskellner haben zu Recht den Ruf, manchmal etwas spitzz&uuml;ngig und unnahbar zu sein, aber wenn man einmal ihr Herz erobert hat, genie&szlig;t man vollen Service und Ihre charmante Aufmerksamkeit.<br />&bdquo;Eine hervorragende Idee, Franz, danke. Das habe ich mir wirklich verdient.&ldquo;</p> <p>&bdquo;Mit einem kleinen Tupfer Schlagobers?&ldquo;<br />Ich mag seine leicht sonore Stimme.<br />&bdquo;So viel auf den Teller passt&ldquo;, best&auml;tige ich ihm mit einem L&auml;cheln.<br />Mein Blick wandert mit leicht schlechtem Gewissen zu der kleinen Speckrolle &uuml;ber meiner Jeans. Aber was soll&rsquo;s, dann lasse ich heute eben das Mittagessen ausfallen.<br />Erleichtert lehne ich mich in die graublau-gemusterte weich gepolsterte Sitzbank zur&uuml;ck und beobachte das Treiben um mich herum. Die gesch&auml;ftliche Besprechung scheint beendet zu sein. Und auch die &auml;ltere Dame am Nebentisch l&auml;sst sich von Kellner Franz in ihren volumin&ouml;sen, etwas nach Mottenkugeln riechenden Pelzmantel helfen. Sofort wird ihr Platz von einem P&auml;rchen eingenommen, das sich vom armen Kellner Franz die f&uuml;nfzehn verschiedenen Kaffee-Zubereitungsarten von Fiaker bis Einsp&auml;nner auf Englisch erkl&auml;ren l&auml;sst. Wien hat nun mal eine reiche Kaffee-Zubereitungs-Tradition.<br />Ich selbst kann ja Eierlik&ouml;r im Allgemeinen und als Zutat in meinem Kaffee noch viel weniger abgewinnen. Da halte mich lieber an ganz klassische Sorten wie einen <i>Kleinen Braunen</i> oder eine <i>Melange</i>.<br />Ich zwinkere Franz, der noch immer eifrig die Fragen der beiden jungen Amerikaner beantwortet, kurz aufmunternd zu und lasse meinen Blick durch das Caf&eacute; huschen.<br />Die Kronleuchter glitzern und tauchen den wundersch&ouml;nen historischen Raum mit der f&uuml;nf Meter hohen Decke in ein warmes Licht, es riecht nach frischem Kuchen und mein Magen meldet sich wieder, diesmal aber voller Vorfreude auf die Torte.<br />Ich blicke in einen der golden gerahmten etwas altersfleckigen Spiegel an der Wand vis-&agrave;-vis. Und wieder einmal frage ich mich, wie viele Menschen in den letzten hundert Jahren hier gesessen und &uuml;ber ihr Leben philosophiert haben und sich dabei nachdenklich, so wie ich gerade, dabei im Spiegel betrachtet haben. War ihnen bewusst, wie kostbar jeder Moment ist, wie verg&auml;nglich wir sind, und haben sie sich gefragt, warum wir uns manchmal das Leben so unn&ouml;tig schwer machen?<br />Warum m&uuml;ssen Beziehungen so kompliziert sein? Ich versuche die tr&uuml;ben Gedanken abzusch&uuml;tteln. Normalerweise kann ich mich von den Problemen meiner Klientinnen besser abgrenzen, aber Lena hat etwas in mir ber&uuml;hrt und ich frage mich, ob sie wirklich so abgekl&auml;rt ist, oder ob sich hinter der Fassade der berechnenden Ehefrau der es auf den ersten Blick nur ums Geld geht, nicht doch eine zutiefst verletzte Frau versteckt. Eine, die nicht versteht, warum ihr Mann sie, die so sch&ouml;n und so viel j&uuml;nger als er ist, betr&uuml;gt.</p> <p>Das Stimmengewirr der G&auml;ste um mich herum wirkt wie ein sanftes Hintergrundrauschen zu meinen wirbelnden Gedanken und legt sich wie eine sanfte, warme Decke auf meine aufgew&uuml;hlte Seele. Nirgendwo kann man so gut in Gesellschaft und trotzdem allein in Frieden seinen Gedanken und Tr&auml;umen nachh&auml;ngen wie in einem Wiener Kaffeehaus.<br />Die ersten zarten Schneeflocken dieses Winters tanzen vor dem Fenster und wie immer schweift mein Blick von meinem Eckplatz ganz hinten im Caf&eacute; aus dem Fenster &uuml;ber die Stra&szlig;e hin&uuml;ber zur Wiener Staatsoper. Ist es wirklich schon &uuml;ber ein Jahr her, dass ich mit meiner Mutter und der Gr&auml;fin in einem echten Mordfall in der Staatsoper ermittelt habe? Ein eisiges Prickeln wie tausend Nadelstiche l&auml;uft &uuml;ber meinen R&uuml;cken, beim Gedanken daran, wie nah wir dem M&ouml;rder damals gekommen sind.<br />Ein Sonnenstrahl dr&auml;ngt sich mit aller Kraft durch die bleigrauen Wolken und taucht die Szenerie vor dem Fenster f&uuml;r einen Moment in funkelnd-goldenes Licht. Die Schneeflocken tanzen nun dichter im Sonnenschein und mir wird ganz warm ums Herz. Es muss Jahre her sein, dass es das letzte Mal in Wien noch vor Weihnachten so stark geschneit hat.<br />Meist &uuml;berrascht der Schnee Wien immer erst im J&auml;nner, nach den Feiertagen, wenn niemand mehr damit rechnet. In dicken M&auml;nteln und Jacken huschen die Passanten am Fenster entlang, ein Fiaker f&auml;hrt pferdehufklackernd vorbei und ich bin wieder einmal froh, in der sch&ouml;nsten und lebenswertesten Stadt der Welt zu leben.<br />Die leider nicht ganz billig ist.<br />Und darum schlage ich mir, neben meiner T&auml;tigkeit als Sekret&auml;rin in einem Immobilienb&uuml;ro, als nebenberufliche Privatdetektivin die N&auml;chte wegen etwas zu umtriebiger, untreuer M&auml;nner wie Erwin Buchsbaum um die Ohren.<br />Die Wartezeit auf die Torte nutze ich, um eine Nachricht an Cosima zu schreiben, und dr&uuml;cke mir selbst die Daumen, dass sie Zeit und Lust hat, mich morgen zu der Ausstellung zu begleiten.<br />Ich blicke auf die Uhr, hoffentlich kommt die Torte bald, meine vorgezogene Mittagspause ist in einer halben Stunde vorbei und eine Wohnungsbesichtigung gleich um die Ecke in der Mahlerstra&szlig;e steht an.<br />Und als h&auml;tte er meine Gedanken gelesen, stellt Kellner Franz in diesem Moment die Sachertorte mit einer wirklich gigantischen Schlagoberswolke sowie eine weitere Melange mit einer angedeuteten Verbeugung vor mir ab.<br />&bdquo;Guten Appetit w&uuml;nsche ich.&ldquo;<br />Dankbar l&auml;chele ich ihn an und nehme sofort einen Bissen, gefolgt von einer gro&szlig;en Gabel voller wei&szlig;er wattiger Extra-Kalorien und schlie&szlig;e genie&szlig;erisch die Augen.<br />Vergessen sind all meine Sorgen und mein Stress. Es gibt wohl keinen Kummer, den eine wirklich gute Sachertorte nicht sofort heilen kann.</p> <h2>KAPITEL 2</h2> <div class="style_blockquote"> <p>&bdquo;Ich sterbe lieber aus Leidenschaft als aus Langeweile.&ldquo;<br />(Vincent van Gogh, Maler, und Erwin Buchsbaum, Kaffeehausbesitzer)</p> </div> <p>&bdquo;Wo ist denn nun Erwin, der elende Ehebrecher?&ldquo;</p> <p>Wie immer ist Cosimas leicht nasale Stimme klar, deutlich und leider auch etwas zu laut.<br />&bdquo;Pst, Cosima! Ich hatte dich doch gebeten, ihn nicht so zu nennen&ldquo;, zische ich. Hektisch blicke ich mich um, doch der allgemeine L&auml;rmpegel, der bestimmt zweihundert Vernissage-G&auml;ste hat Cosimas Worte zum Gl&uuml;ck ged&auml;mpft.<br />Das Caf&eacute; Mozart, das heute Abend nur f&uuml;r geladene Vernissage-G&auml;ste ge&ouml;ffnet ist, platzt aus allen N&auml;hten und neugierig betrachte ich das hektische Treiben um mich herum.<br />&Uuml;ber den pl&uuml;schigen blau-grauen Sitzgruppen wurden mit Spezialkonstruktionen aus Plexiglas Lenas Bilder mittig auf den Spiegeln drapiert und mit Halogenspots angestrahlt. Die kitschigen, neonbunten Klecksbilder scheinen im grellen Licht f&ouml;rmlich zu gl&uuml;hen und bilden einen harten Kontrast zum stilvollen Interieur des Caf&eacute;s.<br />&bdquo;Die Bilder sollten mit einem Warnhinweis versehen sein. Ich hoffe sehr, dass keine Epileptiker anwesend sind.&ldquo; Cosima verzieht absch&auml;tzig ihre vollen Lippen.<br />Ich gehe auf ihren sp&ouml;ttischen Kommentar nicht ein und lasse meinen Blick weiter durch das Caf&eacute; wandern. Ein Gro&szlig;teil der Sitzm&ouml;bel und Tische in der Raummitte wurde entfernt und bietet nun der ausgelassen feiernden Menge gen&uuml;gend Platz zum Trinken, Tanzen, Essen und nat&uuml;rlich Fachsimpeln.</p> <p>Neben der ausladenden Kuchen- und Tortenvitrine spielt eine Jazzband und die junge S&auml;ngerin im kurzen silbernen Glitzerkleid versucht verzweifelt, mit ihrer rauchig-sch&ouml;nen Stimme gegen den stetig anwachsenden L&auml;rmpegel im Raum anzusingen. Die schwarz-befrackten Catering-Mitarbeiter balancieren auf Silbertabletts kleine appetitlich aussehende Canap&eacute;s und Champagnergl&auml;ser die ihnen aber sofort von der laut feiernden Meute aus den H&auml;nden gerissen werden. Die Kristalll&uuml;ster funkeln, Gel&auml;chter klingt durch den Raum, Gl&auml;ser klirren, die Stimmung ist ausgelassen und der L&auml;rmpegel entsprechend hoch.<br />Also wie man eine gute Party feiert, wissen die Buchbaums.<br />&bdquo;Keine Ahnung, wo Erwin ist, ich kann mit dem bl&ouml;den Ding nicht richtig sehen&ldquo;, beantworte ich endlich Cosimas Frage.<br />Ungeduldig schiebe ich die Stirnfransen meiner Tarnung, einer etwas filzigen schwarzen Langhaarper&uuml;cke zur&uuml;ck, und nehme f&uuml;r einen Moment die rotumrandete Brille ab, die meiner Mutter vor ihrer Augenlaser-OP als Brille diente und immerhin zwei Dioptrien hat. Schon besser, mir war schon etwas schwummrig und endlich kann ich wieder richtig klarsehen.<br />Aber Tarnung ist alles.<br />Wenn ich Erwin Buchsbaum in Zukunft beschatten soll, ist es besser, wenn er sich nicht an meine blonden Locken und gro&szlig;en gr&uuml;nen Augen erinnert.<br />&bdquo;Was f&uuml;r ein Zoo&ldquo;, zische ich in Richtung Cosima und betrachte fasziniert, wie eine Frau im buntgemusterten Kleid sich wie ein Raubtier mit einem gekonnten Satz ein volles Sandwich-Tablett von einem vorbeiflitzenden Kellner schnappt.<br />Cosima wirkt sichtlich indigniert. &bdquo;Schrecklich vulg&auml;r diese Szenerie, und offensichtlich bekommen wir hier nicht einmal etwas zu trinken.&ldquo; Ihre Mundwinkel sind &auml;rgerlich verzogen. Die Stimmung kippt.<br />Cosima ist es gewohnt, hofiert zu werden, aber seit wir vor zehn Minuten im Mozart eingetroffen sind, haben wir zwar einen guten Aussichtspunkt beim Fl&uuml;gel ergattert, sitzen aber leider auf dem Trockenen.<br />Ich f&auml;chele mir mit einem Notenblatt Luft zu. Noch immer str&ouml;men neue G&auml;ste herein und es wird zunehmend stickiger. Eine kleine Erfrischung, zumindest ein Glas Mineralwasser w&auml;re jetzt wirklich gut, ehe mein Kreislauf schlapp macht.<br />Und als h&auml;tte sie uns geh&ouml;rt, taucht pl&ouml;tzlich Lena Buchsbaum mit zwei Gl&auml;sern Champagner auf. Hoffentlich von der guten Sorte. Billigsprudel w&uuml;rde Cosimas Laune n&auml;mlich in Rekordzeit endg&uuml;ltig in den Keller fallen lassen. Da ist sie leider etwas eigen.<br />&bdquo;Frau Sauer, fast h&auml;tte ich sie nicht erkannt, interessante Per&uuml;cke, Modell Ulrike Meinhof? Sie werden doch nichts anstellen?&ldquo;, raunt sie mir zwinkernd zu, ehe sie sich an die eigentliche Person ihres Interesses wendet. &bdquo;Und ich nehme an Frau von Waldenstein?&ldquo; Lenas Stimme ist vor Aufregung eine Oktave nach oben gerutscht und klingt unnat&uuml;rlich hell. &bdquo;Darf ich den Damen eine kleine Erfrischung reichen?&ldquo;<br />&bdquo;Sie d&uuml;rfen.&ldquo; Cosima nickt ihr zu, nimmt mit spitzen Fingern das Glas entgegen und mustert Lena Lotte Buchsbaum dabei aus schmalen Augen wie ein interessantes Objekt.</p> <p>Auch ich greife nach dem Glas und nehme durstig einen etwas zu gro&szlig;en Schluck.<br />&bdquo;Frau von Waldenstein, es ist mir wirklich eine gro&szlig;e Ehre Ihre Bekanntschaft zu machen. Konnten Sie schon einen ersten Blick auf meine Bilder werfen? Ihre Fachmeinung interessiert mich brennend&ldquo;, f&auml;llt Lena mit der T&uuml;r ins Haus.<br />Nerv&ouml;s betrachte ich die sch&ouml;ne Gr&auml;fin die mit ihrem wei&szlig;en figurbetonten Designer-Kleid, ihren klassischen Z&uuml;gen mit den hohen, wie gemei&szlig;elt wirkenden Wangenknochen und ihrer schlanken Gestalt wie ein edler Lipizzaner in einer Box voll l&auml;rmender Zirkusponys wirkt.<br />&bdquo;Ich finde es ebenfalls interessant, Ihre Bekanntschaft zu machen, Frau Buchsbaum. Danke f&uuml;r die Einladung.&ldquo; Huldvoll nickt die Gr&auml;fin Lena zu, ohne auf ihre Frage einzugehen, was diese extrem zu verst&ouml;ren scheint, da ihr linkes Auge schon wieder seltsam zuckt.<br />Kann Cosima nicht irgendetwas Nettes sagen? Eine kleine H&ouml;flichkeitsfloskel w&auml;re jetzt angebracht, schlie&szlig;lich will ich meine neue potenzielle Klientin nicht ver&auml;rgern.<br />Ich r&auml;uspere mich und stupse Cosima leicht an, doch ich ernte keinerlei Reaktion. Sie hat ihren unergr&uuml;ndlichen Blick aufgelegt, der Lena Buchsbaum noch nerv&ouml;ser zu machen scheint, doch zum Gl&uuml;ck werden wir unterbrochen.<br />&bdquo;Na, wen haben wir denn da? Meine sch&ouml;ne Frau, umringt von zwei ebenso h&uuml;bschen Damen!&ldquo; Eine kr&auml;ftige M&auml;nnerhand mit goldenem Siegelring am linken kleinen Finger legt sich plump um Lenas schlanke Taille.<br />Unauff&auml;llig mustere ich den hageren Mann, der der hochgewachsenen Gr&auml;fin nur knapp bis zur Nasenspitze reicht.<br />&bdquo;Darf ich vorstellen, Erwin, mein Mann. Und das sind Gr&auml;fin Cosima C&auml;cilia von Waldenstein und &auml;hm &hellip; Frau Bauer aus meiner Yogagruppe&ldquo;, stellt uns Lena vor.<br />Da hat wohl jemand Cosimas zweiten Vornamen gegoogelt. Gegen meinen Willen bin ich beeindruckt und auch erleichtert, dass sie so geistesgegenw&auml;rtig war und wie wir es besprochen hatten, Erwin nicht meinen richtigen Nachnamen genannt hat.<br />Mein Blick huscht, jedes Detail aufnehmend, &uuml;ber Erwin Buchsbaums sonnengebr&auml;untes Gesicht. Seine f&uuml;nfundsechzig Lebensjahre sieht man ihm zwar an, sogar jedes einzelne davon, aber den vielen Lachf&auml;ltchen um seinen blitzblauen Augen nach, waren es &uuml;berwiegend gute Jahre.<br />Sein kantiges Gesicht wird von einer kr&auml;ftigen, leicht krummen R&ouml;mernase dominiert und das bereits sch&uuml;ttere, f&uuml;r sein Alter aber eindeutig zu blauschwarze Haar ist streng zur&uuml;ckgelt und gl&auml;nzt im Licht der Kronleuchter.<br />An wen erinnert er mich nur? Vage blitzt das Bild eines nicht mehr taufrischen kleinw&uuml;chsigen, italienischen Filmschauspielers auf, den meine Mutter sehr verehrt.<br />Doch stopp, ich sollte aufh&ouml;ren, ihn unn&ouml;tig lange direkt anzustarren. Per&uuml;cke hin oder her, wenn ich ihn zuk&uuml;nftig beschatten soll, soll er sich nicht an mich erinnern.<br />Rasch beende ich meine Musterung, r&uuml;cke meine Brille zurecht, die mir immer auf die Nasenspitze rutscht, und drehe den Kopf leicht zur Seite. Dabei bemerke ich, dass ich gar keine Angst um meine Tarnung haben muss.<br />Ich k&ouml;nnte mich genauso gut nackt auf dem Klavier rekeln, Volkslieder jodeln oder einen rituellen Regentanz auff&uuml;hren, Erwin Buchsbaum w&uuml;rde mich ohnehin nicht bemerken. Fasziniert taxiert sein Blick die sch&ouml;ne Gr&auml;fin, die das Geglotze von Erwin mit stoischer Miene ertr&auml;gt. Ganz im Gegensatz zu seiner Frau.<br />&bdquo;Mund zu, es zieht, Erwin.&ldquo; Lena gibt Erwin einen etwas unsanften Stups in die Rippen.</p> <p>Cosima schenkt Erwin in seinem etwas zu stramm sitzenden, schwarzen Nadelstreifen-Anzug, Marke Mafia Pate, einen absch&auml;tzigen Blick aus katzenschmalen Augen. Einen Blick, der mir immer etwas Angst macht und mich zum Gl&uuml;ck nur selten streift.<br />&bdquo;Sehr erfreut.&ldquo; Cosima nickt Erwin kurz zu und wendet sich dann Lena zu. &bdquo;Aber jetzt entschuldigen Sie uns bitte. Ich wollte Ihrer Gattin gerade ein Feedback zu ihren Bildern geben. Frau Buchsbaum, wollen wir nicht ein paar Schritte gehen? Mich interessiert dieses Werk neben der Kuchenvitrine in Gelb besonders. Das sieht gef&auml;hrlich aus. Was darf ich mir darunter vorstellen? Lassen sie mich raten: Ein explodiertes Kernkraftwerk?&ldquo;<br />Lena Buchsbaum heftet sich sofort erfreut an die Fersen von Cosima, die sich einen sicheren Weg durch die feiernde Menge bahnt.<br />Mist, jetzt bin ich mit dem Pseudo-Italo-Gockel allein, so war das nicht geplant. Mit gesenktem Blick z&auml;hle ich die Blubberbl&auml;schen in meinem Champagnerglas. Smalltalk ist leider &uuml;berhaupt nicht meine St&auml;rke. Ich bin vom Typ her eher die aufmerksame, aber stille Beobachterin und &uuml;berlasse gern den anderen das Wort. Au&szlig;erdem sollte ich jegliches Gespr&auml;ch und weiteren Kontakt mit meinem zuk&uuml;nftigen Observierungsobjekt vermeiden. Auch das hatte ich doch mit Lena im Vorfeld so besprochen.<br />Innerlich betend, dass Erwin endlich geht, lasse ich meinen Kopf gesenkt und atme tief ein. Was ein Fehler war. Denn nun habe ich eine ganze Nase von Erwins penetranten, s&uuml;&szlig;lichen Parfum Marke Macho inhaliert. Meine Nase kitzelt und juckt unangenehm. Ich krame in meiner Tasche nach einem Taschentuch, um mir die Nase zu putzen, und sehe kurz auf. Moment, hat Erwin gerade versucht, der vorbeieilenden Kellnerin einen Klaps auf den Po zu geben? In welchem Jahrhundert lebt der Macho? Ein unsympathischer Zeitgenosse, wie seine Gattin.<br /><i>Eigentlich haben sich die beiden verdient</i>, sinniere ich vor mich hin, w&auml;hrend mir tausend Fragen durch den Kopf schwirren, die ich Erwin nur allzu gern stellen w&uuml;rde. Aber leider ist es wohl besser, zu schweigen, um meine Tarnung nicht zu gef&auml;hrden. Und endlich werden meine Gebete erh&ouml;rt.<br />Nachdem Erwin mich ein letztes Mal kurzobserviert und offensichtlich f&uuml;r nicht beutew&uuml;rdig oder in irgendeiner Form spannend befunden hat, wendet er sich gelangweilt ab und entdeckt prompt neues weibliches Flirtpotential, das er sofort begockeln muss.<br />&bdquo;Entschuldigen Sie Frau Bauer. Ich muss mal eben kurz einige Bekannte begr&uuml;&szlig;en. Viel Spa&szlig; noch, wir sehen uns sp&auml;ter.&ldquo;<br />Mit einem breiten L&auml;cheln eilt er auf eine h&uuml;bsche blonde Dame im kurzen roten Kleid und ihre Freundin zu und dr&uuml;ckt sie &uuml;berschw&auml;nglich an seine schmale Brust, was die beiden zu meiner Verwunderung zu freuen scheint.<br />Erleichtert, Erwin Buchsbaum und seinem aufdringlichen Parfum entkommen zu sein, beobachte ich ihn aus sicherer Entfernung aufmerksam weiter. Und es gibt viel zu sehen. Zwei Gl&auml;ser Champagner sp&auml;ter notiere ich gedanklich, dass Erwin Buchsbaum jede attraktive blonde Frau in seinem Caf&eacute; n&auml;her zu kennen scheint, beziehungsweise wenn nicht, alles Menschenm&ouml;gliche unternimmt, um sie n&auml;her kennenzulernen. Ich verstehe die Bedenken von Lena genau. Diese Charme-Offensive w&uuml;rde wohl jede Frau misstrauisch machen.<br />Doch die gef&auml;hrliche Nebenbuhlerin scheint nicht hier zu sein.<br />Erwins Aufmerksamkeit konzentriert sich n&auml;mlich, soweit ich es von meinem Beobachtungsposten aus sehe, nicht auf eine Einzelperson, sondern gleichm&auml;&szlig;ig auf alle anwesenden Blondinen im Raum, au&szlig;er auf seine Gattin.<br />&bdquo;Ich hoffe, das ist etwas Hochprozentiges.&ldquo; Cosima ist neben mir aufgetaucht, schnappt sich ein Glas vom Tablett eines vorbeieilenden Kellners und kippt die klare Fl&uuml;ssigkeit auf ex hinunter. &bdquo;Was f&uuml;r eine redselige Frau und diese schrille Stimme. Ich glaube, ich bekomme Migr&auml;ne.&ldquo;<br />Die Gr&auml;fin sieht wirklich blass um die Nase aus.<br />Entschlossen stoppe ich einen weiteren Kellner, dr&uuml;cke Cosima ein Glas kalten Champagner in die Hand und schaffe es sogar, zwei Br&ouml;tchen f&uuml;r uns zu ergattern.<br />&bdquo;Bitte sehr, wohl bekomm&rsquo;s.&ldquo; Ich proste ihr zu. &bdquo;Iss erst mal eine Kleinigkeit, dann geht es dir bestimmt gleich besser.&ldquo;</p> <p>Ich blicke auf die Uhr, es ist neunzehn Uhr. Sind wir wirklich erst eine Stunde hier? Gef&uuml;hlt stehe ich hier seit Tagen herum. Doch wie Einstein schon sagte, Zeit ist relativ, und nie vergeht sie langsamer, als wenn man sich langweilt.<br />Geduldig warte ich ein paar Minuten, bis Cosimas Wangen wieder etwas Farbe haben und sie das Br&ouml;tchen verputzt hat, aber dann kann ich meine Neugier nicht mehr bremsen.<br />&bdquo;Sag schon, was meinst du als Fachfrau zu Lenas Bildern, hat sie Talent?&ldquo; Gespannt halte ich die Luft an.<br />Die Gr&auml;fin zieht die linke Oberlippe nach oben, was ich immer heimlich ihr halbes, ver&auml;chtliches, L&auml;cheln nenne.<br />Cosima seufzt schwer. &bdquo;Du kennst mich, ich finde im Prinzip ja jede k&uuml;nstlerische Ausdrucksform charmant. Kunst liegt im Auge des Betrachters.&ldquo; Cosima macht eine kurze Pause und beugt sich n&auml;her an mein Ohr. &bdquo;Aber in diesem Fall kann ich leider nur sagen, ein Affe kann besser malen als unsere liebe Lena Lotte Buchsbaum.&ldquo; Sie hickst verstohlen hinter vorgehaltener Hand.<br />Erleichtert atme ich auf. In Lisa schlummert also wohl doch kein verborgenes Talent und ich habe vor Jahren nicht ein kleines Verm&ouml;gen im Altpapier-Container entsorgt. Au&szlig;erdem w&auml;re die Chance, meine Tochter dazu zu bringen, mal eben f&uuml;r Mami ein neues Bild zu malen, um uns alle reich zu machen, momentan ohnehin gleich null. Denn mein bis vor einem Jahr noch pflegeleichtes Kind, ist mit beiden Fohlenbeinchen und dem einen oder anderen Pickel in ihrem h&uuml;bschen Gesicht hormonell und stimmungstechnisch mitten in der Pubert&auml;t angekommen und hadert mit der Welt im Allgemeinen und mir, ihrer Mutter, im Besonderen.<br />&bdquo;Also ich wei&szlig; nicht, wie es dir geht Cosima, aber ich habe genug gesehen.&ldquo; Ein letztes Mal lasse ich meinen Blick &uuml;ber die feiernde Menschenmenge schweifen.<br />Lena h&auml;lt vor einer interessiert wirkenden Menschentraube Hof und Wortfetzen wie &bdquo;Die Kraft der industriellen Zerst&ouml;rung &hellip;&ldquo;, wehen zu uns her&uuml;ber.<br />&bdquo;Ich habe auch genug von dieser Veranstaltung. Nichts wie weg hier, ehe Lena Lotte mich wieder in eines ihrer, wie sie es nennt, Expertinnen-Gespr&auml;che verwickelt.&ldquo; Cosimas Stimme duldet keinen Widerspruch.<br />Energisch leert sie ihr Glas und wendet sich zum Gehen.<br />&bdquo;Ich muss aber vorher noch kurz auf die Toilette. Dringend!&ldquo; Die drei Gl&auml;ser Champagner dr&uuml;cken auf meine Blase.<br />&bdquo;Ich warte drau&szlig;en auf dich, Samantha. In diesem Irrenhaus halte ich es keine Minute l&auml;nger aus.&ldquo; Cosima schreitet mit weitausholenden Schritten durch die ausgelassen feiernde Menschenmenge, die sich vor der sch&ouml;nen Gr&auml;fin wie das Rote Meer vor Moses teilt, Richtung Ausgang. Cosima hat eine wahnsinnige Pr&auml;senz, um die ich sie sehr beneide.<br />Aber jetzt sollte ich mich wirklich beeilen.<br />Mit flinken Schritten mache ich mich auf den Weg Richtung Toiletten und da sehe ich ihn. Erwin Buchsbaum scheint wohl auch ein dringendes Bed&uuml;rfnis zu haben, denn er eilt flott vor mir den Gang entlang. Doch zu meinem Erstaunen biegt er am Ende des Ganges nicht Richtung der Sanit&auml;ranlagen, sondern nach rechts ab.<br />Ob ich ihm folgen soll?<br /><i>Vielleicht versteckt er hier im hinteren Trakt des Caf&eacute;s in einem der zahlreichen R&auml;ume seine Geliebte?</i> Doch sofort verwerfe ich den Gedanken. Das w&auml;re sogar f&uuml;r einen Frauenheld wie ihn sehr geschmacklos.<br />Meine Blase ist zwar bis zum Zerrei&szlig;en gespannt, aber meine Neugier ist gr&ouml;&szlig;er, ich werde den alten Schweren&ouml;ter kurz-observieren. Erwin, der zum Gl&uuml;ck nicht bemerkt, dass ich ihn verfolge, &ouml;ffnet schwungvoll eine T&uuml;r am Ende des Ganges und erstarrt.<br />&bdquo;Was machen Sie hier? Hatten wir einen Termin? Ich habe Ihnen schon das letzte Mal gesagt, ich verkaufe nicht!&ldquo; Seine Stimme klingt w&uuml;tend und gepresst.</p> <p>Ich pirsche mich leise ein paar Schritte heran und bleibe seitlich versetzt an der offenen T&uuml;r stehen und riskiere einen neugieren Blick.<br />Vor mir liegt ein gro&szlig;z&uuml;gig geschnittener, quadratischer Raum mit schweren, antiken M&ouml;beln und geschmackvollen Gem&auml;lden. Der Raum wird von einem m&auml;chtigen Schreibtisch dominiert und an diesem lehnt, mit dem R&uuml;cken zur T&uuml;r, ein blonder Mann in hellem Leinensakko.<br />&bdquo;Brauchen Sie eine Sondereinladung? Raus hier!&ldquo; Erwin Buchsbaums w&uuml;tende Stimme bricht. Doch noch immer bewegt sich der Mann keinen Millimeter. Ist er taub?<br />Neugierig halte ich die Luft an. Und endlich erhebt sich der Stein des Ansto&szlig;es langsam und dreht sich fast in Zeitlupe zu uns herum.<br />Ich schnappe nach Luft. Wow, so sch&ouml;ne Augen habe ich noch nie gesehen. Was ist das bitte f&uuml;r eine unbeschreibliche Farbe? Saphirblau? Meeresblau? T&uuml;rkisgr&uuml;n? Mir fehlen die Worte.<br />Nein, jetzt habe ich es: Himmelwolkenblau! Ja, Himmelwolkenblau trifft es gut.<br />Moment, was denke ich da?</p> <p><i>Rei&szlig; dich zusammen Samantha, du bist eine monogame Frau in einer Teilzeit-Wochenend-was-auch-immer-Beziehung</i>, rufe ich mich selbst zur Ordnung. <i>Und bestimmt sind das ohnehin nur farbige Kontaktlinsen. So eine Augenfarbe gibt es nur in Chemielaboren.</i><br />&bdquo;Suchen Sie etwas?&ldquo; Die unbeschreiblichen Augen schweifen &uuml;ber Erwins Kopf in Richtung T&uuml;re und richten sich nun fragend auf mich.<br />Ich starre ihn an wie ein Kaninchen die Schlange und bringe keinen Ton heraus. Seine Stimme ist warm und angenehm weich mit leichtem Akzent, den ich nicht zuordnen kann. Sogar seine Stimme ist sch&ouml;n.<br />Erwin Buchsbaum f&auml;hrt erschrocken zu mir herum. &bdquo;Frau &hellip; &auml;hh &hellip; Bauer? Was machen Sie denn hier? Stehen Sie schon l&auml;nger da? Kann ich Ihnen helfen, gn&auml;dige Frau?&ldquo;<br />Er eilt beflissen auf mich zu.<br />Hat er mich jetzt vor dem Blauauge <i>gn&auml;dige Frau</i> genannt? Wie peinlich, das klingt, als w&auml;re ich einhundert Jahre alt. Obwohl &hellip; viel j&uuml;nger sehe ich in meiner seltsamen Verkleidung auch nicht aus.<br />&bdquo;Ich suche die Toiletten und bin wohl falsch abgebogen&ldquo;, sage ich mit belegter Stimme. Hastig schiebe ich meine Brille, die mir zur Nasenspitze hinuntergerutscht ist, wieder an ihren Platz und versuche, mich wie eine erwachsene Frau und nicht wie ein schw&auml;rmender Teenager zu verhalten.<br />&bdquo;Kein Problem. Den Gang wieder hinunter und dann links. Es ist ausgeschildert, aber ich kann Ihnen gern den Weg weisen, Gn&auml;digste.&ldquo;<br />Erstaunt mustere ich Erwin. Was ist denn mit dem los? Warum ist er pl&ouml;tzlich so zuvorkommend zu mir? Irgendwie habe ich den Eindruck, dass es ihm peinlich ist, dass ich seinen emotionalen Auftritt mitbekommen habe, und er mich nun schnellstm&ouml;glich loswerden m&ouml;chte.<br />&bdquo;Danke, sehr nett. Diesmal finde ich bestimmt den Weg.&ldquo; Meine Stimme ist eisig.<br />Glaubt er, ich bin senil? Ich biege diesmal an der richtigen Stelle am Gang ab. Schade, dass ich aufgeflogen bin. Zu gern h&auml;tte ich das weitere Gespr&auml;ch zwischen den beiden ungleichen M&auml;nnern belauscht.<br />Zum Gl&uuml;ck ist die Schlange vor der Toilette nicht sehr lang, denn mittlerweile bin ich mir sicher, dass es mindestens vier Gl&auml;schen Blubberwasser waren.<br />Ich beeile mich danach mit dem H&auml;ndewaschen, nehme die Brille ab, tupfe etwas verlaufene Wimperntusche mit einem Taschentuch von den Augenlidern ab und ziehe meine Lippen nach. Dabei rede ich mir ein, dass es keinen Grund gibt, ein schlechtes Gewissen zu haben, mich f&uuml;r eine potenziell weitere Begegnung mit Blauauge aufzuh&uuml;bschen, obwohl das mit der h&auml;sslichen Per&uuml;cke und der altmodischen Brille ohnehin vergebliche Liebesm&uuml;he ist. Aber einen kurzen Blick in Erwins B&uuml;ro kann ich ja trotzdem auf dem R&uuml;ckweg riskieren.<br />Doch als ich wenige Minuten sp&auml;ter wieder <i>rein zuf&auml;llig</i> falsch abbiege und an Erwin Buchsbaums B&uuml;ro vorbeihusche, ist zu meinem grenzenlosen Bedauern die T&uuml;re fest verschlossen und nur ged&auml;mpft dringen die Stimmen der beiden M&auml;nner nach au&szlig;en.</p>

Erscheint lt. Verlag 19.12.2024
Reihe/Serie Samantha Sauer ermittelt
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
Schlagworte Cosy Crime • Ermittlungen • humorvoll • Mordfall • Privatdetektivin • weibliche Ermittlerin • Wien
ISBN-10 3-98998-541-8 / 3989985418
ISBN-13 978-3-98998-541-4 / 9783989985414
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